Abschied von Gesco und ein paar Neuigkeiten

Gesco ist die Aktie, die es bisher am längsten in meinem Depot gehalten hat. Die erste Charge habe ich Anfang 2010 gekauft. Es gab dann immer wieder mal Zu- oder Verkäufe, aber so ganz getrennt habe ich mich von der Aktie nie. Irgendwann habe ich mal gesagt, dass Gesco die Aktie wäre, die ich nach dem "Einsame Insel Prinzip" als einzige behalten würde. So kann man sich irren. Die Entscheidung zum Verkauf hat nicht länger als 5 Minuten gedauert. Eine Adhoc Nachricht war der Auslöser. Gesco hat seine vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 herausgegeben, das interessanterweise ja schon am 31.03. geendet hat.


Zum wiederholten Mal die eigenen Prognosen verfehlt

Gesco ist eine Holding, die vesucht mittelständische bis kleine Unternehmen aus der Industrie zu kaufen und dann auch zu behalten. Verkäufe sind "eigentlich" nicht vogesehen, kommen aber auch schon mal vor. Mir gefällt das Konzept sehr gut, bei dem in der Regel die alten Geschäftsleitungen der gekauften Firmen in Amt und Würden bleiben und nur der Eigentümer wechselt. Oft behalten die Alteigentümer auch einen gewissen Anteil an den Unternehmen. Einen sehr ähnlichen Ansatz fährt auch Indus. Gesco war für mich ein konservatives Investment, bei dem ich nicht auf große Wachstumsraten, sondern auf Stabilität und Beständigkeit gesetzt habe. Nun glaube ich aber, dass Gesco ein Managementproblem hat.


Seit etwa zwei Jahren vertröstet Gesco seine Anteilseigner mit dem euphemistischen Satz, es handele sich aktuell um ein "Übergangsjahr". Davon habe ich jetzt schon zwei erlebt. Aber wenn dann gegen Ende eines solchen Übergangsjahres zum wiederholten Mal die Zahlen, die man noch ein Quartal vorher bekräftigt hatte, nach unten revidiert werden, und zwar kräftig, dann ist irgendwann der Geduldsfaden gerissen (Link). Was ist das für ein Controlling, das erst nach Ablauf des letzten Quartals erkennt, dass die Gewinne so viel niedriger ausfallen? So etwas darf nicht passieren. Zumal die Aussichten für das nächste Jahr mit recht dürren Worten verkündet werden: Zwar steige der Umsatz, aber der Gewinn wird deutlich hinter den Vorjahren zurückbleiben. Im Vorjahr befand sich Gesco schon einmal ganz oben auf der Hitliste der deutschen Nebenwerte im gleichnamigen Magazin, die mit ihren Prognosen am deutlichsten daneben lagen.

 

Keine Aquisitionen

Und immer steht laut Unternehmensleitung die nächste Aquisition kurz bevor. Doch dann scheitert es entweder wieder oder es wird eine kleine Ergänzung zugekauft, wie die letzte Übernahme eines amerikanischen Papiestäbchenherstellers. Indus schafft in der gleichen Zeit mindestens zwei Übernahmen. Auch auf diesem Gebiet scheint sich das Management einige der besten Brocken vor der Nase wegschnappen zu lassen. Für Managementprobleme spricht auch, dass die Probleme bei zwei Tochterfirmen nicht in den Griff bekommen werden. Da wird meiner Ansicht nach nicht transparent genug kommuniziert, was da wirklich schiefläuft.

 

Der von 15 Mio. auf 12,4 Mio. niedriger ausfallende Gewinn (von dem man erst jetzt erfahren hat?), einhergehend mit einer stark abgesenkten Dividende und den sehr wolkigen Aussichten, haben mich davon überzeugt, dass es sich hier nicht mehr um ein Investment handelt, dass ich länger eingehen möchte. Am meisten schmerzt mich aber mal wieder die Steuer, die meinen Gewinn in diesem Jahr doch recht heftig schmälert. Das beläuft sich aktuell auf 2,9 Prozentpunkte, um die ich meine Rendite erhöhen müsste, wenn ich einen Benchmarkvergleich starten wollte. 

 

Wohin mit dem Cash?

Nach der Verdoppelung meiner CPSI Position hatte ich ja noch gedacht, dass ich mit der Aktiensuche erstmal wieder aufhören kann. Doch Pustekuchen: Nun bricht mir gerade eines meiner eher konservativen Investments weg. In Frage kommt eigentlich nur ein ebenfalls konservativer Dividendenwert. Vielleicht stocke ich was auf, vielleicht kaufe ich was dazu, das weiß ich noch nicht. Billig ist auf diesem Gebiet momentan ja gar nichts. Vielleicht schaue ich mir mal Emerson Electric oder auch General Electric an. Zur Aufstockung kommen aktuell eigentlich nur Johnson und Johnson, AT&T oder auch CVS Health in Frage. Die anderen wie Unilever oder General Mills nur, wenn sie im Preis mal wieder etwas zurückkommen. Der aktuell etwas fallende Dollar spielt mir da natürlich in die Hände.

