Fastenal und das Öl

Manchmal dachte ich, dass die steigende Industrieproduktion in den USA in den letzten Jahren wohl nur der Frackingindustrie zu verdanken ist, war mir da aber nicht sicher. Jedenfalls ist seit einigen Monaten ein Rückgang der Industrieproduktion zu beobachten und man fragt sich nun: Ist das nur eine zufällige Korrelation oder hat das eine mit dem anderen zu tun. Gab es bis Oktober noch einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, so ging die Produktion im November gegenüber dem Vorjahresmonat um über 1% zurück und der Dezember sah nicht besser aus. Die Aussage von Fastenal in der Quartals-Pressekonferenz war jedenfalls eindeutig: Die Industrie in den USA befindet sich in der Rezession.

 

 

Was bisher geschah

Man glaubte mit Beginn des Frackingbooms lange an eine Wiederbelebung des industriellen Sektors in den USA, spätestens bis zum Ende des Jahres 2014, als die Produktion um über 4% gegenüber dem Vorjahr angestiegen war. Als Gründe galten die niedrigen Energiepreise in den USA, spziell beim Gas und mancher machte sich Sorgen, dass viele deutsche Unternehmen nun in die USA auswandern könnten. Dafür gab es tatsächlich Beispiele. Dass aber möglicherweise das Fracking selbst mitsamt dem damit verbundenen industriellen Bedarf eine wesentliche Ursache des „Booms“ war, hatte ich schon vermutet, aber daraus nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen und Fastenal gekauft (Obwohl: Vielleicht war es doch kein Fehler: s.u.). Momentan sieht es jedenfalls ganz danach aus, als ob mit niedrigeren Investitionen in die Öl- und Gasförderung die Industrieproduktion insgesamt mit herabgezogen wird.

 

Diese Entwicklung wird bei Fastenal leicht gedämpft nachvollzogen. Von den 100 größten Kunden des Unternehmens haben die Hälfte ihre Produktion drosseln müssen. Darunter hat auch der Absatz von Fastenal gelitten, wenn auch weniger stark, als man denken könnte. Zum Teil hat das damit zu tun, dass Fastenal weiterhin Marktanteile gewinnt. Zum Teil auch damit, dass das Geschäft eben nicht nur aus der klassischen Befestigungstechnik besteht, sondern auch ganz normale Verbrauchsmaterialien geliefert werden, die man immer braucht, auch wenn vielleicht nicht ganz so viel produziert wird.

Insgesamt hat sich Fastenal sehr gut aus der Afffäre gezogen.

 

Der niedrige Ölpreis und die Folgen

Dass die Industrieproduktion in den USA sinkt, wird vielfach dokumentiert. Wie das Ganze aussieht, wenn man den Ölpreis heraus rechnet, ist aber schon interessant:

 

Die Grafiken habe ich aus diesem interessanten Artikel, der sie wiederum aus den unter den Grafiken genannten Quellen hat.

 

Zwei Dinge kann man meiner Meinung nach aus den Grafiken entnehmen. Ohne Ölindustrie hat die Produktion in de USA noch nicht einmal das Niveau von 2007 wieder erreicht. Das finde ich ehrlich gesagt ernüchternd. Davon abgesehen befindet sich die Produktion trotzdem auf einem ansteigenenden Ast. Und das finde ich in Bezug auf Fastenal wiederum sehr erfreulich.

 

Wie geht es weiter für Fastenal und der Industrieproduktion in den USA

Das ist für Fastenal und viele andere Unternehmen eine brennende Frage. Die Investitionen in neue Ölquellen stehen schon so gut wie bei Null und sollten daher nicht weiter sinken. Es gibt die vage Hoffnung, dass erhöhte Konsumausgaben und preiswerte Energie die Industrieproduktion auch abseits des Ölgeschäftes anschieben könnten. Wenn das eintreffen sollte, dann könnte daraus für Fastenal und Kollegen der Boden erreicht sein und das Ganze damit nur eine leichte Delle in der Umsatzentwicklung gewesen sein. Falls dieser Effekt aber ausbleibt, dann müssten wir uns um dei amerikanische Industrie tatsächlich ernsthafte Sorgen machen.

