Neuigkeiten aus dem Gesundheitswesen und andere Misshelligkeiten

Mit dem Vermelden von Neuigkeiten bin ich zuletzt etwas ins Hintertreffen geraten. Solange aus diesen Nachrichten keine Käufe oder Verkäufe resultieren, spielt das für uns langfristig orientierte Anleger keine Rolle. Nichtsdestotrotz ist es wichtig und macht auch Spaß den Unternehmen auf dem Fuße zu folgen, als deren Mitbesitzer wir uns ja ansehen. Der Überschrift entsprechend dreht sich heute alles um Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Weitere Unternehmensnachrichten und (hoffentlich) der Bericht von der Hauptversammlung bei Init folgen dann am Wochenende.




CPSI

Die Zahlen erschienen zunächst schlecht, doch die Nachrichten waren gut. Daher machte die Aktie auch einen kleinen Hopser nach oben. Zur Erinnerung: CPSI ist ein IT Unternehmen, dass sich der informationstechnologischen Versorgung kleiner Spitäler in den USA verschrieben hat. Diese sogenannten „Rural Hospitals“ haben oft nur wenige Betten, meist weniger als 100. Eine solche Infrastruktur gibt es bei uns überhaupt nicht. In den USA sind diese Rural Hospitals Erstversorger für über 50 Millionen Menschen. Ein nicht zu unterschätzender Markt, der jedoch in Teilen von öffentlichen Subventionen abhängig ist.


CPSI implementiert und pflegt in diesen kleinen Spitälern und in Arztpraxen Informationssysteme (EHR = Electronic health recording), was seit April unter dem Oberbegriff „Evidence“ als eigene Abteilung zusammengefasst wurde. Die zweite Sparte ist die Beratung, die graduell von kurzfristigen Mandaten bis zum völligen Outsourcen von Managementaufgaben an CPSI geht. Das wird bei CPSI unter dem Namen „TruBrigde“ gehandelt. Wer sich das näher anschauen will: Die Website von CPSI ist meiner Ansicht nach selten übersichtlich und gut aufgebaut.


Die Neuimplementierung von Systemen hatte zuletzt geschwächelt. Im Rahmen der Gesundheitsreform („Obamacare“) sollen die Spitäler spezielle Informationssysteme einführen (genannt: „Meaningful use“), deren Funktionieren sie plötzlich nicht mehr nur über 3 Monate nachweisen mussten, sondern über ein Jahr. Gelingt der Nachweis, fließt Geld. Während dieser Zeit wird also niemand bei gesundem Verstand ein neues IT System implementieren, was die Verkaufszahlen bei CPSI einbrechen ließ. Nun soll das Rad wieder auf 3 Monate zurückgedreht werden. Das wird sich für CPSI in diesem Jahr aber nur sehr begrenzt auswirken, weil das Jahr einfach schon zu weit fortgeschritten ist. Im nächsten Jahr darf man aber davon ausgehen, dass die Welt wieder zur „Normalität“ zurückkehrt. Wichtig dabei: Es gab weder Druck auf die Preise, noch mischten sich die großen IT Unternehmen in das Geschäft mit den kleinen Spitälern ein.


Parexel

Auf einer ganz anderen Basis steht Parexel, die international unterwegs sind und den großen Pharmaunternehmen viel Arbeit bei den klinischen und anderen Studien abnehmen. Hier haben die Umsatzzahlen zuletzt etwas enttäuscht, was aber nicht zuletzt an der zeitlichen Charakteristik des Geschäfts liegt. In den Anfangsphasen von Studien ist der Umsatz eher niedrig, in den Schlussphasen dagegen hoch. Dazu kommt die unvermeidliche Dollarstärke. Trotzdem sind die Aussichten weiterhin sehr vielversprechend. Personal wird in Anbetracht der Auftragslage massiv aufgebaut, ein Unternehmen in Indien als eine ideale Ergänzung des eigenen Portfolios zugekauft und zudem die Abhängigkeit von wenigen großen Unternehmen (zuletzt Pfizer) zurückgedreht. Für mich ist das Unternehmen eine sichere Bank.


