Nachtrag zu Cardinal: McKessons Gewinnwarnung

Am Montag gab es direkt nach meinem Einstieg bei Cardinal mal wieder den Beweis, dass mein Markttiming in letzter Zeit nicht gerade mit Glück gesegnet ist. Kaum hatte ich Freitags gekauft, gab Cardinals Konkurrent McKesson am Montag eine Gewinnwarnung heraus, die die Aktie über 10% nach unten riss. Und weil Cardinal und Amerisource Bergen der gleichen Branche angehören wurden sie in Sippenhaft genommen und verloren beide jeweils über 5%. Nachdem ich meine Wunden geleckt hatte, machte ich mich an die Analyse.

 

Monopoly im Pharmahandel

Die Gewinnwarnung an sich war gar nicht so schlimm, im Prinzip war das keine Gewinnwarnung, sondern eine Verengung der Prognose. Was die Investoren vermutlich ,mehr verunsichert hat, dürfte die Senkung der Wachstumsprognose für die nächsten Jahre gewesen sein, die McKesson herausgab. Jetzt kann ich mich immerhin glücklich schätzen nicht McKesson, sondern Cardinal gekauft zu haben, denn sonst wären meine Verluste noch höher gewesen.

 

Das Problem der Pharmagroßhändler ist die Fusionitis der großen Apothekenketten im letzten Jahr. Im Prinzip läuft hier gerade das das Spiel "Eine Reise nach Jerusalem" und McKesson ist, so sieht es jedenfalls aus, wieder einmal der Verlierer. Vor ein paar Jahren schien noch Cardinal der Verlierer, als es Amerisource Bergen gelang sie bei Walgreens herauszukegeln, woraufhin aber Cardinal wiederum McKesson bei CVS ablöste. McKesson verlegte sich daraufhin auf die drittgrößte Kette Rite Aid. Die wird aber leider jetzt auch in den Besitz von Walgreens übergehen. Und weil Walgreens und Amerisource Bergen nicht nur vertraglich verbandelt sind, sondern erstere sich an letzterer direkt beteiligt hat (aktuell mit 5% aber das soll bis über 25% steigen), wird McKesson keine Chance haben, die Kooperation zu verlängern.

 

Auch beim Spezialanbieter Optum sei man aus dem Rennen, hat McKesson geschrieben, wobei ich nicht weiß wie groß das Geschäft dort ist. Immerhin darf McKesson vorerst weiterhin die von Target übernommenen Apotheken von CVS beliefern, wobei man sich fragt wie lange noch. Als ein weiterer Grund für die Gewinnwarnung wurde genannt, dass die Generikapreise stärker zurückgegangen seien, als erwartet. Diese Fehlkalkulation hatte übrigens auch Walgreens im letzten Jahr schon gemacht und danach ein paar Vorstände rausgeschmissen. Bei Walgreens hat übrigens aktuell der Chef der übernommenen britischen Kette Boots Alliance, Pessina, ein echter Strippenzieher, das Sagen (die haben auch ein paar Apotheken in der Schweiz).

 

Wie werden die Karten jetzt gemischt?

Die Koalition aus Walgreens und Amerisource Bergen scheint auch wegen der Beteiligung bombenfest zu sein. Da wird sicher so schnell keiner der beiden anderen, also Cardinal oder McKesson einen Fuß in die Tür bekommen. Die Kooperation von Cardinal mit CVS ist erst einmal auf 10 Jahre begrenzt. Es hängt hier vermutlich sehr viel davon ab, ob beide Seiten mit dem Verlauf des Joint Ventures "Red Oak", einer Einkaufsgemeinschaft für Generika zufrieden sind.

 

Allerdings gibt es ja noch eine ganze Reihe weiterer Apotheken in den USA. Insgesamt sind es über 60000, von denen die großen Ketten grob gerechnet etwa ein Drittel ausmachen. Der Rest sind kleine unabhängige Apotheken oder sie sind Teil von anderen Supermarktketten, wie z.B. bei Walmart. Bei den Kleineren hat bisher Amerisource Bergen den größten Anteil, wobei sich hier evtl. ein Interessenskonflikt auftut, wenn Walgreens mit einem größeren Anteil an Amerisource beteiligt ist. Ob die Kleineren das so goutieren, wird sich zeigen.

 

Für Cardinal ist die mittelfristige Zukunft jedoch gut abgesichert. Die Kooperation mit CVS ist in trockenen Tüchern und es gibt keinen Grund an meiner bisherigen Einschätzung etwas zu ändern. McKesson wird dagegen tatsächlich etwas mehr zu kämpfen haben und muss sich eine Strategie überlegen. Immerhin sind sie ja etwas breiter aufgestellt, speziell auch mit Celesio in Deutschland und anderen Geschäftsbereichen außerhalb des direkten Großhandels. Ob Amerisource langfristig unabhängig bleibt oder in das Walgreens Boots Aliance Imperium von Mr. Pessina integriert wird, bleibt offen.

