Die Passivstrategie


Passivstrategie, das meint vor allem die Anlage in Indexfonds also ETFs. Diese Fonds haben sich aus der Erkenntnis entwickelt, dass aktiv verwaltete Fonds es sehr selten schaffen, besser als der Index abzuschneiden und man doch besser gleich einfach den ganzen Index kaufen sollte. Um das zu vereinfachen wurden die ETFs erfunden, die genau diesen Zweck erfüllen.


Die Passivstrategie, das ist die Lösung für all diejenigen, die entweder zu wenig Zeit haben, um sich um Einzelinvestments zu kümmern oder nicht glauben, dass sie dabei besonders gut abschneiden können. Oder man hat nicht genug Geld zur Verfügung um angemessen in genug Einzelaktien streuen zu können.

Allerdings kann man auch hier die Dinge sehr einfach angehen oder es sehr verkomplizieren.


Worum geht es?


Bei der Passivstrategie investiert man sein Geld nicht in einzelne Aktien, sondern in ETFs. Man kann zum Beispiel einen DAX-ETF kaufen und bekommt dafür im besten Fall einen Korb aus Aktien in der Zusammensetzung, wie sie auch im DAX gewichtet werden. Um jetzt das Ganze etwas zu streuen, nimmt man noch einen ETF vom S&P 500 dazu oder einen MSCI World oder einen der Aktien aus China abbildet. Oder man nimmt einen ETF der Aktien der deutschen Autoindustrie enthält oder IT-Firmen aus den USA. Man muss nur genau hinschauen, was wirklich in den Fonds drin ist und wie die Anlagestrategie aussieht. Der eigenen Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Allerdings: Je exotischer der Markt oder je spezieller die Branche, desto höher sind im Allgemeinen die Gebühren, die man jährlich zahlt.


Wie streuen?


In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, wie jemand, der sich nicht zutraut in Einzelaktien zu investieren, glaubt, beurteilen zu können, in welche Länder oder Branchen er sein Geld investieren will, aber gut. Die meisten werden sich wohl damit begnügen, ihr Geld nach geografischen Gesichtspunkten zu verteilen. Auch wird ja allgemein angeraten (von „den“ Anlageberatern und „den“ Vermögensverwaltern) sein Geld auch anderweitig zu streuen, also nicht alles auf Aktien zu setzen. Letztlich erzielt man auf diese Weise eine Rendite, die derjenigen des gewählten Indexes fast entspricht, abzüglich meist sehr geringer Gebühren und des Spreads zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Grundsätzlich sollte man nur Fonds kaufen, die über die Börse gehandelt werden können und das selbst auch tun. Die Anbieter sorgen in der Regel immer für eine ausreichende Liquidität.


Echte Aktien oder Derivate


Nun gibt es zwei verschiedene Varianten, wie ein ETF konstruiert werden kann. Es gibt beispielsweise ETFs, bei denen man tatsächlich im Besitz der Aktien ist, die dort gekauft werden. Das bedeutet, dass man tatsächlich Aktien und nicht irgendein Derivat einer Fondsgesellschaft besitzt, sondern reales Sachvermögen. Dabei fallen allerdings höhere Handels- und Verwaltunskosten an und letztere gehen natürlich zu Lasten des Fondsbesitzers.

Meistens sind ETFs, die die Wertentwicklung des DAX mit Hilfe von Derivaten abbilden, deshalb etwas günstiger . Hier besitzt der Fondsinhaber keine Aktien, sondern nur Derivate und ist damit Gläubiger einer Bank. Misstrauische Anleger, denen jetzt der Name Lehmann einfällt, werden wissen wo hier der Unterschied liegt. Im Fall der Pleite der Bank ist das Geld futsch, bei realen Aktien hingegen nicht. Es hängt also vom Einzelnen ab, ob er dieses Risiko eingehen möchte oder nicht.


Thesaurierend oder Ausschüttend


Und es gibt noch mehr Unterschiede wie etwa thesaurierende und ausschüttende Fonds. Bei den ersteren werden die Dividenden einbehalten und dem Fondsvermögen zugeschlagen, während bei den anderen die Dividenden in einem bestimmten Rhythmus an die Anleger ausgeschüttet werden. Wer also von seinen Dividenden einen Teil seines Lebensunterhaltes bestreiten will, sollte letztere Variante wählen, ansonsten ist eher die erstere zu empfehlen, denn sie enthebt von der eigenständigen Wiederanlage des ausgeschütteten Geldes.

