Verkauf AAP, Nachkauf Fastenal

Verkalkuliert, kann man da nur sagen. Aber das kann passieren, wenn man in ein Unternehmen investiert, das sich hauptsächlich über nur ein Produkt definiert. Ich rede hier über AAP Implantate, denen gegenüber ich vor nicht allzu langer Zeit noch sehr positiv eingestellt war. In diesem letzten Beitrag kritisierte ich die kurzfristig agierenden Investoren. Nun haben aber die Skeptiker recht behalten und ich unrecht, wiewohl ich mir des Risikos bewusst war. Die Aktie habe ich verkauft und die Gelegenheit genutzt, Fastenal aufzustocken, von denen ich zuletzt aus Cashmangel nur eine geringe Charge kaufen konnte. Aber was ist bei AAP passiert?


Mal wieder Lehrgeld gezahlt ...

Das kommt leider immer wieder vor und ist unvermeidlich. Investoren bei Leoni etwa können davon aktuell ebenfalls ein Lied singen. Bei AAP ist die Lage etwas unübersichtlicher. Der Hersteller von Implantaten, die bei Knochenbrüchen in die Knochen geschraubt werden, hatte zuletzt schon einige schwächere Quartale gehabt, die ich aber nicht wirklich ernst nahm, betrafen die dafür aufgeführten Gründe scheinbar keine grundsätzlichen Probleme. Verzögerungen bei der Markteinführung von Loqteqimplantaten, der Flaggschifftechnologie von AAP, in den USA oder Brasilien, bedeuteten für mich maximal eine ärgerliche Verzögerung, aber nicht mehr. Die letzte Meldung hatte es sich jedoch in sich: Einbruch der Loqteq Verkäufe um 37%!


Das Wichtigste: Vertrauen in das Management

Zwar stieg der Umsatz insgesamt, doch das kam ausgerechnet aus dem Bereich "Biomaterialien", den das Management eigentlich hatte verkaufen wollen. Man mag sich gar nicht vorstellen, was mit dem Kurs der Aktie passiert wäre, wenn der Verkauf geglückt wäre. Und während in den früheren Pressemeldungen nicht ausgiebig genug das Umsatzwachtum von Loqteq gerühmt werden konnte, verliert das Management diesmal kein Wort darüber, warum der Umsatz hier derart eingebrochen ist. Dagegen der reinste Bullshit über Wachstumsschwäche in China und sonst was, als ob das irgendeinen Einfluss auf die Implantatverkäufe hätte. Kein Wort darüber, was wirklich mit den Implantaten los ist.


Einmal mehr muss ich feststellen, dass das Vertrauen in das Managment eines Unternehmens für mich einer der wesentlichen Entscheidungsgründe für oder gegen eine Aktie ist. Und nach einer derartigen Pressemeldung kann ich das Management von AAP nicht mehr ernst nehmen. Also raus aus der Aktie, was nun leider mit einem hübschen Verlust erfolgte.


Vertrauen in das Management: Gegenbeispiel Fastenal

Genau umgekehrt verhält es sich mit Fastenal. Das Management ist einfach top. Man kann meiner Meinung nach schon sehr viel über ein Unternehmen lernen, wenn man nur darauf achtet, wie Geschäfts- und andere Berichte gestaltet und geschrieben werden. Die Berichte von Fastenal sind mit das Beste, was ich bisher unter die Augen bekommen habe. Ebenso verhält es sich mit der Pressekonferenz, deren Transcript bei Seeking alpha nachzulesen ist. Selten habe ich so qualifizerte Fragen und ebensolche Antworten gelesen. Manchmal zieht sich so eine Pressekonferenz dahin und man kämpft sich halt durch. Hier dagegen macht es fast Spaß, das zu lesen.


Und noch etwas fällt beim Management von Fastenal positiv auf: Man ist extrem vorsichtig, was Prognosen anbetrifft. Dagegen wird sehr gerne die Nichtexistenz einer Kristallkugel erwähnt und man möchte bitte danach beurteilt werden, was man zu tun gedenkt. Sehr erfrischend. Man vergleiche das nur mal mit den leicht übertriebenen Prognosen des Leonimanagements, die dann nur drei Wochen später eingestehen müssen, dass diese reines Wunschdenken und Phantasterei waren.


