CPSI nach der Fusion

Gerne würde ich hier schon heute die Zahlen von CEWE besprechen, aber da dauert es noch ein paar Tage bis zum Geschäftsbericht. Ebenso in meinem Fokus ist Nabaltec, die irgendwie ein Schattendasein an der Börse führen. Da dauert es aber noch bis Ende April, bis endlich der Bericht kommt.

 

CPSI war schneller, wobei ich hier momentan nur wenig auf die Zahlen schaue, denn das Jahr 2015 war das Jahr vor der Fusion mit Healthland. Mir ist klar, dass sich hier in Deutschland nicht viele finden werden, die sich für dieses Unternehmen interessieren, nicht nur weil es einfach zu klein ist, sondern auch weil es einigermaßen kompliziert ist, die Sachlage auseinander zu dröseln. Auch ich habe bei der ersten Einschätzung im letzten Jahr Fehler gemacht. Trotzdem ist es inzwischen meine zweitgrößte Position und ich denke, das spricht für sich. Deshalb hier noch einmal eine genauere und aktualisierte Beschreibung  des Geschäfts-modells (ältere Artikel findet ihr hier, hier, hier und hier):

 

 

Das Geschäft

CPSI ist eine Softwarefirma. Das Kerngeschäft bestand lange Jahre vor allem darin, kleineren Krankenhäusern Softwarepakete zu verkaufen, mit denen diese ihre Patientenverwaltung etc. vereinfachen konnten. Ein deutsches Pendant ist etwa Nexus, das vielleicht für den einen oder anderen eines näheren Blickes würdig wäre (die bessere Firma ID Berlin ist leider in Privatbesitz). CPSI konzentriert sich im Gegensatz zu Nexus auf die kleineren Krankenhäuser, was den Vorteil hat, dass dort die Konkurrenz geringer ist, speziell auch nach der Übernahme von Healthland. Für die größeren Softwarehäuser lohnt es sich bisher nicht, in diesen Markt einzusteigen und die Systeme der größeren sind für die kleineren Spitäler zu aufwendig und zu teuer. Mit der Zeit ist es aber immer wichtiger geworden, bereits implementierte Systeme zu warten und darüber hinaus gehen viele kleine Hospitäler dazu über, ihre Verwaltung mehr oder weniger stark auszusourcen. Daraus ergaben sich neue Geschäftsfelder, die aktuell diejenigen sind, die am stärksten wachsen. Um diese Aufgaben zu bewältigen hat CPSI inzwischen 5 Geschäftsbereiche:

 

Evident

Dieser Bereich wurde erst vor einem Jahr als eigenständig abgespalten und umfasst den klassischen Systemverkauf. Diese werden als EHRs bezeichnet (Electronic Health Recording). Davon hat CPSI lange Jahre gut gelebt. Dabei handelt es sich meistens um einmalige Geschäfte, auch wenn diese später logischerweise weiterhin "Pflege" brauchen. Der Verkauf von ganzen Systemen hat im letzten Jahr stark gelitten. Grund war einerseits eine Veränderung in der Gesetzgebung, aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle (s.u.).

 

TruBrigde

Die oben beschriebene Pflege der Systeme wurde bereits vor längerer Zeit in diese Tochter ausgelagert. Dabei unterhält und pflegt TruBrigde nicht nur die selbst installierten Systeme, sondern auch Systeme anderer Hersteller. Wesentlicher Wachstumstreiber bei CPSI ist ein eher neues Geschäftsfeld: Dabei werden Managementaufgaben der Hospitäler von CPSI direkt übernommen. Dieser Bereich wächst sehr stark und wer hier an das Stichwort "Cloud" (in Form von SaaS) denkt, liegt nicht ganz falsch. Nicht zu unterschätzen ist die Funktion von TruBrigde als Marketinginstrument für die anderen Geschäftsbereiche. Dieser Bereich wächst stark und dürfte in Zukunft zum wichtigsten Geschäftsfeld für CPSI werden, speziell mit der Neuerwerbung Rycan (s. unten).

