Cancom - in den Wolken

Cancom gehört zu den größeren Spielern auf dem deutschen IT Markt und dennoch liegt der Marktanteil bei nur gut einem Prozent. Der "Burggraben" um das Geschäftsmodell des Unternehmens scheint nicht besonders groß zu sein, wenn er denn überhaupt existiert. Was also kann einen Aktionär bewegen, sich in diesem Unternehmen zu engagieren? Der kürzlich erschienene endgültige und testierte Jahresabschuss kann da vielleicht Aufschluss geben. Schauen wir uns an, was Cancom zu bieten hat.

 

Cancom: Das Unternehmen

 

Von seiner Herkunft her ist Cancom ein herstellerunabhängiges IT Systemhaus, dass hauptsächlich für Geschäftskunden arbeitet. Gegründet 1992, mit der Zentrale in München, hat sich das Unternehmen seither in einem ziemlich umkämpften Markt behaupten können. Das Produktportfolio umfasst dabei die gesamte Palette: Von der Hardware bis hin zu umfangreichen IT Architekturen für große Unternehmen. Vor einigen Jahren hat Cancom begonnen, mit der Cloudwelle mitzuschwimmen. Das gelang ihnen sehr gut, zumal mit der Übernahme von Pironet im Jahr 2013 ein sehr stark im Cloudcomputing aufgestelltes Unternehmen in Cancom integriert werden konnte. Diese (und andere) Übernahmen haben in 2014 für einen Umsatz- und Gewinnschub gesorgt:


Der Gewinn je Aktie wurde um Sondereffekte bereinigt (wie Zukäufe, Verkäufe etc.)

Gute Aussichten in der IT Branche

 

Die Transformation der IT System vieler Unternehmen in die Cloud ist noch längst nicht abgeschlossen. Datensicherheit und Zugriff der Mitarbeiter von jedem Standort auf die Daten sind dabei die wichtigsten Herausforderungen. Der Umsatz im Bereich des Cloudcomputing in Deutschland soll sich dabei laut Geschäftsbericht Cancom bis 2018 verdreifachen:

  • 2014: 6,6 Mrd. €
  • 2015: > 9 Mrd. €
  • 2018: 21 Mrd. €

2015 soll der Gesamtmarkt im IT-Bereich um 2,4% wachsen, davon Software 5,5% und Services 3%, während der Hardwarebereich leicht schrumpft.

 

Cancom hat eine gute Chance sich von diesem Kuchen ein gehöriges Stück abzuschneiden. Beim Ausblick hält sich der Geschäftsbericht sehr bedeckt und geizt mit konkreten Zahlen. Dass das Umsatzwachstum kaum in dem Maße weitergehen kann wie 2014, ist klar, denn zwar sind weitere Aquisitionen geplant, aber es ist nur schwer abzuschätzen, wie weit sich das bemerkbar machen wird. Dazu kommt die Ausweitung in den USA, von der niemand weiß, ob und wieweit sie tatsächlich gehen wird. Einen Kunden gibt es bereits, ob noch weitere dazukommen?

 

Das organische Wachstum soll jedenfalls so weiter gehen wie bisher, wobei Cancom sich leider nicht darüber äußert, wie groß das organische Wachstum eigentlich war, denn sie trennen nicht zwischen zugekauftem und organischem Umsatzwachstum, weil das angeblich keinen Sinn ergäbe. Ich finde das nicht so wirklich überzeugend. Ein klarer Minuspunkt im Geschäftsbericht.

 

Bewertung

 

Bei Cancom können sich auch die Analysten und Beobachter nur schwer darauf einigen, wie die Zukunft aussieht. Bei den Zahlen von 2014 ist schon keine Einigkeit festzustellen, da verschiedene Ansichten darüber bestehen, ob man die um Sondereffekte bereinigten oder die offiziellen Bilanzzahlen verwenden soll, geschweige denn, dass die Zahlen überhaupt schon aktualisiert sind. Von daher sind speziell bei Cancom die einschlägigen Portale kaum zu gebrauchen.

