Kauf Cracker Barrel - Verkauf Cancom - Teilverkauf Init

Ich verkaufe nicht gerne Aktien. Falls nicht gerade irgendwelche Katastrophenmeldungen auftauchen, benötige ich eine ganze Weile, bis ich erkenne, dass eine Aktie eigentlich gar nicht mehr in mein Portfolio passt. So geschehen mit Cancom. Dank einiger kritischer Kommentare (Dank an Schildkröte) und einem persönlichen Austausch, wurde mir klar, dass es tatsächlich gar keinen Grund gibt, warum ich Cancom behalten sollte, zumal sich ja jetzt alle Welt auf die Cloud stürzt. Wo soll da noch der Burggraben sein?

 

 

Mit Init bin ich eigentlich nicht unzufrieden, doch war ich bei meinem Nachkauf vielleicht zu optimistisch. Als Sicherheitspolster galt mir die gut kalkulierbare Auftragslage. Doch nun stand im letzten Bericht, dass deutlich weniger Aufträge eingegangen waren, als erwartet. Zwar stehen unmittelbar die Zahlen an, doch darauf wollte ich nicht warten. Ein gutes Drittel habe ich daher verkauft. Am 13. ist Hauptversammlung, an der ich (falls alles klappt) teilnehmen werde. Dann wird man weitersehen.

 

Kauf: Cracker Barrel Old Country Store Inc.

Der Name ist Programm: Bei der amerikanischen Restaurantkette wird das Essen in einem Ambiente serviert, das an Countrystyle und auch etwas Südstaatenromantik erinnern soll. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Casual Restaurant, wo bedient wird, aber das Essen relativ günstig zu haben ist. Bei Cracker Barrel ist alles durchgestylt und in so gut wie allen 600 Filialen gibt es das Gleiche. Die Filialen werden direkt geführt und nicht Franchisenehmern überlassen. Das heißt aber auch, dass die Liegenschaften zum allergrößten Teil dem Unternehmen selbst gehören. Das gefällt mir schon einmal sehr gut, zumal das Geschftsmodell sich als sehr simpel darstellt.                                                                                                                                                                                                                                    (Bildquelle: Wikipedia)

Warum ausgerechnet eine Restaurantkette?

Die Branche habe ich mir jetzt nicht gezielt ausgesucht. Anlass meines Kaufes war ein relativ zielloses "Rumscreenen" mit etwas außergewöhnlicheren Kriterien und als mir das Unternehmen da vor die Nase sprang, habe ich den Köder sofort geschluckt. OK, nicht sofort, aber nach diversen Recherchearbeiten war es dann soweit.

 

Ganz klar: Die Branche ist davon abhängig, wie gut es den Amerikanern geht, ist also leicht zyklisch. Cracker Barrel wendet sich an die Mittel- bis Unterschicht, gerne Familien, die sich mal einen netten Ausflug gönnen wollen und denen das Ambiente gefällt. Wenn denen das Geld knapp wird, werden sie sich das Auswärtsessen sicher als erstes verkneifen. 2008 war so ein Jahr. Niedrige Benzinpreise, starker Dollar und ein um ca. 2% wachsendes Lohnniveau in den USA sollten aber dafür sorgen, dass dieser Geldmangel vorerst nicht eintreten wird. Andere Risiken, wie speziell das Wetter, kann man natürlich nie ausschließen. Die aktuelle kleine Delle in der Konjunktur der USA geht nach meiner Meinung auf das Konto der dahinserbelnden Frackingindustrie. Das dürfte sich bald wieder ändern.

 

Countrystyle ist in den USA gerade in Mode, ebenso wie Organic Food, eine gewisse Exotic und gesundes Essen allgemein (was seltsamerweise keinerlei Einfluss auf die Zahlen der Übergewichtigen hat). Allerdings ist Countrystyle eine Mode, die es schon sehr lange in den USA gibt, (z.B. als ich als 16 Jähriger dort meine Sprachferien verbrachte) und die bestimmt nicht so schnell verschwinden dürfte. Auch ist das Unternehmen bei den Amerikanern sehr beliebt und gilt als vertrauenswürdig. Falls aber irgendwann einmal tatsächlich Country völlig aus der Mode geriete, wäre es mit dem Erfolg dann schnell vorbei und es ginge dem Unternehmen nicht anders als McDonalds jetzt. Doch das dürfte vorerst kaum zu erwarten sein.

 

Insgesamt ist die Restaurantbranche in den USA hochumkämpft. Die Konkurrenz ist groß. Einen Burggraben kann man sich dort eigentlich nur in Form einer starken Marke erarbeiten. Meiner Ansicht nach hat Cracker Barrel diese Marke. Darauf gibt es einige Hinweise, wenn man sich mal etwas durch das Internet bewegt. Ein "Me too" Konkurrent hätte es vermutlich sehr schwer, gegen das starke Image von Cracker Barrel anzukommen und müsste erst einmal kräftig investieren.

