Depotübersicht April 2015

Gemäß der schönen Regel "Sell in may ..." hätte ich jetzt Pech gehabt, denn die letzten Tage des April haben dem Portfolio gar nicht gut getan, da hätte ich ein paar Prozent verloren. Aktuell stehen aber immer noch erfreuliche 11,3% Rendite in dem maßgeblichen Feld meiner Exceltabelle. Käufe und Verkäufe gab es diesmal ausnahmsweise überhaupt nicht, das Depot geht unverändert in den Mai hinein. Ob das aber so bleibt, steht auf einem anderen Blatt.


Wie angekündigt werde ich diesmal eine Bewertung meines Portfolios mit Hilfe der zuletzt ausgeklügelten Methode vornehmen. Meiner bescheidenen Meinung nach bekommt das Modell den Vergleich zwischen wachstumsstarken, Value- und Dividendenaktien recht gut hin. Doch zunächst wie gewohnt die Übersicht über den April.

 

Gewinne und Verluste

Bis auf eine Ausnahme, meine jüngste Erwerbung CPSI, stehen alle Aktien mit einem Kursgewinn in den Büchern. Gewinner ist aktuell Paion, aber die laufen bekanntlich außer Konkurrenz. Von den "normalen" Aktien ist immer noch GFT ganz vorn, hat aber auch etwas von seinem Allzeithoch wieder abgeben müssen.

 

Gewinner des Monats ist sicher Starbucks, die nach den letzten Zahlen  einen deutlichen Kurssprung hingelegt haben (bei Michael C. Kissig von "Interlligent investieren" gut zusammengefasst). Dass sie damit aber auch schon sehr großzügig bewertet sind, steht auf einem anderen Blatt. Verloren haben dagegen Parexel, nachdem die Zahlen nicht so waren wie erwartet und die wie so viele US Unternehmen unter dem Dollarkurs leiden. Dass die amerikanischen Börsen bei Quartalszahlen, die von der Erwartung abweichen, jedesmals schier durchdrehen, ist ja eine bekannte und leidige Tatsache. CPSI kommt auch nicht aus seinem Loch, aber das war ja bekannt und ich habe ja gewissermaßen in dieses Loch hinein gekauft und musste damit rechnen, dass es da noch einmal was auf die Rübe gibt. Da muss man einfach abwarten.

 

Init hat seinen endgültigen Geschäftsbericht herausgegeben, der ebenfalls zu einem kleineren Kursrutsch führte. Das letzte Jahr war jedenfalls nicht wirklich prickelnd und bei genauerer Betrachtung der Bilanz sind die Erklärungen (höhere Steuerquote) nicht wirklich überzeugend. Neben anderen Ungereimtheiten ist dies ein deutlich unter den Erwartungen liegender Auftragseingang. Vielleicht hat sich die Geschäftsführung zu sehr auf den Neubeu ihrer Zentrale konzentriert. Vertrauen erweckt, dass der Vorstand und seine Frau über 40% der Aktien halten. Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich dort am 13. Mai die Hauptversammlung besuchen.

 

Gerade gestern hat auch CVS Zahlen geliefert, die ich selbst aber noch ncith genauer anschauen konte. Details über CVS und die oben genannten Unternehmen werde ich evtl. später in anderen Beiträgen nachliefern.


Sehr erstaunlich finde ich die Entwicklung von Uzin Utz. Für ein Unternehmen aus der Baubranche gibt es da reichlich Vorschusslorbeeren. Da bin ich doch sehr auf die nächsten Zahlen gespannt. Die erscheinen am 15.Mai.


Im nächsten Bild seht ihr die Anteile der einzelnen Aktien im Portfolio, diesmal wieder mit Open Office selbst gebastelt.  (Und ja ich weiß, CVS Caremark heißt schon seit einer Weile CVS Health.)