 

Ich bin bei meiner Revision von einem (bereinigten) EPS von 2,28 für 2015 ausgegangen, aber diese Zahl ist wohl nur mit großer Vorsicht zu genießen. Nichtsdestotrotz, wenn sie stimmt ergibt sich daraus ein KGV von 15,9 für dieses Jahr, was bei zu erwartenden zweistelligen Wachstumsraten sicher nicht zu teuer ist. Die 2016er Zahlen sind mir zu unsicher, als dass ich sie in meine Überlegungen mit einbeziehen möchte.

 

Von daher bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als sich bei der Bewertung auf das Geschäftsmodell zu beschränken. Und dass da nichts dran auszusetzen ist, hat die Vergangenheit gezeigt und ich denke, dass die Zukunft das auch tun wird.

 

Dividende

 

Meiner bescheidenen Meinung nach sollte Cancom überhaupt keine Dividende zahlen. Dass sie es dennoch tun, hat vermutlich mit der inzwischen auch in Deutschland verbreiteten Ansicht zu tun, dass nur die Unternehmen, die Dividende zahlen, auch gute Unternehmen sind. Die 50 Cent pro Aktie machen nicht mal 1,5% Rendite aus. Ehrlich gesagt sollten sie das Geld lieber in Übernahmen stecken, dann müssten sie nämlich auch keine so hohe Wandelanleihe herausgeben, die bei Umwandlung die Aktienzahl weiter erhöhen wird. Die beiden Maßnahmen empfinde ich jedenfallls als ziemlich widersprüchlich, aber auf mich hört ja keiner.

 

Übrigens war am 20.03. die Hauptversammlung von Dr. Hönle. Davon dann in Kürze mehr.

 

Eine schöne Woche wünscht

Christian

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Kommentare: 5
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 25 März 2015)

    Danke für die Vorstellung! Dass nicht zwischen organischem und anorganischen Wachstum unterschieden wird, wäre für mich mehr als bloß ein Minuspunkt. Von 2010 bis 2013 stagnieren nämlich die Umsätze. Des Weiteren liegt die Umsatzrendite seit mehreren lediglich im unteren einstelligen Prozentbereich. Zum Vergleich: IBM hat eine Umsatzrendite im unteren zweistelligen Prozentbereic. Auch vom KGV und vom Wachstum her ist IBM deutlich attraktiver als Cancom. Warum sollte man sich also nun für ein Investment in Cancom entscheiden. Vielleicht wegen einer möglichen Übernahme? Allianz Global Investors ist bereits zu 11,15% investiert und Source Markets hat seinen Anteil gerade auf 16,38% erhöht.

  • #2

    stock-blog (Donnerstag, 26 März 2015 11:46)

    Bei den Umsätzen hast du glaube ich ein falsches Bild: Stagniert haben die Umsätze pro Aktie, weil sich die Aktienanzahl in dem betreffenden Zeitraum von 10,4 auf 14,88 Mio. erhöht hat. Die oben genannten Umsatzerlöse spiegeln die realen Umsätze wider und die stagnieren sicher nicht (die Zahlen entstammen dem Geschftsbericht):
    2010: 474,6.
    2011: 544,4
    2012: 558,1
    2013: 613,8
    2014: 828,9

    Und wenn irgendwo die realen Umsätze zurückgehen, dann doch wohl bei IBM und das ohne Aussicht auf Besserung. Da würde ich auch kein höheres KGV für bezahlen.

    Die Umsatzrendite bei Cancom ist tatsächlich nicht so hoch, steigt aber kontinuierlich an von 4% 2010 auf 6,6% 2014.
    Die für mich interessantere Eigenkapitalrendite liegt 2014 bei 21,9%, 2013 bei 15,5%. Beides ist gut, lässt sich aber nicht gut vergleichen, denn die Schwankungen sind auch durch das schwankende Eigenkapital bedingt, das in 2015 abgenommen hat. Das sind alles noch Nachwirkungen der Zukäufe der letzten Jahre.