 

Für Fastenal muss das nicht schlimm sein, denn das Wachstum beruht vor allem auf einem exzellenten Geschäftsmodell, das den quasi irreversiblen Gewinn weiterer Marktanteile erlaubt. Und der Markt ist so groß, dass das noch eine ganze Weile so weiter gehen kann. Wenn der Markt jetzt also eher stagnieren sollte, dann könnte Fastenal dennoch davon profitieren. Betroffen wären davon vielmehr die großen wie General Electric, Rockwell etc.

 

Der Ölpreis selbst dürfte noch eine Weile niedrig bleiben, auch wenn er aktuell ein Spielball der Spekulanten ist und daher erratische Ausschläge macht. Man mag zwar, wie viele behaupten, den Einflluss des iranischen Markteintritts überschätzen, jedoch nicht zu überschätzen ist die aktuelle Politik Russlands oder Saudi Arabiens, den Markt weiterin mit Öl zu überschütten. Es wird noch eine Weile dauern, bis die ersten Quellen stilllgelegt werden oder auslaufen. Erst dann wird es so langsam mit dem Preis nah oben gehen.

 

Fastenal hat in Anbetracht der Lage respektable Zahlen abgeliefert und der Markt hat dementsprechend reagiert. Wenn jetzt tatsächlich der Boden erreicht sein sollte, dann könnte es im zweiten Halbjahr eine positive Überraschung geben.Oder schon früher, denn wie am letzten Donnerstag (04.02.) vermeldet, nahm der Absatz bei Fastenal um 3,3% zu (Daily Sales, also pro Tag gerechnet). Und von den größten 100 Kunden vermelden im Januar wieder 60% steigende Umsätze, nach 50% im letzten Quartal. (Quelle)

 

Der Kurs machte daraufhin einen hübschen Satz nach oben:

 

Quelle: Finviz.

Kommentar schreiben

Kommentare: 10
  • #1

    Schildkröte (Sonntag, 07 Februar 2016 13:04)

    Hallo Christian,

    danke für diesen sehr aufschlussreichen Beitrag! Hm, ist Fracking die Ursache oder die Folge der konjunkturellen Entwicklung in den USA? Erinnert mich an die Frage, was zuerst da war: Das Huhn oder das Ei?

    Tja, lange haben die Notenbanken versucht, mithilfe des (ultra)billigen Geldes die Konjunktur anzukurbeln. Das will nicht so recht gelingen. Laut Ken Fisher, der regelmäßig Kolumnen in Focus Money schreibt, liegt das daran, dass durch die massiven Anleihekaufe der Notenbanken die langfristigen Zinsen sehr niedrig sind und ergo die Zinsspanne zwischen kurz- und langfristigen Zinsen zu gering ist (für die kurzfristigen Zinsen ist der Leitzins der Notenbanken maßgeblich). Banken verdienen also nichts an Krediten und sind deshalb mit deren Vergabe zögerlich. Oder ist schlichtweg die Nachfrage nach Krediten zu gering? Etwa aufgrund der konjunkturellen Unsicherheit? Wer investiert schon gerne während einer Rezession...

    Bleibt immer noch die Hoffnung, dass der Binnenkonsum angekurbelt werden kann. Wer lässt bei Nullzinsen schließlich sein Geld bei der Bank liegen? Nun, teilweise ist es so, dass aufgrund der Niedrigstzinsen sogar noch mehr gespart wird. Damit wird dem Wirtschaftskreislauf noch mehr Geld entzogen. Die Amis konsumieren allerdings viel auf Pump. Wofür niedrige Zinsen ja eigentlich förderlich sind. Sind wir wirklich in einer Rezession? In den Charts kann ich nicht wirklich eine Trendumkehr erkennen, eher eine Delle im langfristigen Aufwärtstrend, zumindest nicht mehr als eine Stagnation.

