CPSI kauft seinen Konkurrenten

Nicht alle Geschäftsmodelle sind so einfach zu erklären und zu verstehen, wie bei meinem Eierproduzenten. Bei CPSI sind da etwas mehr Erläuterungen notwendig. Dass das Unternehmen gerade seinen Hauptkonkurrenten gekauft hat, macht die Sache nicht unbedingt einfacher, zumal nicht eindeutig zu sagen ist, in welche Richtung sich die Sache jetzt entwickeln wird. Spannend ist die Angelegenheit allemal und mit ziemlicher Sicherheit auch für CPSI vorteilhaft.


Apropos Geschäftsmodell: Weil gerade CVS Health in einigen Foren und Blogs als die Aktie gehyped wird: Auch deren Geschäftsmodell ist nicht einfach zu verstehen und ich glaube nicht, dass auch nur die Hälfte der Interessenten begreift, worauf er sich da einlässt. Auch bei mir steht CVS ganz oben auf der Nachkaufsliste, aber diese plötzliche Begeisterung für die Aktie lässt mich dann doch vorsichtig werden. Ich kann hier jedem nur den Ratschlag geben, nicht auf Grund von Ranglisten eine Aktie zu kaufen, deren Geschäftsmodell man nicht versteht. Aber jetzt zurück zum Thema.

 

EHR: Electronic Health Records

Hinter diesem Begriff verbirgt sich im Prinzip ein sehr großes Geschäftsfeld. Letztlich braucht jedes Krankenhaus, ob klitzeklein oder großes Unispital, sein IT-System, um seine Daten verwalten zu können. In den meisten Fällen sind es privat gehaltene IT-Firmen, die sich auf diesem Gebiet tummeln und den einen großen Marktführer gibt es nicht. Unter anderem hat auch McKesson, den wir zuletzt als Pharmagroßhändler kennengelernt haben, hier mit einem Marktanteil von 12% seine Finger im Spiel. Allerdings taugen seine IT-Systeme nur für größere Krankenhäuser. Für die ganz kleinen, von denen es in den USA eine ganze Menge gibt, sind sie überdimensioniert und auch viel zu teuer. Und genau das ist die Nische von CPSI und sie war es für seinen Konkurrenten Healthland, der in etwa Zweidrittel des Umsatzes von CPSI gemacht hatte. Neben den sogenannten "Rural Hospitals", werden die IT-Systeme von CPSI und von Healthland aber auch in anderen ärztlichen Einrichtungen, etwa Gemeinschaftspraxen oder kleinen Ambulanzen eingesetzt.

 

Seit einiger Zeit tritt aber neben der Installation von neuen Systemen, die Pflege alter Systeme sowie die komplette Auslagerung nicht nur der IT, sondern auch anderer Verwaltungsaufgaben in den Vordergrund, speziell etwa die Abrechnung und Rechnungsstellung. Bei CPSI hat man die beiden Geschäftsbereiche unter den Bezeichnungen „True Bridge“ und „Evident“ in zwei eigene Einheiten zusammengefasst.

 

Übernahme oder Fusion?

Rein finanziell ist die Übernahme für CPSI kein Problem. Der Gesamtkaufpreis liegt bei etwa 250 Mio. USD, davon 160 Mio. in Cash und der Rest in Aktien, so dass mit einer Verwässerung von einem Sechstel der Aktien gerechnet werden muss (16%). Die neu ausgegebenen Aktien dürfen 180 Tage nicht verkauft werden. Die Schulden werden um etwa 130 Mio. USD steigen. Auf der anderen Seite wird der Umsatz deutlich auf ca. 300 Mio. steigen (aktuell weniger als 200 Mio.) und ebenso der Gewinn, der durch die Verwässerung dem Umsatz etwas hinterherlaufen wird. Insgesamt erscheint mir das Ganze sowieso mehr wie eine Fusion, als wie eine Übernahme, denn das Management von Healthland bleibt weitgehend im Amt, bzw. erhält etwas angepasste Positionen. 