Wer mehr über Fastenal lesen möchte, speziell auch über die letzten Quartalszahlen, dem empfehle ich (neben meinem kürzlich geschriebenen Artikel) diesen hervorragenden Beitrag auf Seeking Alpha. Der Autor dort ist mit mir über die Qualität der Berichte einig. Dort habe ich übrigens auch einen sehr interessanten Link gefunden: "The cheapest CEO in America". So etwas sagt viel über die Kultur in einem Unternehmen aus.


Meinen Bestand an Fastenalaktien habe ich jetzt fast verdoppelt. Den Kaufauftrag hatte ich limitiert vor Herausgabe der Quartalszahlen abegegeben, so dass ich die erwähnten Berichte erst im Nachhinein gelesen habe. Das ist halt immer ein Glücksspiel und die übertriebenen Reaktionen der Kurse an den amerikanischen Börsen auf nur geringe Abweichungen vom Analystenkonsensus sind hinlänglich bekannt. Ich nehme dann, was kommt und bin zufrieden damit.




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Kommentare: 5
  • #1

    Covacoro (Donnerstag, 15 Oktober 2015 20:54)

    Hallo Christian,
    der Punkt Vertrauen in das Management zieht sich ja wie ein roter Faden durch Deine Artikel :-)
    Ich weiß nicht, in welcher Branche du deine Brötchen verdienst, aber vielleicht kennst Du es ja aus eigener Erfahrung? Mit "just in time" Belieferung fing es an, mit gestern Überbestellung und massivem Druck alles Menschen mögliche zu unternehmen, die Ware zum Kunden zu bringen und zwei Wochen später dann plötzlich kompletter Streichung der Folgeorder (!), eher zögerliche Abnahme der Ware und Verlagerung des Lagers und Risikos vom Endkunden zu den Zulieferern etc. geht es weiter.
    Ich denke, in vielen Hightechbranchen ist es mittlerweile gang und gäbe, keine langfristige Strategie mehr zu fahren, sondern von Quartal zu Quartal zu denken und von Vollgas auf "Vollstopp" zu schalten. Nur so ein Gedankenanstoß, ich sehe das jedenfalls in meiner Branche. Daher bin ich immer wieder erstaunt, wie bereits ein Quartal die Meinung vieler Anleger komplett drehen kann, wo aktuell nach 9 Monaten bei AAP man auf Vorjahresniveau ist (bzgl. Loqteq Verkäufen) und wenn diese Implantate so gut sind wie behauptet, sollte das Wachstum erst langfristig in Gang kommen, wenn man in Süd- und Nordamerika zugelassen ist. Bis dahin: alles kurzfristige Spielerei.
    Covacoro

  • #2

    Schildkröte (Donnerstag, 15 Oktober 2015 22:23)

    @ Christian:
    GESCO hattest Du verkauft, *obwohl* das Management sich hinsichtlich der Zukunft eher vorsichtig äußert. Aber gut, GESCO durchleidet eine schon etwas länger anhaltende Durststrecke. Bei Gerry Weber wurden die schleppenden Geschäfte ja immer wieder "aufs schlechte Wetter" zurückgeführt. Bei GESCO vertraue ich dem Management weiter bzw. ich traue es dem Management zu, die Umstrukturierung bei den beiden Problemkindern hinzukriegen. Bei Gerry Weber kommt doch schon ein wenig der Verdacht auf, dass es sich das Management "ein wenig" zu einfach macht, ständig das Wetter für schlechte Geschäfte verantwortlich zu machen. Würde sich Deine Meinung zu AAP denn ändern, wenn das jetzige Management ausgetauscht werden würde? Denn an der Qualität der Produkte besteht doch kein Zweifel, so dass ein Zurückkehren auf die Erfolgsspur nicht unwahrscheinlich erscheint.

  • #3

    Christian (Freitag, 16 Oktober 2015 09:52)

    Danke für die Kritik von euch beiden. ich denke ihr habt beide ein klein wenig recht, aber:

    @Covacoro: Ja, das mit dem Vertrauen ist mir sehr wichtig und je länger ich an der Börse unterwegs bin, desto wichtiger wird es.

