SHW AG oder wie ich mich absichern kann

Die SHW AG, ein Automobilzulieferer, ist ein schönes Beispiel dafür, wie es einem Aktionär ergehen kann. Nach einem fulminanten Jahresauftakt mir Gewinnen von bis zu 30%, ging die Aktie den Weg aller Automobilzulieferer und bröckelte wieder ab, um dann aber in der letzten Woche komplett abzuschmieren.Sie hat sich in nur sechs Monaten halbiert. 

Man könnte aber auch sagen, wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um oder sehr viel profaner: Automobilzulieferer sind halt sehr volatil. Was passiert da gerade bei diesem Unternehmen?


Der Chart seit Anfang des Jahres

Quelle: finanzen.net


Ursachenforschung

Nachdem der Kurs Ende Februar seinen Höhepunkt erreicht hat, bröckelte er wieder etwas ab, um dann lange Zeit zwischen 40 und 44 zu pendeln. Der erste Absturz geschah im Gleichklang mit dem der Automobilbranche im Zuge der schlechten Nachrichten aus China. Der letzte Kursrutsch ereignete sich dann aber auf Grund von Gerüchten. Dass es bei dem Unternehmen Schwierigkeiten gab wegen sehr hoher Kundenabrufe, also erhöhter Nachfrage, wurde schon vor längerer Zeit bekanntgegeben und war nichts Neues. (Das Ganze erinnert mich ungut an Gesco.)  Dass offenbar erst jetzt einige Analysten darauf reagieren und die Aktie herabstuften, verstehe ich dagegen nicht, das hätten sie bereits vor einigen Wochen tun können.


Letztlich hat sich an dem Unternehmen nichts Fundamentales geändert, außer dass das Gewinwachstum auf Grund erhöhter Investitionen und erhöhter Kosten niedriger ausfallen wird als erwartet. Der Umsatz wächst dagegen unverdrossen weiter (ein Unterschied zu Gesco) und wenn es das Unternehmen schafft, die Marge wieder in die gewohnte Richtung zu treiben, sollte sich die Angelegenheit erledigen, auch wenn es jetzt noch eine Gewinnwarnung seitens des Unternehmens geben sollte. Es kann aber auch sein, dass gewisse Personen im Umfeld des Unternehmens mehr wissen, als unsereins. Das wäre dann allerdings wirklich schlecht. Aber das bleibt abzuwarten.


Der Umgang mit Kursrisiken

Vermeiden kann man Kursrisiken nicht, sie gehören einfach zum Umgang mit Aktien hinzu. Das Wichtigste dabei ist es, die Ruhe zu bewahren. Am Leichtesten dürfte das noch den Anhängern der Dividendenstrategie fallen, denn solange man sich noch in der Aufbauphase befindet, sollte man sich darüber freuen, wenn Aktien tief fallen, bekommt man sie doch umso günstiger und die spätere Rendite ist höher. In der Aufbauphase ist eine grandiose Hausse wie wir sie gerade zu Ende gegangen ist, das Risiko, nicht ein Absturz. Jedenfalls solange die fundamentale Lage nicht dazu führt, dass die Dividende gekürzt wird, was z.B. bei den Ölfirmen aktuell nicht ganz unwahrscheinlich ist.


Von den großen Anlegermagazinen und auch von einigen Börsenbriefen (z.B. dem hier besprochenen Platowbrief)  wird dagegen das Setzen von Stopp-Loss (SL) Orders empfohlen. Ich fürchte, dass während der gerade erst erlebten Turbulenzen einige Anleger hier böse erwischt worden sind. Nicht selten kommt es vor, dass man exakt am Tiefpunkt eines Kursrutsches ausgestoppt wird, worauf der Kurs dann dreht und sich wieder etwas erholt. Gerade bei wenig liquiden kleinen Werten kann einem das passieren, weil dann am Stopp-Loss Kurs niemand bereit steht, um zu kaufen und man dann einen deutlich schlechteren Kurs bekommt, als man gedacht hatte. Aus aktuellem Anlass: Auch bei VW hätte ein SL nicht viel gebracht, denn die Aktie handelte vom Handelstart weg deutlich niedriger. Man nennt das ein "Downgap", das auch einige Zocker nach der Freigabe des Frankenkurses in den Ruin gestürzt hat.


Aber abgesehen von solchen "Unglücksfällen" widerspricht ein Stopp-Loss meiner langfristigen Anlagestrategie. Ich besitze eine Aktie, weil ich Anteile an einem Unternehmen besitzen möchte. Wenn dann der Kurs auf Grund von welchen Gründen auch immer nicht meinen Vorstellungen entspricht, muss ich das akzeptieren. Falls sich dann nicht auch die fudamentale Lage verändert hat, wären das dann exquisite Kaufgelegenheiten. Bei SHW würde ich vielleicht noch etwas warten, aber im Prinzip könnte ich auch hier nachkaufen, sofern ich denn noch Liquidität übrig hätte.