 

Depotzusammensetzung

Bewertung nach den neuen Kriterien

 

Hier jetzt eine Tabelle gemäß der Paybackjahre. Ganz unten habe ich noch Procter & Gamble und 3M hinzugefügt, als Vergleich. (Da ist mir irgendwie das Gitter abhanden gekommen, das bitte ich zu entschuldigen.) Bei Parexel ist das Geschäftsjahr schon Ende Juni vorbei, daher ist dort das Schema etwas verschoben. Bei Gesco könnte man das auch schon so machen, die sind aber erst im September dran. 

 

Ich habe mein ursprüngliches Bewertungssschema noch durch halbe Jahre ergänzt, die Einteilung war mir etwas zu grob. Die Kriterien habe ich jeweils mit angegeben, dann kann das jeder nachprüfen. (Stand Kurswert 1. Mai am Nachmittag)

Die große Unbekannte ist hier tatsächlich die Einschätzung des Gewinnwachstums. Das hat einen hohen Einfluss, ebenso wie die Dividende, während das Wachstum der Dividende nicht so wichtig ist. Das sieht man z.B.bei AT&T und CPSI. Oder im Vergleich von CVS mit Parexel: CVS hat das leicht geringere Wachstum, zahlt dafür aber eine (niedrige) Dividende. Obwohl CVS ein höheres PE (=KGV, Kurs Gewinn Verhältnis) aufweist, ist seine Paybackzeit kleiner als die von Parexel.

 

Mit der Auswertung bin ich durchaus zufrieden und der Ausgleich zwischen Wachstum und Value bzw. Dividende scheint gelungen. Dass Starbucks mit nicht ganz 11 Jahren sehr hoch bewertet ist, dürfte niemanden überraschen. Da bin ich schon am Überlegen, ob da nicht so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist, wobei die Qualität des Unternehmens natürlich überragend ist. Ab 11,5 Jahren könnte ich mir eine echte Grenze vorstellen, aber um das zu verifizieren, muss ich mir noch weitere Aktien anschauen. 

 

Die klassischen Dividendenwerte sind durch die Bank ziemlich hoch bewertet, mit Ausnahme von AT&T, die bei mir gut wegkommt. Johnson & Johnson, General Mills und Unilever sind alle mit einer 10 bewertet. Das ist nicht zuviel, aber auch nicht zu einen Nachkauf einladend. P&G habe ich mit einer 10,5 stehen, auch eher zuviel, selbst nach dem Kursrückgang zuletzt. Da stimmt aber auch das Geschäftsmodell in meinen Augen aktuell überhaupt nicht. 3M musste ja auch währungsbedingt deutlich zurückrudern (Vorsicht: Bei Finviz stehen noch alte Zahlen). Trotzdem wäre das Unternehmen bei reduzierten Wachstumsprognosen (die ich allerdings nur sehr schnelll überschlaen habe) eine Überlegung wert. Für ein zur Hälfte zyklisches Unternehmen sind 8,5 Jahre eigentlich nicht zu viel. Aber da müsste ich noch weiter in die Zahlen einsteigen. Das Geschäftsmodell ist jedenfalls völlig in Ordnung.

 

Etwas überrascht hat mich dagegen das gute Abschneiden von Gesco. Zyklische Werte würde ich aber wohl aktuell nicht mehr über einer 7,5 kaufen bzw. nachkaufen, auch wenn sie noch so viel Wachstum versprechen. SHW ist stark zurückgekommen und könnte tatsächlich einen Nachkauf lohnen. Auch Cewe käme in Frage, zumal ich das Dividendenwachstum sehr mäßig geschätzt habe, nach der sehr mickrigen Erhöhung von zuletzt ca. 3%. Grundsätzlich habe ich mich geweigert, das Dividendenwachstum höher einzustufen, als das Gewinnwachstum, denn das würde langfristig ja keinerlei Sinn ergeben.

 

Für Aktien wie AAP, die gewissermaßen von einem Nullgewinn aus gestartet sind, ist diese Bewertung natürlich sinnlos, wie überhaupt die meisten Kennzahlenbasierten Bewertungen in solchen Situationen versagen.

