Eier zu Weihnachten: Cal-Maine-Foods

Nach meinen letzten Ankündigungen und Untersuchungen mag es seltsam anmuten, dass ich mich ausgerechnet für einen Eierproduzenten entschieden habe, anstatt mir eine McKesson, eine Cardinal Health oder auch eine weitere Portion von CVS Health in mein Nest zu legen. Ich habe das ganze Wochenende darüber nachgedacht und mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber erst einmal eine Beschreibung des Unternehmens. 


(Der Artikel über die Geschehnisse bei CPSI ist nur aufgeschoben und eigentlich schon fast fertig. Er folgt in Kürze.)


Das Geschäftsmodell: Simpel

Hühner züchten, die Eier einsammeln, verpacken und ausliefern. Damit ist das Geschäftsmodell von Cal-Maine Foods mit dem schönen Kürzel "CALM" erschöpfend und ausreichend beschrieben. Wobei: Ganz so einfach ist es natürlich auch wieder nicht. Insbesondere ist das Geschäft ziemlich zyklisch, wenn auch nicht im klassischen Sinn. Der Eierverkauf ist nur wenig von der Konjunktur abhängig, jedoch brauchen die Hühner Futter, und das gibt es nur zu stark schwankenden Preisen. Aber auch die Nachfrage nach Eiern unterliegt einer im Jahresverlauf stark schwankenden Nachfrage, so dass die Preise etwa kurz vor Ostern regelmäßig einen Höchststand erreichen, um dann wieder abzusacken und mit Ferienbeginn und vor Weihnachten wieder anzusteigen. Eier lassen sich nicht lagern, so dass diese Preisschwankungen unvermeidlich sind. Außerdem gibt es meines Wissens auch keinen Terminmarkt für Eier, mit deren Hilfe man das abfedern könnte. 


Zuletzt hat die in den USA grassierende Vogelgrippe die Preise stark ansteigen lassen, weil in Folge dessen um die 20% der Legehühnerbestände in den USA getötet werden mussten. Cal-Maine ist davon verschont geblieben und geht daher als ein Gewinner aus der Krise, sofern es sie am Ende nicht doch noch erwischt. 


Der Trend zu "glücklichen Eiern"

Auch in den USA gibt es seit einiger Zeit einen Trend zu sogenanntem "Organic Food", was etwa die Besitzer von General Mills schon mitbekommen haben dürften, wenn sie die Nachrichten über das Unternehmen verfolgt haben. Das Gleiche gilt auch für Eier und die damit verbundene Haltung der Hühner. Das Gute daran: Zwar kostet die Produktion von Eiern mehr, wenn ich den Hühnern mehr Platz gönne oder sie frei herumlaufen lasse, jedoch sind die damit erzielbaren Preise noch höher. Cal-Maine Foods gibt leider keine Zahlen dazu heraus, wie groß der Anteil in dieser Sparte ist, jedoch kann man davon ausgehen, dass hier ziemlich stark investiert wird. Auch wenn die Preise in diesem Bereich in Folge dessen mit der Zeit sinken werden, so dürfte die Marge dennoch höher bleiben. 


Management und Größe

Der Eiermarkt in den USA ist stark fragmentiert. Cal-Maine mit seinem Umsatz von 1,5 Mrd. USD gehört da schon zu den sehr großen Spielern. Das Management ist sehr geschickt darin, in einer Kombination aus Zukäufen und eigenen Investitionen ein stetiges Wachstum hinzubekommen. Und noch etwas ist mir wichtig: Einer der Hauptaktionäre, ein Mr. Adams, der ehemals selbst Chef des Unternehmens war, besitzt über 25% der Aktien und sitzt auch noch im Board. So etwas flößt mir Vertrauen ein, denn solche Shareholder sorgen dafür, dass das Unternehmen sich langfristig orientiert und nicht Quartalsgewinnen nachjagt. 


Inzwischen hat das Unternehmen eine gewisse Größe erreicht, die es erleichtert, auch größere Investitionen zu stemmen, z.B. in die Produktion von den genannten "glücklichen" Eiern. Und wenn man als Unternehmen eine gewisse Größe erreicht hat, ist man für große Abnehmer ein zuverlässigerer Lieferant und kann zudem seine Marktmacht auch für bessere Preise nutzen. Dass das Ganze trotzdem ein sehr schwankendes Geschäft ist, geht aus den unten genannten Zahlen der letzten zehn Jahre hervor: 


Kennzahlen zu Cal-Maine Foods

 

 

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

Umsätze

478

598

916

929

910

942

1,113

1,288

1,441

1,576

EPS

-0.02

0.78

3.20

1.67

1.42

1.27

1.88

1.05

2.26

3.33

FCF

9

36

127

85

96

42

71

31

65

113

Dividende

0.03

0.03

0.42

0.74

0.40

0.52

0.42

0.64

0.51

1.01

ROE

-0.84

26.61

70.40

26.16

19.11

15.27

19.98

10.12

19.65

24.86

ROA

-0.35

10.75

35.08

14.67

11.17

9.56

13.13

6.85

14.03

18.53

 EPS: Gewinn pro Aktie, FCF: Freier Cashflow, ROE: Return of Equity, ROA: Return of Assets, alle Zahlen von Morningstar

 

Abgesehen von den Umsätzen gestaltet sich das Geschäft von Cal-Maine durchaus schwankend. Was aber sehr auffällig ist, sind die langsam aber stetig wachsenden Umsätze. Nur im Jahr 2010 gab es einen leichten Rückgang, der aber schnell wieder aufgeholt war. Verschuldet wird sich nur kurzfristig, langfristige Schulden gibt es minimal. Übernahmen werden weitgehend aus dem Cash finanziert. 

