Der Eierkrieg oder Keep CALM and go on

Eine der heftigsten Diskussionen um eine Aktie findet bereits seit einigen Monaten in Seeking Alpha um Cal Maine Foods (CALM) statt. Das ist der größte Eierproduzent in den Vereinigten Staaten. Es ist das typische Beispiel für ein sehr zyklisches Produkt, dessen Preisschwankungen fast im Jahrerythmus zwischen Extremwerten schwankt. Mich wundert es immer wieder, wie sehr die Anleger sich dabei von kurzfristigen Sichtweisen leiten lassen. Cal Maine Foods ist für mich das Paradebeispiel eines Zyklikers im Kleinen.

 

 

Wie Eierpreise schwanken können

Zugegebenrmaßen sind die Eierpreise im letzten und diesem Jahr noch extremeren Schwankungen unterworfen, als üblich, was der in den USA ausgebrochenen Vogelgrippe zu verdanken ist. Im Zuge der Grippe wurden viele Hühnerbestände vernichtet, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Das führte dann zu einem hohen Anstieg der Eierpreseise. Anschließend erholten sich die Produzenten schneller als erwartet und die Preise fielen in den Keller.

Die aktuelle Eierschwemme hat die Preise auf einen Tiefststand gebracht. Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, aber diese Entwicklung etwas später erwartet, denn letztlich entspricht diese Entwicklung einem typischen "Schweinezyklus"-Verlauf. Interessanterweise tun viele Kommentatoren jetzt aber so, als ob die Preise auf diesem Stand für immer verharren werden in das werden sie mit Sicherheit nicht. All die Produzenten, die mit hohen Krediten ihre "Herden" aufgestockt haben, werde die ersten sein, die aus dem Markt wieder ausscheiden. Der Markt in den USA ist sehr fragmentiert und auch wenn Cal Maine einen Marktanteil übber 20% hat, ist der Rest auf viele Kleinproduzenten aufgeteilt. Im Gegensatz zum deutschen Milchmarkt, gibt es keine internationale Konkurrenz, so dass die jetzt anstehende Konsolidierung sich direkt auf die Preise auswirken wird.

 

Cash ist das Gebot der Stunde

Um schlechte Zeiten zu überstehen und die hat CALM gerade, braucht es reichlich Cashreserven und auch die hat CALM gerade. Im Zuge der hohen Eierpreise hat sich ein schönes Cashpolster angesammelt, von dem man jetzt zehren kann, denn auch CALM kann bei den aktuellen Preisen nur schwerlich kostendeckend produzieren. Es wird sich aber erst noch zeigen müssen, ob im nächsten Quartal tatsächlich ein Verlust ansteht. Mit Sicherheit aber kann CALM auch eine längere Durststrecke problemlos überstehen und das ist entscheidend in diesem zyklischen Geschäft. Das Management hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es mit solchen Situationen umgehen kann und die Eigenheiten des Geschäfts mit den Eiern kennt. Und eines dürfte klar sein: Im nächsten Jahr ist das alles wieder ganz anders, ein Schweinezyklus halt. Und wenn CALM jetzt gut aufpasst gibt es vielleicht auch wieder einige Produzenten günstig zu kaufen. Auch das zeichnet CALM aus, hier ein gutes Händchen zu besitzen.

 

Warum ich Cal Maine Foods mag

Vor allem wegen der Dividenden und der langfristig ausgelegten Geschäftspolitik. Die Dividendenpolitik ist natürlich nichts für den klassischen Dividendenjäger: In jedem Quartal werden jeweils 30% des Gewinns ausgezahlt und wenn es im nächsten Quartal keinen Gewinn geben wird, gibt es wohl auch keine Dividende. Die war dafür im letzten Jahr umso höher. In Anbetracht des zyklischen Geschäfts ist das aber nur folgerichtig. So kommt das Unternehmen niemals in Gefahr seine Auszahlungsquote über Gebühr zu steigern und dann evtl. in Probleme mit dem Cashbestand zu kommen, den es aber braucht, um Zeiten wie jetzt zu überstehen. Schulden gibt es so gut wie keine und auch daran wird sich nichts ändern. Das Management zeichnet sich durch eine ruhige Hand aus, plant langfristig und kauft auch nicht blind zu, sondern nur wenn es sich lohnt. Die erstaunlich stetige Entwicklung des Unternehmens überrascht, wenn man sich die Preisschwankungen bei Eiern anschaut. Es scheint aber zu funktionieren.

 

Das Geheimnis der Shorts

Kaum ein Unternehmen wird derart intensiv "Geshortet" wie Calm Maine. Verstehen konnte man das ein wenig zu Zeiten der Vogelgrippe und der hohen Eierpreise, als man erwarten konnte, dass die Eierpreise und damit auch die Gewinne des Unternehmens wieder fallen würden. In der aktiellen Situation stellt sich die Lage jedoch genau umgekehrt dar und bei Seeking Alpha herrscht auch in dieser Beziehung eine lebhafte Diskussion. Es geht das Gerücht, dass es vor allem die anderen Eierproduzenten sind, die hier aktiv seien. Grund sei der fehlende Futuresmarkt für Eier, so dass sie Calm Maine shorten, um sich gegen fallende Eierpreise abzusichern. Von diesem Gerücht halte ich allerdings nicht allzuviel, denn das wäre eine ziemlich riskante Wette. Einen Shortsqueeze, auf den ich ja insgeheim gehofft hatte, ist bisher jedoch auch ausgeblieben. Aber vielleicht kommt das ja noch.

 

Und der Brexit?

