Kauf: Computer Programms & Systems Inc. CPSI

Cash habe ich nicht wirklich gerne, jedenfalls nicht so lange ich Unternehmen finde, in die ich gerne investieren möchte. Die Zeiten, in denen es Schnäppchen zuhauf gab, sind zwar bekanntermaßen vorbei, doch auch in Zeiten wie diesen, kann man gelegentlich einen kleinen Edelstein finden. Computer Programms & Systems Inc, kurz CPSI, ist meiner Ansicht nach so ein Edelstein. Mit einer Marktkapitalisierung von unter 1Mrd. USD wird dieses Unternehmen hier niemand kennen. Bevor also jemand fragt "Washasndaschonwiedergekauft?" hier eine Vorstellung des Unternehmens.


Steckbrief CPSI


CPSI ist ein Software Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, in den USA in kleinen und sogenannten "rural" Kliniken IT Systeme zu installieren und zu pflegen. Dazu kommen spezielle Programme für ausgewählte Anwendungen. Ein deutsches Pendant wäre z.B. Nexus. Gegründet 1979, ist das Unternehmen 2002 an die Börse gegangen. Seit 2004 hat es seinen Umsatz von 83 auf über 200 Mio USD ausweiten können. Eine Wachstumsaktie ist CPSI nicht unbedingt, sondern vor allem ein Dividendenwert mit 2,56$ pro Aktie was einer aktuellen Rendite von 4,87% entspricht.Das wird nach Abzügen und dem Verpassen der ersten Auszahlung in diesem Jahr noch 224$ (netto) an Dividenden einspielen.


Dass ich gerne Unternehmen aus dem US Gesundheitswesen kaufe, dürfte seit meinem Erwerb von Parexel bekannt sein. Ein Zitat aus dem Geschäftsbericht von CPSI zeigt warum:


"The healthcare industry is the largest industry in the United States economy, comprising approximately 17.2% of the U.S. gross domestic product in 2012 according to the Centers for Medicare and Medicaid Services ("CMS"). CMS estimates that by fiscal 2022 total U.S. healthcare spending will reach $5.0 trillion, or 19.9% of the estimated U.S. gross domestic product."

(Quelle: CPSI, 10-k Filing vom 03.12.2014)


Der Nachteil bei diesem Unternehmen: Es ist in deutlich größerem Maße den regulatorischen Eingriffen der Behörden ausgesetzt, als dies etwa bei Parexel der Fall ist. Über dieses Argument habe ich mich diesmal hinweggesetzt, weil so ein Eingriff mit negativen Auswirkungen erst gerade geschehen ist und bereits im Aktienpreis berücksichtigt ist. Details dazu später.


The moat, der Burggraben

Zwei Dinge sind es, die es den Wettbewerbern von CPSI schwer machen, ihnen an die Karre zu fahren:

  1. Zum einen liegen die kleinen Kliniken in den USA unterhalb des Radars der großen Softwareunternehmen. Diese bewerben sich zwar auch um Aufträge, können aber nicht in dem Maße auf die Kunden eingehen, wie CPSI das kann. Daher gewinnt CPSI über 50% aller Ausschreibungen, an denen sie teilnehmen.
  2. Wer einmal in die Verwaltung einer Klinik geschaut hat, weiß wie aufwendig es ist, das IT System umzustellen. Und je kleiner eine Klinik, desto mehr. Die IT Abteilungen sind notorisch unterbesetzt und ein Anbieterwechsel wäre für viele ein Alptraum. Daher bleibt CPSI, wenn sie einmal das IT System organisiert haben, in der Regel sehr lange in der betreffenden Klinik.


Zahlen

  • Umsatz 2014: 205Mio
  • Umsatz 2015: 200Mio
  • EPS(ttm): 2,94$
  • PE(ttm): 18,04
  • EPS(2015): 2,7$ (Durchschnitt der Analystenschätzungen die von 2,35-3,58$ reichen)
  • PE(2015): 19,6
  • ROE: 40% (bei Schuldenstand Null)
  • Dividende:2,56$ (4,87%)
  • Auszahlungsquote: 92%

(Quellen: Yahoo, Morningstar und 4-Traders.)


Die Zahlen werden jetzt erst einmal Fragen aufwerfen. Was ist mit dem Rückgang des Umsatzes für 2015, des EPS 2015 und kann diese hohe Auszahlungsquote gut sein?


Buy on bad news

Chart von CPSI (Quelle: finviz)


Wie man sieht, hat die Aktie Anfang Februar gehörig was auf die Mütze bekommen.


Der Grund lag in einer kleinen regulatorischen Änderung der amerikanischen Gesundheitsbehörden im Rahmen der Reformen von "Obamacare". Dagegen ist unsere Bürokratie offenbar harmlos. (Wer mehr wissen will muss unter "Meaningfull Use" suchen bzw. das Protokoll der Pressekonferenz vom 29.01.15 lesen.) Diese Änderung hat viele Spitäler veranlasst, die Installation neuer IT Systeme aufzuschieben, was die Ursache für den Gewinneinbruch und auch den Umsatzrückgang für CPSI war. Das Ganze ist aber vorrübergehender Natur und man kann evtl. sogar darauf hoffen, dass in 2015 auf Grund einer erneuten Umstellung der Regulierung eine positive Überraschung wartet. Das Negative ist jedenfalls schon eingepreist. Solche Situationen gefallen mir. Das Unternehmen und die Analysten gehen jedenfalls von einer jährlichen Wachstumsrate von um die 10% für die nächsten Jahre aus. Und das ist für ein Unternehmen mit einer Dividendenrendite von weit über 4% beachtlich.


