GFT - (k)ein deutsches Unternehmen

Schier unaufhaltsam stieg der Kurs der GFT Aktie in immer lichtere Höhen, im letzten Jahr schon und in diesem Jahr erst recht. Der kürzlich erfolgte Aufstieg in den TecDax hat dem Unternehmen weitere Prominenz eingebracht, was nicht nur gut für die allgemeine Aufmerksamkeit, sondern auch für die internationale Reputation ist, denn GFT macht 80% seines Umsatzes inzwischen im Ausland. Am 31. März wurde der Geschäftsbericht für 2014 präsentiert, Anlass genug, sich näher mit diesem Higflyer meines Portfolios zu beschäftigen.

Was bisher geschah ...


Gegründet wurde das Unternehmen schon 1987 in St. Georgen im Schwarzwald, wurde dann aber bald vom heutigen Geschäftsführer und größten Anteilseigner (28%) Ulrich Dietz übernommen. Seit 2008 befindet sich der Hauptsitz in Stuttgart. Die Unternehmensgeschichte verlief keineswegs gradlinig, dass man heute einer der führenden IT Unternehmen für Finanzdienstleister ist, hat GFT sicherlich niemand in die Wiege gelegt. Die Abkürzung bedeutet übrigens "Gesellschaft für Technologietransfer". Nun ja, das interessiert heute niemand mehr.


Wie so manches scheinbar alteingesessene IT Unternehmen, ist GFT 1999 über den neuen Markt an die Börse gegangen. Der bis heute und wohl auf lange Sicht unerreichte Höchstkurs wurde am 22.02.2000 mit 91,67€ erreicht, um dann bis zum 13.03.2003 auf unglaubliche 0,95€ zurück zu fallen. Grandios.


GFT: Das Geschäftsmodell


Inzwischen hat GFT sein Maß und seine Nische gefunden: IT für Finanzdienstleister. Zum Erfolg begetragen hat sicherlich die Regulationswut der Regierungen im Finanzbereich und natürlich ein paar geschickte Zukäufe und Schachzüge seitens des Managements. Inzwischen sind auch die neuen Bezahlsysteme im Visier von GFT, mit dem „Digital wallet“, das in Italien bereits eingeführt ist, hat das Unternehmen ein eigenes Pferdchen am Start, auch wenn die Konkurrenz hier sicher groß ist. Es gibt sogar noch ein Überbleibsel aus vergangener Zeit, eine Art Personalvermittlung für den IT-Bereich, der allerdings kaum wächst und bei dem das Unternehmen offensichtlich nicht weiß was es damit anfangen soll, genannt „Emagine“.


Während in Deutschland das Geschäft im letzten Jahr sogar geschrumpft ist, legt es weltweit umso mehr zu. 2014 stieg der Umsatz organisch, d.h. ohne die Zukäufe, um 28% an. Alle Unternehmensprognosen wurden übertroffen. 80% seines Umsatzes macht GFT im Ausland mit weiter steigender Tendenz. Die meisten Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen inzwischen übrigens in Spanien. Die letzten Zukäufe, 2013 Sempla in Italien und 2014 Rule in Großbritannien, haben GFT zusätzlich einen kräftigen Wachstumsschub verpasst. Insgesamt legte der Umsatz um rund 38% zu.


Wie geht es weiter?


Nur selten kann ein so rasantes Wachstumstempo für längere Zeit gehalten werden und auch bei GFT dürfte sich die Wachstumskurve in den nächsten Jahren abflachen. Doch Wachstumstreiber gibt es immer noch genug: Die Regularien der Banken werden mit Sicherheit nicht ab-, sondern noch weiter zunehmen. Das Direktbanking und der Onlinekontakt mit den Kunden wird immer wichtiger, die Filialen immer unwichtiger, neue Bezahlsysteme sind im Anmarsch. Die Position von GFT ist hier international (auch wegen der gelungenen Zukäufe) inzwischen sehr stark. Sie sind weltweit vertreten, das Geschäft in Großbritannien und den USA wird dank „Rule“ geographisch aber auch themenspezifisch auf das Investmenntbanking ausgeweitet.


Die Zahlen




2013

2014

2015e

Umsatz

264Mio

365Mio

425Mio

EBITDA

20,5Mio

34,6Mio

44Mio

EBT

17Mio

27Mio

31Mio

Ergebnis

13,63Mio

19,95Mio

23Mio

EPS

0,52 €

0,76 €

0,87 €


Die Schätzungen für 2015 für den Umsatz, EBITDA und EBT sind vom Unternehmen selbst, das Ergebnis und das EPS sind von mir und beruhen auf einer gleichbleibenden Steuerquote (was aber keinesfalls so stimmen muss, gerade bei zunehmender Internationalisierung). Onvista ist mit mir in etwa auf gleicher Höhe, während andere Portale meinen, das EPS für  2015 läge deutlich höher. Finanzen.net ist (wie immer) auch nach 2 Wochen erst teilweise aktualisiert.


