Autoteilehändler in den USA

Diesmal stelle ich die größten Kunden von Dorman Products vor, die großen Spieler im sogenannten "Aftermarket" in den USA. Die Branche ist deswegen interessant, weil sie wie auch Dorman konjunkturunabhängig ist. Im Gegenteil: Wer wenig Geld hat, repariert lieber seine alte Karre einmal mehr, als sich eine neue zu kaufen. Auf der anderen Seite ist der Markt sehr wettbewerbsintensiv, wobei man sagen muss, dass die Großen offenbar Anteile auf Kosten der Kleineren gewinnen können. Und es sind die Großen für die wir uns hier interessieren. Genau genommen 4 Stück: Advanced Auto Parts (AAP),  AutoZone (AZO), O'Reilly Automotive (ORLY) und Genuine Parts (GPC).

 

In aller Kürze: Was die 4 verbindet und unterscheidet

Reinrassige Autoteilehändler sind eigentlich nur die ersten drei. Genuine Parts fällt da schon wieder heraus, denn das Unternehmen hat einen hohen Anteil an zyklischem  Ersatzteilhandel für die Industrie und sogenanneten "Office Products", mit einem Anteil von fast der Hälfte des Umsatzes. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider, denn beim Wachstum ist GPC das Schlusslicht der vier. Dafür gilt die Unternehmenstochter NAPA, als qualitativ bestes Autoteileunternehmen, sofern man denn den Internetkommentaren glauben darf, während die anderen den Wettbewerb eher über den Preis ausfechten. Aber erst einmal ein paar Zahlen (diesmal von Yahoo, die nach meiner Erfahrung am schnellsten bei der Aktualisierung sind):

 

 

AAP

AZO

ORLY

GPC

Umsatz (Mrd. USD)

9,78

10,31

7,97

15,3

PE 2015

19,2

21,7

28,6

19,7

PE2016

16,7

19,2

24,7

19,2

Schulden/Eigenkapital

0,49

Negatives EK

0,71

0,2

Eigenkapitalrendite

21,20%

N/A

46,85%

8,70%

Dividendenredite

0,16%

0

0

2,88%

Paybacktime

7,5

11

12

9,3

 

Kaufenswert?

Wie man sieht, sind die Bewertungen höchst unterschiedlich. Offennbar fahren die vier Unternehmen finanziell gesehen jeweils eine völlig andere Strategie. Wer es gerne riskant mag, dürfte mit AZO gut bedient sein. Auf 100% Eigenkapital kommen da 120% Schulden, so dass sich ein negatives Eigenkapital von 20% ergibt. So etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen und für mich ist das ein klares knock out Kriterium. Am höchsten ist ORLY bewertet, was nicht zuletzt an der hohen Rentabilität liegen mag, die auch dann noch erhalten bleibt, wenn man die höhere Verschuldung herausrechnet. Da die ersten drei alle keine oder nur eine minimale Dividende zahlen, lassen sie sich über die Paybacktime sehr gut vergleichen und hier sieht AAP mit einigem Abstand am Besten aus. Meiner Ansicht nach ist das Unterenehmen recht gut bewertet und ich könnte mir hier eine Investition vorstellen. Allerdings habe ich bei keinem der Unterenehmen in den Geschäftsbericht geschaut und wer weiß, was da noch für Überraschungen lauern.

 

Genuine Parts fällt auch hinsichtlich der Bewertung aus der Reihe heraus. Dabei ist es das einzige Unternehmen, dass auch für Dividendenfans in Frage käme. Momentan leidet das Unternehmen aber wie viele Industriezulieferer unter der schwächelnden Ölindustrie, während der Autoteilebereich genauso gut läuft, wie bei den anderen. Finanziell ist das Unternehmen am Besten aufgestellt und das Geschäftsmodell, das sich eher über die Qualität definiert, erscheint mir auf den ersten Blick zumindest attraktiv. Dummerweise kauft man aber bei Genuine Parts auch immer den zyklischen Teil des Unternehmens mit und dem geht es gerade nicht besonders gut.

