Nabaltec: Geld verdienen mit Aluminium

Die Struktur links stellt das Kristallgiter von Karborund dar, (geklaut von Wikipedia) Karborund ist nur eines von vielen Modifikationen, die Aluminiumoxide oder -hydroxide einnehmen können, die Stoffe, mit denen Nabaltec sein Geld verdient. Das wird zu zwei Produkten weiterverarbeitet, nämlich um einerseits als flammenhemmennder Füllstoff bei der Kabelherstellung zu dienen oder als Grundstoff bei der Keramikherstellung. Beides klingt langweilig, ist jedoch mit einem hohen Grad an Know how verbunden. Damit nun zum zweiten Unternehmen aus meiner Liste deutscher Nebenwerte.

Wer an dieser Stelle den üblichen Monatsüberblick vermisst: Es ist im April wie im März rein gar nichts passiert. Es gab keine Veränderungen ja noch nicht mal Dividenden, wie immer bei mir im ersten Monat des ersten Quartals.

 

Nabaltec: Das Geschäftsmodell

Was die von Nabaltec hergestellten Produkte hervorhebt, ist zuerst ihre Eigenschaft als halogenfreie (umweltfreundliche) flammhemmende Füllstoffe in elektrischen Anlagen, Leiterplatten, Batterien, Gebäuden etc. zu dienen oder auch als Grundstoff für die keramische Industrie Verwendung zu finden. Das klingt zunächst eher nach Grundstoffchemie, ist aber mit einem hohen Maß an Technologie verbunden, denn die Kunden wünschen ganz spezielle Formen der Oxide bzw. Hydroxide. Und nicht nur durch die Produkte, auch durch die Bedienung von Nischen und speziellen Kundenwünschen hebt sich Nabaltec von der Konkurrenz ab.

 

Für Wachstum wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Geschäft mit Lithiumionenbatterien sorgen, die bekanntlich leicht in Flammen aufgehen können. Aber auch der gesamte weltweite Markt für umweltfreundliche halogenfreie (ohne Brom) flammhemmende Füllstoffe sollte auf Grund steigender Umweltschutzvorschriften Wachstumspotential haben. Die Kabelindustrie ist hier der aktuelle Hauptkunde und letztere erlebt gerade durch den Ausbau der elektrischen Netzwerke eine Sonderkonjunktur. Der Bauboom tut sein Teil dazu. Doch gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Verwendungsmöglichkeiten für die Produkte von Nabaltec, die alle mehr oder weniger zum Umsatz beitragen.

 

Der Bereich der "Funktionalen Füllstoffe", macht mit etwas über 100 Mio. € gut Zweidrittel des Umsatzes aus, die "Technische Keramik" trägt 49 Mio € bei. Letzterer Bereich hatte beim Wachstum im letzten Jahr die Nase vorn.

 

Das Unternehmen

Sitz des Unternehmens ist Schwandorf in Ostbayern (Oberpfalz). Gründer und mit ihren Familien immer noch Hauptaktionäre sind die beiden Familien Witzany und Heckmann, die beide jeweils um die 30% der Aktien besitzen. Knapp 40% ist Freefloat. Erst jetzt gibt Gerhard Witzany altersbedingt sein Amt als Co-Chef auf, das er jahrelang gemeinsam mit seinem Kollegen Johannes Heckmann ausgeübt hat. Letzterer wird jetzt alleiniger Chef und zwei Anwärter aus der nächstniedrigeren Führungsebene werden in den Vorstand aufrücken.

 

Der Umsatz steigt seit Jahren mehr oder weniger kontinuierlich an. 2015 lag er bei 153 Mio. € und wurde mit 442 Mitarbeitern erzielt. 27,7% des Umsatzes entfallen dabei auf Deutschland, 48% auf das restliche Europa, 13% auf die USA und 11% auf den Rest der Welt. Durch das Joint Venture Nashtec in Corpus Christi in den USA, an dem Nabaltec zu 51% beteiligt ist, ist das Unternehmen den Währungsschwankungen nur geringfügig ausgesetzt. Allerdings hat der dortige Hauptlieferant Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet. Zwar läuft das Geschäft weiter, aber Komplikationen sind dort nicht auszuschließen.

 

Insgesamt ist das Geschäft durchaus zyklisch, 2009 gab es einen dicken Verlust und die zuvor gehypte Aktie stürzte ab. 2012 schwächelte das Geschäft ebenfalls, allerdings aus anderen Gründen. Jedoch konnten die Gewinn- bzw. Umsatzdellen immer wieder schnell aufgeholt werden. Momentan ist Nabaltec kräftig am Investieren und hat 2015 seine Investitionen von 8 auf 12 Mio. Euro hochgefahren. Hoffen wir, dass dem in den nächsten Jahren eine entsprechende Rendite gegenüberstehen wird.