 

Healthland

Dieser Bereich ist neu dazu gekommen. Um die Fusion so einfach wie möglich zu machen, wurden die alten Strukturen nicht aufgelöst und in CPSI integriert, sondern bleiben eigenständig mit dem alten Management an der Spitze, wobei die Vorbesitzer teils mit Aktien bezahlt wurden und nun auch im Board (Aufsichtsrat) sitzen, bzw. selbst ihre alten Funktionen weiterhin wahrnehmen. Healthland selbst verkauft ebenfalls Systeme (genannt Centric), die geplant für die nächsten Jahre neben den CPSI eigenen herlaufen werden. Da beide Systeme auf Java laufen, ist es theoretisch immerhin möglich, sich hier langsam anzunähern, ob nun geplant und sinnvoll oder nicht. Andererseits sprechen beide Systeme unterschiedliche Kundenwünsche an. Wie lange diese Parallelstrukturen aufrecht erhalten werden ist noch nicht entschieden, gesprochen wurde von einer Mindestlaufzeit von 7 Jahren.

 

AHT

Auch dieser Bereich entstammt der Neuerwerbung und ist als Geschäftsfeld für CPSI etwas Neues. Hier geht es darum auch Einrichtungen außerhalb des Akutbereiches, also der Hospitäler, mit Software zu "versorgen". Dabei handelt es sich unter anderem um Pflegeeinrichtungen, sowohl mit eigenen Betten, als auch für solche, die die Leute zu Hause versorgen sowie um Arztpraxen.

 

Rycan

Das ist so ein bisschen der Edelstein bei Haelthland, den diese selbst erst kurz vorher eingekauft hatten. Rycan bietet vor allem Hilfe bei der korrekten und vor allem rechtzeitigen Rechnungsstellung an, dem Revenue Cycle Management. Nachdem auch in den USA die Codierung von Krankheiten und Behandlungen nach ICD10* Einzug gehalten hat und der Rechnungsbetrag von der korrekten Codierung abhängt, ist es gerade für kleinere Spitäler schwierig geworden, Fehler bei der Rechnungsstellung zu vermeiden. Dazu kommt, dass als Zahler letztlich staatliche Organisationen hinten dran stehen, die es gerne genau nehmen und schauen, ob es überhaupt eine Berechtigung für diese oder jene Behandlung gab. Die Systeme von Rycan starten in dem Moment, wenn der Patient einen Termin vereinbart und sind erst dann fertig, wenn die Rechnung bezahlt ist. Dieser Prozess bereitet vielen Spitälern erhebliche Bauchschmerzen und Fehler können sehr teuer werden. Eine Vernetzung bzw. spätere Fusion von Rycan mit TruBrigde ist angedacht.

 

*ICD 10: Grob gesagt: Jede Behandlung hat eine Nummer, was sich einfach anhört aber furchtbar kompliziert werden kann, wenn es etwa bestimmte Komplikationen gab oder Begleiterkrankungen auftreten. Das hat dann teils erhebliche Auswirkungen auf die Kosten und auf den Rechnungsbetrag. Man findet diese Nummer übrigens auch auf der Krankschreibung vom Arzt. 

 

Die Welt der kleinen Hospitäler in den USA

Der Kundenkreis von CPSI findet sich in den kleinen Hospitälern in den USA mit weniger als 300 Betten, wobei der Löwenanteil bei denjenigen liegt, die 100 Betten oder weniger haben. Aber auch größere Arztpraxen und neuerdings Pflegeeinrichtungen gehören dazu. Insgesamt gibt es in den USA 4100 Hospitäler mit 300 oder weniger Betten und davon haben 2600 weniger als 100 Betten. Das ist der Kernmarkt von CPSI.

 

Diese Hospitäler leben vor allem von Zuwendungen aus den öffentlichen Gesundheitsprogrammen Medicaid und Medicare. Ersteres finanziert die Gesundheitsversorgung ärmerer Menschen, wobei dies in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich gehandhabt wird, während Medicare sich um die älteren (aber auch um die Behinderten) kümmert. In den USA hat jeder Bürger über 67 Jahren Anspruch auf Leistungen aus Medicare (dafür würden hierzulande ältere Privatversicherte ihre Großmutter verkaufen). Obamacare (bzw. der Affordable Care Act, ACA) hat die Lage dieser Hospitäler verändert. Einerseits ist die Zahl der potentiellen Patienten speziell in Medicaid gestiegen, andererseits versucht man durch Sparanstrengungen, die Kosten dafür im Rahmen zu halten. Das bedeutet für die Hospitäler, zwar ein paar mehr Patienten zu bekommen die dann auch zahlen, andererseits aber pro Patient weniger einzunehmen.