 

Die wirtschaftliche Situation

Wie vielleicht schon dem einen oder anderen aufgefallen ist, mag ich so ein bisschen die Turnover Situationen. In gewisser Weise befindet sich auch Cracker Barrel darin. Im Jahr 2014 (Fiscalyear 2014 = 01.08.2013-31.07.2014) gab es einen deutlichen Rückgang des Wachstums zu verzeichnen. Die letzten Quartale haben das aber dann wieder völlig gedreht, mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen für das aktuelle Geschäftsjahr von einem Samestore-Sales Wachstum von 4% ausgeht. Dazu werden im Schnitt seit dem Jahr 2000 15 neue Stores pro Jahr eröffnet, allerdings zuletzt mit leicht fallender Tendenz.


Wie schon erwähnt, gehören die Liegenschaften zum größten Teil dem Unternehmen selbst, nur wenige sind gemietet. Die Bewertung dieser Immobilien in der Bilanz dürfte sehr wahrscheinlich unterhalb ihres wahren Wertes liegen, da sie zu einem größeren Teil bereits abgeschrieben sind. Da sind also reichlich stille Reserven vorhanden. Das ist vor allem auch deswegen interessant, weil die Abschreibungen auf die Immobilien systematisch den offiziellen "GAAP" Gewinn mindern. Wer also auf die Gewinne schaut, erhält ein besseres Bild, wenn er das EBITDA bzw. den operativen Gewinn betrachtet und der wächst seit einigen Jahren recht stabil. Dazu kommt, dass die Marge kontinuierlich verbessert werden konnte. Fast alle wichtigen Kennzahlen zeigen seit 5 Jahren ein tendenziell positives Bild (s. hier)


Die Analysten erwarten für die nächsten Jahre ein Wachstum des EPS von ca. 10% pro Jahr. Dazu kommt eine Dividende mit einer ansprechenden 3% Rendite, die seit einigen Jahren stark wächst und die früheren Aktienrückkäufe teilweise abgelöst hat. Inzwischen ist man aber bei einer Auszahlungsquote von 60% angelangt und ich denke nicht, dass diese Quote noch weiter nach oben gehen wird. Das Dividendenwachstum dürfte daher in etwa mit dem Gewinnwachstum parallel gehen. Vor diesem Hintergrund sehe ich Cracker Barrel vornehmlich als einen Dividendenwert, der ein mäßiges aber solides Dividendenwachstum abliefern sollte.


Bewertung und Branchenvergleich

Es gibt ja eine ganze Reihe von Restaurantketten in den USA, in die man investieren kann. Allen bekannt ist McDonalds, aber es gibt noch weitere. Eine einigermaßen willkürlich ausgewählte Gruppe habe ich unten aufgeführt. Ich habe sie alle mal meinem neuen Bewertungssystem unterzogen und die Paybackjahre dazugeschrieben:

 

  • Panera Bread (zwar italienisch, aber trotzdem am ehesten vergleichbar)   11 Jahre (KGV 27,4)
  • Darden Restaurant (Besitzer mit mehrerer Ketten)                                8 Jahre (KGV 24,7)
  • Chipotle                                                                                                   >11,5 Jahre (KGV 44,5)                                      
  • Yum! Brands                                                                                              >12 Jahre (KGV 39,8)
  • McDonald (muss sein)                                                                                 10 Jahre (KGV 20)
  • Cracker Barrel                                                                                            8,5 Jahre (KGV 20,4)

                                                        

Panera Bread ist meiner Ansicht nach der stärkste Konkurrent. Er wächst stärker als Cracker Barrel, ist aber auch deutlich teurer, für einen Kauf definitiv zu teuer (mit Starbucks habe ich schon so ein teures Unternehmen). Darden Restaurants ist von den Zahlen her nicht schlecht, aber hier gab es in den letzten Jahren ziemliche Turbulenzen, so dass ich den Prognosen der Analysten nicht so recht trauen mag. Kontinuität sieht jedenfalls anders aus. Chipotle und Yum! Brands sind beide ebenfalls überteuert, also definitiv kein Kauf, zumal niemand weiß wie lange der Hype um diese beiden anhält. McDonalds war zu meiner Überraschung einigermaßen günstig, allerdings für das Risiko, dass der Abwärtstrend anhält, dann doch deutlich zu hoch bewertet. Zwar gehen die Analysten hier von 5% Wachstum aus, aber ob das gelingt, steht sehr viel mehr in den Sternen, als bei den anderen Kandidaten. Mit einigem Abstand steht Cracker Barrel meiner Meinung am Besten da, zumal die Erwartungen hier nicht so wahnsinnig hoch geschraubt sind, wie bei der Konkurrenz.