Aber Vorsicht: Hier verbergen sich oft steuerliche Fallstricke, denn die Dividenden muss man trotzdem versteuern, auch wenn sie thesauriert werden. Und wenn der Fonds dann auch noch im Ausland unterhalten wird und sich um deutsche Steuern nicht kümmert (sogenannte Steuertransparenz), setzt das Finanzamt gerne mal eine pauschale Besteuerung fest und man hat größte Schwierigkeiten das hinterher wieder herauszubekommen. Es hilft also nichts: Genau hinsehen muss man auch bei der Passivanlage in ETFs. Im Zweifelsfall sollte hier ein Fachmann zu Rate gezogen werden oder man investiert in die Fonds, für die bei den deutschen Banken Sparpläne anbieten, da ist man wahrscheinlich auf der sicheren Seite. Letzteres bietet sich ohnehin für die Passivstrategie an. Es sei denn man hat monatlich mehr als 1000 € übrig, dann kann ein regelmäßiger selbst getätigter Nachkauf günstiger sein.


Es ist sowieso sinnvoll bei der Passivstrategie einen regelmäßigen Sparplan aufzustellen, ob jetzt unter Kontrolle der Bank oder selbständig durchgeführt. Man umgeht auf diese Weise auch den Versuch, den Markt timen zu wollen, also zu versuchen die besten Einstiegszeitpunkte selbst zu erkennen. Das funktioniert bei den wenigsten Investoren. Der Vorteil der ETFs ist, dass man viele unterschiedliche Strategien umsetzen kann, ohne gleich ein ganzes Vermögen besitzen zu müssen. Auch die Dividendenstrategie lässt sich mit ETFs abbilden. In der einfachsten Variante kann man das bereits mit wenigen tausend Euro beginnen, wo man mit Aktien noch nicht so richtig anfangen möchte, weil die Streuung zu gering wäre.


Und Nachteile?


Davon gibt es nur wenige. Für den bequemen Anleger, der sich um andere Dinge kümmern möchte als um sein Geld, ist das die ideale Variante. Er spart jeden Monat seine Rate, braucht nicht nachzudenken und kann dann nach 10 Jahren einen Ertrag erwarten der nur geringfügig unter dem des jeweiligen Indexes liegt. Und wenn er nicht ganz viel Pech gehabt hat, dann liegt sein Ertrag über dem von festverzinzlichen Papieren.

Nur eines muss man aushalten und ist da durchaus in der gleichen Situation wie ein Investor in Einzelaktien. Wenn es mal so richtig kracht an der Börse sind ETFs logischerweise genauso betroffen und es ist sehr schwierig für jeden Anleger, das mit anzusehen, ohne in Panik zu verfallen. Selbst Profis haben da ihre Probleme.

Ein weiterer Nachteil ist der, dass man in jedem Index Aktien findet, die man einzeln in gar keinem Fall kaufen würde. Nur ist es leider nicht möglich einen ETF so zu konstruieren, dass er diese Aktien ausschließt. Aber wer aus Prinzip kein Stockpicking betreibt, wird sich damit ja auch abfinden können. Und die Gebühren muss man halt in Kauf nehmen.


Der für mich größte Nachteil ist der, dass man mit ETFs nicht in einzelne Unternehmen investiert, die man ausleuchtet und deren Geschäftsmodell man für gut befindet, sondern in einen anonymen Markt, dem man auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Das ernsthaft miteinander zu vergleichen, ist gar nicht möglich. Es sind einfach zwei komplett unterschiedliche Ansätze.


Wer jetzt aber mehr über das passive Investieren erfahren möchte, der sei auf das folgende Buch verwiesen:

Gerd Kommer: „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“ Campus, 2011.

Das Buch ist nach meinem Geschmack etwas zu sektiererisch geschrieben und mit der Statistikkeule wird versucht den Aktivanleger totzuschlagen. Meine Sache ist es nicht. Aber wer ernsthaft zur Passivanlage neigt, kommt daran wohl nicht vorbei.