Kleine Meldungen: Starbucks und AT&T

Die ersten Quartalsergebnisse nach dem Halbjahreswechsel gibt es von Starbucks und AT&T, zwei Unternehmen, die unterschiedlicher nicht sein können. Während ich aber Starbucks sehr genau beobachte, ob da nicht evtl. irgendetwas hakt oder nicht stimmt, was die hohe Bewertung in Frage stellen könnte, nehme ich die Quartalsergebnisse von AT&T eher nebenbei zur Kenntnis. Solange Gewinn, Cashflow und Dividende in einem annehmbaren Verhältnis stehen, ist alles gut. Immerhin gibt es da aber auch eine wirklich relevante Neuigkeit: Nach einem Jahr des Hin und Her, darf AT&T DirectTV übernehmen und betritt damit ein ganz neues Geschäftsfeld.

Starbucks rennen die Kunden die Bude ein

In Seeking Alpha schrieb ein Kommentator nach dem "Earnings Call" Transkript:


"After reading the transcript, I kind of want to rob a bank and use the money to buy a lot more shares of SBUX"


Das zeigt sehr eindrücklich zwei Dinge: 1. Die Zahlen waren wirklich richtig gut und 2. Die in der Pressekonferenz anwesenden Vorstände sind erstaunlich gut darin diese Zahlen extrem werbewirksam zu präsentieren. Beides gemeinsam ergibt vermutlich das Geheimnis von Starbucks, verbunden mit einer erheblichen Kreativität bei dem Versuch, noch mehr Kunden in die Läden zu locken und sie darüber hinaus zu höheren Ausgaben zu veranlassen. Was stand drin im Bericht und wie ist das zu bewerten?


Die Zahlen

Ganz am Anfang des Berichtes steht vor allem eine Zahl: Die Same Store Sales (Verkäufe in Läden, die im letzten Jahr schon auf waren) haben bei Starbucks global um 7% zugenommen. Das ist sehr beachtlich. In den USA waren es sogar noch ein Prozent mehr (8%) und in Asien-China-Pazifik (ACP) sogar 11%. Nur Europa und Vorderasien liegt mit lediglich 3% Zunahme ewas hintendran, was selbstverständlich etwas mit den Währungskursen zu tun hat.


Der sogenannte Traffic, also wie viele Leute zusätzlich in die Läden gekommen sind, macht von den besagten 7%, 4% aus. Der CEO hat das sehr eindrücklich beschrieben: In jedem der weltweit 22500 Läden haben jeden Tag 25 Kunden mehr etwas bestellt, als noch in einem Jahr zuvor.


Dieses Wachstum hat  sich geldmäßig ausgezahlt: Der Umsatz ist übers Jahr gerechnet um 18% gestiegen, der operative Gewinn um 22% und der Gewinn pro Aktie um 21%. Die operative Marge hat sich dabei von 18,5 auf 19,2% verbessert.


Wann flacht das Wachstum ab?

Das ist die wirklich interessante Frage, denn irgendwann wird genau das passieren. Meiner Meinung nach, dürfte das Abflachen der Wachstumskurve aber noch eine Weile auf sich warten lassen. Immerhin mahnte der Finanzchef, dass das letzte Quartal wirklich ausergewöhnlich gut gewesen sei und dass das in den nächsten Quartalen so nicht wiederholt werden könnte. Das spiegelt sich auch in den entsprechenden Prognosen der Analysten wider.


Was aber wird das Wachstum treiben?