 

CPSI und die US-Gesundheitslandschaft

Die Gesundheitsausgaben in den USA sollen gemäß einer Einschätzung des "Centers for Medicare and Medicaid Services" um 5,8% pro Jahr steigen (weshalb es für mich grundsätzlich eine gute Idee ist, hier zu investieren, nicht nur in CPSI). Der Anteil am BIP wird dann von 17,4% in 2013 auf 19,6% in 2024 anwachsen. Die Statistik gibt es hier zu lesen. Für den Bereich der Krankenhäuser, der für CPSI entscheidend ist, wird ein Wachstum von 6,1% pro Jahr angenommen, inklusive einer Verschiebung von weniger in bar zahlenden Patienten zu einem größeren Anteil von Medicaid und Medicare (wegen Obamacare, bzw. ACA).

 

Die Anforderungen an die Krankenhäuser in den USA steigen momentan stark an. Das staatlich verteilte Geld über Medicaid und Medicare steigt zwar, gleichzeitig werden aber viele Leistungen zurückgefahren, um die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Das bedeutet für die kleinen Krankenhäuser (und für die großen natürlich auch), dass sie effizienter werden müssen, andererseits aber auch oft nur schwer in der Lage sind, die dazu notwendigen Investitionen zu stemmen, weil die finanziellen Mittel fehlen. Um letzteren Impact etwas auszuhebeln, gibt es bei CPSI seit kurzem eine Art Bezahlprogramm. Wie das genau aussieht, wurde allerdings nicht beschrieben.

 

Die "Rural Hospitals" haben oft einen gewissen genossenschaftlichen Touch und werden auch häufig von den Kommunen selbst betrieben, weil es sonst gerade in den dünn besiedelten Gebieten schwierig ist, die Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten. Der Ärztemangel in diesen Gebieten, wie er auch bei uns zu beobachten ist, ist dort längst Realität. Die neuen Anforderungen von Obamacare sind hoch, aber viel stärker hat die kleineren Spitäler und damit einhergehend auch CPSI  ein Gesetz von 2009 getroffen ("ARRA" American Recovery and Reinvestment Act), das die landesweite Einführung von kompatiblen EHRs (Electronic Health Recording) vorsieht, also die elektronische Erfassung aller Patientendaten. Die damit verbundenen Anforderungen sind gerade für die kleineren Spitäler oft nur schwer zu  erfüllen. Das Ganze (genannt "Meaningful Use") wird in drei Stufen eingeführt, wobei die Dritte erst nächstes Jahr starten wird.

 

CPSI: Wie geht es weiter

Einerseits hat dieses Gesetz (ARRA) zu einem Nachfrageschub nach den Systemen von CPSI geführt, andererseits hat es kurzfristig eine Regeländerung gegeben, die CPSI im letzten Jahr stark zu schaffen gemacht hat. Die Spitäler sollten ursprünglich über drei Monate nachweisen, dass ihr System funktioniert, was dann aber auf ein Jahr verlängert, angesichts eines kleineren Aufstandes im letzten Oktober wieder zurück auf drei Monate gesetzt wurde. (Irgendiwe ist das in den USA nicht anders als hier). Die Verlängerung hat dafür gesorgt, dass viele Krankenhäuser ihre Pläne, ein neues EHR einzuführen, erst einmal gestoppt haben. Die Annahme, dass sich der Systemverkauf danach wieder normalisiert, hat sich aber leider dann doch nicht bewahrheitet, was vor allem daran liegt, dass die Sache (sprich Stufe 2 von Meaningful Use) vorerst gegessen ist und zweitens viele sich scheuen, ihre alten Systeme auszuwechseln, auch wenn sie damit nicht zufrieden sind. Der Aufwand dafür ist einfach zu groß, wobei dieser akute Nachteil langfristig CPSI in die Karten spielen wird.

