Ein Lagebericht, ein Nachkauf und ein Todesfall

Das Bild links hat etwas mit dem besagten Todesfall zu tun. Der kommt aber erst ganz am Ende. Zuerst sind die Aktien dran:


Viele glauben ja, dass es aktuell besser sei, sein Pulver trocken zu halten. Neben den Problemen mit Griechenland sind einige auch der Meinung, dass die Märkte überbewertet seien und man deshalb auf eine Korrektur warten müsse. Alles berechtigte Überlegungen. Man muss allerdings differenzieren und dann ergibt sich je nach Land oder Unternehmensart ein gemischtes Bild.



Hoch bewertet?

Mir reicht ja das einfache KGV, aber seit einigen Jahren wird gerne das Shiller KGV angeführt, um die Bewertungen von Indizes zu messen. Ehrlich gesagt will mir nicht in den Kopf, warum die Gewinne der letzten zehn Jahre für die aktuelle Bewertung relevant sein sollen. Zumal Ausreißer wie 2009, als die Gewinne einbrachen, das Ergebnis massiv beeinflussen. Zur Erinnerung: Das CAPE (Cyclical adjusted price-to-earnings ratio) von Prof. Shiller berechnet sich aus dem aktuellen Kurs geteilt durch den Durchschnitt der Gewinne der letzten zehn Jahre, angepasst an die Inflation.

 

Die aktuelle Fieberkurve mit dem einfachen KGV reicht mir aus und die sagt mir, dass beim S&P 500, verglichen mit dem ewigen Durchschnitt von 15,5 die jetzigen 20,5 ziemlich hoch sind. (Bezogen auf die letzten 60 Jahre liegt der Durchschnitt angeblich nur bei 17, wie ich heute im Handelsblatt lesen durfte.) Aber auch das ergibt alleine keinen Sinn, denn nur wenn man die durchschnittlichen KGV Werte mit den jeweiligen Zinsen vergleicht, wird ein Schuh daraus. Extrem niedrige KGV Werte gehen immer mit extrem hohen Zinsraten einher, wie man leicht sieht, wenn man sich die Situation Mitte der 70er bzw. die 80er Jahre anschaut, als die galoppierende Inflation mit zweistelligen Zinssätzen bekämpft wurde. Die beiden Diagramme vorne habe ich hier entnommen, das dritte ist aus wikipedia (leider erst 1950 beginnend, zum Vergrößern anklicken).

 


In welcher Situation wir uns aktuell befinden, ist wohl jedem bewusst, allen Zinserhöhungsängsten in den USA zum Trotz. Die erwartete Zinserhöhung ist in den US-Bonds ja bereits eingepreist und seit kurzem kehren ja auch die deutschen Zinsverhältnisse langsam wieder zur Normalität zurück. Nicht ohne Grund läuft der S&P 500 seit einer Weile mehr oder weniger seitwärts. Unter diesem Aspekt sehe ich keine wirkliche Überbewertung. Und wenn die Gewinne steigen sollten, dann wird sich bei seitwärts laufendem Markt auch die Bewertungslage verbessern.


Das bedeutet aber nicht, dass nicht einzelne Aktien oder Aktiengruppen überbewertet sein könnten. Das sieht man meines Erachtens bei einem großen Teil der klassischen Dividendenaktien. Ebenso empfinde ich die Bewertung vieler kleiner deutscher Unternehmen als sehr hoch bemessen und nicht dem Risiko angepasst. Bei beiden Gruppen war ja zuletzt ein gewisser Hype zu verzeichnen. Uzin Utz war ein gutes Beispiel dafür. Man muss also schon sehr genau hinschauen, was man sich ins Depot legen will und vor allem zu welchem Preis.


Abstauberlimits bei Cewe und Dr. Hönle

Abstauberlimits können eine Strategie sein, sich relativ preiswert in Aktien einzukaufen, wenn wie aktuell die Märkte seitwärts laufen bzw. sich in einem ständigen Auf und Ab befinden. Man geht natürlich das Risiko ein, nicht bedient zu werden und dann den Preisen evtl. hinterher zu rennen. Bei Cewe und Dr. Hönle habe ich letzte Woche zwei solcher Abstauberlimite gesetzt und bin jetzt bei Cewe zu 50,1 Euro bedient worden. Das war aber nur eine kleine Aufstockung meiner Position. Dr. Hönle ist mir leider wirklich davon gelaufen und es sieht aktuell nicht so aus, als ob ich da noch zum Zuge kommen werde. Schade eigentlich.

 

CVS Health kauft weiter ein

Omnicare ist noch nicht erlegt, da nimmt sich CVS schon den nächsten Brocken zur Brust und zwar die Drugstores in den Supermärkten von Target. Für 1,9 Mrd. USD werden so rund 1650 neue Filialen erworben sowie 80 ambulante Kliniken den Minute-clinics eingereiht. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, sind die Drugstores in den Märkten drin, so dass Kunden, die ein Medikament kaufen wollen, durch den Laden müssen. Für beide Unternehmen hat das nur Vorteile. Bei jedem neuen Laden, den Target aufmacht, ist CVS als Drugstorebetreiber dabei. Leider wird CVS jetzt doch die Aktienrückkäufe etwas zurückfahren müssen (von 6 auf 5 Mrd.), was ich insgesamt aber für absolut gerechtfertigt halt. Von mir aus könnten sie die Aktienrückkäufe auch komplett aussetzen, um sich zusätzliche Schulden zu ersparen, aber versprochen ist halt versprochen.

 

... und ein Todesfall

Ich würde das hier nicht erwähnen, wenn es nicht etwas mit dem Blog zu tun hätte: Harry Rowohlt ist gestorben.

