Eine kleine Aktienrevision

Gelegentlich sollte man den Rechenknecht herausholen und überprüfen, ob die Bewertung der Aktien im Portfolio noch angemessen ist. In Zeiten wie diesen, wenn viel Bewegung in den Kursen ist, darf man das gerne öfters machen. Fragt sich nur wo man auf die Schnelle gute Daten für jede Aktie herbekommt? Viele Portale sind etwas langsam, was die Aktualisierung ihrer Daten anbetrifft und noch Wochen nach der Veröffentlichung neuester Zahlen, findet man mancherorts noch die alten "Leichen".


Also habe ich mir die Mühe gemacht, eine Exceltabelle mit sich automatisch aktualisierenden Kursen zu erstellen. Die Zahlen für die Aktien muss man sich dann zwar auch erst mühsam zusammensuchen, aber wenn man sie einmal hat, ist die Pflege relativ einfach, denn Revisionen sind nicht so häufig vorzunehmen. Auf diese Weise habe ich meine PE bzw. KGV Daten immer auf dem neuesten Stand. Das ist ein schönes Tool, nicht nur um einen schnellen Überblick zu bekommen.

Auf das Wesentliche kommt es an


Nicht verzetteln, heißt das Motto. Daher sollten auch nur die wichtigsten Daten analysiert werden. Bei Excel ist die Versuchung groß, dass ich mir alles Mögliche noch mit in die Tabelle einbaue, nur um dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Man versinkt dann im Zahlenwust und scrollt von einem Tebellenende zum anderen, ohne wirklich etwas zu sehen.


Das Wichtigste aber ist:


Keine Einstiegskurse anzeigen!


Die zerstören nämlich den objekiven Blick. Man hat sie natürlich im Hinterkopf, aber eben nicht vor Augen. Für die Bewertung ist allein der aktuelle Kurs entscheidend und nicht wie es dazu gekommen ist. Sonst denkt man nur: "Die Aktie ist so stark gestiegen, das ist doch schon so hoch, da habe ich ein komisches Gefühl, da verkaufe ich lieber." Keine gute Idee.


Der Übersichtlichkeit halber habe ich noch alle die  Größen weggelassen, die es zwar zur Berechnung braucht, aber nicht zur Bewertung, wie z.B. die jeweiligen EPS-Werte und die Kurse. In der Tabelle unten findet man daher nur die Dividendenrendite, die PE (KGVs) und die Wachstumsraten der EPS Werte (W15 bzw. W16) bezogen auf das jeweilige Vorjahr.


Voilá:

Vorsicht vor Prognosen


In der Tabelle stehen Zahlen zum Jahr 2016. Natürlich weiß niemand, was 2016 sein wird, aber prognostizieren kann man die Unternehmensergebnisse trotzdem einigermaßen. Nur muss man sich der Unsicherheit bewusst sein, die dahinter steckt und darf die entsprechenden Zahlen nur als eine Schätzung betrachten. Gerade bei zyklischen Aktien, die von der allgemeinen Konjunktur abhängig sind, ist das entscheidend und die Unsicherheit besonders groß. Nicht zuletzt ist man hier auf das Geschick der Analysten angewiesen und auch die irren sich nicht gerade selten.


Die Auswertung


Bei den meisten Aktien ist soweit alles im Lot. Ein paar Wackelkandidaten gibt es natürlich immer: Eine Aktie, bei der nicht nur ich am zweifeln bin, ob sie noch fair bewertet ist, dürfte Starbucks sein. Die Erwartungen sind hier so hoch, dass Enttäuschungen natürlich sehr schnell vorkommen. Der Grund für die hohe Bewertung ist die Erwartung, dass das hohe Wachstum auch die nächsten Jahre noch anhält. Da ich selbst das auch glaube, verkaufe ich diese Aktie nicht. Auch Unilever ist meiner Ansicht nach inzwischen nicht mehr wirklich preiswert - gelinde gesagt. Die Zeiten wo man noch locker auf eine Dividendenrendite von über 3% kam, scheinen auch hier vorbei zu sein. Vor allem, wenn man sie mit einer General Mills vergleicht.


Bei allen anderen Werten (Paion mal völlig außen vor gelassen) sehe ich ehrlich gesagt keine Überbewertung. In allen Fällen, wo die Zahlen auf den ersten Blick verdächtige Minuszeichen oder ähnliches zeigen, gibt es einen guten Grund dafür. Von daher sollte mich der aktuelle Akienhype nicht wirklich nervös machen. Wie überall im Leben kommt es in der Realität auf den Einzelfall an.


Ich wünsche allen Lesern eine schöne Woche

Christian

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Kommentare: 3
  • #1

    Schildkröte (Samstag, 21 März 2015 10:17)

    Ja, bei zu vielen Kennzahlen kann man schonmal leicht den Überblick verlieren. Ich achte vor allem auf

    - KGV
    - EPS

    sowie

    - Eigenkapitalquote
    - Buchwert
    - KBV
    - Eigenkapitalrendite
    - Gesamtkapitalrendite

    Zum KGV und zu den EPS muss man wohl nichts mehr sagen. Ich mag Unternehmen wie IBM und Colgate-Palmolive, die mit einer niedrigen Eigenkapitalquote (defensive Unternehmen können sich das eher erlauben als Zykliker) und einem entspr. Fremdkapitalhebel ihre Eigenkapitalrendite steigern. Je höher die Eigenkapitalquote und niedriger der Fremdkapitalhebel ist, umso mehr nähert sich die Eigenkapitalrendite der Gesamtkapitalrendite. Das ist zum Beispiel bei Finanzwerten ein wichtiger Aspekt, die aufgrund von Regularien ihre Eigenkapitalquote erhöhen müssen. Jedoch sollte man keine Mondpreise bezahlen und deshalb auf ein angemessenes KBV achten, welches der Faktor ist, den man in Bezug aufs Eigenkapital bezahlt.

    Des Weiteren gibt es unternehmens- bzw. branchenspezifische Kennzahlen. Bei Pharma- und Technologieunternehmen etwa sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (R&D) sehr wichtig. Unternehmenslenker könnten auf die Idee kommen, hier zu sparen, um kurzfristig (!) die EPS zu erhöhen bzw. zu halten, was langfristig (!!) jedoch gravierende Folgen haben kann.

  • #2

    Rugier (Samstag, 21 März 2015 16:02)

    Jaja in der Anfangszeit hab ich auch geglaubt alles nur irgendwie zu analysieren, alleine die Arbeit die dahinter steckte bringt einen nicht wirklich weiter.
    Ich bewerte nur mehr
    -EPS
    -P/E
    -operativen Gewinn
    -FCF
    -Ausschüttungsquote
    -Dividendenwachstum

  • #3

    stock-blog (Samstag, 21 März 2015 17:06)

    Ich glaube, da hat jeder sein eigenes "Kennzahlenensemble", was ja auch von der Strategie und der Branche abhängt, wie Schildkröte richtig sagte.

    In der Tabelle oben ging es mir nur darum, auf einen Blick zu sehen, ob eine Aktie sehr teuer ist. Die Fakten dazu muss man natürlich trotzdem im Hinterkopf haben.