Wie ich gerade jetzt lese, gab es Freitag die ersten Insiderkäufe, was aber die Aktie nicht gehindert hat heute Morgen nochmals deutlich nachzugeben. 


Risikosteuerung über die Positionsgröße

Das ist meine Methode, mit Kursrisiken umzugehen. Gegen einen allgemeinen Crash hilft das natürlich auch nicht, aber es hilft, den Absturz einzelner Aktien weniger schmerzhaft werden zu lassen. Solche Kursverläufe wie bei SHW sind bei kleineren Titeln durchaus nichts Ungewöhnliches, ich erinnere hier nur mal an Gerry Weber (und nicht nur bei kleinen: Alles muss ich heute korrigieren, denn VW straft mich gerade Lügen). Plötzlich stellt man fest, dass man sich geirrt hat, dass das Management vielleicht doch nicht so toll  war wie gedacht oder dass einfach die Börsengemeinschaft eine andere Meinung von einer Aktie hat, als man selbst (wie bei SHW). Was auch immer der Grund sein mag: Wenn ich nur einen kleinen Teil meines Vermögens in einen riskanten Titel investiert habe, verliere ich auch nicht so viel. Dass dies auch bei vermeintlich sicheren Aktien passieren kann, erleben wir gerade aktuell bei Volkswagen. (Steht zum Zeitpunkt, wo ich das hier nochmals korrigiere bei minus 19%.)


Die Risikosteuerung über die Positionsgröße muss nicht notwendigerweise mit einer große Streuung einhergehen, denn es geht dabei um den Kapitaleinsatz im Vergleich zum Gesamtvermögen. Um für mich zu sprechen: Je riskanter ich eine Aktie einschätze, desto geringer ist mein Einsatz. Wer sich die Verteilung der Aktientitel in meinem Depot anschaut, wird das nachvollziehen können.


Und wenn dann so eine riskante Aktie explodiert und hohe Kursgewinne einfährt, wodurch ihre relative Gewichtung im Depot stark ansteigen kann, dann verkaufe ich auch schon einmal einen Teil davon. So geschehen etwa bei Nabaltec oder bei GFT (die ich inzwischen aber ganz verkauft habe). Fast immer spielt dabei auch mein Bauchgefühl eine Rolle, das mir sehr schnell meldet, wenn ich mich mit einer Positionsgröße nicht mehr wohl fühle. Das Bauchgefühl sollte natürlich keine Rolle spielen, wenn der Aktienmarkt allgemein nach unten rauscht, dann gibt es erfahrungsgemäß sehr schlechte Empfehlungen ab.



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Kommentare: 10
  • #1

    Michael Kissig (Montag, 21 September 2015 16:43)

    So, die erwartete <a href="http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2015-09/35017431-dgap-adhoc-shw-ag-reduzierung-der-ergebniserwartung-fuer-2015-ausblick-2016-016.htm">Umsatz- und Gewinnwarnung für 2015 und 2016</a> ist nun da. Umsatz 2016 gute 10 Prozent runter, EBITDA gute 15 Prozent niedriger. Kurseinbruch bisher rund 37 Prozent und zwar seit der BNP-Analyse, vorher hat der SHW-Kurs ja bereits deutlich zweistellig abgegeben - kann man sich ja mal Gedanken machen,ob die Kursreaktion nicht doch übertrieben ist...

  • #2

    Michael C. Kissig (Montag, 21 September 2015 16:44)

    So, die erwartete Umsatz- und Gewinnwarnung für 2015 und 2016 ist nun da. Umsatz 2016 gute 10 Prozent runter, EBITDA gute 15 Prozent niedriger. Kurseinbruch bisher rund 37 Prozent und zwar seit der BNP-Analyse, vorher hat der SHW-Kurs ja bereits deutlich zweistellig abgegeben - kann man sich ja mal Gedanken machen,ob die Kursreaktion nicht doch übertrieben ist...

    http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2015-09/35017431-dgap-adhoc-shw-ag-reduzierung-der-ergebniserwartung-fuer-2015-ausblick-2016-016.htm

  • #3

    Chris (Dienstag, 22 September 2015 06:44)

    SHW sieht sehr interessant aus. Working Capital Management ist für ein produzierendes Unternehmen, welches in den letzten Jahren so stark gewachsen ist, sehr gut! Zeigt dass das Management-Team den Laden operativ gut steuert und bei Problem auch zeitnah agieren kann.