 

Zahlen und Bewertungen

Gekauft habe ich Nabaltec Mitte 2013. Damals befand sich das Unternehmen in einer Art Mini Turnaround Situation, weil 2012 der Umsatz und der Gewinn gesunken waren. Seither hat sich der Gewinn pro Aktie um das Zweineinhalbfache erhöht und lag 2015 bei 0,84 € je Aktie. Das sind 0,15 € mehr als noch 2014, was einem Gewinnwachstum von über 21% entspricht. Gleichzeitig wuchs der Umsatz um fast 7%. Die Analysten erwarten für 2016 einen Gewinn von 1,08 €,  was aber angesichts der Entwicklungen in den USA (besagte Insolvenz des Zulieferers) auf etwas wackligen Beinen steht. Das Unternehmen selbst will in dieser Situation gar keine Prognose abgeben und gibt sich gewohnt vorsichtig. Bezogen auf die 1,08 € liegt das das KGV für 2016 bei 12,8. Unter Einbezug des erwarteten Gewinnwachstum von über 20% ist das wohl nicht zuviel.

 

In Bezug auf die Dividende ist die Geschäftsführung gewohnt geizig, das Geld soll lieber investiert werden, als dass hohe Dividenden ausgeschüttet werden. Also gibt es auch in diesem Jahr nur 0,15€, nach 0,12€ im letzten Jahr. Das sind gerade mal um die 1% Dividendenrendite.

 

Ob Nabaltec zu den aktuellen Kursen ein Kauf ist, muss jeder selbst entscheiden. Ich halte den aktuellen Preis für einigermaßen günstig. Mir gefälllt die langfristige Ausrichtung des Geschäftes und werde investiert bleiben. Jedenfalls gilt bei Nabaltec wie auch bei allen anderen deutschen Nebenwerten ebenso: Das Unternehmen muss man beobachten und kann es nicht einfach so im Depot liegen lassen. Aber auch aus steuerlichen Gesichtspunkten wäre ein Verkauf für mich gerade ziemlich unsinnig.

 

Aus irgendeinem mir nicht mehr zu erschließenden Grund war Nabaltec mal ein ziemlicher Modewert (lange her). Hoffen wir, dass das nicht noch einmal passiert, denn mir reicht schon die aktuelle Volatilität der Aktie. Die hat es wirklich in sich, also nichts für schwache Nerven.

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Kommentare: 2
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 04 Mai 2016 22:43)

    http://www.ariva.de/fundamentaldaten/kompakt.m?secu=100058757

    Hallo Christian,

    danke für die Vorstellung! Das Geschäftsmodell klingt sehr speziell. Wer sind die wichtigsten Wettbewerber? Wenn man sich die obigen Kompaktzahlen seit 2007 anschaut, scheinen die Umsätze bis aufs Krisenjahr kontinuierlich zu wachsen, die Gewinne schwanken jedoch. Woran liegt das? Wird mitunter viel investiert? Wird Wachstum organisch generiert oder wächst man auch durch Übernahmen? Die Dividende wurde nach der Krise ausgesetzt und erst vorletztes Jahr erstmalig wieder bezahlt. Dafür dass das KGV in den letzten Jahren recht hoch war, scheint die Aktie gerade fair bewertet zu sein. Der langfristige Chartverlauf ist ja schon ein wenig (?) volatil. Wo siehst Du Nabaltec in 10 Jahren?

    Gepanzerte Grüße

  • #2

    Christian (Sonntag, 08 Mai 2016)

    Hi Schildkröte,

    eentschuldige bitte die verspätete Antwort, aber ich war die letztenTage nicht im Netz.

    Wer die wichtigsten Wettbewerber sind,habe ich nicht herausfinden können. Es gibt da so ein paar Mittelständler, wenn man nach den Produkten sucht, aber über die erfährt man naturgemäß wenig. Möglichrweise hat auch BASF oder einer der anderen Großen Entsprechendes im Programm, aber das weiß ich nicht.

    2012 hat Nabaltec seine Effizienz verbessert, was wohl mit höheren Kosten verbunden war. Investiert wird bei Nabaltec immer viel, aber es wird auch immer viel vom Gewinn als Gewinnrücklage gebunkert, was bei der eher bescheidenen Eigenkapitalquote von knapp 30% auch gar nicht so verkehrt ist. Übernahmen gab es meines Wissens zuletzt keine, das Wachstum ist also organisch.

    Nabaltec wird kurstechnisch weiterhin Achterbahn fahren, soviel ist klar, aber so richtig stört mich das nicht. Wenn es mal wieder stark nach oben gehen sollte, würde ich auch verkaufen, bzw. Teile davon wie ich es schon früher gemacht habe. 10 Jahre sind mir zu lang, 5 Jahre finde ich eher machbar und bis dahin wird Nabaltec jedenfalls seine Wettbewerbsposiotion nicht eingebüßt haben. Mal sehen was passiert, wenn die beiden Gründer dann endgültig die Kontrolle abgeben, vielleicht ist Nabaltec dann sogar ein Übernahmekandidat. Das sehe ich aber erst nach frühestens 5 Jahren.

    Einen schönen Sonntag noch,
    Christian