Buchvorstellung: The Dhandho Investor von Mohnish Pabrai

Leider habe ich kein Bild von Mohnish Pabrai gefunden, dass ich zweifelsfrei kopieren darf. Daher als Inspiration eine Götterstatue von Shiva in Nageshwar. Einer Hafenstadt in Gujarat, Indien. Wer wissen will wie Pabrai Mohnish aussieht, muss nur den Namen googeln, es gibt genug Bilder von ihm.


Monish Pabrai ist in gewisser Weise ein indisches Plagiat von Warren Buffet. Das betrifft nicht nur seinen Anlagestil, sein Gebührenmodell für seinen Hedgefonds, sondern auch sein Bestreben, sein Geld über Stiftungen an die Allgemeinheit zurückzugeben. Darüber hinaus ist er sehr erfolgreich: Von 2000 bis 2013 hat er laut Forbes eine Performance von 517% hingelegt, der S&P 500 nur 43%. Und um gleich alle Nachfragen zu ersticken: Sein Fonds ist für Neuinvestoren geschlossen.


Ebenso wie Buffet wird Pabrai erst dann bezahlt, wenn er mindestens 6% Performance erzielt und bekommt dann 25% des Gewinns. 2007 hat er 650.000 USD geboten, um damit mit Guy Spiers am legendären Essen mit Warren Buffet teilzunehmen. Seinen eigenen Hedgefonds hat er erst 1999 gegründet. Vorher war er in der IT-Branche unterwegs und hatte dort sein eigenes Unternehmen aufgebaut und war auch damit extrem erfolgreich. Geboren ist er in Mumbai in Indien, genau eine Woche später als ich selbst, nämlich am 12 Juni 1964.


Das Buch

Das Buch gibt es leider nur auf Englisch, die deutsche Übersetzung ist vergriffen und ich habe die Kindleedition gelesen, die mich für gute 200 Seiten 22€ gekostet hat. Der Einstieg war für mich der interessanteste Teil. Er beschreibt die Geschichte der „Patels“, einer geschäftstüchtigen Gruppe von Leuten, die an der Küste von Gujarat, an der Westküste Indiens lebten. Viele wanderten in der Kolonialzeit nach Uganda aus, halfen dort beim Eisenbahnbau und blieben als Geschäftsleute und Händler. Als Idi Amin zu Anfang der 1970er Jahre an die Macht kam, vertrieb er die seit zwei bis drei Generationen dort lebenden Inder, die nun nicht wussten wohin. Großbritannien wollte sie nicht aufnehmen, Indien selbst aber auch nicht, das gerade einen Krieg mit Pakistan hinter sich hatte. Viele Tausend gingen in die USA. Dort angekommen besaßen sie kaum noch Ersparnisse (sie mussten alles zurücklassen) und sprachen ein ziemlich schlechtes Englisch.


Es war die Zeit der ersten Ölkrise. Die Rezession machte sich breit und die Motelbranche rutschte mit in die Krise. Es war vermutlich nur Zufall, dass einer dieser Patels über ein Verkaufsangebot stolperte. Die Bank war bereit einen Kredit zu geben, man kratzte auch ein paar Eigenmittel zusammen und es konnte losgehen. Das Handwerkliche übernahm man selbst, die Familie arbeitete mit und man brauchte keine Angestellten. Die Familie wohnte auch im Motel und man kam mit geringen Einnahmen über die Runden. Auf diese Weise war man auch günstiger als die Konkurrenz.


Dhandho Investment

Pabrai kalkuliert das Ganze in mehreren Szenarien genau durch. Er beschreibt und quantifiziert die sehr geringen Risiken, die der erste Patel, den er bezeichnenderweise Papa Patel nennt, eingegangen ist und vergleicht sie mit dem möglichen sehr hohen Gewinn. Mit einer Discounted Cashflow Rechnung beziffert er den Wert der Investition. (Dass das Ganze aber nur funktioniert, wenn man die Arbeitszeit nicht rechnet und sich tatsächlich den Rücken krummrackert, lässt er unter den Tisch fallen.)