 

Und um allen Spekulationen vorzubeugen, kommt eben gerade, wie ich das schreibe, eine Ad-hoc von Cardinal heraus. Den Originaltext aus Seeking Alpha zitiere ich hier und ich denke, dass ich den Nachtrag damit beenden kann:

 

"Ahead of this morning's presentation at the J.P. Morgan Healthcare Conference in San Francisco, Cardinal Health (CAH +1.7%) affirms its non-GAAP EPS guidance for fiscal 2016 of $5.15 - 5.35, representing an increase of 18 to 22%. Fiscal Q2 results should be released by the end of the month."

 

Quelle: Seeking Alpha

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Kommentare: 5
  • #1

    Schildkröte (Dienstag, 12 Januar 2016 20:29)

    Hui, wenn ich den Text so lese, gibt es in der Branche eine gewisse (regelmäßige?) Fluktuation. Ist es da nicht wichtig, darauf zu achten, auf wieviele Jahre die Partnerschaften abgeschlossen werden? Je kürzer die Vertragslaufzeiten sind, desto schwieriger ist es doch, die künftigen Entwicklungen abschätzen zu können. Wie verhält es sich mit dem Fusions- bzw. Konsolidierungsprozess bei den Apothekenketten (vom Tempo her), wenn dies ein Risikoaspekt aus Sicht der Pharmagroßhändler ist?

  • #2

    Christian (Mittwoch, 13 Januar 2016 11:00)

    Der Konzentrationsprozess dürfte vorerst beendet sein, denn noch ist ja nicht einmal die Übernahme von Rite Aid durch Walgreens genehmigt. Vermutlich werden sie ein paar Filialen abgeben müssen, man geht von ca. 1000 aus, ist aber nur Spekulation. Von daher ist von dieser Seite nichts neues mehr zu erwarten.

    Und seit Walgreens sich bei Amerisource eingekauft hat, werden die Spielregelen möglicherweise neu geschrieben. Hier steht dann ein fester Block allen anderen gegenüber. Die Fluktuation wird in Zukunft sicher geringer sein.

    Insgesamt habe ich das Ganze vielleicht auch etwas zu dramatisch dargestellt: Wir reden bei McKesson von einer Verringerung der Wachstumsprognose um wenige Prozentpunkte, zwischen 2-4% runter von geschätzten 15% vorher auf vielleicht 12% und das auch nur in den nächsten ein, zwei Jahren.

  • #3

    Schildkröte (Mittwoch, 13 Januar 2016 19:21)

    Hm, dann rächt es sich wohl mal wieder, dass Analysten allgemein recht optimistisch sind mit ihren Prognosen. Bei einer markanten Gewinnwarnung wären so drastische Kursstürze ja noch nachvollziehbar. Aber 12% Gewinnwachstum p. a. sind doch auch noch beachtlich. Jedenfalls bei KGVs von (deutlich) unter 20. Bei KGVs von (weit) über 20 (wenn nicht gar über 30 oder sogar jenseits von gut und böse) sollte man hingegen schon genauer hinschauen. Wobei nicht wenige Wachstumswerte gar keine Gewinne (bzw. nur geringe) generieren, sondern direkt reinvestieren. Hier ist dann das Umsatzwachstum entscheiden. Stattdessen handelt es sich um eine Wette auf spätere Gewinne. Amazon wäre ein gutes Beispiel dafür. Hierzu habe ich im WPF mal was geschrieben:

    http://www.wertpapier-forum.de/topic/43548-it-branche/page__view__findpost__p__968860

  • #4

    Covacoro (Mittwoch, 13 Januar 2016 22:26)

    Hallo Christian,
    eine Gewinnwarnung kann man selten voraussehen. Ich kann deine kleine Artikelserie und den Kauf von CAH gut nachvollziehen und habe die Artikel auch auf meinem Blog verlinkt. Ich bin noch einen Schritt weitergegangen und benutze die Aktien aus deinem ersten Artikel in meinem Posting mit dem Titel "Kardinaltugend: Mut zum Vergleichen". Ich hoffe, das ist ok und Du schaust mal vorbei.
    Grüße Covacoro
    http://www.covacoro.de/2016/01/13/kardinaltugend-mut-zum-vergleichen/

  • #5

    Christian (Donnerstag, 14 Januar 2016 09:59)

    Die Verlinkung auf deiner Seite habe ich schon gesehen und mich gefragt, was du vorhast. Noch habe ich das nicht gelesen, bin aber gespannt ...