 

Die große Stärke von CPSI ist - soweit ich das beurteilen kann - der Servicebereich, der in diesem Jahr organisatorisch noch einmal gestärkt wurde. Einige Bereiche beider Unternehmen überschneiden sich und es wird hier sicher mittelfristig eine Konsolidierung geben. Dafür hat Healthland aber auch Bereiche, die CPSI bisher nicht hatte: Etwa den Bereich Post Acute Care. Dabei handelt es sich um Institutionen, die Patienten zu Hause oder in einem Heim pflegen oder behandeln, die natürlich ebenfalls mit einer passenden IT beglückt werden wollen. Darüber hinaus hofft CPSI, dass es seinen Servicebereich jetzt auch den Healthlandkunden anbieten kann - und umgekehrt. Das bisher mit CPSI konkurrierende "Centriq" EHR-System, soll noch mindestens sieben weitere Jahre weitergeführt werden. Die Systeme laufen übrigens sowohl bei CPSI als auch bei Healthland auf Javabasis.

 

Wie geht es weiter?

Insgesamt glaubt CPSI, dass schon 2016 Synergiegewinne in Höhe von 10 Mio. USD erzielt werden können, 2017 sollen es dann 15 Mio. sein. Eine eigene Managementabteilung wird sich mit dem Thema beschäftigen. Die aufgenommenen Schulden sollen möglichst schnell wieder abgebaut werden und die bisherige Dividendenpolitik soll so bleiben wie sie ist, dies hat der Vorstandschef Boyd Douglas in der Pressekonferenz ausdrücklich bestätigt. Eine Dividendenkürzung muss ich also nicht erwarten. Bezogen auf meinen mittleren Kaufkurs beträgt meine Dividendenrendite rund 5,4%.

 

Der Ausblick ist meiner Ansicht nach gut. Letztlich haben alle IT-Unternehmen unter der "Meaningful Use" Geschichte gelitten (siehe unten, dort habe ich das Thema extra behandelt) und der Zeitpunkt überrascht im Nachhinein nicht. Letztlich ist der Markt für mehrere Wettbewerber zu klein und die Konsolidierung folgerichtig. Erst im März hatte Healthland seinerseits einen kleineren Konkurrenten übernommen (Rycan). Letzteres System gilt übrigens als "Diamant" im Portfolio von Healthland, wie Douglas sich ausdrückte. Zwar gibt es noch immer auch andere kleinere IT-Firmen, die sich um die kleinen Krankenhäuser bemühen, jedoch sind diese entweder nur in speziellen Bereichen unterwegs oder bieten nur bestimmte Produkte an.

 

Die Marktstellung der fusionierten CPSI/Healthland dürfte deutlich stärker sein, als zuvor. Und ob einer der Großen sich die Mühe macht, in die Niederungen des Kleinklein Geschäftes der Minispitäler einzusteigen, ist fraglich. Bisher gibt es solche Versuche nicht, aber vermutlich ist das nur eine Frage der Zeit. Bis das Geschäft aber wieder so brummt, wie es das schon getan hat, werden wohl noch ein bis zwei Jahre ins Land gehen und diese Zeit sollte man schon mitbringen, wenn man sich in das Abenteuer CPSI traut. Auch auf heftige Ausschläge nach oben oder unten muss man sich dabei einstellen.

 

Mein Vertrauen in das Management ist ungebrochen, speziell auch durch die sehr ehrliche Art wie in der Vergangenheit eigene Fehleinschätzungen kommuniziert werden und wie die Übernahme gehandhabt wird. Ich halte CPSI wegen seiner Dividende. Auch wenn diese im nächsten Jahr nicht erhöht wird, so ist sie hoch genug, um eine attraktive Verzinsung zu bieten. Ob die Bewertung aktuell günstig ist, ist dagegen nur sehr schwer einzuschätzen. Meiner Ansicht nach ist  das Geschäftsmodell auf Dauer robust und erst recht durch die Übernahme wird  so schnell kein anderes Unternehmen an CPSI herankommen. Ob sich dann auch das Wachstum wieder einstellt, ist abzuwarten. Evtl. muss man warten, bis das Servicegeschäft so groß ist, dass die Systemsales zum Nebengeschäft werden. Das Servicegeschäft wächst zweistellig und wird in den nächsten Jahren das Brot und Buttergeschäft werden.