  1. Mobiles Bezahlen und Vorbestellungen: Zu den Stoßzeiten am Morgen bilden sich in den Filialen lange Schlangen bei Starbucks, so dass da kaum noch Kapazitäten für weiteres Wachstum frei wird. Zwar berichtet das Unternehmen darüber, hier auch noch mal Arbeitsorganisatorisch einiges verbessert zu haben, aber auch das wird irgendwann an seine Grenzen stoßen. Das mobile Bezahlen kann hier die Effektivität nochmals deutlich verbessern. Die Kunden bestellen dabei nämlich vor und holen ihren Kaffee oder was auch immer dann nur noch schnell ab. Der Bezahlvorgang läuft im Hintergrund und hält nicht auf. Die Kunden stehen nicht in der Schlange und die Versuchung aus Zeitgründen zur Konkurrenz zu gehen, entfällt. Das wurde zunächst etwa in Seattle oder Portland an der Westküste getestet und wurde nun in über 4000 Filialen in den USA eingeführt. Das hat sich in diesem Quartal noch nicht bemerkbar gemacht, aber es wird sich sehr bald in den gesamten USA sehr stark bemerbar machen.
  2. Speisen bzw. Snackangebote: Das Wachstum bei den Speisen war in den USA besonderes hoch: Damit wurde 20% mehr Umsatz gemacht. In vielen Städten in den USA wurde Starbucks bisher nur als Kaffeverkäufer wahrgenommen. Das ändert sich gerade. Jetzt geht man auch mittags dahin, um sich einen Snack oder eine sonstige Kleinigkeit zu holen. Ein besonderer Renner sind dann laut Geschäftsführung die Teespezialitäten von Teavana. Das Speisenangebot wird allerdings immer beschränkt bleiben, allein schon, weil es in den Läden keine wirklich ausgebaute Küche gibt. Eine Restaurantkette wird Starbucks so bald nicht werden.
  3. Das Angebot am Abend: Hier gibt es noch ein enormes Potential, denn bisher gehen nur sehr wenige Amerikaner am Abend zu Starbucks. Das könnte sich mit zunehmendem Angebot an Snacks, aber auch alkoholischen Getränken wie Wein und Bier bald ändern.
  4. China: Ganz klar, hier gibt es noch ein weites Feld für neue Läden. Da wo es Starbucks bereits gibt, sind sie zu einer Institution geworden. Dazu kommt, dass die oben genannten Faktoren wie das mobile Bezahlen und die Speiseangebote in China noch darauf warten eingeführt zu werden. Von der nachlassenden Konjunktur in China hat Starbucks jedenfalls nichts gespürt.
  5. Die Bereitschaft des Managements Dinge einfach auszuprobieren. Da wären z.B. die kleinen 25qm Stores in New York, teilweise nur wenige hundert Meter vom nächsten normalen Starbucks entfernt, die testweise eröffnet wurden und sich als ein voller Erfolg erwiesen, ohne dass die anderen Filialen dadurch kannibalisiert werden. Ob so etwas auch anderswo möglich ist, muss sich allerdings erst noch herausstellen. Oder jetzt die Ausweitung des "Stars" Programms. Hier können andere Unternehmen ihren Kunden "Stars" von Starbucks schenken, um sie für irgendetwas zu belohnen oder anzulocken. Spotify ist eines der ersten drei Unternehmen in dieses Programm eingebunden. Auch wenn so etwas mal schiefgeht: Allein die Tatsache, dass einfach permanent solche Dinge ausprobiert werden, zeigt die enorme Kreativität und Erneuerungsbereitschaft des Managements.


Die Bewertung

Dass ein solches Unternehmen eine 5 Sterne Bewertung verdient ist klar. Die Frage ist nur, wann die Ratiionalität aufhört und wann der Hype beginnt. Bei einem PE von 36,5 bezogen auf das Geschäftsjahr 2015 (das Geschäftsjahr endet bei Starbucks im September) und einem PE von 30,5 für 2016 ist die Aktie weit entfernt davon billig zu sein. Mein Payback Bewertungssystem spuckt mir bei einem angenommenen Wachstum von 15% eine Zahl von knapp unter 11 aus, rechne ich dagegen mit 17% Wachstum, so wie es bei Finviz für die nächsten 5 Jahre prognostiziert wird, dann sinkt die Zahl der Payback Jahre auf 10 bis 10,5. Jeder mag sich die Zahl raussuchen, die ihm gefällt. Zu diesen Bewertungen neu ensteigen, würde ich vermutlich auch nicht mehr, aber das habe ich eigentlich schon immer über Starbucks gesagt.


AT&T und das Bezahlfernsehen

Es hat insgesamt ein Jahr gedauert, bis endlich klar wurde, dass AT&T DirectTV übernehmen durfte. Und so wie es aussieht, sind die Bedingungen gar nicht mal schlecht. Man darf sich das so vorstellen, als wenn die Deutsche Telekom sich ein großes Medienunternehmen zulegt (z.B. Pro Sieben, auch wenn der Vergleich nicht wirklich passt) und dabei in Konkurrenz zu den Haupnutzern der eigenen Kabelinfrastruktur tritt, wie AT&T in den USA zu Netflix. Das würde wohl auch hier vielen Beteiligten Bauchschmerzen verursachen. 