    Den Markteintritt vom Iran, nachdem die westlichen Sanktionen entfallen, sollte man besser nicht unterschätzen (Du sprichst davon, daß werde überschätzt). Der Iran verfügt schließlich weltweit über die viertmeisten Öl- und die allermeisten Gasvorkommen. Saudi-Arabien und der Iran verfügen gemeinsam beim Öl über einen Weltmarktanteil von 15%. Sie haben also beachtlichen Einfluss auf Öl- Gaspreise. Ewig werden die natürlich nicht im Keller bleiben, aber wohl noch einige Zeit. Wobei niedrige Energiepreise auch für die Wirtschaft förderlich sind und die Inflation bremsen.

    Gepanzerte Grüße

  • #2

    Dakac (Montag, 08 Februar 2016 00:20)

    Hallo zusammen,

    richtig ist, dass "nur" einige Sektoren in den USA von der Rezession betroffen sind. Nicht alle Bereiche zeigen so schlechte Zahlen. Die Bereiche die etwas mit dem "Money for free" zu tun haben funktionieren "noch" gut. Damit meine ich Häuser- und Automarkt in den USA. Auch der Bereich - Service läuft "noch" gut. Die Frage die sich stellt ist, ob Industrie und Produktion den Rest herunterzieht.

    Davon gehe ich allerdings aus. Das würde weitere Eintrübung der Gesamtwirtschaft in den USA bedeuten und vlt. eine offizielle Rezession. Somit würden die Industrieaktien besonders darunter leiden.

    Abgesehen davon, ich sehe beim Fracking erst mal keine Wiederbelebung zu erwarten, eher eine Pleitewelle.
    Um die Ölproduktion in den USA fast zu verdoppeln, mussten diese kleine und etwas größere Firmen viel Geld aufnehmen. Und das bei einem Ölpreis von 100$ pro Barrel. Jetzt hat sich der Ölpreis stark reduziert und ich glaube, dass beide Vertragspartner, Banken und Fracker nervös geworden sind. Die Gesamtschulden von Frackern sind gigantisch.

    Dazu kommt noch, dass "die Märkte" gedreht haben. Kaum eine Aktie kann sich dem entziehen. In den USA ist bisher noch nicht viel passiert, weil der für Profis wichtigster Index S&P 500 erst bei Minus -12% steht. Das ist nicht mehr, als eine technische Korrektur. Alle 3 oder 4 Jahre gab es, aber eine starke Kurskorrektur in vergangenen 100 Jahren. Rezessionen etwas seltener, aber immerhin ist der Durchschnit bei 7 oder 8 Jahren, glaube ich. Das alles ist dank der FED bisher ausgeblieben. Ich würde nicht darauf wetten, dasss die FED ein Wirtschaftszyklus verhindern kann. Das zeigen uns bestimmte Sektoren in den USA, gerade da wo Fastenal angesiedelt ist.

    Beste Grüsse

  • #3

    Schildkröte (Montag, 08 Februar 2016 10:14)

    Hallo Dakac,

    schön, von Dir hier zu lesen! Im Bereich der Fracker drohen in der Tat wohl einige Pleiten. Wobei in den USA dann das Chapter 11 greift (vgl. GM), also Enteignung der Altaktionaere und Weiterführung vom Geschäftsbetrieb. Viele Fracker wurden teils durch High Yield - Anleihen (Kritiker sprechen auch gerne von Junk-Bonds) finanziert. Deren Inhaber könnten bei einer Pleitewelle von Frackern ganz schön in die Röhre schauen. Zum Teil auch Banken, wenn die Anleihen auf Pump gekauft wurden bzw. Fracker ihren Verbindlichkeiten gegenüber Banken nicht mehr nachkommen können. Von einer daraus resultierenden *größeren* Bankenkrise wie 2007/2008 wird allgemein allerdings eher nicht ausgegangen.

    Gepanzerte Grüße

    PS:
    Interessant, dass Du nur für bestimmte Branchen eine Rezession erwartest, beim Konsum jedoch (vorerst) weiter optimistisch bist. Da die Amis gerne auf Kredit konsumieren, würden davon ja unter anderem MasterCard, Visa und American Express profitieren. Der CEO von letzterem Unternehmen hat sich allerdings kürzlich in einer Telefonkonferenz mit Analysten ebenfalls skeptisch zur wirtschaftlichen Lage geäußert.