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Kommentare: 10
  • #1

    investing0711 (Sonntag, 03 Mai 2015 10:20)

    Hey Hey!
    Super Performance für die ersten 4 Monate im Jahr. Bei mir sieht es zur Zeit weniger rosig aus! Darf Ich fragen wie du deine YTD portfolio performance berechnet hast? Verwendest du Time- oder Money Weighted returns oder lässt du Ein- bzw. Auszahlungen mit in deine Performance einfließen.

    Grüße & weiter so!

    PS: Danke für die Inspiration auch in Deutsche Werte zu Investieren. Ich bin doch gerade sehr USA-lastig unterwegs, was doch mit einigem Wechselkursrisiko verbunden ist.

  • #2

    Christian (Montag, 04 Mai 2015 09:22)

    Die Performance, die ich oben angegeben habe berechne ich über Exel mit Xintzinsfuss. Das beruht auf der Berechnung des internen Zinsfußes (IZF-Methode). Allerdings nehme ich als Schlussdatum immer den 31.12.15, womit so getan wird, als ob sich bis Jahresende im Depot nichts mehr tut. Sonst tut die Funktion so, als ob ich die bereits erzielte Rendite auch in den nächsten Monaten erreichen würde.

    Nebenher berechnet mir das Programm Portfolio Performance auch die TTWR (habe ich das jetzt richtig angegeben?). Da ich wenige Ein- und Auszahlungen habe, sind die fast identisch.

  • #3

    Investing0711 (Montag, 04 Mai 2015 11:06)

    Danke für die Info & einen guten Start in die Woche!

  • #4

    Schildkröte (Dienstag, 05 Mai 2015 17:11)

    Warum interessiert Dich die Entwicklung der Dividende nicht? Langfristig sollte die Entwicklung der Dividende an die Gewinnentwicklung gekoppelt sein.
    Und wieso stimmt bei P&G das Geschäftsmodell (nicht mehr)? Hat sich das irgendwie geändert? Es ist doch vielmehr so, dass der Konsumgüterhersteller seit Längerem unter stagnierenden Ergebnissen leidet und deshalb nun wenig(er) rentable Sparten abstößt. Diesen Schritt ist Colgate-Palmolive schon vor einiger Zeit angegangen.

  • #5

    Christian (Dienstag, 05 Mai 2015 18:11)

    Wo steht, dass mich die Dividendenentwicklung nicht interessiert?
    Meintest du das hier?

    "Die große Unbekannte ist hier tatsächlich die Einschätzung des Gewinnwachstums. Das hat einen hohen Einfluss, ebenso wie die Dividende, während das Wachstum der Dividende nicht so wichtig ist."

    Da gehts nur darum, welche Wirkung das Dividendenwachstum auf die Anzahl der Paybackjahre hat und die ist nicht so besonders hoch. Ansonsten interessiert mich die Entwicklung der Dividenden sehr wohl.

    P&G verkaufen einen großen Teil ihres Markenportfolios, also die, welche nicht mehr als profitabel angesehen werden. Bisher haben sie es doch eher so gehalten, Marken, die nicht so gut laufen, durch Marketingmaßnahmen aufzupeppen. Das nenne ich Änderung des Geschäftsmodells.

    Für mich ist der Verkauf die falsche Richtung und etwas zaghaft. Wodurch als durch geballte Marketingkompetenz sollte sich eine P&G denn sonst auszeichnen? Dazu muss man dann aber auch mehr und vor allem effizienter in Werbung investieren. Die 500Mio, die sie hier sparen wollen sind ja wohl ein Witz. Vermutlich sind das sowieso nur die Beträge für die Marken, die sie sowieso loswerden wollen. Wenn sie da aber an den Werbungskosten sparen, wird das den Wert der Marken kaum anheben und sie werden noch weniger dafür einnehmen als vorher.