 

Anhang: Meaningful Use

Hinter diesem Begriff verbirgt sich Segen und Plage der IT-Unternehmen, nämlich der "U.S. Healthcare Information Technology for Economic and Clinical Health Act", kurz HITECH. Das ist ein Gesetz, das es den "Erbringern von Gesundheitsdienstleistungen" wie es so schön bürokratisch heißt, zur Pflicht macht, ihre EHR-Systeme gemäß bestimmter Anforderungen zu gestalten. Das startete 2012 mit der ersten Stufe und beinhaltet sowohl sogenannte "Incentives", also Zahlungen, als auch die Möglichkeit von Strafen, wenn die Kriterien nicht eingehalten werden. Inzwischen befinden wir uns gerade in der Umsetzung der zweiten Stufe, die Ende des Jahres abgeschlossen sein sollte. Die dritte Stufe soll dann bis 2018 implementiert sein.

 

Als das Ganze losging, profitierten die IT-Häuser stark von diesem Gesetz, denn viele Krankenhäuser mussten IT-mäßig gehörig nachrüsten, bevor sie nur daran denken konnten Meaningful Use einzuführen. Zuletzt hat sich dieser Effekt aber in sein Gegenteil verkehrt. Die Krankenhäuser müssen, um ihre Incentives zu bekommen bzw. Strafen zu vermeiden, über einen bestimmten Zeitraum nachweisen, dass ihr EHR-System den Anforderungen von Meaningful Use entspricht. Dieser Zeitraum wurde relativ kurzfristig in Bezug auf die Stufe 2 von drei Monaten auf ein Jahr verlängert. Kein Krankenhauschef, der bei Sinnen war, hätte in dieser Zeit ein neues IT-System implementiert. Das führte dazu, dass bei allen IT-Firmen sehr plötzlich Aufträge storniert, bzw. erst gar keine gegeben wurden. Das war der Grund für die Gewinnwarnung von CPSI zu Anfang des Jahres und den Einbruch im Kurs der Aktie.

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 16 Dezember 2015 21:52)

    Danke für den sehr aufschlussreichen Beitrag! CVS ist bestimmt ein sehr interessantes Unternehmen. Der aktuelle Hype ist mir allerdings ebenfalls unverständlich. Btw: Du hattest kürzlich was über US-amerikanische Pharmagroßhändler geschrieben. Sind Dir diese beiden deutschen Pharmagroßhändler bekannt(?):

    http://www.finanzen.net/aktien/Celesio-Aktie

    http://www.finanzen.net/aktien/Phoenix-Aktie

  • #2

    Volatilität (Donnerstag, 17 Dezember 2015 08:31)

    Hallo zusammen,
    ich würde mal einschränken, dass das Geschäfsmodell eher für deutsche Anleger nicht so einfach einzuschätzen ist, einfach weil wir ein ganz anderes Gesundheitssystem vorweisen.

    @ Schildkröte: Neben dem Pharmagroßhandel, Apothekengeschäft betreibt CVS auch über 900 "Minute Clinics" wo man sich ambulant behandeln lassen kann und das Servicegeschäft PBM über das verschreibungspflichtige Medikamente für Dritte (z.B. Unternehmen mit Krankenversicherungen für ihre Mitarbeiter) gemanaged werden, also z.B. auch die Preisverhandlungen mit den großen Pharmakonzernen wie Pfizer, Roche und Co.. Daher auch der Zusatz Healthcompany, sonst wäre es ja nur eine schnöde Großapothekekette.

  • #3

    Volatilität (Donnerstag, 17 Dezember 2015 09:15)

    übrigens CVS hat mal eben die Dividende um 21 % angehoben ;-)

    CVS Health (NYSE:CVS) declares $0.425/share quarterly dividend, 21.4% increase from prior dividend of $0.35.

    Forward yield 1.84%

    Payable Feb. 2; for shareholders of record Jan. 22; ex-div Jan. 20.

  • #4

    Schildkröte (Donnerstag, 17 Dezember 2015 12:54)

    @ Volatilität:
    Die Minute Clinics von CVS sind mir bekannt. Hat Wal*Mart mit seinen Care Clinics ebenfalls. So what.