  • #4

    Christian (Montag, 08 Februar 2016 10:27)

    Hi Dacac:
    Stimmt: Die Industrieproduktion sinkt, auch wenn man sich das mit dem Herausrechnen des Energiesektors schön rechnen kann. Nachdem aber alle Erdölproduzenten ihre Investitionen gegen Null haben fahren lassen, lauert hier kein weiteres großes Abwärtspotential mehr und mit etwas Glück übernimmt der Teil der Industrie, der von den Energiepreisen profitiert die Führung. Die Zahlen von Fastenal im Januar könnten die erste sprichwörtliche Schwalbe sein, die natürlich noch keinen Sommer macht. Die offiziellen Zahlen zum Januar von der Regierung kommen erst Anfang März. Da bin ich gespannt. Ich denke (und hoffe) wir haben bei der Industrieproduktion den Abwärtspeak in Folge des Frackingdeasasters erreicht. Falls nicht irgendetwas anderes dazwischen kommt, sehe ich keinen Grund, warum die Industrie in den USA 2016 in eine Rezession abgleiten sollte.

    Mit Argumenten "bisher hat es immer alle 3 bis 4 Jahre eine Korrektur geben" konnte ich mich ehrlich gesagt noch nie anfreunden. Das klingt so nach "tiefer kann die Aktie doch nicht fallen" oder so ähnlich. Dass die Gewinne der Unternehmen auch nach so vielen Jahren Boom weiterhin hoch bleiben, ist tatsächlich ein Phänomen, das viele "Zyklenforscher" unruhig werden lässt. Jeder erwartet, dass der Boom sich so langsam seinem Ende nähert, was er aber nicht tun will. Ob das was mit der FED zu tun hat? Ja, speziell mit den niedrigen Zinsen insgesamt, was die Kreditkosten so schön niedrig aussehen lässt. Und daran wird sich (dank FED) auch so bald nicht viel ändern. Übrigens steigen die Unternehmensgewinne im S&P500 weiterhin, wenn - genau - wenn man die Ölindustrie herausrechnet. Das findest du übrigens ebenfalls in dem Link in meinem Blogartikel.

    Aber um meine Meinung noch einmal auf den Punkt zu bringen: Dass es nach einer Boomphase zu einer Rezession kommt, dürfte aktuell wahrscheinlicher sein, als in den letzten Jahren. Da stimme ich mit dir überein. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber meiner Ansicht nach nicht davon abhängig, wie lange die Boomphase schon dauert. Das ist wie im Roulette, wenn jemand auf Schwarz setzt, nur weil 7 Mal hintereinander Rot gekommen ist.

    @ Schildi:
    Wo das Money for free gelandet ist, ist glaube ich eine der ungelösten Probleme. Bei den Verbrauchern wohl nur zu einem geringen Anteil, indem sie von den wieder gestiegenen Hauspreisen profitieren konnten. Aber insgsamt ist das Kreditvolumen in den USA ja gar nicht so stark angestiegen. Offenbar ist billiges Geld zwar im Angebot, aber es wird eigentlich gar nicht so viel genutzt wie viele meinen. (Außer um Aktien auf Pump zu kaufen und das macht mir wirklich Sorgen.) Und gerade weil das so ist, speziell auch in Europa, greift etwa Draghi zum letzten Mittel und kauft Staatspapiere. Ich halte die Story von der Überschwemmung der Märkte mit billigem Geld für eine großes Gespenst, das nur deswegen in den Köpfen rumoren kann, weil die Zinsen so extrem niedrig sind.

    Und kaum schreibe ich das, überkreuzen wir uns gerade mit einem Kommentar. Einen schönen guten Morgen Schildskröte und frohe Fasnacht.

  • #5

    Alexander (Montag, 08 Februar 2016 22:33)

    Danke für den Beitrag.
    Ich denke Fastenal ist ziemlich breit aufgestellt und ich mache mir da langfristig keine Sorgen.
    Ganz einfach gesagt, Schrauben braucht man immer ;)

  • #6

    Christian (Dienstag, 09 Februar 2016 09:30)

    Das schöne an Fastenall ist ja, dass sie auch in einem stagbierenden Markt wachsen können. Und das deshalb weil sie eben immer weniger auf die "Schrauben" angewiesen sind.