    Ich kann jedenfalls nicht erkennen, wo in nächster Zeit das Wachstum herkommen soll. Vielleicht wird man ja mit der Konzentration tatsächlich effizienter und margenstärker, aber wie geht es dann weiter? Kaufen sie dann die alten Marken wieder zurück?

  • #6

    Schildkröte (Dienstag, 05 Mai 2015 19:48)

    Das mit den Dividenden habe ich dann wohl falsch verstanden.
    P&G hat (nach wie vor) eine sehr breite Produktpalette mit vielen verschiedenen Marken. L´Oréal und Colgate-Palmolive kommen mit deutlich weniger Marken aus. Klar kann da eine einzelne Marke, wenn diese nicht mehr gefragt ist, stärker im negativen Sinne aufs Gesamtergebnis drücken. Anders herum aber auch positiv, wenn diese mehr gefragt ist. Ein weiterer Unterschied (für mich ein Vorteil) von markentechnisch schlanker aufgestellten Unternehmen ist, dass diese weniger Geld für Werbung aufbringen müssen, da sie ja weniger Marken bewerben müssen.

  • #7

    Christian (Dienstag, 05 Mai 2015 21:25)

    Nach deiner Logik wäre dann ja ein Unternehmen mit genau einer Marke optimal, am besten gar keine, denn dann kostet es überhaupt keine Werbung. Dass weniger Marken weniger Werbung kosten, stimmt natürlich, aber sagt eigentlich nichts aus, denn jede Marke kostet Werbung und mir ist ein Unternehmen mit 100 Marken, die Geld verdienen, lieber als eines mit nur 20. Dass die dann 5 mal soviel für Werbung ausgeben müssen, liegt in der Natur der Sache.
    Meiner Ansicht nach war es genau eine der Stärken von P&G auch schwächere Marken zum Erfolg zu führen. Dass sie vor den Schwierigkeiten kapitulieren, ist meiner Ansicht nach problematisch. Dass man gelegentlich schwache Marken verkauft oder stilllegt, gehört zum Geschäft, aber gleich 60 oder wer weiß wie viele aufs Mal? Diese Strategie kann ich nicht nachvollziehen.

    Wenn P&G Pech hat, geht es ihnen wie McDonalds, die dem Verkauf von Chipotle nachweinen.

  • #8

    Schildkröte (Mittwoch, 06 Mai 2015 22:51)

    Über die genaue Anzahl von Marken, wie viel oder wie wenig sinnvoll ist, lässt sich sicher streiten. Sie werden sich schon was dabei gedacht haben, "aufzuräumen". Man kann es auch so sehen: Sie haben mehrmals versucht, die Marken wieder aufzupeppen und wollen nun schlechtem Kein Geld kein gutes mehr hinterher werfen. Und bei so vielen Marken schlagen die paar doch gar nicht so ins Gewicht: http://www.pg.com/en_US/brands/all_brands.shtml

  • #9

    markymark (Samstag, 09 Mai 2015 15:03)

    Hallo Christian!

    Gute Arbeit hier auf deiner Seite! Ich werde zukünftig häufiger vorbeischauen. Es hilft uns allen, wenn man sich gegenseitig mit neuen Infos versorgt und Unternehmen vorstellt. Die Grundlage für ein möglichst erfolgreiches Investieren. Weiter so!

  • #10

    Christian (Samstag, 09 Mai 2015 18:37)

    @Schildkröte: Das Ganze ist eine Abschätzung von Risiken: Bei P&G ist mir das Risiko, dass die Sache misslingt, zu hoch. Abgesehen davon, dass sie sie sowieso zu teuer wären, auch wenn ich sie haben wollte.

    @markymark: Danke! Ich finde auch, dass wir unabhängigen Stockpicker mit unseren unterschiedlichsten Methoden und Strategien mehr vernetzen sollten. Das ist auch einer der Gründe, warum ich das hier angefangen habe.