Die Auflagen waren aber wohl halb so wild, wie zuvor noch befürchtet: Ausbau des Netzes in den nächsten 4 Jahren in bestimmten Regionen unter besonderer Berücksichtigung von öffentlichen Institutionen (Schulen, Bibliotheken) und natürlich genauste Beobachtung, ob AT&T der Versuchung widerstehen kann, Netflix das Leben vielleicht doch ein klein bisschen schwer zu machen.


Bei AT&T wird von Synergieeffekten in Milliardenhöhe geredet, die ich aber erst einmal sehen möchte, bevor ich an sie glaube. Sehr oft hat sich bei solchen Fusionen genau das Gegenteil ereignet: Die Zusammenführung von Organisationen kann eine langwierige und leider auch kostspielige Angelegenheit sein. Langfristig gesehen denke ich aber durchaus, dass der Deal sich für AT&T auszahlen wird, zumal hier eine gewisse Diversifizierung im Geschäftsmodell stattfindet.


Für mich gilt: AT&T ist in gewisser Weise für mich ein Anleihenersatz mit gewissen wenn auch geringen Wachstumsaussichten. So lange Gewinn und Cashflow ausreichen, um die Dividenden zu zahlen, bin ich zufrieden. Wenn Letztere dann noch erhöht werden können, umso besser. Und bei einer Dividende von 5,5% wird man meines Erachtens ausreichend für das sehr geringe Risiko, dass bei AT&T irgendwann der Geschäftssinn abhanden kommt, entschädigt. Auf große Kursgewinne bin ich bei dieser Aktie jedenfalls nicht aus.


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Kommentare: 7
  • #1

    Schildkröte (Sonntag, 26 Juli 2015 09:05)

    Danke für diesen sehr ausführlichen und wirklich aufschlussreichen Artikel!

    Starbucks wird vielleicht noch nicht gehyped. Aber bei einem KGV von über 30 sollte man schon seeehr achtsam sein. Gut, durch die Eröffnung weiterer Filialen und mehr Kunden am Abend ist bestimmt noch einiges an Wachstum drin. Auch die Vermarktung einer Kaffeeprodukte bietet einiges an Potenzial. Es ist schwer abzuschätzen, wie lange wir bei Starbucks noch Wachstum wie zur Zeit sehen. Vielleicht flacht sich das Wachstum irgendwann ab, die Aktie verläuft seitwärts und passt sich ihrem künftigen "fairen" KGV an. Eventuell wiederholt es sich allerdings wie in der Krise: 2008 brach der Gewinn gegenüber 2007 um gut die Hälfte ein. Die Aktie selbst sank um rund 75% (!) gen Süden.

    AT&T finde ich schwierig. Auch inklusive DirecTV. Was wird sich im Bereich Medienübertragung künftig durchsetzen? Broadcasting via Satellit oder Streaming via Kabelnetz? Ich tippe auf Streaming, sobald die dafür erforderliche Bandbreite vorliegt. Im ländlichen Bereich der USA wird man aber wohl auch weiter Satellitenfernsehen benötigen, da es schlichtweg zu teuer ist, jeden einzelnen abgelegen Ort ans Kabelnetz anzuschließen.

  • #2

    Christian (Montag, 27 Juli 2015 09:05)

    "Vielleicht flacht sich das Wachstum irgendwann ab, die Aktie verläuft seitwärts und passt sich ihrem künftigen "fairen" KGV an ..."

    Das wid mit Sicherheit irgendwann passieren. Die Krise bei Starbucks 2008 war hausgemacht: Blindlings wurden zu viele Filialen eröffnet, ohne dass sich jemand um die bessere Organisation der bestehenden Filialen gekümmert hätte. Am Ende haben sich die Standorte in den USA gegenseitig kannibalisiert und über 800 wurden letztendlich wieder geschlossen.

    Beim Fernsehen wird sich wohl eine Mischung durchsetzen, wobei die Produzenten alles anbieten: Sowohl Streaming als auch die Verbreitung über Satellit. Das Problem beim Streaming ist, das jetzt schon Netflix bzw. dessen Kunden die Hauptnutzer der Datenautobahnen in den USA sind. Wenn sich das weiter ausbreitet, dann wird das evtl. irgendwann nicht mehr umsonst zu nutzen sein. Erste Versuche dahingehend gab es ja schon, Stichwort "Netzneutralität". Aber vermutlich sieht das in 10 Jahren sowieso schon wieder ganz anders aus ud ich mache mir da ehrlich gesagt wenig Gedanken: So lange die Zahlen stimmen, bleibe ich bei AT&T. Totgesagte leben länger.

