Quartalszahlen und mehr

Bevor auch ich mich in die Ferien verabschiede, schnell noch ein paar Neuigkeiten zu einigen Aktien in meinem Depot. Wobei Neuigkeiten meist zuviel gesagt ist, denn es handelt sich nur um die neuesten Quartalsergebnisse. Leider habe ich momentan aus privaten Gründen nicht viel Zeit, doch die wichtigsten Dinge bekomme ich schon noch zusammen. Aber alles der Reihe nach.

CPSI: Leidet noch immer unter dem bürokratischen Stress seiner Kunden

Wie bereits erwähnt, wurde CPSI nach der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen in den Kurskeller geschickt. Das Unternehmen, das sich in Sachen IT Systeme und Beratung auf die ganz kleinen Krankenhäuser in den USA  spezialisiert hat, wartet weiter auf Besserung. Meine Hoffnung und auch die vieler anderer Aktionäre war es, dass sich die Verkäufe kompletter IT-Systeme langsam wieder erholen sollten, doch das hat sich als falsch herausgestellt. Laut Management wird es noch bis ins nächste Jahr hinein dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert.


Offenbar hat die Unternehmensleitung den "bürokratischen Stress", unter dem die Spitäler in den USA stehen, unterschätzt. In den USA wird aktuell in großes Pogramm gefahren, bei dem die Spitäler bestimmte datentechnische Voraussetzungen erfüllen müssen, um Gelder aus den großen Gesundheitstöpfen zu erhalten ("Meaningful Use"). Das ist so ziemlich unvereinbar mit der Implementierung neuer IT Systeme.


Das Management warnte in diesem Zusammenhang bereits jetzt vor dem Jahr 2018, wo die Situation sich ähnlich zuspitzen könnte, wenn dann die dritte und letzte Stufe dieses Programms implementiert sein muss. Alles andere im Unternehmen läuft aber gut und es gibt für mich keinen Grund, die Hoffnung aufzugeben. Manchmal braucht es halt etwas Geduld, aber das habe ich ja schon geschrieben,als ich die Aktie gekauft hatte. Und die schöne Dividende vertröstet einem die Wartezeit.


Dorman Products: Viele neue Teile

Genauso übertrieben wie der Abschlag bei CPSI war meiner Meinung der Aufschlag bei Dorman Products, denn geändert hat sich letztlich wenig. Dieses kleine Unternehmen in den USA stellt Ersatzteile für Autos her, bzw. lässt sie herstellen, die meist nur schwer und oft zu hohen Preisen von den Originalherstellern zu bekommen sind. Das Geschäft läuft gut und die Friktionen auf Grund eines neu eingeführten Steuerungssystems nähern sich sichtbar ihrem Ende.


Das Geschäftsmodell ist intakt und die neuesten Zahlen lassen Gutes hoffen. Speziell die Zahl der Produkteinführungen ist zuletzt wieder deutlich angestiegen. Über 20% seines Umsatzes macht Dorman mit Produkten, die nicht älter als zwei Jahre sind. In gewisser Weise ist Dorman ein US Pendant eines deutschen Mittelstandsunternehmens, bei dem die Gründer und Eigentümer noch immer große Anteile am Unternehmen besitzen und zudem im Management prominent vertreten sind. Eine Dividende zahlt Dorman nicht, aber das ist bei diesem Unternehmen auch nicht nötig. Ich ziehe ja ohnehin den Aktienrückkauf aus steuerlichen Gründen vor.



Parexel: Gute Aussichten

Auch Parexel, der Forschungsdienstleister der Pharmaindustrie wurde leicht abgestraft. Allerdings für etwas, das ich im Gegensatz zu den Verkäufern als positiv einstufen würde: In Erwartung von Wachstum hat das Unternehmen seinen Personalbestand deutlich angehoben. Klar, dass die vielen Neuen noch nicht wirklich so viel zum Geschäft beitragen konnten, wie die alten Hasen, die sie darüber hinaus wohl auch noch von der Arbeit abgehalten haben. Nachdem dieser Aufwand sich vor allem in einer niedrigeren Marge niederschlug, darf man für das nächste Jahr aber optimistisch sein, dass sich diese Investitionen auszahlen werden. Der Auftragsbestand ist gut und lässt für die Zukunft einiges erwarten.


Der Gewinn von Parexel hängt auch immer von den Währungskursen ab, weil große Teile des Geschäftes weltweit gemacht werden, aber das braucht mich wenig zu stören. Steigt der Dollar, fallen zwar die Auslandgewinne bei Parexel in Dollar gerechnet geringer aus, dafür ist aber mein Dollarinvestment mehr wert. Fällt der Dollar, macht Parexel zwar mehr Gewinn, dafür wird aber mein Investment weniger wert. Das dürfte sich gegenseitig aufheben.


Letztlich kommt es darauf an, wie stark sich der Umsatz in den Nichtdollarländern absolut verändert und davon wie groß der Anteil der in Dollar oder Euro oder Rupien erwirtschaftete Gewinn ist und nicht die Bilanzwährung. Das stimmt genauso für alle US Unternehmen, die große Teile ihres Geschäftes im Ausland machen. Bei CVS Health dagegen, die fast nur in den USA selbst tätig sind, ist das Währungsrisiko für mich viel größer und umgekehrt für ein Unternehmen wie Init ebenso.


CVS Health: Übernahmen pflasterten seinen Weg ...

