Cracker Barrels gutes Jahr

Als herauskam, dass Cracker Barrel in diesem Jahr eine hübsche Sonderdividende von 3 USD zahlen würde, machte der Aktienkurs einen kleinen Sprung. Inzwischen ist die Dividende verbucht, die Aktionäre durften in diesem Jahr insgesamt 7,40 USD (4,40$+ 3$) einsacken und damit eine Rendite von 5,1% einfahren (bezogen auf den aktuellen Kurs). Aber auch der Kurs macht Freude und hat sich in den letzten Turbulenzen erfreulich gut gehalten. Etwas ungewöhnlich endet hier das Geschäftsjahr bereits Ende Juli, so dass die Zahlen für das letzte Geschäftsjahr bereits heraus sind, wenn auch der offizielle Geschäftsbericht (in den USA als 10K bezeichnet) noch auf sich warten lässt. Er dürfte dieser Tage erscheinen.


Der Chart

Quelle: finanzen.net

Der Rückblick

Im letzten Jahr hat Cracker Barrel hervorragende Geschäfte gemacht. Der Umsatz in den rund 600 Restaurants und in den angeschlossenen Läden hat um 5,9% auf 2,84Mrd. USD zugenommen. Die operative Marge konnte um 1,2 Basispunkte von 7,9 auf 9,1% gesteigert werden, der Gewinn je Aktie von 5,63$ auf 6,82$ zulegen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass dieses Gewinnwachstum vor allem in den schon bestehenden Restaurants erzielt worden ist (im US-Analystenslang kurz als „Comps“ bezeichnet, abgekürzt für Ergebnisse in „comparable stores“). Die wichtigsten Zahlen hier in Kürze:


  • Umsatz:                                   + 5,9%
  • Operative Marge:                     7,9   9,1%
  • Gewinn pro Aktie:                    + 21%
  • Wachstum der Kundenzahl:    + 2,1%
  • Verkäufe in den Läden:           + 3,6%
  • Verkäufe in den Restaurants: + 5,1%


Offenbar trifft Cracker Barrel mit seinem auf ländlich gemachten Stil und seinem an den Südstaaten orientierten Essen den Geschmack der Leute, speziell derjenigen, die aufs Geld gucken. Dabei werden auch die Kaloriensparer nicht vernachlässigt, für sie gibt es spezielle Angebote. Hier muss man das Risiko im Auge behalten, dass Cracker Barrel aus der Mode kommen könnte, wovon aber momentan keine Rede sein kann. Momentan spielt Cracker Barrel auch die vermehrte Ausgabefreudigkeit der Amerikaner in die Hände, wobei Cracker Barrel insgesamt besser abschneidet als die Konkurrenz. (gemessen im sogenannten Knapp Track) Wachstum über Neueröffnungen gibt es nur wenig: Im nächsten Jahr sind 7 – 8 Neueröffnungen geplant, also gerade mal 1% mehr.


Ausblick

Die Erfolge des vergangenen Jahres dürften kaum zu wiederholen sein, da sich dort mehrere günstige Effekte gegenseitig verstärkt hatten. Die Geschäftsführung äußert sich vorsichtig, zumal Unwägbarkeiten wie das Wetter das Ergebnis nicht unerheblich beeinflussen. Der Umsatz soll nur mäßig auf 2,9-2,95Mrd. USD wachsen, das EPS dagegen zwischen 5 und 10% zulegen. Nichts besonderes also. Die Analysten schätzen das Wachstum des EPS in den nächsten Jahren auf über 8%, was zu erreichen wäre, wenn alles normal läuft. Im Vergleich zu meiner ersten Bewertung ist die Erwartungshaltung etwas gedämpfter.


Bewertung

Mit einem KGV von 21,6 für das vergangene Geschäftsjahr und 19,9 für das gerade begonnene scheint Cracker Barrel hoch bewertet. Die Paybacktime (siehe Bewertungssystem) relativiert das etwas und liegt bei unter 9, ist also gar nicht so schlecht, vor allem wenn man die recht hohe Stabilität des Geschäftes betrachtet. Dazu kommt eine mögliche Sonderdividende, die in den oben genannten Zahlen nicht enthalten ist. Cracker Barrel zahlt Sonderdividenden, um Aktienrückkäufe zu vermeiden, die ja steuerlich gesehen eigentlich besser wären. Aber es gibt da einen ungeliebten Großaktionär, der mit einer speziellen Regelung kurzgehalten wird. Diese Regelung macht es dem Unternehmen geradezu unmöglich, Aktien zurück zu kaufen.


Nicht zu unterschätzen sind auch die stillen Reserven des Unternehmens, denn im Gegensatz zur Konkurrenz betreibt Cracker Barrel seine Restaurants in Eigenregie und nicht über Franchising. Das bedeutet, dass viele Immobilien dem Unternehmen selbst gehören und im Notfall eine schöne Bewertungsreserve bedeuten. Viele Aktionäre in den US Foren sind der Meinung, dass man diese Reserven doch endlich aktivieren sollte, um die Margen zu puschen, doch dazu gibt es sehr unterschiedliche Ansichten und ich selbst bin da auch eher konservativ gestimmt. Tafelsilber sollte man nicht ohne Not verkaufen.