 

Grundsätzlich sehe ich die Zukunft von CPSI weniger in den direkten Verkäufen von Softwarepaketen (Systemsales), als in der Pflege von bestehenden Systemen und dem Servicebereich. Letzterer wächst stark und beinhaltet wie bereits oben beschrieben quasi eine Art Outsorcing von Mangementaufgaben. Zunehmend dürfte die Steuerung der IT direkt von CPSI aus passieren (das genannte SaaS Modell), wozu mit Rycan auch der Bereich Revenue Cycle Management gekommen ist. Hier bestehen noch große Marketingchancen durch den Verkauf z.B. der Rycantools an Hospitäler, die bereits ein EHR von CPSI haben.

 

Dieses Geschäft ist auf Grund des großen Aufwandes, der mit dem Wechsel des Anbieters für die Spitäler verbunden ist, sehr stabil und kaum krisenanfällig. Ein ähnlicher Trend, weg von Einmalverkäufen hin zu dauerhaften Servicemodellen (ob nun SaaS oder in anderer Form), ist ja in der gesamten Softwareindustrie zu beobachten. Als Zukuftsmarkt ist hier außerdem das Datamining, sprich die Auswertung der Patientendaten für die verschiedensten Zwecke, anzusprechen. Wenn es CPSI gelingt, sich hier einen treuen Kundenstamm aufzubauen und zu pflegen, dann steht einer profitablen Zukunft als guter Dividendenzahler nichts im Wege.

 

Zum Schluss dann noch ein Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht, der zeigt, wie stark sich die Geschäftsfelder (CPSI allein, noch ohne Healthland) entwickelt haben:

 

 

System Sales: Einmalige Verkäufe von Softwarepaketen,  also EHRs, der wie man sieht stark zurückgegangen ist, was aber mit den genannten Sondereffekten zu tun hatte. Der Trend insgesamt ist aber auch ohne dies leicht negativ. Man sollte sich hier in Zukunft keine Sprünge erwarten.

 

Support: Unterhalt und Wartung bestehender Systeme. Dieser Teil wächst nur langsam und ist an die Systeme gekoppelt.

 

Business Management ... : Der wachstumsträchige Teil, der nach meinem Dafürhalten in den nächsten Jahren das Geschäft dominieren wird.

 

Damit ist mit CPSI hier im Blog erst einmal Schluss, jedenfalls solange, bis belastbare Zahlen über das vergrößerte Unternehmen vorliegen. Ihr dürft also aufatmen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Schildkröte (Montag, 21 März 2016 21:51)

    Hallo Christian,

    vielen Dank für diesen überaus ausführlichen und äußerst aufschlussreichen Artikel! Man sieht, dass Du Dich sehr intensiv mit Deinen Unternehmen beschäftigst. Inhaltlich kann ich dem kaum was hinzufügen. Nach einer möglichen Übernahme von CPSI habe ich, glaube ich, schonmal an früherer Stelle gefragt. Immerhin ist das Unternehmen mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 606,69 Mio. € ja nicht besonders groß und wäre somit "leichte Beute". Des Weiteren weist Dein Beitrag erneut darauf hin, wie sehr das Gesundheitswesen allgemein von staatlichen Zuwendungen abhängig ist. Zwar ist das Gesundheitswesen erstmal konjunkturunabhängig. Wenn es allerdings mal zu einer Rezession kommt, sinken laut Lehrbuch die Steuereinnahmen, so dass Staaten dann nicht selten dazu gezwungen sind, im Gesundheitswesen Einsparungen vorzunehmen, was sich auf Gesundheitsunternehmen entspr. negativ auswirken kann.

    Gepanzerte Grüße

  • #2

    Christian (Mittwoch, 23 März 2016 13:05)

    Momentan wird ja bei den maßgeblichen öffentlichen Programmen im Deatil gespart, weil man sie auf mehr Personen als vorher ausweiten will (Obamacare). Das ist für die Krankenhäuser teils gut, teils schlecht, das kommt sehr auf den Einzelfall an. Auch vorher schon haben Krankenhäuser dafür Zuschüsse bekommen, dass sie nichtversicherte Leute behandelt haben. CPSI hängt ja nicht direkt von den öffentlichen Zuwendungen ab, nur indirekt und dann kann ein gewisser Sparzwang sogar gut sein, weil dann evtl. schneller in ein effektiveres IT-System investiert wird. Der Knackpunkt ist dann nur noch, ob das Krankenhaus überhaupt das Geld dazu hat, weshalb sich CPSI auch an ein Finanzierungsangebot heranwagt.