 

Insgesamt sind die Kurse in den letzten Wochen etwas zurückgekommen. Cracker Barrel stand Mitte März bei etwa 156$, gekauft habe ich sie gestern für 132$. Erwartet hatte ich eigentlich, mal wieder ins fallende Messer gegriffen zu haben, doch plötzlich sieht es so aus, als sei mir tatsächlich mit sehr viel Glück ein Kauf am Tiefpunkt gelungen. Schauen wir mal. Ein Aufwärtstag macht noch keine Hausse.

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Kommentare: 11
  • #1

    Schildkröte (Donnerstag, 07 Mai 2015 23:05)

    "Samestore-Sales Wachstum von 4%"

    Diese Kennzahl ist bei Einzelhandels- und Gastronomieketten sehr wichtig. Denn wenn sich das Wachstum durch die Eröffnung neuer Filialen irgendwann abschwächt, dann wird das weitere Wachstum vor allem mit obiger Kennzahl korrelieren.

    Darüberhinaus ist mir aufgefallen, dass die Gewinne in den letzten Jahren kräftig, die Umsätze jedoch nur moderat gewachsen sind: http://www.finanzen.net/bilanz_guv/Cracker_Barrel_Old_Country_Store
    Worauf ist das zurückzuführen? Wurde die Gewinnmarge verbessert? Das ist lobenswert, kann allerdings nicht beliebig fortgesetzt werden. Die Eigenkapitalquote war 2008 mit 6,83% erschreckend niedrig! Inzwischen liegt sie immerhin bei 36,91%.

  • #2

    Christian (Freitag, 08 Mai 2015 10:17)

    Noch gibt es genug Raum für Wachstum mit neuen Filialen, der aber nur sehr mäßig genutzt wird bisher. Das ist mir allerdings lieber, als Wachstum um jeden Preis mit der Gefahr, dass C.B. plötzlich haufenweise unrentable Restaurants am Hals hat. Daher ist für mich das Same-store-sales Wachstum sehr wichtig, denn es ist die Basis auf der das Unternehmen aufbaut.

    Das Gewinnwachstum kommt aus zwei Quellen: Eine hast du schon selbst erklärt: Die Zinszahlungen sind auf Grund der deutlichen Reduzierung der Verbindlichkeiten stark gefallen, wozu natürlich noch die niedrigeren Zinsen kommen. (Von 51Mio. 2011 auf 18Mio. letztes Jahr)

    Allerdings wurde auch die Marge für den operativen Gewinn erhöht von ca. 6,8% auf 8,4% in den letzten Jahren. Konkurrent Panera hat eine deutlich bessere operative Marge von gut 10%, die allerdings im letzten Jahr deutlich gefallen ist (von 13% auf 10%). Yum Brands liegt ebenfalls bei 11%. Andererseits lassen sich die Zahlen nur bedingt vergleichen, weil C.B. seine Restaurants selber führt, während die Konkurrenten weitgehend über Franchisenehmer funktionieren. Das ändert die Bedeutungen der entsprechenden Kennzahlen sehr stark.

    Insgesamt beeindruckt mich am meisten die Solidität des Unternehmens. Das war wohl nicht immer so, aber ich habe jetzt nicht nachgeforscht, was da 2008 und früher eigentlich alles so passiert ist, denn von Konsistenz in der Entwicklung konnte man da wohl kaum reden. Seit 4-5 Jahren kann man das aber absolut.

    Was ich z.B. nicht mag, ist Aktienrückkauf auf Pump, so wie es Panera Bread anscheinend vorhat, auch wenn deren Schuldenstand aktuell recht niedrig ist. Das vor dem Hintergrund sehr hoher Bewertungen sehe ich als reines Pusherprogramm, das vermutlich vor allem dem Management nutzen soll, langfristig aber durchaus mit hohen Risiken verbunden ist.

  • #3

    TobiB (Freitag, 08 Mai 2015 12:32)

    Die Entwicklung seit den letzten Jahren sieht in der Tat sehr erfreulich aus, auch wenn ich die Marke mangels USA-Kenntnis nicht einschätzen kann. Mir ist in den Finanzkennzahlen ein starker Rückgang 2005-2008 im Buchwert aufgefallen, hast du nachgeschaut woran der lag? Wurden da Sonderausschüttungen getätigt oder Unternehmensteile gekauft/verkauft oder so? Die Firma war ja duchgängig profitabel wie es scheint...