    P.S.
    Dakac schreibt man natürlich mit "K" und Schildkröte und "S" in der Mitte. Bitte dafür um Entschuldigung.

  • #7

    Schildkröte (Dienstag, 09 Februar 2016 13:53)

    Ich habe mir nochmal von Fastenal die Zahlen und den Chart der letzten 5 Jahre angesehen. Auf Euro-Basis verläuft er seitwärts, auf Dollar-Basis sinkt der Kurs seit drei Jahren. Wobei ein Charttechniker September 2015 und Januar 2016 die Spitzen einer W-Formation (doppelter Ausschlag) und seitdem einen Anstieg erkennen würde. Ist der Abwärtstrend gebrochen? Konzentrieren wir uns besser auf die Kennzahlen.

    Das Umsatz- und Gewinnwachstum sah in den letzten Jahren genial aus. Nicht vergessen sollte man jedoch, dass während der Krise der Umsatz um 17% und der Gewinn sogar um 34% einbrach. Das Unternehmen ist also sehr konjunkturabhängig. Im letzten Geschäftsjahr sind der Umsatz nur noch um 3% und der Gewinn um 4% gestiegen. Sind das die von Dir genannten Eintrübungen bei der Konjunktur oder schwächt sich das Wachstum generell ab?

    Der Markt scheint von einer Sättigung auszugehen. 2010 kostete die Aktie noch ein KGV von 33, 2015 eines von 23. Die charttechnische Seitwärtsbewegung erklärt sich also womöglich darin, dass die Aktie in ihre einst üppige Bewertung hineinwächst. Ein KGV von 23 ist aber immer noch teuer. Jedenfalls für einen Zykliker und ein wachstumsschwaches Unternehmen.

    Du bist davon überzeugt, dass die Wachstumsstory durch Übernahmen bzw. der Gewinnung zusätzlicher Marktanteile weitergeht? Laut den Schätzungen von Finanzen.net bzw. FactSet liegen die prognostizierten Forward-KGVs für 2016 bei 23, 2017 22, 2018 20 und 2019 19. Angesichts des bloß moderaten Wachstums und der hohen Konjunkturabhängigkeit ist das teuer.

    Fastenal könnte sein bisher beeindruckendes EPS-Wachstum durch Aktienrückkäufe aufrecht erhalten. Bisher wurden kaum Aktien zurückgekauft. Dafür ist jedoch nur begrenzt Spielraum übrig. Die Ausschüttungsquote lag nämlich zuletzt bei über 60%. Ich bezweifle, dass Fastenal bei einem Konjunktur- und Gewinneinbruch die Dividende groß kürzen wird? 2009 in der Krise wurde sie im Vergleich zu 2008 immerhin von zuvor 0,40$ auf 0,36$ um 10% gesenkt. Unter Berücksichtigung der Ausschüttungsquote ist das KGV halt der Kehrwert der Dividendenrendite.

    Ich habe zwar Wal*Mart und Fielmann im Depot sowie Bechtle auf der Beobachtungsliste. Grundsätzlich bin ich bei Handelsunternehmen allerdings sehr vorsichtig. Gut, Fastenal hat ein interessantes Geschäftsmodell. Vom Chance/Risiko-Profil ist mir die Aktie jedoch zu teuer. Vielleicht würde ich sie nach einem Crash als Beimischung einsacken. Just my fifty cents.

  • #8

    Christian (Dienstag, 09 Februar 2016 16:27)

    Die Analystenschätzungen wurden zuletzt nach unten korrigiert. Schuld daran waren vor allem die letzten drei Monate in 2015, die in Bezug auf die Industrieproduktion in den USA nicht nur bei Fastenal, sondern auch bei einigen Konkurrenten z.B. Grainger für Nervosität sorgten. Um so mehr sind jetzt alle von den Zahlen im Januar überrascht. Dazu muss man auch sagen, dass nach Aussage von Fastenal die Monate November und Dezember notorisch schlecht geeignet sind, um Prognosen aufzustellen. Zum Jahresende entwickelt sich das Bestellverhalten der Kunden manchmal etwas merkwürdig.

