Fastenal: Der Eisenwarenhändler

Fastenal ist eines derjenigen US Unternehmen, bei denen sich ein deutscher Investor etwas schwer tut, allein schon deshalb, weil es ein vergleichbares Unternehmen in Deutschland so nicht gibt. Jedenfalls kenne ich keines. Ich beobachte das Unternehmen schon eine ganze Weile, aber bisher war es mir immer noch zu teuer. Langsam aber sicher ist es aber jetzt in einen Bewertungsbereich hineingewachsen, der mir fair erscheint und da es sich bei dem Unternehmen meiner Meinung nach um ein echtes „Qualitätsunternehmen“ handelt, wollte ich nicht auf noch niedrigere Preise spekulieren und habe zugegriffen.


Die Story

Fastenal wurde 1967 gegründet, mit einem ersten kleinen Geschäft in Minnesota. Schon damals versuchte sich der Gründer mit sogenannten „Vending machines“, also dem Verkauf von Schrauben und anderen Befestigungsmaterialien über Automaten. Das klappte aber noch nicht so ganz und man verließ sich in der Folge mehr auf den klassischen Verkauf in Läden in kleinen Landstädten in den USA. Letztlich steckt hinter Fastenal eine grandiose Wachstumsstory, mit heute über 2600 Stores bzw. Niederlassungen in den USA, Kanada, Mexiko und ganz vereinzelt auch in Asien und Europa. Die Wachstumsgeschwindigkeit dürfte zwar nachlassen, aber in einem stark fragmentierten Markt allein in den USA von über 160 Mrd. Dollar, verglichen mit dem Umsatz von 3,7 Mrd. $ bei Fastenal, ist da noch sehr viel Luft nach oben.


Die Stores: Das Erfolgsgeheimnis

Die Verkaufsaktivitäten bei Fastenal werden von den Stores aus gesteuert. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt dabei im Personal und dessen Schulung. Die höheren Kader werden fast nur aus dem eigenen Personal rekrutiert, der neue Chef etwa hat als Storeangestellter begonnen. Dazu haben die Angestellten dort ein Höchstmaß an Autonomie und ein guter Teil ihres Gehaltes ist erfolgsbezogen.


Hinter den Stores steht eine gut geölte Distributionsmaschinerie, die den Angestellten jede Unterstützung bietet, die sie brauchen. Kundennähe, Kundenbindung und ein schneller und preiswerter Service wird von den Stores her geliefert. In den letzten zwei Jahren hat die Zahl der Stores in den USA etwas abgenommen, das heißt das beachtliche Umsatzwachstum ist allein den bestehenden Stores zuzuordnen, deren Personal ebenso wie die Unterstützung im Background aufgestockt wurden. Auch der Onlinehandel wird letztlich über die Stores abgewickelt.


Vending Machines

Diese Maschinen sind meiner Meinung nach einer der Hauptbestandteile des Burggrabens bei Fastenal, denn sie vertiefen die Kundenbindung deutlich. Diese Verkaufsautomaten werden bei den Kunden (also den Industrieunternehmen) aufgestellt und versorgen die Arbeiter dort mit schnell benötigten Verbrauchsmaterialien. Das vermindert die Verbrauchsmengen für die Unternehmen, die Automaten sind permanent in Betrieb und das Unternehmen weiß exakt wer wann welches Material entnommen hat. Sogar Getränkeautomaten (Fast Bev) hat Fastenal im Angebot.



Der Kunde garantiert eine gewisse Mindestabnahmemenge und Fastenal sorgt dann für alles andere. Die Maschine meldet automatisch den Bestand an den nächsten Store, der sich dann um das Nachfüllen kümmert und die Gelegenheit nützt, den Kundenkontakt zu intensivieren. In der Pressekonferenz zu den letzten Quartalszahlen wurde das sinngemäß so ausgedrückt: „Wenn ein Konkurrent in ein Unternehmen kommt und die blauen Verkaufsmaschinen dort sieht, weiß er, dass er es sehr schwer haben wird, hier Fuß zu fassen.“ Die Zahl der aufgestellten Maschinen wächst jährlich um einen zweistelligen Prozentbetrag.


Risiken

Fastenal ist mit seinem Verkaufsprogramm zyklisch aufgestellt, speziell das Geschäft mit Befestigungsmaterialien. Das macht aber inzwischen nur noch 40% vom Umsatz aus, 2012 waren es noch 44%. Der Umsatz mit anderen Produkten ist zwar auch zyklisch, jedoch deutlich weniger von der direkten Produktionsmenge abhängig. Aktuell bekommt Fastenal die zyklische Abhängigkeit durch den Abschwung bei der Ölproduzenten und ihren Zulieferern zu spüren. Allerdings bekommt Fastenal diesen Druck nur sehr gedämpft ab, im Gegensatz etwa zu den Direktzulieferern. Dazu kommt, dass die Konkurrenz nicht schläft, doch in Sachen Marketing hat Fastenal bisher noch immer die Nase vorne gehabt und gewinnt kontinuierlich Marktanteile hinzu.