  • #4

    Volatilität (Freitag, 08 Mai 2015 15:21)

    Interessanter Titel, scheint stock-konservativ zu sein. Aber das ist vllt genau das richtige um sich von der hippen Konkurrenz abzuheben. Mir gefällt die IR-Seite des Unternehmens. Wells Fargo übernimmt die Investorenpräsenation, wahrscheinlich finanzieren die auch die Immobilien.

    - aktuell kaufst du "doppelt" niedrig ein, besserer EUR Kurs und der Aktienkurs ist ebenfalls runter
    - Filialausbau noch stärker möglich
    - Dividende seit 33 Jahren

    Gruß Vola vom AB

  • #5

    Christian (Freitag, 08 Mai 2015 16:04)

    @Tobi: Was es gab, war der recht schnell hintereinander erfolgende Kauf und Verkauf einer anderen Kette (Logan). Ob das die Zahlen erklärt, kann ich allerdings auch nicht sagen, das habe ich nicht nachgeprüft.
    In Bezug auf die Marke muss man sich als Nichtamerikaner wohl auch eher auf die Zahlen verlassen. Ich glaube auch nicht, dass man durch ein oder zwei Reisen in die USA da wirklich ein gutes Bild bekommt. Ich selbst fände das Restaurant vermutlich gar nicht gut und das würde mein Urteil komplett verfälschen. Ein bisschen Color, wie die Analysten sagen, bekommt man übrigens durch die Kommentatoren auf Seeking Alpha nach Beiträgen zum Unternehmen.

    @Vola: Die Konkurrenz ist ja wirklich teils deutlich überteuert (inklusive Starbucks, dessen Bewertung mir ehrlich gesagt langsam Sorgen macht). Mir gefällt das langsame Wachstum sehr, zumal ich weiter in dem Bemühen fortschreite, etwas weniger riskante Titel ins Portfolio zu nehmen. Das mit dem Dollarkurs ist natürlich Glück, darauf nehme ich eigentlich keine Rücksicht.

  • #6

    Alexander (Freitag, 08 Mai 2015 17:57)

    Cracker habe ich auch schon länger auf meiner Watchliste, habe aber bisher aus einem einfachen Grund davon abgesehen. Ich habe mit McDonald´s und YUM! Brands bereits zwei Restaurantketten im Depot. Anzumerken wäre noch, dass bei den Restaurants ein Geschenkeshop angegliedert ist, wo man nach dem Essen noch Country-Kitsch kaufen kann. Scheint ganz gut zu laufen und hat ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Auf deren Homepage kann man mal in den Shopbereich schauen und sich ein Bild machen. Deren HP finde ich übrigens auch ziemlich kitschig, aber es funktioniert. Langfristig dürftest du mit der Aktie nicht so viel falsch machen.

  • #7

    Christian (Samstag, 09 Mai 2015 18:40)

    @Alexander: Wobei die Läden ja etwas "wachstumsträge" sind. Gedacht sind sie ja, dem auf Tische wartenden Publikum vor dem Essen noch etwas Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Über den Stil des Unternehmens kann man wirklich streiten. Mein Ding wär das auch nicht, aber wenn die Amerikaner das mögen ...

  • #8

    toni (Sonntag, 10 Mai 2015 18:07)

    Hi sehr schön
    und was haltet ihr von Biglari es gibt Gerüchte er könnte sich von CB trennen
    würde dem Kurs nicht...........
    tschü

  • #9

    Christian (Sonntag, 10 Mai 2015 20:33)

    Hi toni,

    ehrlich gesagt kümmert mich das wenig. Langfristig macht so was wenig aus. Kurzfristig könnte das für nachkaufgelegenheiten sorgen.

    Ich halte es aber für möglich, dass sein Einfluss nicht unmaßgeblich für die neue Dividendenpolitik war.

  • #10

    toni (Montag, 11 Mai 2015 16:57)

    Langfristig macht das sehr viel aus ob ich 100 für 75€ wie letzten Sommer
    oder 50 zu 150 siehe März
    aber um mal den Fuß in der Tür zu haben ist´s schon recht
    tschü

  • #11

    Christian (Mittwoch, 13 Mai 2015 19:32)

    @Toni: Falls du das noch lesen solltest: Da war ein Fehler im System, der deinen Kommentar verschluckt hat. Tut mir leid.

    Und nochmal die Antwort nachgereicht: Ein Verkauf durch einen Großinvestor wird den Preis ja kaum um 66% niederknüppeln. Im Allgemeinen wird so etwas so schonend unternommen, dass es da zwar eine Delle gibt, aber keinen allzu großen Schaden. Das liegt ja auch im Interesse des Verkäufers selbst, der einen guten Preis für seine Aktien haben will.