Weitere prominentere Beispiele für diese Art des Investments mit geringen Initialrisiken folgen: Richard Branson mit der Gründung seiner Fluggesellschaft, Bill Gates, Lakshmi Mittal (Stahlimperium) und noch einem weiteren indischen Motelinvestor, der ausnahmsweise kein Patel war. Alle hatten gemeinsam, dass sie mit nur sehr wenig eigenem Kapital und damit sehr geringem Risiko einen großen Gewinn eingefahren haben. Das bedeutet, dass selbst bei einem Totalverlust, das Risiko begrenzt bleibt. Und selbst dieses Risiko sollte bei 10% oder niedriger liegen. Solche Geschäftsgelegenheiten findet man entweder durch Zufall, wie die eingewanderten Patels, oder eben in Situationen, die sich durch zukünftige Ungewissheit auszeichnen, so dass der Preis für das Geschäft sehr gering ist.


Die Grundsätze des Investierens nach Pabrai

Nach dieser sehr langen und unterhaltsamen Einleitung stellt Pabrai die Grundsätze seines Investierens vor:


  1. Kaufe ein bestehendes Geschäft.

  2. Kaufe ein einfaches Geschäft, das sich nur wenig ändern wird und das du verstehst.

  3. Kaufe ein „distressed Business in distressed industries“. Kaum zu übersetzen, gemeint sind Geschäfte, die sich in einer schlechten Lage befinden, die von den Investoren nicht geliebt werden. Vielleicht passt aktuell die Ölbranche in dieses Bild?

  4. Kaufe Geschäfte mit einem Burggraben

  5. Investiere richtig viel, wenn die Wahrscheinlichkeit auf einen Gewinn hoch ist. Investiere in wenig Titel und investiere nur dann, wenn es sich lohnt. .

  6. Nutze Arbitrageeffekte aus (damit ist nicht das klassische Arbitrage gemeint, sondern dass ein Unternehmen es schafft, irgendwie einen Zwischenhändler zu umgehen. Ein bisschen schwammig.)

  7. Kaufe nur mit Sicherheitsmarge (er benutzt ein sehr simples DCF-Modell und prognostiziert maximal für 3-5Jahre)

  8. Schaue auf Geschäfte mit niedrigem Risiko, aber hoher Ungewissheit

  9. Es ist besser zu kopieren, als selbst zu erfinden. Also nicht die Erfinder kaufen, sondern die Vermarkter (Bsp. Microsoft).



Wie man sieht befinden wir uns hier tatsächlich sehr in der Nähe der Methoden von Buffet. Der Blickwinkel ist ein etwas anderer, aber die Grundlagen sind sehr ähnlich. Bei der Aufzählung der Punkte bleibt es aber nicht, sie werden in eigenen Unterkapiteln nochmals erklärt und illustriert. Ganz nebenbei wird die „Kelly Formel“ zur Abschätzung und Berechnung des Risikos eingeführt, die einem auch noch mitteilt, wie groß die eigene Position sein kann. Und wenn man die Vorteile auf seiner Seite sieht, soll man nicht zögern eine wirklich große Position einzugehen.Hier zitiert er gerne Buffet, der teils bis zu 40% und mehr seines Fondsvermögens in nur eine Position investiert hat.


Das Urteil

Was ich neu fand bzw. was mich zum Nachdenken angeregt hat, waren die folgenden Punkte: Zunächst einmal, wie schon im vorherigen Beitrag geschrieben der Punkt 8: Schaue auf Geschäfte mit niedrigem Risiko, aber hoher Ungewissheit. Die Börse hasst Ungewissheit und daher ist sie einer der wenigen Gelegenheiten, günstig an eine Aktie zu kommen.


Wer sich Punkt 3 näher anschaut, wird aktuell auf die Ölbranche kommen oder auch auf die Autoindustrie. In so einer Situation zu investieren, gehört aber einerseits Mut und andererseits Branchenkenntnis.