Grundsätzlich ist Cacker Barrel für einen eher konservativ agierenden Dividendeninvestor durchaus zu empfehlen, wobei das Unternehmen vermutlich keine Aktie für die Ewigkeit ist. Die Moden kommen und gehen und das Beispiel von McDonalds sollte jedem vor Augen stehen. Man sollte die "Essenstrends" in den USA also im Auge behalten. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der leicht zyklische Charakter von Restaurants, denn am außerhäusigen Essen wird oft zuerst gespart, wenn es den Leuten gefühlt nicht mehr so gut geht. Ein oder mehrere magere Jahre sind in solchen Situationen immer möglich. Wer mit diesen Risiken aber leben kann, dürfte mit Cracker Barrel für sein Depot ein recht stabiles Basisinvestment haben, das mit sehr schönen Dividenden erfreut.


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Kommentare: 4
  • #1

    Chris von gieristgut.com (Sonntag, 27 September 2015 17:37)

    Schöne Analyse.
    Was mir in den Staaten bei den Familienrestaurants sehr oft aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Kellner einfach unglaublich schlechte Verkäufer sind und fast nie ein Upsell stattgefunden hat, bzw. wenn es versucht wurde einfach ultra schlecht war.
    Da wird einiges an Umsatz einfach nicht gemacht! Also vermutlich lieber mal die Verkäufer schulen, als das Tafelsilber unter die Menschheit zu bringen.

    Grüße

  • #2

    Schildkröte (Sonntag, 27 September 2015 21:40)

    Danke für die Vorstellung! Könntest Du das mit dem schwierigen Großaktionär vielleicht etwas näher erläutern? McDonald´s betreibt zwar den Großteil seiner Restaurants im Franchise-Modell. Allerdings gehören diese Restaurants McDonald´s trotzdem. Die Franchise-Nehmer zahlen für die Nutzung Pacht an McDonald´s. Hier eine Übersicht diesbezüglich: http://www.experto.de/existenzgruendung/franchise/mcdonalds-franchise-lohnt-sich-der-einstieg.html

  • #3

    toni (Montag, 28 September 2015 17:35)

    HI
    und Heute dies
    http://www.nasdaq.com/press-release/cracker-barrel-old-country-store-inc-declares-quarterly-dividend-and-authorizes-share-repurchases-20150928-00360
    Aktienrückkäufe über 25 Mio
    tschü

  • #4

    Christian (Montag, 28 September 2015 21:02)

    Um das mit den Aktienrückkäufen aufzuklären:

    Bei Cracker Barrel (CBRL) gibt es einen Goßaktionär, der aber von der Geschäftsleitung und den anderen Aktionären nicht geliebt wird: Biglari mit seiner Beteiligungsfirma "Biglari Capital Corp", die 19,78% der Anteil besitzt. Biglari besitzt noch ein paar andere Restaurantketten und es ist nicht ersichtlich, was er mit CBRL vorhätte.

    Um ihn herauszuhalten gibt es bei CBRL einen sogenannten"Shareholder Rights Plan", auch gelegentlich als Poison Pill bezeichnet. So ein Plan gibt allen Aktionären das Recht zusätzliche Aktien zu einem verbilligten Preis zu kaufen, wenn ein Aktionär 20% oder mehr aller Aktien besitzt. Wenn CBRL jetzt Aktien zurückkaufen würde und sie eliminierte, käme Mr. Biglari auch ohne, dass er selbst zukaufte, über die 20% Marke, was man aber lieber vermeiden möchte.

    Das ganze ist eigentlich dazu gedacht, zu verhindern, das Biglari selbst Aktien zukauft, denn wenn er es täte und Übernahmepläne hätte, könnten dann alle anderen Aktionäre billig Aktien zukaufen, das Ganze fürchterlich verwässern und die Angelegenheit für Biglari deutlich verteuern. Das bedeutet aber auch, dass eigene Aktienrückkäufe in so einer Sitaution wie jetzt völlig sinnwidrig wären, denn anstatt weniger gäbe es hinterher mehr Aktien.

    Dass dem Management die Möglichkeit eingeräumt wird Aktien zurückzukaufen, ist nichts Neues, eine solche Ermächtigung gab es schon vorher, wurde aber nicht umgesetzt. Möglicherweise hofft das Management, dass Biglari von sich aus Aktien verkauft, so dass es Spielraum für Rückkäufe gibt.

    Das Ganze wurde übrigens ganz kurz auch auf der Pressekonferenz angesprochen, die auf die Ankündigung folgte, die Sonderdividende zu zahlen. Leider habe ich die Quelle nicht mehr parat, man findet sie aber bei Seeking Alpha im Conference Call Transcript vom vorletzten (?) Quartal.