    Ansonsten hatte FAST Anfang 2012 seinen Kurshöchststand und ist seither eher gefallen als gestiegen. Die damalige Bewertung (kgv 35) war aber auch mehr als sportlich. Und längere Zeit, nachdem mich Tutti im WPF auf diese Aktie aufmerksam gemacht hatte, war sie mir ebenfalls zu teuer. Bis ich herausfand, was für ein Unternehmen Fastenal eigentlich ist. Mir ging es sowohl beim Erstkauf, als auch später bei der Aufstockung darum, dass ich nicht wusste wie weit und ob überhaupt die Bewertung von Fastenal noch weiter zurückkommen würde. Billig war Fastenal in keinem der beiden Fälle. Ich war und bin von den Qualitäten des Unternehmens überzeugt und war bereit einen entsprechenden Preis zu zahlen. (Übrigens wirst du deine Argumentation in vielen Seeking Alpha Beiträgen der letzten Jahre eins zu eins wiederfinden.)

    Das Unternehmen hat ein paar teils nur schwer sichtbare Vorzüge. Fastenal als Einzelhändler zu betrachten, hieße das Geschäftsmodell misszuverstehen. Ich habe selbst eine ganze Weile gebraucht, bis ich dahinter gekommen bin. Dazu kommt eine seltene Transparenz in den Geschäftsberichten, was auf ein gutes Management hinweist.

    Ob und wie das Wachstum im allgemeinen und bei Fastenal im nächsten Jahr und später fortgesetzt wird, weiß ich natürlich auch nicht. Nur glaube ich, dass viele Analysten noch nicht wirklich verstanden haben, was das Wachstum treibt und was Fastenal gerade im letzten halben Jahr unternommen hat, um das Geschäft voranzutreiben. Alle starren wie das Kaninchen auf die Schlange auf die US-Industrieproduktion und sehen nicht, was Fastenal von den anderen Industrielieferanten abhebt.

    Das Wachstum hat sich tatsächlich etwas verlangsamt in den letzten Jahren. Der Markt ist aber im Vergleich mit der Größe von Fastenal immer noch riesengroß und bietet genug Möglichkeiten zum Wachstum. Der Horizont ist noch sehr weit entfernt. Ob Fastenal noch billiger wird? Keine Ahnung, aktuell läuft die Aktie jedenfalls genau entgegen dem allgemeinen Trend. Aber das kann sich ja schnell wieder ändern, spätestens wenn sich die Februarzahlen als enttäuschend erweisen sollten.

  • #9

    Covacoro (Donnerstag, 11 Februar 2016 14:00)

    Interessanter Gedanke, dass ein hoher Teil des US-Wachstums mit dem Fracking-Boom zu tun haben könnte. Ich würde ergänzen: auch der von der Obama-Regierung organisierte Versuch, mehr für die Industrie rund um regenerative Energieerzeugung zu tun und mehr "Manufacturing" zurück in die USA zu holen, hat kurzfristig positiv gewirkt (Solarthermie, PV, Windkraft) und jetzt sehen sich viele Unternehmen aus diesem Sektor ebenfalls Gegenwind ausgesetzt (siehe SunEdison & Co) und der Effekt fällt weg. Wie ich auf meinem Blog auch schon geschrieben habe: viele Frühindikatoren für die USA sehen nicht gut aus.

  • #10

    Jessica (Dienstag, 01 März 2016 10:21)

    FAST hatte in 2008 eine Sonderausschüttung, daher der "Rückgang", ebenso wurde in 2010 und 2012 eine Sonderdividende ausgeschüttet. Sowas kann man ganz leicht erfahren, indem man sich einfach mal die Mühe macht auf die IR Seite des Unternehmens zu gehen oder sich die Annual Reports zu Gemüte führt...

    Und außerdem ist es gefährliches Halbwissen wenn man sagt, dass die Dividende vom EPS bezahlt wird. Es ist immer noch der operative Cash-Flow...

    Viele Grüße und gutes Invest mit FAST!