CVS

Bei CVS stimmt im Moment alles. Besonders aber das PBM Geschäft läuft. Die neuen sehr teuren Hepatitis C Medikamente haben der ohnehin bereits stark wachsenden „Speciality“ Sparte einen Umsatzschub gebracht. Und das Rad dreht sich weiter: Im Sommer wird ein neuer Typ von Cholesterinsenkern auf den Markt kommen, dessen Preis ebenfalls die Kassen der Zahlergemeinde arg strapazieren wird. CVS schafft es hier, die resultierenden Kosten für die Krankenkassen und Versicherer (darunter auch Unternehmen und die öffentliche Hand) deutlich zu senken. Sehr aussichtsreich ist hier auch die Zusammenarbeit mit Cardinal Health, einem Pharmagroßhändler, die gerade erst begonnen hat und erst langsam anfängt Früchte zu tragen.


Aber auch die Apotheken laufen gut. Der „Tabakimpact“, also der Stopp des Tabakverkaufs hat zwar seine Spuren hinterlassen, andererseits besteht hier noch einiges Potential für Optimierungsmöglichkeiten im Bereich „Frontsales“, also die Produkte, die keine Medikamente sind. Die Verkäufe im Bereich Pharma sind dagegen gut angestiegen. Dazu muss man anmerken, dass die oben erwähnten Erfolge im Bereich „speciality“ teils auf Kosten der eigenen Apotheken gehen, da die Verkäufe dann direkt unter Umgehung der Stores erfolgen. Eine aktualisierte Guidance kommt von Unternehmensseite erst im nächsten Quartal.

 

AAP Implantate

Zuletzt ist der Kurs von AAP stark unter Druck geraten, was mich ehrlich gesagt wundert, denn an den Aussichten hat sich soweit nichts geändert. Dass anstatt eines erwarteten minimalen Gewinns ein minimaler Verlust eingefahren wurde, war abzusehen, denn die Verzögerungen in den USA im letzten Jahr mussten ihre Spuren hinterlassen. Anscheinend sind einige Anleger ungeduldig geworden, wozu dann noch ein Stop-Loss des „Aktionärs“ ausgelöst wurde. Wenn ich nicht ohnehin schon bei AAP gut dabei wäre, würde ich jetzt nachkaufen. So preiswert wird man diese Aktie wohl so schnell nicht wieder bekommen. Ich verstehe sowieso nicht, wie man bei einer Aktie aus dem Pharmabereich so kurzsichtig agieren kann. Da dauert es Jahre, bis sich so ein Produkt durchsetzt.


And now for something completly different …

Eine kleine Ergänzung zu meinem Beitrag „Warum die meisten Studien zu Anlagestrategien vermutlich falsch sind". Unter dem Titel „In Rauch aufgelöst“ thematisiert Stephanie Schramm in „Die Zeit“ vom 07.05.2015) die Unzulänglichkeit und häufig mangelnde Nachprüfbarkeit wissenschaftlicher Veröffentlichungen. (Leider ohne Quellenangabe.) 61 von 100 Studien aus der Sozialpsychologie konnten nicht verifiziert werden, sind also unbrauchbar. Die Pharmafirma Amgen wiederholte 50 wichtige Krebsstudien, von denen sogar 90 Prozent nicht die publizierten Ergebnisse brachten. Das Ganze wird nun auf sehr viel breiterer Basis genauer unter die Lupe genommen. Da darf man gespannt sein.


In der Medizin kursiert in diesem Zusammenhang das Sprichwort vom „Curse of the first publisher“. Bedeutet: Erst nach vielfacher Reproduktion sind Studienergebnisse verlässlich, Einzelstudien sind dagegen meist schlicht unbrauchbar. Man darf davon ausgehen, dass hier nicht absichtlich falsche Studien veröffentlicht werden, sondern tatsächlich die meisten Wissenschaftler den statistischen Rahmenbedingungen einfach zu wenig Aufmerksamkeit schenken.


Soweit die vermischten Nachrichten aus dem Gesundheitswesen ...

 

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