Dr. Hönle oder der Wert von Prognosen

Für diese alte Druckmaschine, braucht man sicher keine Trocknungsanlagen. Bei großen Druckereien mit ordentlich Durchsatz ist das aber anders: Je schneller die Sachen trocknen, desto höher ist das Drucktempo. State of the Art sind hier die neuen UV-LEDs von Dr. Hönle, die zunehmende Verbreitung erfahren und die dazu beigetragen haben, dass der Geschäftsberreich "Geräte und Anlagen" zuletzt stark wachsen konnte. Dagegen hat der von mir noch im letzten Jahr (hier) als "Star" betitelte Bereich "Klebstoffe" Federn lassen müssen. So schnell kann man sich irren - oder doch nicht? Vielleicht sollte man dann doch nicht allzu schnelle Schlüsse aus Quartalsergebnissen ziehen.

 

 

Was ist Dr. Hönle

Für alle, die sich nicht erinnern: Dr Hönle arbeitet in den Bereichen UV und Infrarot Technik. Hergestellt werden Strahler, etwa zur Beschleunigung von Trocknungsvorgängen und die entsprechenden Maschinen dazu, die vor allem in der Druckindustrie eingesetzt werden. Als zweites werden Klebstoffe hergestellt, die mit Hilfe von UV Strahlung ebenfalls besonders schnell trocknen und etwa bei der Smartphoneproduktion Verwendung finden. Als Drittes stellt Dr. Hönle Quarzglas und zugehörige Srahler her. Das alles klingt nach Hightech und ist es auch. Wer es genauer wissen will schaue auf die Website des Unternehmens, eine genaue Besprechung würde zu einem mehrseitigen Artikel führen. Wer über einzelnen Produkte mehr wissen will, muss sich jedoch durch die Seiten der Tochterunternehmen durchklicken (speziell Panacol und Raesch).

 

Unerwartetes, Verzögerungen und eine Überraschung

Es war so schön: Bei meiner ersten Analyse von Dr. Hönle hier im Blog habe ich mir eine "Geschichte" erzählt, schön plausibel, logisch aufgebaut und einsichtig. Nur leider hält sich die Wirklichkeit selten an solche Geschichten. Wie sich die drei Bereiche von Dr. Hönle entwickeln würden schien sonnenklar: Der Bereich Geräte und Anlagen sollte als Cashcow stabile aber nur schwach wachsende Erträge liefern, der Bereich Klebstoffe stark wachsen und der Bereich Glas/Strahler erstmals Gewinne erwirtschaften. Wie man in der Grafik unten sieht, hat sich keine der drei Prognosen bewahrheitet:

Grafik aus dem Quartalsbericht von Dr. Hönle (1. Quartal des GJ 2015/16) Nachzulesen hier

 

Als Apple seine Produktion von Smartphones erstmals in seiner Geschichte zurückfahren musste, hat sich das sofort auf die Klebstoffsparte niedergeschlagen. Gleichzeitig hat die Sparte Geräte und Anlagen auf Grund der boomenden Internetdruckereien und der Einführung der neuen sehr effektiven UV-LEDs einen Gewinnsprung hinlegen können, der ebenfalls so nicht erwartet worden war. Zuletzt kam es bei dem als "Fragezeichen" bezeichneten Bereich Glas und Strahler, der unter erheblichen technischen Problemen gelitten hatte, zu erneuten Verzögerungen bei der Umsetzung der Maßnahmen. Nun wird erst im jetzt laufenden Quartal mit einer Erreichnung der Gewinnzone gerechnet.

 

Beurteilung

Das Unternehmen selbst ist sehr vorsichtig bei seinen Prognosen und stellt für dieses Jahr stagnierende Gewinne in Aussicht. Im laufenden Quartal soll sich jedenfalls noch nichts Signifikantes ändern. Für das zweite Halbjahr (Achtung das GJ endet bei Dr. Hönle im Oktober) wird auf Grund der dann erfolgenden Modellwechsel bei den Smartphones wieder mit steigenden Umsätzen in der Klebstoffsparte gerechnet. Inzwischen wurde auch eine Niederlassung in Südkorea eröffnet, was mittelfristig ebenfalls zu steigenden Verkäufen führen dürfte.

 

Die erneuerten Quarzöfen der Raeschgruppe konnten noch nicht in Betrieb genommen werden, was aber endgültig in diesem Quartal erfolgen soll. Immerhin stehen die Auftraggeber Schlange, so dass man "nur" noch die Produktion rentabel umsetzen muss.

 

Das Geschäft mit den Druckereien dürfte weiter gutes Geld abwerfen, wobei der diesmalige steile Gewinnanstieg auch mit dem Abbau von Vorräten zu tun hatte. Aktuell wird in eine neue Fertigungslinie investiert, in der die neuen UV-LED Trocknungsgeräte produziert werden sollen.

