Schweizer Electronic: Noch'n Autozulieferer

Hierein weiterer Blogbeitrag über meine kleinen aber feinen Nebenwerte aus Deutschland und fast unvermeidlich einen Autozulieferer. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die Autozulieferer bzw. die gesamte Branche eher meiden, weil sie zyklisch ist. Letzteres ist wohl kaum von der Hand zu weisen, aber der Teufel - oder sollte man sagen Engel? - liegt im Detail. Viele dieser kleinen Zulieferer weisen Besonderheiten auf, die sie in gewisser Weise von der großen Autokonjunktur abkoppeln können, so wie man es auch bei M.A.X. Automation beobachten kann. Gehen wir also auf die Suche nach besagtem Engel.

 

 

Das Geschäft

Schweizer Electronic baut Leiterplatten. Man mag nun denken, das sei eine Sache, die nicht viel Hightech benötigt und ebenso auch in China produziert werden könnte und generell liegt man damit auch richtig. Allerdings gilt das nicht für die speziellen Leiterplatten von Schweizer, die auf spezielle Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind. In der Autoindustrie sind dies vor allem Systeme, die der sogenannte Hochfrequenztechnik zugehörig sind oder um es für den Laien (also auch für mich) zu übersetzen: Wenn das Auto piepst, weil man beim Einparken dem Nachbarfahrzzeug zu nahe gekommen ist, dann könnte dabei ein Produkt von Schweizer Electronic mit im Spiel sein. Systeme die beim Spurwechsel warnen oder Verkehrsschilder erkennen können, gehören ebenfalls in dieses Segment. Dabei sendet die Platte Radarstrahlen ab, empfängt und interpretiert sie wieder. Der ganze Bereich des automatisierten bzw. halbautomatisierten Fahrens ist ein gigantischer Wachstumsmarkt und wenn Schweizer sich nicht zu dumm anstellt, kann es sein Stückchen vom Kuchen abschneiden.

 

Hier die Einschätzung des Umsatzes auf diesem Gebiet (aus dem GB von Schweizer):

 

Der zweite Bereich ist die Antriebstechnik. Ob letztlich reine Elektromotoren, Hybridmotoren oder was auch immer die Nase vorn haben werden: Die speziell zugeschnittenen Leiterplatten von Schweizer dürften mit dabei sein. Dabei geht es sehr oft darum platzsparende Lösungen zu entwickeln, denn im Motorraum ist nicht viel Platz. Diese Platten müssen ggf. hohe Ströme aushalten und auch Wärme abführen können (z.B. bei den LED Scheinwerfern), also viel mehr als nur A mit B zu verknüpfen. Zukunftsweisend dürfte sich hier auch die Kooperation mit Infineon entwickeln, die seit letztem Jahr 10% der Anteile an Schweizer halten. Dabei geht es um das sogenannte Chip-Embedding, wobei Chips direkt in die Leiterplatten implementiert werden. Das spart viel Platz und vereinfacht die Bauweise nicht nur der Leiterplatte, sondern des gesamten Systems. Das funktioniert natürlich nur, wenn beide Hersteller (Chips und Leiterplatten) eng kooperieren, weshalb die Zusammenarbeit mit Infineon so wichtig ist.

 

Das sogenannte Butter und Brot Geschäft mit den Bestandskunden wird zunehmend aus Asien mit Joint Ventures bearbeitet. Dazu wurden in den letzten jahren reichlich Investitionen getätigt und das Ganze sollte demnächst Früchte tragen.

 

Letztlich ist der Markt, auf dem sich Schweizer bewegt ein echter Wachstumsmarkt, selbst wenn die Autobranche mal wieder schwächeln sollte. Der Trend immer sparsame und leistungsfähigere Antriebe zu entwickeln schreit nach immer mehr elektronischer Steuerung und damit nach den Produkten von Schweizer. Das betrifft nicht nur den Motor, sondern auch Diinge wie den Fensterheber und ähnliches. Dass eine solche Entwicklung nicht von Heute auf Morgen Früchte tragen wird, sondern eine langfristig angelegte Entwicklung ist, liegt auf der Hand.

 

Die Aktie und die Zahlen

Schweizer gehört noch immer zu großen Teilen der Familie Schweizer, die gemeinsam über 50% der Anteile halten. Chefin ist ebenso noch ein Familienmitglied, nämlich Frau Maren Schweizer. Knapp 10% der Anteile hält Infineon, zwischen 4,5-5% jeweils die beiden asiatischen Joint Venture Partner WuS und Meiko. Gerüchte darüber, dass Infineon das Unternehmen übernehmen könnte, gibt es ständig, entbehren aber aktuell noch jeder Grundlage. Rein rechnerisch geht gegen die Familien Schweizer jedenfalls nichts, die müsssten also mitspielen. Aber wer weiß, im Hinterkopf sollte man ein derartiges Szenario sicher behalten, denn das muss nach der neuen Squeeze-out Gesetzgebung für den Kleinaktionär nicht unbedingt von Vorteil sein.

 

Bei der Interpretation der Zahlen hat mir ein Bericht im Nebenwerte Magazin sehr geholfen (ein Printprodukt, das ich allen Interessierten nur wärmstens empfehen kann.) Über die Auswirkungen der Umstellung von HGB auf IFRS Bilanzierung habe ich ja bereits geschrieben. Hauptverursacher für den nunmehr geringeren Gewinn, war wohl ein Brand im Jahr 2005, nach dem viele Maschinen neu anggeschafft werden mussten. Diese dürfen nach HGB zu den alten Anschaffungskosten, müssen nach IFRS jedoch zu den wirklichen (höheren) Anschaffungskosten bilanziert werden. Dementsprechend werden sich die erhöhten Abschreibungen auch noch in diesem Jahr negativ auswirken. In meinen Augen ein lehrreiches Beispiel, wie sehr man auf Faktoren außerhalb der reinen Bilanzierung achten sollte. Zahlen sind eben nicht alles.

