SHW, der gefallene Engel

Nach kurzer Pfingstpause geht’s jetzt weiter im Reigen der kleinen deutschen Nebenwerte in meinem Portfolio. Als letzten Kandidat stelle ich euch nun die SHW AG vor, eines der ältesten Industriebetriebe Deutschlands, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1365 zurückverfolgen lässt. Allerdings haben sie damals keine Pumpen oder Bremsscheiben gemacht sondern waren eine Eisenhütte. Produziert wurde z.B. der nebenstehende Kanaldeckel in Tübingen (aus Wikipedia, vielen Dank an den Fotografen). SHW bedeutet nichts anderes als „Schwäbische Hüttenwerke“.

 

Nachdem ich nach Veröffentlichung des Berichtes zum ersten Quartal noch ein bisschen mit dem Unternehmen gehadert habe und über einen Verkauf nachgedacht habe, bleibe ich dieser Aktie treu. Warum, erkläre ich euch hier. 

 

 

Der nächste Autozulieferer

SHW ist nach seiner wechselvollen Geschichte tatsächlich ein fast reinrassiger Autozulieferer und damit nichts für „Antizykliker“. Hauptproduktgruppe sind Pumpen für Treibstoff und Öl sowie Motorenbestandteile drumherum. Etwa ein Viertel des Geschäftes machen die Bremsscheiben aus. Im Bereich der Pumpen geht es um effektive Verbrennung und Steuerung der Verbrennung im Motor. Bei den Bremsscheiben geht es (natürlich neben viele anderen Dingen) aktuell vor allem auch um Gewichtseinsparung. In China hat SHW durch sein Joint Venture in einer Bremsscheibenproduktion einen dicken Fuß in der Tür. SHW verkauft seine Produkte zwar weltweit und hat erst jetzt wieder einen amerikanischen Auftrag an Land gezogen, der Großteil der heimischen Produktion geht jedoch weiterhin nach Deutschland.

 

Im Herbst 2015 musste SHW mehrere heftige Schläge hinnehmen, von denen jeder einzelne gereicht hätte, der Aktie Probleme zu bereiten: Zuerst gab es Probleme mit sehr hohen Kundenabrufen, die die eigenen Produktionsstätten überforderten. Aufträge mussten teuer fremdvergeben werden. Diese Probleme sind übrigens inzwischen behoben (ganz im Gegensatz zu Leoni, die ihre gleichartigen Probleme nicht in den Griff bekommen). Dann fiel ein größerer Auftrag für Pumpen weg und zu guter Letzt rutschte VW in den bekannten Skandal hinein, wobei man wissen muss, dass SHW 40% seines Umsatzes VW verdankt. Letzteres Problem scheint für SHW nun aber das geringste zu sein. Insgesamt sieht es tatsächlich so aus, als ob die Autokäufer vom Dieselskandal relativ unbeeindruckt sind und weiter zukaufen. Ausnahme ist Südamerika, das in der Krise steckt. So berichtet es SHW jedenfalls in seinem Geschäftsbericht.

 

Für 2015 sahen die Zahlen trotz aller Probleme jedenfalls bemerkenswert gut aus. Ich habe hier mal die Übersicht aus dem Geschäftsbericht eingestellt (ich bin zu faul, mir das abzuschreiben und so kann jeder sich das raussuchen, was ihn interessiert):

 

Nun wird aber an der Börse die Zukunft gehandelt und man fragt sich wie es weiter geht. Denn im ersten Quartal musste SHW einen gehörigen (erwarteten) Umsatzrückgang hinnehmen, der auf den weggefallenen Auftrag (s.o.) zurückzuführen ist. Gleichzeitig macht sich aber die Hoffnung breit, dass zusätzliche Aufträge hereingeholt werden können und am erfreulichsten ist, dass die operative Marge verbessert werden konnte. Das Problemkind „Pumpenproduktion“ scheint wieder rund zu laufen. SHW profitiert hier auch davon, dass auch in Europa immer mehr Automatikgetriebe verkauft werden. Alle Voraussetzungen für einen neuen Start sind also gegeben. Den werden wir in diesem Jahr wohl noch nicht sehen, aber für das Jahr 2017 und vor allem für 2018 sieht es dann ziemlich gut aus. Vorausgesetzt natürlich, dass China nicht umfällt, aber für welches Unternehmen gilt dies nicht.

 

Bewertung

Die ist ziemlich schwierig, zumal ich den Prognosen nicht wirklich traue. Auf Grund der jetzt ziemlich guten Aufstellung von SHW sehe ich das Jahr 2017 jedoch ziemlich optimistisch, ohne mich jetzt auf eine Gewinnzahl pro Aktie festlegen zu wollen. Laut  Onvista gehen die Analysten von einem Gewinn von 2,28 für 2016 und 2,48 € im nächsten Jahr aus. Damit stünde das KGV dann bei 10,6, was für einen Autozulieferer ein normaler Wert ist, eher leicht zu hoch. Da erwartet man eher einstellige KGVs. Für 2018 gehen dann die Schätzungen weit auseinander und man kann sie getrost vernachlässigen.