 

Doch jetzt zu etwas erfreulicherem:

 

Cracker Barrel liefert gute Zahlen

Hier gab es erfreuliche Zahlen und ich werde wohl meine EPS-Schätzungen für dieses Geschäftsjahr anheben können. Die Umsätze in den "comparable stores" wuchsen gegenüber dem Vorjahr um beachtliche 5,2%, die sich sowohl aus Mehrausgaben je Kunde als auch aus erhöhtem Kundenaufkommen zusammensetzten. Sehr erfreulich auch, dass die Storeumsätze um 4,5% zulegten, die zuletzt etwas stagnierten. (Neben den Restaurants gibt es immer noch einen Store mit allerlei auf ländlich gemachten Krimskrams.)

 

Ausgehend von diesen Zahlen wird die Dividende um 10% angehoben, von 1 auf 1,1 Dolllar je Quartal und Aktie. Dazu gibt es in diesem Jahr eine Sonderdividende von 3,0 $. Dass der Betrag nicht genutzt wird, um Aktien zurückzukaufen, hat mit einem "Shareholder rights plan" zu tun, der als Abwehr gegen eine feindliche Übernahme durch Biglaris "Biglari Capital Corp" gedacht ist. Dieser Plan ermöglicht es allen Aktieninhabern zu einem Discountpreis neuausgegebene Aktien zu erwerben, wenn ein Anteilseigner mehr als 20% besitzt. Biglari besitzt im Moment 19,9% und bei einem Aktienrückkauf würde sein Anteil auf über 20% steigen und den Plan in Kraft setzen. Das kannte ich bisher auch nicht. Wen der Mechanismus eines auch als "poison pill" bezeichneten Planes interessiert, kann es hier machlesen.

 

Also freue ich mich über die Sonderdividende im August und zahle brav meine Steuern darauf. Unter den gegebenen Umständen könnte es auch durchaus sein, dass da in den nächsten Jahren immer wieder mal Sonderdividenden ausgeschüttet werden. Die jetzt insgesamt 7,20$ Dividende für 2015 (Kalenderjahr) entsprechen jedenfalls einer Rendite von fast 5%.

 

AAP macht einen Satz

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich AAP Implantate vielleicht doch noch mal aufstocken könnte, da macht die Aktie vorgestern einen Satz nach oben, dessen Ursache erst einen Tag später bekannt wurde. Der Chef persönlich hat durch den Kauf von über 70000 Stück den Preis von unter 2,30 auf über 2,47 hochgetrieben. Ich hatte tatsächlich darauf spekuliert, bei unter 2,20 nochmals ein paar Stück zuzukaufen. Pech gehabt.

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Kommentare: 3
  • #1

    Schildkröte (Samstag, 06 Juni 2015 13:43)

    Als Langfristanleger muss man nicht selten mehr als bloß ein Übergangsjahr durchstehen. Aber ich verstehe, dass Deine Geduld nach fünf Jahren zu Ende ist. Ich werde mir den bald erscheinenden Geschäftsbericht in Ruhe durchlesen. Die gegenwärtigen Probleme bezüglich Russland und der Ukraine gehen nicht nur an GESCO nicht spurlos vorbei. Im Übrigen ist ein Vergleich mit Indus nur bedingt geeignet. Indus kauft vom Umsatz her wesentlich größere deutsche Mittelständler auf und vor allem auch branchenübergreifend, während sich GESCO ja auf Maschinen- und Anlagenbau sowie Kunststofftechnik konzentriert. Außerdem scheiden die Alteigentümer bei von GESCO übernommenen Firma für gewöhnlich aus. Allerdings arbeiten sie oft ihre Nachfolger als Geschäftsführer noch eine Weile ein. Diese Geschäftsführer übernehmen dann selbst zwischen 5% und 20% der übernommenen Firmen. Mitgehangen, mitgefangen.

  • #2

    Covacoro (Donnerstag, 11 Juni 2015 21:24)

    Ich habe Gesco seit 2007 im Depot und beobachte die Situation seit 2013 und die Probleme mit Protomaster und MAE ebenfalls kritisch. Der Umsatz blieb noch nahezu konstant, die Gewinne haben den Rückwärtsgang eingelegt: http://www.ariva.de/fundamentaldaten/kompakt.m?secu=1206
    Dass Du jetzt die Reißleine ziehst, kann ich wie Schildkröte verstehen, aber ich vermute auch, dass die Dunkelheit dann am größten ist, wenn der Morgen nicht mehr fern.

  • #3

    Christian (Freitag, 12 Juni 2015 14:29)

    Ich bin auch gespannt auf den Geschäftsbericht. Dass ich auf das Vertrauen zum Management einen so großen Wert lege, hat mit einigen schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit zu tun. Wenn ich kein Vertrauen habe, glaube ich einfach nicht daran, dass der "Morgen" so schnell kommen wird. Auch glaube ich nicht wirklich, dass es allein an den beiden genannten Unternehmen liegt, dazu sind die Gewinneinbrüche einfach zu groß. Aber warten wir es ab.