Ein paar Zahlen

Wer sich die Bewertung von Fastenal in den letzten Jahren anschaut, wird staunen: Das KGV lag durchweg bei über 30. Der Grund für diese hohe Bewertung war das hohe Gewinnwachstum, das sich über die Jahre immer im zweistelligen Bereich befand, in den letzten 5 Jahren sogar über 20% lag. Dass das Wachstum dieses Tempo nicht halten würde, war klar und so erlebte Fastenal durch eine längerer Seitwärtsbewegung beim Kurs ein langsames Herantasten an realistischere Bewertungsmaßstäbe.


Was an Fastenal auffällt ist die hohe Marge und die gleichzeitig niedrige Verschuldung. Das ROA liegt bei 21,6%, was man wirklich sehr selten findet. Konkurrent Grainger liegt bei 14,8%. Der Free Cashflow wird weitestgehend als Dividende ausgeschüttet, die Ausschüttungsquote bezogen auf den Gewinn liegt bei 60%. Aktienrückkäufe gibt es auch, sind aber eher begrenzt. Die in den letzten Jahren erhöhten Investitionen waren einerseits durch die Anschaffung vieler Verkaufsautomaten auf Vorrat sowie einem neuen System der Materialverwaltung zuzuschreiben.


Umsatz und Gewinn erhöhen sich seit Jahren kontinuierlich (mit Ausnahme von 2009, Zahlen von Morningstar).



2010

2011

2012

2013

2014

Umsatz

2,27

2,77

3,13

3,33

3,73

EPS

0,9

1,21

1,42

1,51

1,66


Die Bewertung

Aktuell liegt das erwartete KGV für 2015 bei 20,6, die Dividendenrendite bei 3% Nach meinem Bewertungssystem bräuchte es je nach Wachstum zwischen 8 und 9 Jahren, bis Gewinne und Dividende den Kaufpreis wieder hereingeholt hätten. (Wachstum 10%: 8,5-9 Jahre, 12%: 8 – 8,5 Jahre, 14% (nach Finviz) < 8 Jahre.) Das erscheint mir für ein so marketingstarkes, wenn auch zyklisches Unternehmen als fair. Billig ist Fastenal nur dann, wenn man die von Finviz prognostiizierten Wachstumszahlen für bare Münze nimmt. Unter 8 Jahre Paybacktime ist gut, auch wenn ich selbst daran nicht wirklich glaube. Dafür erhält man ein qualitativ sehr hochwertiges Unternehmen, an dem ich gerne beteiligt sein möchte. Steigt die Dividende mit dem Ertrag, wäre ich schon sehr zufrieden.


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Kommentare: 3
  • #1

    Schildkröte (Sonntag, 06 September 2015 19:07)

    Danke für die nähere Vorstellung! Damit sind meine Fragen aus dem Kommentar zum letzten Beitrag im wesentlichen beantwortet. Ein prognostiziertes KGV von um die 20...

    Quelle: http://www.finanzen.net/schaetzungen/Fastenal

    ...finde ich für ein Handelsunternehmen (als Benchmark betrachte ich diesbezüglich Wal*Mart) immer noch etwas zu teuer, aber das (nun immer noch attraktive) Wachstum(spotenzial) scheint scheint die (jetzt angepasste) Bewertung wohl zu rechtfertigen. Die Ausschüttungsquote ist recht hoch. Da Fastenal allerdings organisch wächst, geht sie wohl in Ordnung. Persönlich würde ich hingegen eine moderatere Ausschüttungsquote und dafür entspr. mehr Aktienrückkäufe bevorzugen. Man kann jedoch bekanntlich nicht alles haben.

    Die Eigenkapitalquote ist mit über 80% ziemlich hoch. Das kenne ich so sonst bloß bei deutschen Nebenwerten (sowie L´Oréal). Warum nutzt man das anhaltende Niedrigzinsniveau nicht, um sich günstig Fremdkapital zu beschaffen und damit weiteres Wachstum anzugehen und/oder noch mehr eigene Aktien zurückzukaufen? Man muss es ja nicht gleich so übertreiben wie etwa IBM.

    Für wie wahrscheinlich hältst Du eine Übernahme? Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 11 Mrd. $ wäre Fastenal ja "leichte Beute".

  • #2

    Schildkröte (Montag, 07 September 2015 20:15)

    Fastenal ist sogar in Deutschland vertreten, wenngleich mit (derzeit noch?) nur drei Standorten:

    https://www.fastenal.com/de/1133/germany

  • #3

    Christian (Montag, 07 September 2015 20:39)

    Auch in Singapur und Malaysia gibt es ein paar einsame Filialen. Im Geschäftsbericht steht darüber nichts drin (sofern ich es nicht überlesen habe). Keine Ahnung was die damit vorhaben.