    Habe am Samstag auch einen Artikel zu SHW geschrieben. Gutes Unternehmen, zu einem fairen Preis. Was makroökonomisch vllt. passiert, oder auch nicht weiß niemand. Entsprechend sollte man sich dazu keine Dank machen!

    Grüße

  • #4

    Christian (Dienstag, 22 September 2015 08:57)

    Beim Umsatz habe ich mich wohl verkalkuliert. Über die Bewertung muss ich jetzt wohl mal neu nachdenken, kann mir aber nicht vorstellen, dass das Unternehmen aktuell seinen Preis nicht wert ist, was es aber erst noch abzuklopfen gilt. Sie versuchen einen ja mit der Dividende zu trösten.

    Insgesamt scheint die Produktpipeline ja gannz gut gefüllt und wenn der neue Chef seinen Ankündigungen Taten folgen lässt, bin ich recht optimistisch. Und wenn jetzt die Autobauer ihre Abgaswerte korrekt messen lassen müssen, dann besteht umso mehr Bedarf an entspechender Technologie ...

  • #5

    Christian (Dienstag, 22 September 2015 09:00)

    @Chris: Ich hatte gar nicht gesehen, dass du auch einen Artikel zu SHW geschrieben hattest. Und dann auch noch mit dem selben Chart ... Deine Perspektive das Working Capital zu betrachten ist sehr inteeressant.

  • #6

    Schildkröte (Dienstag, 22 September 2015 19:49)

    Danke für die sehr anschaulich Unternehmensvorstellung von SHW! Auch die Hinweise zur Gewichtung einzelner Positionsgrößen (je nach Risiko) sind wichtig. In meinem Buy&Hold-Depot sind viele Positionsgrößen in den letzten Jahren kurstechnisch bedingt gut angewachsen. Mal schauen, wie viel davon nach dem nächsten Bärenmarkt noch übrig ist. ;-) Darüber hinaus habe ich einige Unternehmen zwischendurch schlichtweg nachgekauft, wenn sie mich kurstechnisch gerade angelacht haben, so dass diese nun ebenfalls einen etwas größeren Depotanteil ausmachen.

    Und um auf VW einzugehen: Ich habe heute am späten Vormittag kurz vor der Mittagspause eine erste spekulative Position geordert, nachdem sie gestern ordentlich gen Süden sank. Und was sah ich dann nach der Mittagspause...? Tja, Market Timing ist eine schwierige Angelegenheit. ;-) Aber donnernde Kanonen nach Herrn Rothschild sind noch immer oft genug gute Einstiegsgelegenheiten gewesen.

  • #7

    Chris von gieristgut.com (Donnerstag, 24 September 2015 13:35)

    Was natürlich passieren könnte, und der absolute Supergau wäre, wenn der größte Kunde von SHW, VW AG, nicht mehr in den Markt kommt und keine Autos mehr verkauft.

    Aber um ehrlich zu sein, kann ich mir das nicht wirklich vorstellen. Die Autos von VW sind, m.M.n. super und vermutlich nur durch einen anderen deutschen Autobauer substituierbar. Und da alle deutschen SHW Kunde sind, glaube ich nicht das es hier zu größeren Verwerfungen kommen wird.


    Grüße

  • #8

    Schildkröte (Mittwoch, 30 September 2015 22:03)

    Normalerweise schaue ich mir ja zuerst intensiv eine Branche an und kaufe erst dann ggf. einen Branchenvertreter. Bei VW habe ich es zur Abwechslung mal genau andersherum gemacht. VW macht übrigens 41% (!) vom Umsatz für SHW aus...: http://www.wertpapier-forum.de/topic/9465-automobil-hersteller/page__view__findpost__p__985322

  • #9

    Christian (Donnerstag, 01 Oktober 2015 16:23)

    Jep, heute stand die Hitliste der Autozulieferer mit ihren Umsatzanteilen, die von VW abhängen im Handelsblatt. SHW führt die Liste unangefochten an. Eines aber macht mir Hoffnung: Umso weniger Tricksereien möglich sind, desto mehr sind echte Spritsparmechanismen wie die Pumpen von SHW gefragt.

    Aber wie heißt es so schön: Dise Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt ...

  • #10

    Schildkröte (Freitag, 02 Oktober 2015 22:22)

    @ Christian:
    Gehen wir mal davon aus, dass infolge des Abgasskandales in den nächsten Jahren (neben Strafzahlungen auch) unter rückläufigen Absatzzahlen leiden wird. Wenn SHW dermaßen stark an VW hängt, dann wird SHW gemeinsam mit VW leiden.