Politisch werde ich mich dazu nicht äußern. Für uns Investoren wird dies eine politische Börse sein, die aber die sprichwörtlichen kurzen Beine haben wird. Dass die Konkunktur darunter leiden wird, kann schon sein, aber dazu müsste der Austritt erst einmal durchgezogen werden, was ja noch dauern wird. Und dann sieht die Welt schon wieder anders aus. GB wird der große Verlierer sein, das dürfte jedem klar sein, der eins und eins zusammenzählen kann, auch wenn die Prognosen der Austrittsgegner vermutlich ebenso übertrieben waren wie die Hoffnungen der Befürworter. Lustig sind die Kommentare der Leute, die meinen so hätten sie das doch gar nicht gemeint und sie wollten jetzt noch einmal abstimmen ...

Was aus der EU wird? keine Ahnung. Bei unserem aktuellen politischen Personal bin ich da nicht allzu optimistisch, dass da plötzlich langfristige politische Strategien verfolgt werden könnten. Das hat es bisher nicht gegeben und wird sich wohl auch nicht ändern.

 

Halten wir Stockpicker uns also wie gewohnt abseits und beurteilen die Welt aus einer differenzierten Position. Unsere Herausforderung wird es auch weiterhin sein, die Welt so zu sehen wie sie ist und nicht den Mehrheitsmeinungen in Foren, Blogs oder anderen Meinungsseiten hinterher zu laufen. Das ist schwer genug. Eine gute Übung wäre es z.B. jeden Tag ein Argument zu finden, warum wir unsere Lieblingsaktie verkaufen sollten, frei nach Karl Popper, der empfahl sich jeden Tag von einer Lieblingstheorie zu trennen.

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Kommentare: 6
  • #1

    Alexander (Sonntag, 26 Juni 2016 19:58)

    Sehr interessante Geschichte. Laut Yahoo sind fast 50 % vom Freefloat short. Das ist mal eine Hausnummer. Das Tief bei 40 $ könnte halten, da sich ein Miniaufwärtstrend abzeichnen könnte. Sollte es zu einem Shortsqueeze kommen, ist da ganz schön was drinnen und es könnte einige übelst erwischen. Hört sich für einen Dividendeninvestor jetzt verdammt nach einem Trader an, aber ab und an trade ich eben auch. Mein CFD-Konto hat schon sehr gelitten, aber so einen kleinen Zock auf long werde ich wohl machen.

    Danke für den tollen Artikel.

  • #2

    christian (Sonntag, 26 Juni 2016 22:31)

    Sei vorsichtig: Die Shorts gibt es schon seit ein paar Monaten, auch mit dieser Quote. Und seither kein Shortsqueeze. Niemand weiß,was wirklich dahinter steckt. Da würde ich lieber in die Aktie selbst investieren, auch wenn das nicht die ideale Dividendenaktie ist und im nächsten Quartal die Dividende ausfallen sollte. Langfristig rentiert sich das auf alle Fälle.

  • #3

    Schildkröte (Montag, 27 Juni 2016 17:34)

    Hallo Christian,

    danke für das Update zur Eieraktie! Für Dich kommt ein shorten (auch bei höheren Kursen) definitiv nicht in Betracht? Immerhin kennst Du das Unternehmen bzw. dessen Branche gut. Wäre eine kleine (!?) Short-Position (bei einer höheren Bewertung) als riskante Beimischung nicht denkbar? Nutzt CALM seine Cashreserve nur zur Überbrückung der aktuellen Durststrecke oder sind auch (verstärkt) Übernahmen von Wettbewerbern (die gerade über die Wupper gehen) denkbar? Immerhin kann man die Chance ergreifen und seinen Marktanteil weiter ausbauen.

    Tja, der Brexit. Politisch ist da noch nicht das letzte Wort gesprochen. Den Kurssturz am Freitag fand ich übertrieben. Aber auf Wochensicht war dieser Kurssturz eigentlich gar nicht so dolle. In größerem Umfange kamen auch heute wieder Finanzwerte ordentlich unter die Räder. Ich überlege, ob ich meine AXA aufstocke. Im Finanzbereich bin ich darüber hinaus schon bei Goldman Sachs und vor allem bei American Express stark investiert. Übertreiben sollte man es dann doch nicht.

    Gepanzerte Grüße

  • #4

    Christian (Dienstag, 28 Juni 2016 15:09)

    Grundsätzlich habe ich nichts gegen das shorten, aber das gehört für mich in die Abteilung spekulieren oder traden und davon habe ich mich eher verabschiedet.
    Um zu shorten, müsste ich erst einmal meine Bank wechseln, bzw. mir eine suchen, die das zulässt. Mit CFDs shorten ist nicht so prickelnd, erst recht nicht, wenn es sich um kleine Werte handelt. Da brauche ich schon sehr viel Vertrauen zum Emittenten. Davon abgesehen kann man dabei mehr verlieren, als man eingesetzt hat. Und eine Überbewertung kann länger andauern, als einem lieb ist und in der Zeit zahlt man Leihgebüren bzw. bei CFDs Zinsen.

    Zu AXA kann ich nichts sagen, frage mich aber, ob die wirklich besser sind als eine Allianz, zumal du da nicht das Quellensteuertheater hättest?

  • #5

    valuetradeblog (Dienstag, 28 Juni 2016 16:30)

    Nur zur Info: Cal Maine erscheint übrigens auch auf Joel Greenblatts Magical Formular Liste.

  • #6

    Christian (Mittwoch, 29 Juni 2016 11:54)

    Danke für die Info.