Die Kleinen: M.A.X. Automation

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Blog, beginne ich jetzt mit einer kleinen Serie über die kleineren deutschen Unternehmen in meinem Depot. Den Start macht M.A.X. Automation, aus dem einfachen Grund, weil hier der Geschäftsbericht 2015 schon raus ist. In Kürze werden Nabaltec und Schweizer Electronic folgen, vielleicht auch SHW, deren Geschäftsbericht ebenfalls schon im März erschienen ist, deren Bericht zum 1. Quartal am 3. Mai herauskommt und den ich noch abwarten will. Aber starten wir nun mit MAX, die sich dadurch auszeichneten, dass sie im letzten Quartal 2015 entgegen dem allgemeinen Trend einen schönen Gewinnzuwachs hinlegten.

 

Geschäftsmodell

Das letzte Jahr war für MAX Automation mit vielerlei Um- und Aufräumen verbunden. Nun gibt es einen neuen Chef, der lange angestrebte Verkauf von BTD ist über die Bühne und die Besitzverhältnisse nach der Überschreitung der 30% Schwelle durch die Günther Gruppe vorerst geklärt. Auch dass das Unternehmen nun im Prime Standard notiert wird, sorgt für mehr Vertrauen. Aber fangen wir vorne an: Wie verdient MAX sein Geld?

 

Mit seiner Holdingstruktur und seiner Handvoll Tochterunternehmen ähnelt MAX in gewisser Weise Unternehmen wie Indus oder Gesco, fokussiert sich aber gezielt auf eine Branche, nämlich die Automatisierung. Genauer gesagt geht es um den klassischen Maschinenbau, mit Fokus auf Prozessverbesserungen und speziell auch auf Flexibilisierungen in der Produktion. Ausnahme ist die Vecoplan, die sich im Bereich Holzverarbeitung und Recycling hervortut. Vecoplan macht grob 30% des Umsatzes aus. Die zweite Firma aus dem Bereich Umwelttechnik wurde wie geplant im Dezember verkauft.

 

Was sie genau die einzelnen Unternehmen machen, steht ganz gut auf der Unternehmensseite beschrieben. Wie in Deutschland fast unumgänglich ist die Autoindustrie ein wichtiger Kunde. Die Autoindustrie steht für ca. die Hälfte des Umsatzes. Solche Holdings sind nur schwer zu analysieren, da sie sehr heterogen sind und man sich im Prinzip jedes einzelne Tochterunternehmen en Detail anschauen müsste. Das würde hier aber den Rahmen sprengen. Für MAX spricht, dass der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr um 7% zulegen konnte. Offenbar kann sich das Unternehmen der aktuell eher vorherrschenden Stagnation entziehen. Interessant sind auch die kleinen Meldungen auf der Website, speziell die über Produktneuheiten.

 

In den vergangenen Jahren war die Geschichte des Unternehmens eher wechselhaft, es scheint sich jetzt aber auf eine Strategie „geeinigt“ zu haben, was nicht zuletzt wohl auf den Einstieg der Günther Gruppe zurückzuführen ist, die inzwischen über 30% der Aktien besitzen. Zuletzt gelang es im Dezember 2015, BTD zu verkaufen, die vom Geschäftsfeld nicht mehr ins Portfolio passten. Auch haben wir einen neuen Chef, der lange Jahre im Maschinen- und Anlagenbau vorweisen kann. Die aktuelle Sau, die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 durchs Dorf getrieben wird, kann MAX dabei nur behilflich sein, zumal das Unternehmen mit sehr konkreten Produkten punkten kann. MAX ist eine Wette auf den Erfolg der kleinen spezialisierten Unternehmen in der Holding und mir scheint es, dass diese Wette durchaus aufgehen kann.