 

EBIT und Gewinn pro Aktie haben sich deshalb auch verschlechtert und optisch gesehen ist die Bewertung nun ziemlich sportlich. Das KGV für 2016 dürfte um die 20 liegen. Verbessert hat sich dagegen der Buchwert und damit auch das KBV. Es waren aber nicht nur buchungstechnische Faktoren, auch der starke Dollar und einmalige Personalkosten haben dazu beigetragen, dass sich der Gewinn im letzten Jahr in Grnezen hielt. Dementsprechend wird auch die Dividende nicht erhöht, sondern bei 0,65 € verbleiben.

 

Einschätzung

Schweizer Electronic ist sicher nur was für mutige Investoren. Denn noch rechtfertigen weder der aktuelle noch der prognostizierte Gewinn für 2016 den aktuellen  Kurs. Jedoch stehen meiner Meinung nach alle Signal auf Grün. Dafür sprechen auch die steigenden Autragszahlen, die sich um 25% erhöht haben. Wer Geduld und Risikobewusstsein mitbringt, könnte auf Sicht der nächsten Jahre mit Schweizer gut fahren. Sicherheitsbewusste Anleger können natürlich noch warten, bis sich Erfolge tatsächlich abzeichnen, aber dann könnte es kurstechnisch auch bereits zu spät sein. Ohne Rsiko gibt es nun mal keinen Gewinn. Dass ich das Risiko als recht hoch betrachte, kann man im Übrigen daran ablesen, das Schweizer nur einen sehr kleinen Anteil  an meinem Depot hat.

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Kommentare: 5
  • #1

    Schildkröte (Dienstag, 10 Mai 2016 13:51)

    Danke für die Vorstellung! Dass Du ein Unternehmen (sehr) riskant findest, hast Du so sonst noch nicht betont. Bei einer Marktkapitalisierung von derzeit 69,25 Mio. € wäre es für Infineon zumindest finanziell wohl ein leichtes, Schweizer Electronic komplett zu übernehmen. Wie verhält es sich bei Familie Schweizer mit dem Alter der einzelnen Familienmitglieder? Kann ja sein, dass die nächste Generation vielleicht Kasse macht. Die Gewinne schwanken sehr stark. In der Krise wurden sogar tiefrote Zahlen geschrieben. Das ist nicht verkehrt, solange Umsatzwachstum generiert wird. Die Umsätze haben sich in den letzten Jahren jedoch ebenfalls eher seitwärts bewegt. Die Dividendenrendite erscheint recht attraktiv.

  • #2

    Covacoro (Dienstag, 10 Mai 2016 15:18)

    Ja,ja, die Abschreibungen auf Investitionen- ein unendliches Thema. Bei meiner "Leiterplatten Aktie" AT&S gerade auch sehr relevant.
    Was mich allerdings wundert: bei Anschaffung 2005 sollte bei 10 Jahren Abschreibungszeitraum doch die Belastung jetzt bereits auslaufen? Oder habe ich das nicht richtig verstanden?
    Gruß Covacoro

  • #3

    Christian (Dienstag, 10 Mai 2016 21:04)

    @Schildkröte: Im Register aufgeführt sind zwei Familienzweige. Wie alt die sind und wie viele? Keine Ahnung. Die von Infineon bereits übernommenen 9,7 oder so Prozent entstammten auch den Familien. Der Gewinnrückgang 2014 hat mit den Investitionen in Asien zu tun. Die Details habe ich aber vergessen. Leider habe ich ja nie was über Schweizer geschrieben, dann könnte ich das jetzt einfach nachlesen. Dass die Umsätze nicht so richtig in die Gänge kommen stimmt schon, aber Schweizer insgesamt hat sich auch erst im jahre 2012 so richtig berappelt und vorher war das Thema Leiterplatten in Autos wohl auch noch nicht so en vogue. Inzwischen kann man aber ein schönes Wachstum sehen, auch wenn es immer wieder mal nicht so gute Jahre gibt.

    Riskant bezeichne ich Schweizer, weil es bei solchen Unternehmen immer wieder unvorhergesehene Ereignisse geben kann und je kleiner und spezialisierter, desto mehr. So etwas kann das ergebnis eines Jahres mal eben komplett verhageln. Ich erinnere nur einmal an VW und seine Zulieferergefolgschaft. Glück gehört bei jeder Investition nun einmal immer auch dazu.

    @Covacoro: 2005 war der Brand, angeschafft wurde anscheinend nicht im selben Jahr, sondern etwas später. D.h. wenn 2006 angeschafft wurde, dann wurde 2007 zum ersten Mal abgeschrieben und 2016 dann zum letzten Mal. Daher auch der Hinweis, dass diese Abschreibungen auch in diesem Jahr nochmals das Ergebnis zerhacken werden und zu einem kleinen Teil wohl auch noch 2017. Spätestens dann sollte die Sache aber tatsächlich gegessen sein. Diese Information habe ich übrigens aus dem Nebenwertemagazin übernommen und selbst nicht nachgeprüft. Im GB habe ich das so nicht gefunden oder vielleicht auch überlesen.

  • #4

    Covacoro (Dienstag, 10 Mai 2016 23:00)

    Danke Christian, damit ist Schweizer Electronic wieder ein bißchen interessanter geworden ;-)

  • #5

    Wumbata (Sonntag, 15 Mai 2016 14:42)

    Mit Schweizer Electronic hat sich unter dem 13.05.2016 auch Philipp Haas auf investresearch.net
    beschäftigt.