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Vorlage Bewertungssystem.xlsx
Microsoft Excel Tabelle 11.6 KB

Bei den Bezügen in der Tabelle müsst ihr übrigens aufpassen, da sind die $-Zeichen drin und das führt bei Verschiebungen zu Falschbezügen. Dann muss man das richtige Feld nochmal eintragen. Die Dollarzeichen sind aber leider notwendig, denn wenn jemand die Tabelle erweitern möchte, kann man die Zellen kopieren und bekommt sofort die richtige Funktion.

 

 

Mein Bewertungsmodell

Ziel des von mir abgeleiteten Bewertungssystems ist der Vergleich wachstumsstarker mit wachstumsschwachen Aktien. Denn es ist bekanntlich schwierig, Aktien mit einem KGV von 25 und einem Wachstum des Gewinns von 10% mit einem Unternehmen zu vergleichen, das vielleicht nur ein Wachstum von 5% erwarten lässt, wofür dann aber auch nur ein KGV von 15 bezahlt wird. In dem das Wachstum des Gewinns in die Bewertung einbezogen wird, lässt sich dieses Problem lösen. Außerdem beziehe ich die Dividende mit ein, die ja bei Auszahlung per Dividendenabschlag vom Kurs abgezogen wird. Da sie ein Teil des Gewinns ist, ist das Ganze betriebswirtschaftlich nicht ganz hasenrein. Doch weil ich weniger an die Theorie als an die Praxis denke, lasse ich diese theoretischen Einwände außen vor.

 

Ich stelle mir also die Frage, wie viele Jahre es dauert, bis der zu erwartende Gewinn plus die ausgezahlte Dividende meinen aktuellen Kaufwert erreicht hat. Das nennt sich auch Paybacktime, frei nach dem Buch von Phil Town: „Erfolgreich anlegen in 8 Schritten“. Mit der Antwort habe ich dann aktuelle Bewertung und Wachstum in einer Zahl zusammengefasst.

 

Die Grenzen

In der Regel kommen dabei Paybackzeiten von 5 bis 14 Jahren heraus und natürlich sagt diese Zahl nichts über die Qualität eines Unternehmens aus, sondern nur wie teuer es ist. Und nur darum geht es. Grundsätzlich gilt: Je riskanter oder zyklischer ein Unternehmen ist, desto niedriger muss auch der Preis sein, den ich zu bezahlen gewillt bin. Auch ist dieses Bewertungssystem nicht besonders gut darin, dividendenstarke mit dividendenlosen Aktien zu vergleichen, denn die Dividenden geben ersteren einen ziemlichen Vorteil. Auf der anderen Seite sollte man von Unternehmen, die keine Dividende zahlen, ein umso stärkeres Wachstum erwarten. Von daher passt es dann doch wieder.

 

Man bekommt eben nicht alle Faktoren in eine Zahl. Wer das versucht, wird sich möglicherweise sicherer fühlen, aber letztlich ist das eine Scheinsicherheit.

 

Und so funktioniert die Rechnung:

Es geht darum, Gewinne pro Aktie und Dividenden aus mehreren Jahren zusammenzuzählen: 

 

Kurs = (EPS1 + Div1) + (EPS2 + Div2) + …

 

Auf der rechten Seite addiert man die Gewinne und die Dividenden der zukünftigen Jahre so lange auf, bis man den Kurswert erreicht hat. Dann zählt man die Zahl der Jahre und das war es. Je kleiner die Anzahl der Jahre ist, desto besser, denn ich bekomme meine Investition schneller zurück. Um die Gewinne konkret zusammen zu rechnen, bildet man eine geometrische Reihe (die Dividenden lasse ich für die Erklärung erst einmal weg):

 

Gesamtgewinn über n Jahre = EPS*q + EPS*q2 + EPS*q3 + + EPS*qn

 

EPS ist der Gewinn im aktuellen Jahr. q ist der Wachstumsfaktor, die zentrale Zahl in der Berechnung, denn dahinter verbirgt sich die Wachstumsprognose für die nächsten Jahre. Sie lässt sich ganz einfach aus der Prozentzahl für das Wachstum bilden, bei 10% Wachstum ist q = 1,10, bei 15% Wachstum wird q zu 1,15 usw. q ist praktisch eine Allzweckwaffe der Finanzmathematik. Für eine Aktie mit einem Gewinn pro Aktie von 8€ in diesem Jahr und einem erwarteten Gewinnwachstum von 10% ergibt sich so z.B. nach drei Jahren:

 

8,8 + 9,368 + 10,648 = 29,128

 

Die Gewinne werden jedes Jahr um 10% erhöht. In der Formel sieht das so aus:

 

8*1,1 + 8*1,12 + 8*1,13 = 29,128

 

Läge der Kurswert nicht höher als 29€ läge die Paybacktime damit bei drei Jahren. Für so eine Reihe gibt es eine schöne mathematische Abkürzung und die macht die Berechnung sehr viel einfacher: (Wie das funktioniert: Bei Wikipedia nach „Geometrische Reihe“ suchen.)