Die Quartalszahlen von CVS Health, dem Drugstorebetreiber und Pharmacy Benefit Management Unternehmen, standen ganz unter dem Eindruck der kürzlich angekündigten und teils schon durchgeführten Übernahmen von Omnicare und den Drugstorefilialen von Target, einer Supermarktkette. Dass der Gewinn unter den Belastungen der Übernahmen ächzen würde, stand zu erwarten und war auch zu spüren. Speziell die Kosten der Brückenfinanzierung für einen zweistelligen Milliardenbetrag, konnte man kaum verstecken.


Insgesamt waren die Zahlen schwer zu interpretieren, zumal die Börse offenbar vergessen hat, dass die sogenannten Frontstoresales, also die Verkäufe in Apotheken, die nicht den Medikamenten zugeordnet werden, noch immer unter dem Verkaufsstop der Tabakprodukte leiden. Also wurde auch hier erst einmal verkauft. Wenn ich nicht schon so viel von diesem Unternehmen besäße, hätte ich jetzt wahrscheinlich nachgekauft. Die langfristigen Aussichten sind einfach zu überzeugend.


Zwar haben die Schulden jetzt deutlich zugelegt, aber von der Unternehmensführung wurde bereits betont, die Schuldenlast schnell wieder auf den alten Stand zurückfahren zu wollen. Bereits in diesem Jahr wurde die Aktienrückkaufsumme um eine Milliarde reduziert, da hat man sich wohl einfach nicht mehr getraut. Mir wäre es lieber gewesen, man hätte das gesamte noch ausstehende Programm eingestampft, um von vornherein weniger Schulden aufnehmen zu müssen, aber da hat man wohl zu sehr Rücksicht auf den aktuellen Aktienkurs genommen. Letztlich düfte aber bei dem äußerst soliden Cashflow bei CVS die Rückzahlung kein wirkliches Problem darstellen.


SHW AG: Steht im Stau

Bei diesem Unternehmen gibt es Probleme, die mir irgendwie (von Gesco) bekannt vorkommen. Produktionsausweitungen und die Erhöhung von Kapazitäten haken etwas und verzögern sich in der Umsetzung, so dass die Gewinnprognose leicht nach unten angepasst werden muss. Allerdings konnte das Unternehmen jetzt einen Spezialisten gewinnen, der diese Probleme lösen soll. Hoffen wir, dass es ihm gelingt. Letztendlich ist das Unternehmen nicht nur auf Grund dieser Probleme sehr preiswert zu haben und bietet sich für einen Nahkauf an. Selbst bei vorsichtiger Schätzung hat man sein Geld nach 6 Jahren zurück, was ich auch bei einem zyklischen Autozulieferer für günstig halte.


Schweizer Electronic: Alles bestens

Hier geht alles seinen Gang. Die Herabstufung der Autoindustrie hat zwar auch dieses Unternehmen getroffen, jedoch nur kurstechnisch. In Sachen Gewinnaussichten etc. hat sich nichts verändert. Schweizer Electronic ist nur leicht teuerer als SHW, dafür ohne die oben geschilderten Produktionsprobleme und evtl. sogar mit etwas Übernahmephantasie (durch Infineon). Nachdem ich die Zahlen aktualisiert hatte, denke ich ernsthaft über eine Aufstockung nach, zumal der Wert in meinem Depot doch nur einen sehr kleinen Anteil ausmacht.


Init Innovation: Genug Aufträge

Bei Init, dem Telematik und IT Unternehmen für den öffentlichen Nahverkehr, ist es immer besonders wichtig auf den Auftragsbestand zu schauen. So lange der stimmt, was aktuell der Fall ist, braucht man sich um das Unternehmen keine Sorgen zu machen. Wie von Unternehmensseite verlautet, ist auch die Zahl der Ausschreibungen deutlich in dei Höhe gegangen, wobei man nur hoffen kann, dass Init einen Teil des Kuchens abbekommt. Als Risikofaktor steht bei Init die Abhängigkeit von den Wechselkursen auf der Agenda und letztlich wird das Ergebnis in diesem Jahr stark davon abhängen, wie sich das bis zum Jahresende hin entwickelt. Zur Erinnerung: Mehr als die Hälfte des Umsatzes stammt inzwischen aus den USA.


Ab in die Ferien ...

Bis Anfang September werde ich mich jetzt in die Ferien zurückziehen und mich dann mit dem vertrauten Monatsrückblick zurückmelden. Falls ich in der nächsten Woche noch Käufe durchführen werde, dann werde ich noch eine Kurzmeldung herausgeben. Ausführliche Unternehmensbeschreibungen, falls es sich denn um ein neues Unternehmen handeln sollte, werden dann nachgereicht.


Ein Dankschön an alle treuen Leser und schöne Ferien euch allen, sofern ihr noch habt. Wenn ihr schon zurück seit, dann wünsche ich einen guten Wiedereinstieg.


Euer Stockblogger

Christian

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Kommentare: 3
  • #1

    Alexander (Montag, 10 August 2015 22:19)

    Hallo Christian,

    dann gute Erholung und wenn ich so deine Überschrift lese, dann sind wir sozusagen Brüder im Geiste ;)

    Grüße

  • #2

    Volatilität (Dienstag, 11 August 2015 10:14)

    Einen schönen Urlaub wünsche ich und weiterhin gute Geschäfte.

    Gruß

  • #3

    Schildkröte (Dienstag, 11 August 2015 13:15)

    Quartalszahlen sollte man auf jeden Fall zur Kenntnis nehmen, sich allerdings auch nicht unnötig verrückt machen und womöglich zu einer Kurzschlussreaktion verleiten lassen. Deine Ausführungen sind sehr schlüssig. Man merkt, dass Du Dich kritisch mit Deinen Unternehmen auseinandersetzt. In anderen Blogs vermisst man sowas zum Teil. *kleiner Seitenhieb* Hab einen schönen Urlaub!