 

Mein entscheidender Punkt ist das Vertrauen in das Management. Das hat sich im letzten Jahr in den Krisenzeiten als verlässlich herausgestellt, Probleme wurden gelöst und mir scheint, dass das Unternehmen jetzt gut aufgestellt ist. Darüber hinaus sollte die Enwicklung auf dem Automarkt SHW in die Hände spielen: Bei allem Hype um die Elektromobilität werden die normalen Benziner und Diesel auch weiterhin den Hauptteil der Motoren stellen. Und die Hersteller werden unter enormen Druck geraten die Emissionen zu senken, zu welchem Zweck High-Tech-Pumpen von SHW ihren Teil beitragen können. Mit diesen Entwicklungen im Hinterkopf kann ich auch weiter mit diesem Unternehmen sehr gut leben, auch wenn es zwischendrin mal wieder kriseln sollte.

 

Sehr angenehm ist die Dividende bei SHW, die in Form von einem Euro je Aktie gerade erst ausgezahlt wurde. Das waren fast 4% Rendite und die kann sich sehen lassen. Trotzdem sitze ich hier auf einem recht dicken Kursverlust. Für 37€ habe ich sie einstmals Ende 2014 gekauft. Anschließend ist der Kurs Achterbahn gefahren und stand auch schon mal bei 20€. Zum Kauf empfehlen kann ich sie nur Investoren, die sich mit dem Unternehmen und dem Geschäft intensiv auseinandergesetzt haben und wissen, was es bedeutet in ein zyklisches Geschäft zu investieren. Wer damit leben kann, für den dürfte die Aktie auch zum aktuellen Preis langfristig gesehen eine Investition lohnen.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 25 Mai 2016 08:04)

    Kaufen, wenn die Kanonen donnern... Das trifft auf diese Aktie wohl zu. Verkaufst Du sie auch, wenn die Violinen spielen? In der Krise wurde ein Verlust ausgewiesen und die Dividende gestrichen. Ansonsten beträgt die Dividende seitdem jedes Jahr konstant 1,00€. Dadurch lässt sich für einen Extrem-Zykliker eine gewisse Planungssicherheit ableiten und zwischenzeitliche Gewitter lassen sich leichter aussitzen. Fundamental wichtiger ist jedoch, dass die Eigenkapitalquote von beängstigenden 13,60% in 2009 auf angemessene 50,44% in 2015 gestiegen sind. Sowohl von der Branche als auch vom Produkt her handelt es sich um ein Onetrickpony. Gibt es hier Tendenzen zu einer Diversifizierung? Wenn schon nicht hinsichtlich der Branche, dann zumindest in Bezug auf weitere Produkte? Macht der Autobauer oder der Konzern VW 40% vom Umsatz aus? Ersteres wäre sehr wohl besorgniserregend, letzteres eher weniger. Bestehen Absichten, den Auslandsanteil auszubauen?

  • #2

    Christian (Donnerstag, 26 Mai 2016 13:12)

    Twotrickpony würde es besser treffen, denn es sind neben den Pumpen ja auch die Bremsscheiben im Spiel. Letztere brauchen auch Elektroautos und Ölpumpen wohl auch. Und solange die Verbrennungstechnik vorherrschend bleibt und sei es als Hybrid, mache ich mir da keine Gedanken. Die Pumpen werden tatsächlich zu einem Teil auch außerhalb der Autobranche verkauft, aber das ist wohl momentan zu vernachlässigen. Momentan liegt der Schwerpunkt des Managements in der Effizienzsteigerung also der Verbesserung der Marge.

    Ob die 40% den Konzern betreffen oder die Marke VW, weiß ich nicht. Wäre in der Tat interessant zu wissen. Mal sehen, ob ich das herausfinden kann.

    Den Auslandsanteil will man definitiv ausbauen. Das wird schon allein das Joint Venture in China bringen, da ist eine Erweiterung zumindest geplant. Noch werden dort nur die einfachen Bremsscheiben gebaut, die High Tech Bremsen noch nicht. Das ist wohl auch eine Sache des Patent bzw. Technologieschutzes. Dazu bemüht man sich auf dem US Markt Fuß zu fassen. Erste Aufträge dort gibt es.

  • #3

    Schildkröte (Donnerstag, 26 Mai 2016 13:59)

    Ein chinesisches Joint Venture bietet sicher Chancen, ist aber auch nicht unriskant. Wer sind denn die wichtigsten Wettbewerber von SHW bzw. wie wettbewerbsintensiv ist die Branche bzw. wie hoch sind die Markteintrittsbarrieren? Denn je besser es sich diesbezüglich verhält, desto leichter lassen sich auch höhere Margen erzielen.