    Zu deiner Kritik: Normalerweise würde ich dir recht geben. Immerhin besitze bzw. besaß ich AAP jetzt fast zwei Jahre und habe eine ganze Menge schlechter Quartale klaglos über mich ergehen lassen. Das Problem sind aber nicht irgendwelche kleinen temporären Probleme, wie in den letzten Quartalen berichtet, sondern ein massiver Einbruch von 37% beim Paradepferd. Und dieser Einbruch bleibt in der Meldung völlig unkommentiert. Du hast das vermutlich nicht so verfolgt, aber jeder kleine Erfolg bei LOQTEQ wurde von AAP jedesmal massiv abgefeiert. daher macht mich das jetzt extrem misstrauisch. Das Unternehmen lebt vom Wachstum bei diesem Produkt und so wie es aussieht, wächst das Produkt nicht mehr. Und die Anlaufprobleme in den USA haben mit diesem Einbruch nichts zu tun, denn man verkauft dort noch gar nichts. Und das dann mit den allg. bekannten Problemen in China oder sonst wo zu begründen ist meiner Meinung nach dreist. Ich werde nicht gerne für dumm verkauft. Ich glaube jedenfalls nicht, dass im letzten Quartal über ein Drittel weniger komplizierte Knochenbrüche zu versorgen gewesen sind, als im Quartal vorher. Da ist etwas faul, aber was, wird nicht gesagt.

    Wenn es so wäre wie du sagst, von Vollgas auf Vollstopp, um etwa Nachfrage- oder Lagerschwankungen zu begegnen, dann hätte es mit Sicherheit einen entsprechenden Kommentar gegeben. Hier handelt es sich aber nicht um ein Autoteil sondern um ein kontinuierlich gebrauchtes Hilfsmittel in der Medizin.

    @Schildkröte: Bei Gesco hat das Management mehrfach die eigenen Ziele nicht erreichen können und das auch immer erst im letzten Moment bekanntgegeben. Bei Gesco glaube ich jedoch nicht, dass das Absicht war, sondern ich fürchte, es war Unvermögen. OK, von außen lässt sich das nur schwer beurteilen und letztlich spielt das für mich keine Rolle, wobei "Absicht" schwerer wiegt, als "Unvermögen", denn Letzteres lässt sich evtl. ändern.

    Meine Meinung zu AAP würde sich dann ändern, wenn ich darüber aufgeklärt würde, was da gerade passiert ist und das die Probleme tatsächlich nichts mit der Qualität und Beliebtheit der Produkte zu tun haben. Ich sag es mal so: Wenn es so wäre, dann wäre die Führung von AAP die Erste, die in ihrem Bericht eine solche Erklärung liefern würde. Das Fehlen jeglicher Erklärung macht mich misstrauisch.

    Warum es zu den besagten Umsatzrückgängen gekommen ist, bleibt völlig unklar. Vielleicht hat AAP versucht die Preise zu hoch zu schrauben? Vielleicht sind doch plötzlich Probleme aufgetreten, die die Chirurgen veranlassen, lieber auf die altbewährten Produkte zurückzugreifen? Keine Ahnung. Aber wenn das Problem grundsätzlicher Art ist, dann wird die Wahrheit irgendwann ans Licht kommen und der aktuelle Kursrutsch nicht der letzte gewesen sein. Und das Risiko möchte ich einfach nicht eingehen.



  • #4

    Chris (Freitag, 23 Oktober 2015 09:21)

    Fastenal sieht von den Zahlen sehr interessant aus. Die hohe EKR und das sehr aktive Kostenmanagement von Fastenal finde ich super (http://www.inc.com/magazine/19971001/1336.html)

    Grüße

  • #5

    Christian (Freitag, 23 Oktober 2015 13:38)

    Sie haben im letzten Jahre tausende neue Leute eingestellt, ohne dass die Betriebskosten drunter gelitten hätten. Allerdings glaube ich nicht dass dieser Coup oft zu wiederholen ist.