Genauso kann ich mit meiner Dividende verfahren. Dazu muss ich nur das EPS durch die Dividende ersetzen. Alles andere ist identisch. Mein Gesamtgewinn ergibt sich dann aus der Summe der beiden:

Nur ist mein q in der zweiten Hälfte der Formel nicht das Gleiche wie in der ersten, denn ersteres gibt das Gewinnwachstum und das zweite das Dividendenwachstum wieder und die dürfen sich unterscheiden. In Excel sieht die Formel übrigens so aus:

 

=$I6*$F6*((POTENZ($F6;L$5)-1)/($F6-1))+(($G6/100)*$J6)*$H6*((POTENZ($H6;L$5)-1)/($H6-1))

 

(Ich leite die Dividende aus der Dividendenrendite ab, deshalb die kleine Zusatzrechnung.)

 

Die Exceltabelle und eine kleine Gebrauchsanleitung

Die Tabelle ist etwas zu breit, um hier ganz reinzupassen, darum erstens nur ein Auszug und zweitens untereinander dargestellt, was eigentlich nebeneinander gehört. Im oberen Teil sind alle Daten aufgeführt, die für die Rechnung benötigt werden. 

 

19.01.2016

D

E

F

G

H

I

J

Tage

Geschäftsjahr

 

Wachstum

Dividende

Div Wachst.

EPS

Kurs

-0,05

01.01.2016

AT&T

1,05

5,53

1,05

2,7

33,99

-0,56

30.06.2015

Cardinal

1,13

1,93

1,12

5,3

81,24

-0,05

01.01.2016

Cewe

1,10

3,24

1,10

3,4

47,8

 

K

L

M

N

O

P

Q

R

Payback

5

5,5

6

6,5

7

7,5

8

6,5

26,6

29,6

32,7

35,9

39,2

42,5

45,9

7,9

50,0

56,8

64,1

71,8

80,0

88,7

98,0

7,0

33,2

37,5

42,0

46,7

51,6

56,8

62,3

 

 

Der untere Teil (also eigentlich der rechte) ist derjenige, in der die Kalkulation stattfindet. Hier errechnet Excel mit der oben gezeigten Formel die Summe der Gewinne und Dividenden über eine bestimmte Zahl von Jahren. Bei AT&T sind das nach 5 Jahren z.B. hier rot hervorgehoben 26,6. Links daneben, orange hervorgehoben, sucht Excel das richtige Intervall und zeigt es automatisch an. In diesem Fall 6,5 Jahre. Man kann das nachprüfen: der Kurswert von 33,99 liegt zwischen den Werten von 6 und 6,5 Jahren. Meine Sortierungsfunktion nimmt den höheren. Das funktioniert mit der VERWEIS-Funktion und beinhaltet noch eine kleine Datumskorrektur (s. unten). Wenn die notwendigen Daten vorliegen, passiert das alles automatisch und man muss nichts mehr extra eingeben.  

 

Welche Daten werden gebraucht?

Für die Berechnung der Gewinn- und Dividendensumme:

  1. ·         Den Gewinn pro Aktie (hier EPS)
  2. ·         Das geschätzte Wachstum des Gewinns als Wachstumsfaktor
          (also 10% müssen als 1,10 geschrieben werden, 5% als 1,05)
  3. ·         Die Dividendenrendite (Z.B. ist 5,53 die Dividendenrendite von AT&T)
  4. ·         Das angenommene Wachstum der Dividende ebenfalls als Wachstumsfaktor.

Für die Verweisfunktion, die mir die Paybacktime anzeigt brauche ich dann noch:

  • Den aktuellen Kurs
  •  Das Ende des Geschäftsjahres für das verwendete EPS

 

Die Berechnung der Paybacktime in den orangen Zellen, habe ich noch leicht modifiziert. Zwar sucht mir Excel das Intervall richtig raus, gibt aber immer den niedrigeren Wert zurück. Ich will aber den höheren und addiere deshalb nochmals 0,5 dazu. 