  • #3

    Schildkröte (Montag, 27 Juli 2015 10:29)

    Da mich die Werbung von Netflix bzw. dessen selbst produzierter Serie "Orange is the new Black" (die ebenfalls selbst produzierte Serie "House of Cards" mit Kevin Spacey würde mir wohl eher zusagen) auf der Straße von gefühlt jedem zweiten Plakat anlacht, habe ich mir die Aktie mal näher angesehen.

    Über nicht existierende Dividenden müssen wir uns bei Wachstumsstories ja nicht wundern. Das KGV spielt ebenfalls keine Rolle, aber immerhin werden schwarze und keine roten Zahlen geschrieben. Das Umsatzwachstum ist beachtlich. In Nord- sowie Südeuropa ist man schon präsent und nun ist der Rest der Welt dran. Die Aktie hat sich seit 2012 verachtfacht!

    Wird Netflix in einigen Jahren eine dominante Rolle im modernen Fernsehen spielen wie Google im Internet oder wird es das Unternehmen in zehn Jahren gar nicht mehr geben? Eine Übernahme wie bei DirecTV ist bei einer Marktkapitalisierung von derzeit 43,00 Mrd. $ zwar alles andere als billig, aber auch nicht unmöglich. Bei AT&T verzichtet man zwar auf überdurchschnittlich hohes Wachstumspotenzial, dass Risiko ist dafür jedoch überschaubar.

  • #4

    Schildkröte (Montag, 27 Juli 2015 10:33)

    Edit:
    Leider kann man hier Kommentare nachträglich nicht editieren (warum eigentlich nicht?): Ich meinte bei Netflix natürlich, dass man bereits in Nord- sowie Südamerika präsent sei. Europa einschließlich Deutschland ist jetzt dran.

  • #5

    Schildkröte (Montag, 27 Juli 2015 19:43)

    "In Nord- sowie Südeuropa ist man schon präsent..."

    Leider kann man Kommentare hier nicht nachträglich editieren (warum eigentlich nicht?). Ich meinte natürlich Nord- und SüdAMERIKA - Europa einschließlich Deutschland ist jetzt dran.

  • #6

    Christian (Montag, 27 Juli 2015 22:06)

    Hi Schildkröte,

    nein editieren kann man hier leider nicht. Die Kommentarfunktion ist sowieso eine der großen Schwächen bei Jimdo. Man kann ja leider auch keine Direktlinks einstellen. Das nervt mich noch viel mehr, als die fehelende Editierfunktion, denn die finde ich eigentlich nicht so schlimm. Ich hatte es mal mit Disqus versucht, hat anfangs auch ganz gut geklappt, aber dann waren plötzlich Kommentare nicht mehr zu sehen. Nachdem dein Kommentar von heute morgen auch zuerst nicht zu sehen war, bin ich mir nicht mehr so sicher, dass das an Disqus lag. Vielleicht mache ich doch noch mal einen Versuch.

    Netflix wird sich seinen Markt in Deutschland rasend schnell erobern. Bei meinen Kinder ist das jedenfalls schon angekommen, die haben auf so etwas nur gewartet. Allerdings fürchte ich, dass solche Kanäle auch genauso schnell gehen wie sie gekommen sind, denn sie sind auf Kreativität und neue Ideen angewiesen. Wenn die ausgehen, ist der Hype ganz schnell wieder vorbei. Ein sicheres Geschäftsmodell ist das sicher nicht.

  • #7

    Schildkröte (Dienstag, 28 Juli 2015 12:06)

    Das Ziel von Netflix ist erstmal ganz klar Marktanteile zu gewinnen. Zu bedenken ist aber, dass Amazon mit Amazon Instant Video ebenfalls über einen Streaming-Dienst verfügt. Wenn die etablierten Fernsehsender nicht verschlafen, können sie ebenfalls eigene Streaming-Dienste bereitstellen. Keine Ahnung, wie der Markt in fünf oder zehn Jahren aussieht. Als Spekulant KANN man da viel gewinnen (oder auch verlieren). Als Anleger ist mir das zu heikel.