Dividende versus Auszahlungsquote

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum ich eine Aktie mit einer derart hohen Auszahlungsquote kaufe und ob das nicht riskant ist? Letzteres schon. Aber zum einen ist das Unternehmen schuldenfrei, zweitens benötigt es nur geringe Kapitalressourcen, um zu  wachsen (s. ROE)  und drittens reicht der Cashflow für die Dividende locker aus. Es wird einfach jeder Cent an überschüssigem Cash ausgezahlt. Finde ich eigentlich gar nicht einmal so schlecht. Dividendenwachstum ist dann freilich nur durch Wachstum zu erreichen, eine Reserve auf Grund einer niedrigen Auszahlungsquote gibt es nicht. Aber das ist ja eigentlich bei allen Dividendenaktien langfristig so.

 

Kurz zusammengefasst


Chancen:

  • Hohe Dividende (fast 5%) mit Wachstumspotential
  • wettbewerbsfähiger Player (Ausschreibungsgewinne über 50%) im US Gesundheitswesen, das in den nächsten Jahren insgesamt weiter wachsen wird.
  • Keine Schulden
  • IT Firma mit sehr leicht skalierbaren Produkten (ROE 40%)
  • Ein Burggraben durch die Schwierigkeiten das IT System zu wechseln
  • Konzentration auf eine lukrative Nische (kleine Kliniken)
  • Schlechte Nachrichten sind schon eingepreist, positive Nachrichten können den Kurs beflügeln.

Risiken:

  • Hohe Auszahlungsquote, die keine Reserve lässt bei Gewinneinbrüchen
  • Abhängig von den Regularien der Gesundheitsbehörden
  • Evtl. in einigen Jahren zunehmende Konkurrenz etablierter Anbieter im Bereich kleiner Kliniken
  • Sehr wechselhafter Markt mit immer wieder sich ändernden Ansprüchen (kann für ein gutes Unternehmen auch ein Vorteil sein)


Screening, Screening, Screening ...


Die Überschrift sagt glaube ich schon alles. Screener der Wahl war diesmal Finviz. Man muss manchmal altgewohnte Sreeningeinstellungen weglassen. Bei mir war es die Payoutquote, die eigentlich standardmäßig auf 70% steht. Ich glaube, ich habe einfach vergessen sie einzugeben. Dann achte in der Regel zuerst auf die Branche, bevor ich mir ein Unternehmen näher anschaue. Und wenn ich dann "Healthcare Information Service" lese, ist meine Neugier geweckt. Der Rest ergibt sich dann von allein und ist Recherchearbeit.


Bis bald,

euer stockblogger

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Kommentare: 2
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 18 März 2015 22:20)

    Das historische Durchschnitts-KGV liegt bei 20. Bisher zeichnete sich das Unternehmen durch ein beachtliches Gewinnwachstum aus. 2014 gab es einen Gewinnrückgang, den Du einmalig (?) auf regulatorische Eingriffe zurückführst. Für 2015 wird allerdings auch ein Gewinnrückgang prognostiziert:

    2012: _2,71$
    2013: _2,95$
    2014: _2,94$
    2015e: 2,70$
    2016e: 3,01$
    2017e: 3,16$

    Ist da so ein hohes KGV gerechtfertigt? Aktien kauft das Unternehmen keine zurück. Geht ja auch schlecht bei so einer hohen Ausschüttungsquote.

  • #2

    stock-blog (Donnerstag, 19 März 2015 12:22)

    Hi Schildkröte, danke für deine Einwendungen.

    Der Rückgang hat in der Tat mit einmaligen Ereignissen zu tun. Die Regierung hat ein System eingeführt, dass alle Spitäler, die im Zusammenhang mit dem Affordable Care Act (ACA) Gelder einfordern können, ihr Abrechnungssystem anpassen müssen. Das scheint eine Art bürokratisches Monster zu sein, genannt "meaningful use", eingeführt in 3 Stufen.

    Der Zeitraum, über den die Umsetzung der 2.Stufe nachgewiesen werden muss, wurde von 90 auf 365 Tage erhöht. Das aber ist arbeitstechnisch so gut wie inkompatibel mit einem Neukauf eines IT Systems. Dieser Teil des Geschäfts "System Sales" ist auch auschließlich vom Umsatzrückgang betroffen. Die anderen sind "Support & Maintenance" und "Business Management/Consulting and Managed IT" und wachsen gut weiter.

    Betroffen war das letzte Quartal 2014 und natürlich jetzt 2015. Es gibt Gespräche das wieder rückgängig zu machen (zurück auf 90 Tage), was sicherlich eine positive Überraschung wäre. Doch auch bei gleich bleibenden Regulatorien werden die System sales sicherlich wieder anziehen, wenn die Schwierigkeiten der Spitäler überwunden sind.

    Der Kauf war evtl. dahingehend zu früh, dass ich erst die Normalisierung der Wachstumsraten hätte abwarten können, doch spekuliere ich ein wenig darauf, dass die jetzt sehr vorsichtigen Prognosen nur besser werden können und dass die US Regierung evtl. ihren ursprünglich Berichtszeitraum wieder auf 90 Tage absenkt. Das dürfte dem Kurs einen Schub geben.

    Ansonsten kann man sich mit der Dividende trösten, die ein sehr schöner Risikopuffer ist.