 

Resumé

Die Zahl der Autos in den USA wächst weiter und es wächst zusätzlich auch das durchschnittliche Alter der Autos. Dieser Trend dürfte uns über die nächsten Jahre erhalten bleiben und für ein gewisses grundsätzliches Wachstum in der Autoteilebranche sorgen. Darüber hinaus schaffen es wohl alle vier oben genannten Unternehmen zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, der Trend geht hier eindeutig zu den größeren Ketten. Das bedeutet, dass die genannten Unternehmen stärker als der Markt wachsen werden. Alle vier haben auch noch weiße Flecken auf den Landkarten der USA, so dass es auch hier noch weitere Wachstumsmöglichkeiten gibt. Die Branche bleibt daher sehr interessant.

 

Schaut man sich die Unternehmen im Detail an, so kämen für mich nur zwei in die nähere Auswahl: Das ist Advanced Auto Parts (AAP), die einfach am besten bewertet sind und auch zum aktuellen Stand meiner Ansicht nach attraktiv erscheinen. Allerdings würde ich dann gerne wissen wollen, was zu dem Kurseinbruch im letzten November geführt hat (s. Chart unten). Der zweite Kandidat ist Genuine Parts, von denen ich allerdings nicht so reht einschätzen kann, wie sie sich entwickeln werden. Das Unternehmen ist halt am stabilsten (finanziell gesehen) und zahlt darüber hinaus als echter Dividendenaristokrat eine nennenswerte Dividende aus.

 

Zu guter Letzt nochmal die Wochencharts im Überblick (von Finviz, zum Vergößern klicken).

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Kommentare: 7
  • #1

    Covacoro (Sonntag, 28 Februar 2016 16:37)

    Zitat: "Die Branche ist deswegen interessant, weil sie wie auch Dorman konjunkturunabhängig ist. Im Gegenteil: Wer wenig Geld hat, repariert lieber seine alte Karre einmal mehr, als sich eine neue zu kaufen."
    Ziemlich absolute Aussagen, konjunkturunabhängig im Sinne von "repariert wird immer"? Die Branche ist sicher robuster als der Endmarkt, sprich Neuverkäufe gegen eine US-Rezession, sinkende Löhne, höhere Arbeitslosigkeit etc. aber sie ist nicht gänzlich unabhängig davon, wie es den Konsumenten geht und wie teuer Finanzierungen sind. Die USA steuert bei den Autokrediten auf eine neuerliche Subprime-Krise zu, siehe z.B.: https://www.youtube.com/watch?v=JwNoN3Xoxd4, oder auch www.edmunds.com. Generell lebt die Branche davon, dass sich die Autoverkäufe zuletzt sehr positiv entwickelt haben und viel mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind (https://ycharts.com/indicators/auto_sales). Ich weiß bloß noch nicht, wie nah wir am Umkehrpunkt sind und ob das Wachstum immer so weitergehen kann :-) Natürlich sind alle Prognosen für den Aftermarket derzeitig rosig, sprich er wächst und wächst und wächst: http://www.statista.com/statistics/199604/size-of-the-us-automotive-aftermarket-parts-market-since-2000/ Ich denke, das ist auch der Grund für die recht hohen PEs.

  • #2

    Schildkröte (Sonntag, 28 Februar 2016 23:28)

    "Die Branche ist deswegen interessant, weil sie wie auch Dorman konjunkturunabhängig ist. Im Gegenteil: Wer wenig Geld hat, repariert lieber seine alte Karre einmal mehr, als sich eine neue zu kaufen."

    Einspruch, Euer Ehren! Ich bin zwar kein Jurist, muss hier worttechnisch aber einfach mal klugschnacken: Handelt es sich hier wirklich um eine nicht-zyklische Branche? Ich würde mal eher sagen, es handelt sich um eine anti-zyklische Branche. Soll heißen, in schlechten Zeiten fahren die Leute zwar eher weiter ihre alte Karre. In guten Zeiten sind sie jedoch eher dazu bereit, sich ein neues Gefährt anzulachen, was naturgemäß für Werkstätten und Händler bzw. Hersteller von Ersatzteilen nicht so toll ist.

    Des Weiteren sind bis auf GPC dividendenmäßig alle knauserig. Warum? Was machen sie stattdessen mit dem Zaster? AZO und ORLY scheint fleißig eigene Aktien zurückzukaufen. Und AAP? Was ist an Dividenden so verkehrt? Die Dividendenrendite von AAP ist ja mehr als bescheiden.