 

Bewertung

Die aktuelle Bewertung mit einem PE von 8,6 bzw. im nächsten Jahr von 7,2, ist nur scheinbar sehr günstig. Denn darin sind die stark schwankenden Eierpreise schon verarbeitet. Momentan sind die Preise hoch, so dass damit zu rechnen ist, dass mittelfristig der Gewinn wieder etwas weniger wird. Aber selbst unter diesen Umständen ist Cal-Maine günstig zu haben. Der Wochenchart (von Finviz) zeigt, dass momentan in den Kursen der Wurm drin ist, was allerdings auch mit der Angst vor der Vogelgrippe zu tun hatte. Da sich bei diesem Unternehmen nur sehr schlecht Prognosen abgeben lassen, ist eine Bewertung nach meinem Modell nur bedingt brauchbar und daher lasse ich es bleiben. 


Die Dividende

Bei diesem Unternehmen ist nichts so wie es scheint. Wer bei Finviz nachschaut, wird sich über die aktuell sehr hohe Dividendenrendite von fast 8% wundern. Das ist jedoch nur ein Augenblickswert. Wie schon oben in der Tabelle zu sehen ist, schwankt die Dividende sehr stark und das ist tatsächlich Programm. Cal-Maine Foods legt die Dividende jedes Quartal neu fest und orientiert sich dabei am aktuellen Gewinn, der zu einer mehr oder weniger festen Quote ausgeschüttet wird (irgendetwas zwischen 30 und 40%). Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle, etwa wenn Cash für aktuelle Vorhaben gebraucht wird. Das bedeutet aber, dass in schwächeren Quartalen auch weniger Dividende ausgeschüttet wird, was schon bald zu erwarten ist, wenn die Eierpreise wieder sinken oder die Getreidepreise steigen. Diese Schwankungen dürfen einen nicht stören, für mich ist die langfristige Perspektive entscheidend. Eier werden in den USA immer nachgefragt werden und diesen Bedarf kann Cal Maine schon auf Grund seiner Größe besser befriedigen, als seine meist kleineren Konkurrenten und zur Not auch mal ein paar spitze Ellenbogen ausfahren. 


Die Alternativen

Noch vor einigen Wochen hatte ich überlegt, welche Aktie ich aufstocken sollte und dabei neben der dann zum Zuge gekommenen CPSI auch CVS Health genannt. Außerdem kam für mich nach meiner Analyse der Pharmagroßhändler in den USA auch MdcKesson oder Cardinal Health in Frage, wobei ich am Ende eher zu letzterer tendierte. Ich fand es allerdings sehr reizvoll, mich mal in eine komplett andere Branche zu begeben und auch der aktuelle Preis für Cal-Maine war sehr attraktiv (ich bin bei 49,70 $ eingestiegen). Die Gelegenheit war einfach günstig. Die Aktie selbst kannte ich schon länger, hatte sie aber vorher noch nicht eingehender untersucht. 


Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, wobei ich meine Aufstockungen natürlich auch immer am jeweiligen Preis orientiere und wer weiß, ob der etwa bei CVS Health so relativ günstig bleibt, wie aktuell. 


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Kommentare: 4
  • #1

    Alexander (Donnerstag, 10 Dezember 2015 22:01)

    Interessanter Wert. Ich wunder mich immer wieder, was die einzelnen Blogger, Leser so ausgraben. Aber das macht es so richtig spannend.

  • #2

    Patrick (Freitag, 11 Dezember 2015 20:46)

    Diesen Wert habe ich mir auch gekauft. Bin noch auf der Suche nach zwei weiteren Aktien. Basf, Qualcomm, Novartis, CVS, Union Pacific Corp und Caterpillar kommen bisher in Frage.

  • #3

    Schildkröte (Freitag, 11 Dezember 2015 21:59)

    Hallo Christian!

    Ja, is´ denn heut schon Weihnachten? Oh, tatsächlich. Aber dann ist es bis Ostern doch noch etwas hin... Gut, dass Du bereits jetzt "Eier" hattest und zugegriffen hast. ;-) Die Fundamentaldaten sehen interessant aus:

    http://financials.morningstar.com/ratios/r.html?t=CALM

    In der Tat sind die Zahlen sehr schwankend. Der deutliche Umsatzanstieg 2008 ist auf eine Übernahme zurückzuführen? Warum sind die EPS in 2015 im Vergleich zum Vorjahr von 2,26$ auf 3,33$ gestiegen, während der Umsatz im selben Zeitraum "nur" von 1,441 Mrd. $ auf 1,576 Mrd. $ stieg? Aktien werden offensichtlich nicht zurückgekauft. Das würde langfristig die Zyklik abdämpfen bzw. positiv zum EPS-Wachstum beitragen. Auch die Marge schwankt sehr stark. Hier sind Zulieferer wie Archer Daniels Midland bzw. Handelsmarkenhersteller wie ConAgra gegenüber Markenherstellern wie Coke, Nestlé etc. gegenüber im Nachteil. Beschränkt sich Cal-Maine Foods auf die USA bzw. ist eine Expansion in anderen Ländern angedacht?

    Gepanzerte Grüße

  • #4

    Christian (Montag, 14 Dezember 2015 14:20)

    CALM kauft ständig irgendwelche kleinen Produzenten auf, wenn sich die Gelgenheit ergibt. Was übrig bleibt, wird als Dividende ausgeschüttet. Das EPS schwankt von Quartal zu Quartal schon sehr stark, je nach Eier- bzw. Rohstoffpreisen. Das erkilärt z.B. die aktuell starke Margenerhöhung, die deswegen auch nur mit großer Vorsicht in die Zukunft fortgeschrieben werden sollte. Und ja: Bis jetzt gibt es eine Pläne von CALM ins Ausland zu gehen.