 

Einschätzung und Aussichten

Die Prognosen der Analysten sehen ganz gut aus: Nach 0,40 € Gewinn pro Aktie im letzten Jahr, sagen sie für 2016 0,55 € voraus. (Solche Zahlen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn auch in 2015 lagen die Analysten ziemlich daneben.) Als Dividende werden 0,15 € vorgeschlagen, was aktuell (Kurs knapp 6 €) 2,5% Rendite entspricht. Laut Geschäftsbericht ist zukünftig eine Dividende von 40% des Gewinns geplant (so macht es z.B. auch Gesco). Damit dürfte in Zukunft eine Dividende in Richtung der 0,20€ nicht abwegig sein. Für 2016 liegt das KGV bei 10,8, die Eigenkapitalrendite bei ca. 10%. Mit einer Eigenkapitalquote von 37% ist die Verschuldung nicht zu hoch.

 

Viel hängt natürlich von der allgemeinen Entwicklung im Maschinenbau ab. Auch wenn die Auftragseingänge um die besagten 7% anstiegen, so ist der Auftragsbestand etwas gesunken. Offenbar gelang es MAX  im letzten Quartal viele Aufträge endgültig abzuwickeln. Das Book to Bill Verhältnis liegt bei 0.95 (Vorjahr 0,97), wobei der Verkauf von BTD im Dezember die Interpretation etwas schwierig macht. Letztlich scheint sich aber herumgesprochen zu haben, dass sich MAX entgegen dem Trend behaupten konnte, denn nach dem Tiefpunkt im Herbst, hat sich der Kurs schön erholt.

 

Zum Schluss also noch ein kleiner Chart (Quelle Finanzen.net). Mein Kauf fand übrigens im Juli letzten Jahres statt  und wie man sieht musste ich zwischzeitlich durch ein Tal der Tränen. Den Artikel zum Kauf findet ihr hier.

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Arthur (Dienstag, 26 April 2016 14:06)

    Hallo Christian,

    danke für die Einschätzung. Ich hab mir das Unternehmen letztens auch genauer angeschaut. Gemessen an seinem Wert ist das Unternehmen natürlich saugünstig bewertet (KBV 0,57). Ich habe deinen älteren Artikel nur kurz überflogen, aber was mir vor allem Sorgen macht, ist, dass der Umsatz zwar gehörig gesteigert werden konnte, aber der Gewinn dafür nicht. Vielleicht hast du da mehr Informationen zu.

    Jedenfalls sieht es mit der Gesundheit nicht mehr so ganz rosig aus. Vor allem die EK Quote hat ja in den letzen Jahren massiv eingebüßt. Aber sie steigt ja wieder.


  • #2

    Christian (Dienstag, 26 April 2016 15:05)

    Hallo Arthur, ich weiß jetzt nicht genau, worauf du dich beziehst, aber ich versuche mal eine Antwort:

    Das KBV ist glaube ich nicht so günstig, mein Wert liegt bei 1,45 für 2015. Da hast du irgendwo eine falsche Zahl gefunden.

    Ansonsten erklärt sich bei MAX vieles aus der recht bewegten Geschichte. Eine kontinuierliche Entwicklung kann man da nicht erkennen. Das hat sich erste seit dem Einkauf der Günther Gruppe geändert. In einem Kommentar hat das Michael Kissig zu meinem älteren Artikel ganz gut erläutert. Ansonsten zitiere ich aus meiner Antwort ebenfalls aus den Kommentaren:

    "Zur Vergangenheit: Ich glaube ich hatte irgendwo erwähnt, dass man das aktuelle Unternehmen nicht mit dem vor ein zwei Jahren vergleichen kann. Allein der Zukauf von AIM 2013 hat das Unternehmen komplett umgeworfen, letztes Jahr wurde ein größeres Tochterunternehmen verkauft. Die haben einfach über lange Jahre rumgeeiert, gekauft und verkauft, ohne dass eine echte Strategie sichtbar war. Durch den neuen großen Ankeraktionär hat sich das komplett gewandelt und die ersten Früchte werden jetzt sichtbar. In gewisser Weise ist das Unternehmen ein Turnaroundkandidat, der aber das Hoffnungsstadium schon hinter sich hat. Der Auftragseingang und die Gewinnentwicklung sprechen da eigentlich für sich."