Die Bilanz zeichnet sich durch eine deutliche Zunahme der Verschuldung aus, was durch die Übernahmen zu erklären ist. Die Eigenkapitalquote ist auf 33% gefallen. Mit den Übernahmen ist auch der Goodwillanteil stark gestiegen, was aber keine Sorge bereiten muss, denn dem stehen offensichtlich echte Werte gegenüber. Die Neuerwerbung Rule hat bereits in 2014 mächtig zum operativen Cashflow beigetragen, wie von Unternehmensseite verlautbart wurde, auch wenn das nicht quantifiziert wird. Letzterer hat sich 2014 jedenfalls mehr als verdoppelt (7,44Mio auf 15,2Mio).



Abschließende Bewertung


Das KGV für 2015 liegt aktuell (Stand heute: 18,08€) bei 20,8. Bei aller Unsicherheit, die dieser Schätzung zu Grunde liegt, ist das schon ein recht beachtlicher Wert, der sich nur dadurch rechtfertigen lässt, dass 2016 das Wachstum im selben Tempo (+/-15%) weitergeht. Zum Einstieg verlocken diese Kurse sicher nicht mehr, aber halten werde ich die Aktie weiterhin, zumal ich ja bereits einen Teil meiner Gewinne mitgenommen habe und im Prinzip meinen Einsatz zum größeren Teil wieder herausgezogen habe.


Dazu kommt noch eine kleine Dividende von 0,25€ pro Aktie, was bei einem aktuellen Kurs ca. 1,4% entspricht. Rechne ich die bezogen auf meinen Einstandskurs, dann bin ich inzwischen bei einem YOC von fast 4%. (Hey, ein Dividendennwert!) Ich weiß, eine sinnlose Rechnung, aber sie erwärmt so schön das Herz.


Eine schöne Woche allen Lesern.

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Kommentare: 2
  • #1

    Schildkröte (Donnerstag, 16 April 2015 22:50)

    "Die meisten Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen inzwischen übrigens in Spanien."

    Warum gerade in Spanien? Wo werden die meisten Ergebnisse erzielt? Auch in Spanien? Südeuropa steckt immer noch in der Rezession. Die Umsätze stagnieren seit Jahren, die Gewinne sind erst in den letzten beiden Jahren angestiegen. Die Aktie gab es jahrelang für ein KGV knapp über 10. Warum soll man nun ein erwartetes KGV knapp unter 20 zahlen?

  • #2

    Christian (Freitag, 17 April 2015 09:35)

    Dass ein großer Teil der Arbeitnehmer in Spanien sitzt, hat eher mit den dortigen günstigen Vorraussetzungen zu tun und ist historisch gewachsen. Softwareentwicklung kann man ja im Prinzip überall machen.
    Aber trotzdem: Ein großer Teil des Umsatzes wird tatsächlich in Südeuropa gemacht. Die Südeuropäischen Banken sind den unseren (speziell den Filialbanken) bei der Digitalisierung deutlich voraus und offenbar sehr viel investitionsbereiter. Ob Rezession oder nicht: Das Geschäft ist nicht zyklisch sondern eher externen Notwendigkeiten unterworfen, denen sich die Banken nicht einfach so entziehen können.

    Die Konzentration auf Finanzdienstleister ist noch gar nicht so alt. Wie schon im Text erwähnt, hat das Unternehmen eine ganze Reihe von Geschäftsmodellen ausprobiert, von denen es sich zuletzt wieder getrennt hat, weshalb auch die Umsätze nicht anstiegen bzw. sogar zurückgingen. Nur das mit der Personaldienstleistung haben sie noch und das dümpelt so vor sich hin.

    Damit hängt dann natürlich auch die Bewertung zusammen. Während man früher den bestehenden Geschäftsfeldern nicht besonders viel Potential zutraute, wird der aktuellen Konzentration auf Finanzdienstleister ein starkes Wachstumspotential zugetraut, weil GFT es geschafft hat, sich dort eine sehr gute Position zu erarbeiten. Für die Qualität des Managements spricht auch die bisher gute Prognosequalität.

    Der Kuchen ist jedenfalls da, ob GFT davon dann auch wirklich ein größeres Stück abbekommt, wie ich annehme, muss man natürlich abwarten. Einen Teil habe ich ja schon verkauft, weil ich die Bewertung schon als recht hoch empfinde. Auf der anderen Seite hat GFT eine eher vorsichtige Prognose gewagt, viele Analysten trauen dem Unternehmen mehr zu und dann ist auch das KGV von 20 schnell Makulatur. Der Gewinn 2014 war 8% höher als vorhergesagt.