 

Und zwar hatte ich das Glück in der „Zeit“ noch einige seiner genialen Kolumnen lesen zu dürfen: „Pooh’s Corner: Gedanken eines Bären von sehr geringem Verstand“. Und wer den Titel meines Blogs gelesen hat, weiß spätestens jetzt, warum ich das hier kundtue. Ansonsten hat Harry Rowohlt vor allem übersetzt, aber auch Hörbücher aufgenommen. Seine öffentlichen Lesungen waren legendär. Der Artikel bei Wikipedia beschreibt ihn angemessen.

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Kommentare: 5
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 17 Juni 2015 18:04)

    Du erwähnst in dem Artikel das aktuelle und das historisch-durchschnittliche KGV vom S&P 500. Das ist nur zum Teil zielführend. Ein Index setzt sich aus Unternehmen verschiedenster Branchen zusammen. Jede Branche weist jeweils unterschiedliche KGVs auf (Konsumgüterhersteller recht hohe und Industriewerte eher mittlere beispielsweise). Finanz- und Ölwerte wiederum haben ein recht niedriges KGV, was allerdings sehr trügerisch sein kann. Bei einem Gewinneinbruch bleibt das KGV nämlich meist konstant, da sich der Kurs dem nun reduzierten Gewinn schlichtweg anpasst. Das KGV eignet sich also mehr zur Betrachtung von nicht sowie weniger zyklischen Unternehmen, jedoch weniger von (extrem) zyklischen Unternehmen. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, das Unternehmen mit (sehr) hohem Wachstum ein äußerst hohes KGV aufweisen, welches sich mit abnehmendem Wachstum in der Regel allerdings irgendwann dem jeweils branchenüblichen KGV annähert.

  • #2

    Christian (Donnerstag, 18 Juni 2015 14:04)

    Natürlich hast du recht und man müsste für einen Vergleich im Prinzip die Branchenzusammensetzung entsprechend gewichten. Allerdings ist der S&P 500 so breit gestreut, dass man das wohl vernachlässigen kann. Man muss sich halt der Grenzen eines solchen Vergleiches bewusst sein. Veränderungen in der Rechnungslegung habe ich auch nicht berücksichtigt, obwohl die systematisch die Gewinne buchhaltungstechnisch verändert haben.

    Am interessantesten fand ich noch die Auswirkungen der zweistelligen FED Zinsen auf das durchschnittliche KGV, das daraufhin in den einstelligen Bereich rutschte.

  • #3

    Tobi (Donnerstag, 18 Juni 2015 19:27)

    Ich glaube auch, der Vergleich mit den Zinsen bringt die besten Erklärung für die im historischen Blick eher hohen KGVs. Aber wenn verschiedene Anlageklassen um das gleiche Kapital buhlen, passen sich die Preise zumindest ein Stück weit an, und da müssten eigentlich die Aktien noch weit höher bewertet werden.
    Spannend wird nun, wie sich die Zinsen in Zukunft entwickeln. Ich finde ja die These sehr interessant, dass sich in alternden und von der Arbeitsbevölkerung schrumpfenden Volkswirtschaften die Zinsen wegen des geringen Inflationsdrucks (keine Kapazitätsausweitungen nötig da schrumpfende Bevölkerung) automatisch nach unten bewegen. Wenn die Zinsen und Inflationsraten lange auf dem aktuellen Niveau bleiben sollte, dann wären Aktien ziemlich günstig mit zum Teil noch 3-4-fachen Dividendenrenditen gegenüber langfristigen Staatsanleihen...

  • #4

    Christian (Samstag, 20 Juni 2015 09:58)

    Diese These mit der abnehmenden Bevölkerung wird immer populärer. Dazu Voraussagen zu treffen, halte ich aber für schwierig. Die hohen Zinsen der Vergangenheit haben nämlich ebensoviel damit zu tun, dass man (in den USA) die Inflation für nicht so schlimm hielt und nicht zuletzt von den USA in den 70er und 80er Jahren dazu genutzt wurde ihre massive Staatsverschuldung, die vom Vietnamkrieg zurückgeblieben war, auf einfache Weise abzubauen. Erst als das geschafft war (und unter dem zunehmenden Einfluss der "Chicagoboys" mit Milton Friedman an der Spitze) hat die Notenbank die Zinsen in die Höhe getrieben.

    Es könnte außerdem genauso gut die Aktien treffen. Dann nämlich, wenn die Pensionäre zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes nach und nach ihre Aktien verkaufen. Dagegen spricht, dass in den USA, dem vermeintlichen Land der Aktienbesitzer, 80% der Aktien im Besitz von 10% der Bevölkerung sind und diese es sicher nicht nötig haben werden, ihre Aktien zu verkaufen.

    Scheinbar einfache logische kausale Zusammenhänge erweisen sich im Nachhinein oft als äußerst komplexe Angelegenheiten.

  • #5

    Covacoro (Montag, 22 Juni 2015 23:13)

    Hallo Christian,
    wenn man etwas gut prognostizieren kann, dann den demographischen Effekt von niedriger Geburtenrate und längerer Lebenserwartung. Das ist sehr gut belegt, z.B. am Beispiel Japan, aber auch für europäische Länder. Die einzige Unsicherheit in dieser Frage kommt über den Faktor Zuwanderung zustande, für die BRD findet man z.B. hier die Daten: http://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Bevoelkerungszahl.html
    und ein kritischer Artikel zum Thema:
    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/herwig-birg-die-demografische-uhr-tickt-unbarmherzig/11451966-all.html
    Covacoro