 

Die Datumskorrektur

Dazu kommt noch eine Datumskorrektur. Lästigerweise haben viele Unternehmen Geschäftsjahre, die sich nicht an den Kalender halten. Als Beispiel dient in der Tabelle Cardinal Health. Außerdem kommt es zu manchmal recht kräftigen Bewertungsänderungen, wenn man von einem auf das nächste Geschäftsjahr wechselt.

 

Zuerst einmal rechne ich solange mit dem letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr, bis vom aktuell laufenden das zweite Quartal nicht nur beendet ist, sondern auch die Zahlen dafür vorliegen. Dann gehe ich über auf das laufende Geschäftsjahr. Das betrifft im Prinzip alle wesentlichen Daten, also das EPS und die Dividende usw.  Um die oben erwähnten Bewertungsänderungen zu glätten, rechne ich zur Paybacktime den fehlenden Zeitraum des laufenden Geschäftsjahres hinzu oder ziehe z.B. ein viertel Jahr ab, wenn das letzte Geschäftsjahr schon so lange her ist.

 

Ein Beispiel:

 

 

Bei Cardinal Health endet das Geschäftsjahr am 30. Juni, ist also aktuell zur Hälfte rum. Noch gibt es aber keinen Quartalsbericht dazu. Deshalb verbleibe ich bei der Kalkulation bei den Werten vom Geschäftsjahr 14/15, das am 30.06.2015 geendet hat. Meine Paybacktime ist deswegen ein halbes Jahr kürzer, als eigentlich errechnet, denn ein halbes Jahr der "Zukunft" haben wir schon hinter uns. Und diesen Faktor findet ihr diesmal violett hinterlegt in der Spalte Tage (hier: 0,56). Dazu wird jeweils vom heutigen Datum das Datum des Geschäftsjahresendes abgezogen und in einer kleinen Rechnung in ein Bruchteil eines Jahres umgerechnet. Aber damit hat es sich dann endgültig. 

 

Datenquellen

Was ich in der Tabelle natürlich nicht liefern kann, ist eine Datenquelle. Was man braucht und regelmäßig von Hand aktualisieren muss, sind einerseits die Gewinne je Aktie, die Dividende und die zugehörigen Wachstumswerte. Alles andere kann man sich dann mit etwas Geschick in Excel selbst zusammenbasteln und ausrechnen lassen.

 

Aber nicht nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Oft findet man etwa in einem Portal um Sondereffekte bereinigte Daten, in anderen dagegen die bereinigten. Ich nehme soweit möglich letztere, die ich bei US-Werten bei Yahoo (der US-Version) finde. Die Dividende und das geschätzte Wachstum entnehme ich meist den Angaben von Finviz (Vorsicht: Auch die brauchen manchmal etwas Zeit, bis sie Daten aktualisiert haben). Beim Wachstum korrigiere ich dann oft noch ein wenig, richte mich aber im Großen und Ganzen an Finviz aus. Will ich noch weiter in die Zukunft gehende Prognosen, so finde ich die bei 4-Traders, die aber leider nicht bereinigt sind, daher hier aufpassen.

 

Bei deutschen Aktien ist es etwas aufwändiger, hier hat sich für mich Onvista als am verlässlichsten erwiesen. 4-Traders liefert auch Zahlen für kleine deutsche Nebenwerte. Es bleibt aber meist nichts anderes übrig als selbst in den Geschäftsbericht zu schauen und sich selbst ein Bild zu machen. Aber so oft gibt es da ja nichts zu korrigieren, also hält sich der Aufwand in Grenzen, zumal man ja ohnehin bei der Analyse so einiges durcharbeitet, da kann man die Daten für die Rechnung in einem Arbeitsgang gleich mitnehmen. 

 

Bei mir habe ich eine automatische Kursaktualisierung installiert, so dass ich mit den genannten Daten automatisch alle relevanten Kennzahlen in meinem Excelsheet berechnen kann. Die entsprechenden Daten füttern dann wiederum die Felder zur Paybackberechnung, die ich jetzt für euch mit der Hand nachgetragen habe, denn meine Bezüge hätten euch nur wenig genutzt. Letztlich muss ich tatsächlich nur noch gelegentlich die Gewinnzahlen und die Dividenden aktualisieren und bekomme dann alles andere automatisch. Das finde ich inzwischen sehr praktisch.

 

Falls jemand gar nicht klarkommt: Einfach fragen.