    Gruß
    Christian

  • #3

    Arthur (Dienstag, 26 April 2016 15:47)

    KBV ist täglich auf 2015 Basis.

    Danke für die Antwort aus den Kommentaren. Bei der Gewinnentwicklung bin ich aber noch etwas skeptisch. Grund vor allem das aktuelle Jahr. Auf jedenfall behalte ich das Unternehmen aber im Auge.

  • #4

    Schildkröte (Donnerstag, 28 April 2016 17:32)

    Im Vergleich zu Indus ist die Anzahl der ausstehenden Aktien in den letzten Jahren konstant geblieben, es findet also keine Aktienverwässerung statt. Wie Cancom hat Indus nämlich zahlreiche neue Aktien ausgegeben, so dass Anleger (bisher?) nichts vom Wachstum hatten. GESCO gibt nur moderat neue Aktien aus.

    Will den M. A. X. Automation organisch wachsen oder sind (vereinzelt oder verstärkt) Übernahmen geplant?

    Während Indus ein Gemischtwarenladen ist (kann man schon von Überdiversifikation sprechen?), ist GESCO sehr fokussiert auf Maschinenbau und Kunststofftechnik. Dafür sind die Abnehmerbranchen gut (?) diversifiziert. Am stärksten sticht der Automobilbau mit rund 25% hervor. Fährt M. A. X. Automation mit gut 50% nicht einen ganz schön heißen Reifen? Immerhin ist der Automobilbau sehr zyklisch. Leider sind die historischen Daten wie bereits erläutert nur bedingt aussagekräftig. Wie verhält es sich mit der Standhaftigkeit bzw. der Robustheit in der nächsten Krise?

  • #5

    Schildkröte (Donnerstag, 28 April 2016 17:35)

    Ach ja, plant die Günther-Gruppe den Erwerb weiterer Aktien oder vielleicht sogar eine komplette Übernahme bzw. hat man sich zu den Erwartungen hinsichtlich Wachstum, Profitabilität etc. geäußert?

  • #6

    Christian (Freitag, 29 April 2016 09:37)

    Die 40-50% liegen wohl inder Natur der Sache, denn kaum eine Branche hat mehr Interesse an der Automation als die Autoindustrie und der damit verbundenen Zuliefererbranche. Ich habe auch kein Problem an einem gewissen zyklischen Anteil im Depot, warum nicht, man muss halt nur die Volatilität aushalten und Bewertungen realistisch einschätzen. Durch die Krisen muss man durch und kann dann nachkaufen, wenn man sich traut.

    Dass MAX sich von der allgemeinen Entwicklung im Automarkt absetzen kann, hat ja die Börse wohl gerade erst entdeckt. Das halte ich für ein sehr gutes Zeichen. Außerdem mag ich den Maschinenbau im weiteren Sinne grundsätzlich, den man aber leider nur sehr selten günstig kaufen kann.

    Zukäufe soll es durchaus geben, aber nicht aus Prinzip, wie bei Indus oder Gesco, sondern es muss schon ins Programm (Automatisierung) passen. Und ob die Günther Gruppe mehr Anteile übernehmen will, weiß niemand. Sie haben ja nach ihrem pro Forma Pflichtangebot, als sie die 30% Schwelle überschritten hatten, mehr oder weniger freie Bahn. Das muss man beobachten.

  • #7

    Schildkröte (Samstag, 30 April 2016 11:48)

    Danke für Deine Antwort! Richtig, Indus und GESCO kaufen systematisch hinzu. Meist, wenn ein mittelständischer Unternehmer keinen Nachfolger (in der Familie) findet.GESCO geht dabei sehr konservativ vor. Vielleicht schon zu konservativ? Der Verschuldungsgrad lag zuletzt bei 1,7 und 2006 sowie 2007, also kurz vor Ausbruch der Krise, wurden gar keine Unternehmen übernommen. Wie verhält sich M. A. X. Automation diesbezüglich? Achtet man bei Übernahmen auf einen angemessenen Preis oder ist man ggf. auch dazu bereit, tiefer in die Tasche zu greifen, wenn das Unternehmen gut ins Portefeuille passt?