    Vielleicht macht sich bei der unterschiedlichen Bewertung speziell auch bei IBM doch eine andere Investorenmentalität bemerkbar.

    1. Ich lege sehr viel Wert auf das Geschäftsmodell. Bei IBM kapiere ich nicht worauf die hinauswollen. Altes Geschäft, das vorher schon über einen externen Server lief, einfach in Cloud umzubenennen reicht mir nicht. Und nur deswegen Vertrauen in ein Unternehmen zu haben, weil es groß ist und zugegebenermaßen schon früher immer wieder den Dreh hinbekommen hat, diese Eigenschaft fehlt mir.

    2. Mein Horizont ist auch nicht so lang wie deiner: Cancom will ich nicht ewig halten. Wenn die nächsten Jahre gut laufen ist das super, aber irgendwann ist die Cloudstory auch schon wieder vorbei. Dann muss man weitersehen. Eine IBM will man ja vor allem und auch wegen der Dividende behalten und dann so bald nicht verkaufen. Ein Vergleich der beiden Unternehmen halte ich für schwierig.

  • #3

    Schildkröte (Donnerstag, 26 März 2015 22:39)

    Die Umsätze von IBM stagnieren, weil margenschwache Sparten abgestoßen werden. Die Gewinne pro Aktie steigen hingegen. Die Aktienverwässerung von Cancom ist schon heftig. Aus Sicht eines Aktien-Anlegers bringt es doch nichts, wenn Umsatz und Gewinn absolut zwar steigen, durch die Aktienverwässerung jedoch nichts beim Aktionär ankommt. Nicht nur die Umsätze pro Aktie stagnieren nämlich bei Cancom, sondern auch die Gewinne pro Aktie (jedenfalls von 2011 bis 2013).

  • #4

    stock-blog (Freitag, 27 März 2015 08:07)

    @Schhildkröte: Danke das du nachbohrst. Gleiche Meinungen finde ich langweilig.

    Die Gewinne pro Aktie bei IBM steigen, weil massiv Aktien zurückgekauft werden. IBM investiert nicht und gibt das vorhandene Kapital lieber an die Aktionäre zurück. Fraglich ist, wie lange das so weiter gehen kann. Aber das kannst du wohl besser beurteilen als ich. Vor ein zwei Monaten habe ich mir IBM mal angschaut, aber mir fehlt da die Transparenz.

    Cancom hat in der Vergangenheit viel investiert und zugekauft und dazu Kapital durch zusätzliche Aktien verwendet. Die Früchte dieser Strategie konnten im letzten Jahr geerntet werden. Alles deutet darauf hin, dass es in diesem Jahr so weiter geht.

    Wie gesagt zeigt sich bei der Beurteilung dieser beiden Unternehmen doch ein Unterschied in unserem Anlageverhalten. Du schaust auf die Vergangenheit und vertraust einem großen Unternehmen, dem es seit jeher gelungen ist, sich immer wieder neu zu erfinden.
    Ich vertraue auf die mir verständliche Wachstumsperspektive eines kleinen Unternehmens, dass in den letzten Jahren dazu die Vorraussetzungen geschaffen hat. Die Vergangenheit ist mir dabei meistens herzlichst egal.

  • #5

    Schildkröte (Freitag, 27 März 2015 16:54)

    Ja, wir haben zum Teil unterschiedliche Anlageideen. Aber das ist ja nicht schlimm. Vielmehr ist es doch interessant, verschiedene Anlagestile miteinander zu kombinieren. Und wenn die Analysten für die nächsten beiden Geschäftsjahre Gewinnsteigerungen in Aussicht stellen, ist das doch gut. Gleichwohl sollte man Schätzungen, sowohl von Analysten als auch von Unternehmenslenkern, immer kritisch hinterfragen. Wünsche Dir ein schönes Wochenende?