  • #5

    Volatilität (Donnerstag, 17 Dezember 2015 13:32)

    Im Grunde ist CVS auch nichts weiteres als ein spezialisierter Einzelhändler für das globale Thema "Gesundheit", dass machen Sie sehr gut und daher gefällt mir auch die Fokusierung in diesem Bereich. Auch aus Imagegründen auf "Tabak" zu verzichten, war eine langfristig sehr gute Entscheidung.

    Die Frage ist da eher ob sich Wal-Mart eher verzettelt, wenn man alles machen will, aber das ist eine andere Baustelle.

  • #6

    Christian (Donnerstag, 17 Dezember 2015 14:30)

    Die Minute Clinics sind ein zentraler Baustein in der Strategie von CVS, denn über diese Niederlassungen werden teils die Umsetzungen einiger PBMs abgewickelt. D.h. sie sind viel mehr, als nur kleine Ambulanzen, wie sie Walmart betreibt. Auch ist es nicht so, als ob die unterschiedlichen Geschäftsbereiche strikt voneinander getrennt wären. Man muss bei den Earning Calls mal ein bisschen zwischen den Zeilen lesen (oder hören), dann erfährt man das. Ansonsten hätte das Tabakverkaufsverbot ja auch überhaupt keinen Sinn gehabt.

    Momentan ist CVS tatsächlich eine der Aktien, mit dem bombensichersten Geschäftsmodell, die ich kenne. Bzw. ist es schon seit ein paar Jahren, wobei die Aquisitionen, speziell von Omnicare, hervorragend in das Portfolio von CVS passen. Man muss sich in das US-Gesundheitssystem tatsächlich mal ein bisschen einlesen, denn nur dass versteht man überhaupt, worum es bei CVS geht. Walgreens ist dagegen sehr viel einfacher zu verstehen, die sind tatsächlich "nur" eine Apothekenkette mit jeweils angeschlossenem Minisupermarkt.

    Walmart betreibt die Care Clinics nur als Mittel zum Zweck, wie jeder Einzelhändler eben auch sehr margenarme Dinge im Programm hat, weil es eben dazugehört und die Kunden meckern würden wenn sie fehlten. Die Care Clinics sind halt ein Grund zu Walmart zu fahren und nicht woanders hin, weil man dort alles an einem Ort bekommt. Dass damit nicht die großen Geschäfte gemacht werden, sieht man daran, dass z.B. Target seine Kliniken zusammen mit den Drogerien an CVS verkauft hat.

    @Volatilität: Mit der Dividendenerhöhung habe ich gerechnet, aber nicht in diesem Umfang, zumal da ja auch noch ein paar Schulden abzubezahlen sind. Aber offenbar haben sie das im Griff, wenn man den Äußerungen auf der Investorenkonferenz glauben kann.

    @Schildkröte: Celesio gehört zu 75% zu McKesson, habe ich glaube ich erwähnt. Die Aktie hatte ich übrigens mal. Phoenix kenne ich tatsäüchlich nicht.

  • #7

    Volatilität (Donnerstag, 17 Dezember 2015 15:41)

    Phoenix ist ein wenig in die Schlagzeilen geraten, als sich der Firmenpatriarch Adolf Merckle vor den Zug geschmissen hat, ob die Familie noch Anteile hält weiß ich nicht.

  • #8

    Schildkröte (Dienstag, 22 Dezember 2015 16:05)

    Hallo Christian,

    es gibt ja nicht nur Händler für Pharmazeutika, sondern auch für Medizintechnik. Mein Zahnarzt wies mich heute unbeabsichtigt/beiläufig auf Henry Schein hin:

    http://www.finanzen.net/aktien/Henry_Schein-Aktie

    Vielleicht interessiert Dich das Unternehmen ja. Das Wachstum sieht schließlich beachtlich aus:

    http://www.finanzen.net/bilanz_guv/Henry_Schein

    Wünsche Dir und Deiner Familie auf jeden Fall ein frohes Fest und, sollten wir uns dieses Jahr nicht mehr lesen, einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Gepanzerte Grüße

  • #9

    Christian (Mittwoch, 23 Dezember 2015 10:09)

    Hi Schildkröte,

    danke dir für guten Wünsche. Henry Schein kenne ich dem Namen nach, aber mehr auch nicht. Werde ich mir mal ansehen.

    Dir wünsche ich auch ein frohes Fest und den obligatorischen guten Rutsch.

    Gruß
    Christian