  • #3

    Christian (Montag, 29 Februar 2016 10:37)

    Die Konjunkturresistenz kann man gut am von der Krise völlig unbeindruckten Umsatz in den Jahren 2008 etc. sehen. Dass jetzt in den USA mal wieder viel zu leichtfertig Kredite an Autokäufer vergeben werden, ist davon unbenommen. Aber: Wer einen Kredit am laufen hat, wird erst recht erst mal reparieren bevor er einen neuen Kredit für ein neues Auto aufnimmt.

    Den Dividendengeiz der Unternehmen verstehe ich auch nicht so ganz und das finde ich auch ein Ärgernis. Das ist wohl der Wachstumsmentalität der Unternehmensleitungen zuzuschreiben. Zumal das eine andere Investorenschicht ansprechen würde. AAP käme daher nur in das normale "Gutes Unternehmen mit ordentlich Wachstum" Portfolio. So ein Unternehmen passte aber mit etwas Dividende viel besser in das Dividendenportfolio.

  • #4

    Alexander (Montag, 29 Februar 2016 15:47)

    Interessante Untersuchung. Zufällig habe ich die letzten Tage etwas ähnliches gemacht und mich für GPC entschieden. Die stehen nun ziemlich weit oben meiner Wunsch- bzw. Kaufliste. Gründe:
    Die Dividendenrendite, sie zahlen seit 59 Jahren Dividende und eben die geringe Verschuldung. Mir gefällt auch die Internationalisierung mit Kanada, Mexiko, Australien, Neuseeland und China.
    Unter Sicherheit und Kontinuität fühle ich mich da besser aufgehoben.

  • #5

    TomB (Dienstag, 01 März 2016 13:33)

    Ein paar Einwürfe (nur meine Meinung):

    Covacoro: sehe ich auch so, momentan läuft es so gut, dass man das Gefühl hat, es muss mal wieder schlechter werden...

    Schildkröte: Einspruch ist gerechtfertigt (anti-zyklisch), allerdings ist dieser Anti-Zyklus 'glatter' als der Zyklus im sonstigen Auto-Geschäft.

    Dividendenkritik:
    - AZO & ORLY kaufen eigene Aktien zurück: das ist steuerlich gesehen effizienter als Dividenden (es kommt allerdings auf den bezahlten Preis an)
    - AAP hat die Rückkäufe eingestellt, wegen einer größeren Übernahme
    - GPC macht alles (Dividenden, Rückkäufe und Übernahmen)
    Gleichzeitig investieren alle einen guten Teil der Cashflows in organisches Wachstum. Alles irgendwie verständlich. Ich halte Dividenden sowieso für überbewertet, aber das ist wohl Ansichtssache.

    GPC: Ich halte den von dir als zyklisch beschriebenen Teil für sehr interessant, weil wir (zyklisch gesehen) nicht gerade am Hoch sind (und ich vor zyklischen Unternehmen nicht so viel Angst habe, wenn ich der Überzeugung bin, dass das Management mit Zyklen umgehen kann). Außerdem: du schreibst, dass GPC eher über die Qualitätsschiene kommt, im Gegensatz zu den anderen. Das halte ich für (langfristig gesehen) das überlegene Geschäftsmodell. Wenn sie das im zyklisch anfälligen Geschäft auch so machen (und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, angenommen deine Aussage stimmt), dann ist GPC meines Erachtens die mit Abstand interessanteste Wette dieser vier.

    Außerdem agieren sie auch in der Kapital-Allokation am ausgeglichensten, siehe Punkt Dividendenkritik. GPC werde ich mir auf jeden Fall genauer ansehen.

    Danke für die Zusammenfassung.

    Tom

  • #6

    Adjustment (Donnerstag, 16 Juni 2016 15:04)

    LKQ würde hier auch noch dazupassen.

  • #7

    Christian (Freitag, 17 Juni 2016 13:45)

    Danke für den Hinweis.

    Ich muss gestehen, dass mir dieses Unternehmen bisher durch den Raster gefallen ist und auch bei den Branchenaufstellungen nicht aufgetaucht ist. Kann ich also wirklich nicht viel zu sagen.