 

Letztlich war das Quartal sicher nicht das, was man erwarten durfte, jedoch sehe ich die weitere Entwicklung des Unternehmens positiv. Wenn man den zyklischen Charakter des Geschäftes berücksichtigt und in Kauf nimmt, dass es in Konjunkturschwächen immer wieder zu Gewinn- bzw. Umsatzdellen kommt, fährt man auf lange Sicht mit diesem Unternehmen sicherlich sehr gut.  Dass das Management eine gute Arbeit macht, hat es, mit Ausnahme des Debakels bei der Übernahme der Raeschgruppe, seit langer Zeit bewiesen. Im Gegensatz zu anderen Investoren finde ich auch die Kommunikation gut, man muss nur genau lesen, was in den Berichten steht, dann erfährt man sehr viel. Wer nur das liest, was der eigenen Meinung oder besser gesagt Erwartung entspricht, wird sich natürlich getäuscht fühlen. Aber dafür kann das Unternehmen dann nichts.

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Kommentare: 4
  • #1

    Schildkröte (Dienstag, 08 März 2016 15:07)

    Hallo Christian!

    Hm, wie sagte einst Kostolany: Gedanken steht für eines der vier Gs. Klar, man kann und muss sich auch mal irren. Wichtig ist, dass man sich ständig hinterfragt. Nur so kann man sich weiterentwickeln. Wer hingegen nicht in der Lage ist, Gedanken (nicht nur) in Bezug auf ein Investment zu entwickeln, sollte besser bei Fonds/ETFs bleiben.

    Die Marktkapitalisierung von Dr. Hönle liegt lediglich bei 130,92 Mio. €. Im Bereich Klebstoffe ist Henkel Marktführer und auch 3M ist hier sehr stark vertreten. Beiersdorf/tesa sei ebenfalls genannt. Wie groß ist der Marktanteil von Dr. Hönle im Klebstoffbereich allgemein und im Bereich Smartphones speziell?

    Das Umsatzwachstum ist beachtlich. Schwankende EPS sind wohl Sondereffekten wie z. B. Übernahmen geschuldet? Während der Krise rutschte man 2009 in die roten Zahlen. Wie robust ist Dr. Hönle auf die nächste Krise vorbereitet?

    Gepanzerte Grüße

  • #2

    Christian (Dienstag, 08 März 2016 16:08)

    Hi Schildkröte,

    zu den Klebern ist Hönle erst mit dem Kauf von Panacol 2008 gekommen. Das erstreckt sich nur auf einen ganz speziellen Bereich, nämlich auf Kleber, die mit UV Strahlung getrocknet bzw. gehärtet werden und speziell auch (aber nicht nur) in elektronischen Bauteilen angewendet werden. Gegen Wale wie Henkel oder 3M ist das eine Sardelle. Diese Kleber haben ganz spezielle Eigenschaften und können auch in elektrisch leitender Form hergestellt werden, so dass sie als Leiter genutzt werden können. Hauptkunde momentan ist wohl tatsächlich Apple, wo sie bei der Smartphoneherstellung Verwendung finden. Allerdings hält sich Hönle in der Beziehung vornehm mit Informationen zurück.

    Dr. Hönle kauft gerne mal zu und mit Ausnahme der Raeschgruppe haben sie dabei auch immer ein glückliches Händchen gehabt. 2008 kam neben Panacol auch noch zwei weitere Firmen hinzu, die im Druckbereich unterwegs waren und sind. Das kannst du ganz gut am Umsatz und der Beschäftigtenzahl sehen, die sich damals verdoppelt hat. Ob jetzt der Verlust 2009 damit zu tun hatte, weiß ich nicht und habe es auch nicht nachgeprüft. 2011 gab es dann weitere Zukäufe in anderen Bereichen (Wasserentkeimung und Sonnensimulation).

    Finanziell gesehen ist Dr. Hönle stabil genug. Die Eigenkapitalquote liegt bei 65%, wovon aber ein Drittel als Firmenwerte (Goodwill) beziffert werden. Die Firmenwerte beziffern sich insgesamt auf 18 Mio, wovon der problematischen Raeschgruppe rund 10 Mio. zugeordnet werden. Böse könnte es werden, wenn da etwas außerplanmäßig was abgeschrieben werden müsste. Und diese Gefahr besteht durchaus, auch wenn das eigentlich schon längst hätte passieren müssen (spätestens im letzten Jahr).
    Den kurz- und langfristigen Schulden in Höhe von 33 Millionen stehen kurzfristige Vermögenswerte von 49 Mio Euro gegenüber, wovon 7,5 Mio liquide Mittel sind. Damit lässt sich durchaus auch mal ein Verlustjahr überstehen. In der Beziehung habe ich keine Bedenken.

  • #3

    Covacoro (Donnerstag, 10 März 2016 22:09)

    Pingback: http://www.covacoro.de/2016/03/10/3-1-5-der-andere-wochenr%C3%BCckblick-kw10-16/

    Interessant, wie sich Dein Artikel und derjenige von Michael Kissig ergänzen.

  • #4

    Christian (Freitag, 11 März 2016 13:46)

    Hab ich auch schon gedacht, aber da ich ja nur berichtet habe und nicht wild rumhandle, passt das schon noch. Im Prinzip gebe ich Michael recht, aber zu einem eisernen Prinzip sollte man das auch nicht machen. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Sonst hätte ich auch AAP nicht verkaufen dürften und das hätte ich bereut. Meistens ist aber der Quartalsbericht nur der letzte Anstoß und die Gründe liegen tiefer. Daher immer differenzieren.