Der entscheidende Punkt bei der Bewertung eines Investments ist für Pabrai der daraus zurückfließende Cashflow. Sein DCF Modell ist dabei sehr einfach gestrickt und man kann es im Prinzip mit einem Taschenrechner ausrechnen. Er benutzt keine dieser komplizierten Formeln, die zudem den Nachteil haben, dass Schätzungen und Zinssätze das Ergebnis massiv beeinflussen können.


Insgesamt ein sehr schön zu lesendes Buch, ohne viel theoretisches Brimborium, das vor allem darauf Wert legt, dass man ein Gefühl für seine Art des Investments bekommt. Das erreicht Pabrai durch seine vielen Beispiele, wobei er die indische Schiene meiner Meinung nach etwas überstrapaziert. Man hat manchmal auch das Gefühl, dass er die Wichtigkeit bestimmter Themen erst im Laufe des Schreibens erkennt und dann einen ziemlich ausgiebigen Exkurs startet, der das Gefüge des Buches etwas stört. Insgesamt also etwas unstrukturiert und Themenmäßig manchmal auch zusammengewürfelt, aber wem das nichts ausmacht, der wird Vergnügen am Lesen haben.


Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Schildkröte (Freitag, 13 November 2015 21:02)

    Danke für die sehr aufschlussreiche Vorstellung!

    "Von 2000 bis 2013 hat er laut Forbes eine Performance von 517% hingelegt, der S&P 500 nur 43%."

    Hm, 2000 war kurz vor dem Platzen der Dotcomblase. Kann man das wirklich als geeigneten Startpunkt für eine langfristige Betrachtung heranziehen? Jedenfalls ist das kein Garant dafür, dass er auch in den nächsten 15 Jahren so eine beachtliche Performance hinlegen wird.

    Tja, Not macht erfinderisch. Aber die genannten Unternehmen hatten irgendwo alle mehr oder weniger einen goldenen Riecher und sicher auch etwas Glück. Wer sich selbständig machen will, braucht eine Geschäftsidee, Startkapital, Kunden, ggf. Mitarbeiter, sehr viel Zeit und vor allem eine große Portion Ehrgeiz.

    Wer von einer Sache überzeugt ist, kann sich vielleicht tatsächlich auf einige wenige Positionen beschränken oder sogar alles auf eine Karte setzen. Dem Gros der Privatanleger würde ich davon allerdings ganz klar abraten.

    Punkt 6 erinnert mich an Oettinger. Das Bier ist auch deshalb so billig, weil es auf Marketing verzichtet und direkt an die Einzelhändler liefert, ohne dafür Großhändler zwischenzuschalten.

  • #2

    Alexander (Samstag, 14 November 2015 13:52)

    Danke für die Buchvorstellung.

    Mit etwas Glück, kann man mit "gefallenen Engeln" durchaus sehr reich werden. Es gibt genug Beispiele auch in Deutschland. Drillisch ist vor Jahren in Bedrängnis geraten, die Aktie gab es unter 1 € und stehen nun über 40 € - Performance über 4.000 %. Jungheinrich gab es mal für 8 €, sind nun über 60 €, Apple bei 2-3 $ vor dem Splitt, SMA Solar, Nordex usw.
    Kann aber auch daneben gehen, siehe Praktiker, Nokia usw.
    Was wird aus AirBerlin? QSC?
    Es geht mit Glück und Wissen. Ist aber nicht so mein Investmentstil.


  • #3

    Christian (Sonntag, 15 November 2015 10:30)

    Solche Wetten geht man auch nur ein, wenn man sich sehr sicher ist, dass es nicht daneben gehen kann. Solche Gelegenheiten kommen einfach nicht häufig vor. Mir selber würde vermutlich das Selbstvertrauen fehlen so viel auf nur ein Pferd zu setzen. Da kann ich dann nicht mehr ruhig schlafen.
    Pabrai nennt als Beispiel das "Salatölgeschäft" von Buffet. Besser geschildert wird es aber in einem anderen Buch, nämlich "Das Leben ist wie ein Schneeball", eine Biografie über Warren Buffet. Auch sehr empfehlenswert, insofern ihr das nicht schon längst kennt.