Nebenwerte im Focus: Nabaltec und First Sensor

Fehlt es mir an Vertrauen in das Management eines Unternehmens, dann investiere ich nicht. Bin ich bereits investiert und verliere das Vertrauen, trenne ich mich von der betreffenden Aktie. First Sensor ist so ein Kandidat, der aus diesem Grund mein Portfolio verlassen musste. Ein anderer Nebenwert, den ich in einer vergleichbaren Situation gekauft habe, hält sich dagegen gut und erfreut mich mit sehr schönen Gewinnen: Nabaltec. Bei beiden gab es Nachrichten und beide stehen heute hier im Focus


First Sensor


Das Unternehmen aus Berlin stellt Sensoren „aller Art“ her, die vornehmlich in Chips direkt eingebaut werden. Als ich die Aktie kaufte, waren sie beinahe ein turnaround Kandidat, allerdings nicht von der Pleite bedroht, sondern mit einem einigermaßen soliden finanziellen Fundament. Nur machte das Unternehmen Verluste. Das hat sich inzwischen geändert, ebenso wie der Vorstand, der vor gut einem Jahr komplett ausgewechselt wurde und scheinbar frischen Wind in das Unternehmen brachte.


Von Beständigkeit kann aber leider keine Rede sein, denn Knall auf Fall ist jetzt der Finanzvorstand gegangen. Ein schlechtes Zeichen. Nachrichten aus dem Unternehmen waren in letzter Zeit auch nicht gerade reichlich gesät, mit Prognosen hielt man sich eher zurück, auch wenn im letzten Jahr die Erwartungen weitestgehend erfüllt wurden. Wenn nach bereits einem Jahr der neue Vorstand schon wieder auseinander bricht, dann will ich als Aktionär auch nicht länger bleiben.



Nabaltec

Das Geschäftsmodell von Nabaltec kann auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. An Stelle von Hightech werden dort Aluminiumoxide und ihre Abkömmlinge hergestellt, die als halogenfreie (umweltfreundliche) flammhemmende Füllstoffe in elektrischen Anlagen, Leiterplatten, Batterien, Gebäuden etc. dienen oder auch als Grundstoff für die keramische Industrie Verwendung finden. Ein ziemlich einfach klingendes Geschäftsmodell, mit dem sich Nabaltec durch die Bedienung von Nischen und speziellen Kundenwünschen von der Konkurrenz abhebt. Dazu kommt das Geschäft mit Lithiumionenbatterien, die in Zukunft für weiteres Wachstum bei Nabaltec sorgen könnten. Aber auch der gesamte weltweite Markt für umweltfreundliche halogenfreie (ohne Brom) flammhemmende Füllstoffe sollte auf Grund steigender Umweltschutzvorschrift Wachstumspotential haben.


Ich habe Nabaltec Mitte 2013 gekauft, als sie keiner haben wollte, aber sich abzeichnete, dass sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens nach ein paar eher mauen Jahren verbessern würde. Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht und der vorläufige Jahresbericht für 2014 klingt hervorragend. Die Erwartungen wurden übertroffen und der Gewinn je Aktie hat sich auf 0,69€ mehr als verdoppelt. Vor allem Skaleneffekte waren hier maßgeblich. Bei einem aktuellen Kurs von 14,875 ergibt das ein KGV von 21,5. Das hört sich nach viel an, ist aber bezogen auf 2015 mit einer Aussicht auf ein EPS von 0,93€ gar nicht mehr so arg viel, denn dann läge das KGV nur noch bei 16 mit Aussicht auf weiteres Gewinnwachstum, das dann aber logischerweise an Tempo verlieren sollte. 2016 wird dann aber die Produktionserweiterung in den USA abgeschlossen sein, um die dortige Produktion erheblich auszuweiten.


Im letzten Jahr hatte ich meinen Bestand an Nabaltec Aktien etwas reduziert, um ein wenig Risiko herauszunehmen, werde aber jetzt an meinen Aktien vorerst festhalten, insofern sich keine Übertreibung ergibt. Immerhin zahlen sie seit letztem Jahr sogar eine kleine Dividende. Die Aktie ist allerdings nichts für schwache Nerven, denn ihre Kursausschläge sind erheblich wie sich gestern und heute schon wieder zeigt.


Bis bald,

euer Stockblogger

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Kommentare: 4
  • #1

    Schildkröte (Samstag, 07 März 2015 17:18)

    Ja, mit Nebenwerte muss man sich sehr intensiv beschäftigen. Warren Buffett bevorzugt ja Unternehmen, die von einem Schinkenbrötchen geführt werden. Andere bevorzugen Schimpansen als Unternehmenslenker. Ganz einfach, weil diese Unternehmen so gut sind, dass einzelne Personen nicht für Schaden anrichten können. Bei Nebenwerten verhält es sich oft genau anders herum. Ein einzelner Hauptaktionär und/oder Vorstandsvertreter (nicht selten handelt es sich um Familienbetriebe) kann durch eine Aktion viel Schaden anrichten. Manchmal wird auch in die Kasse gegriffen. Da gilt es sehr genau hinzuschauen und im Zweifelsfall entspr. zu handeln.

    Des Weiteren bieten Nischenanbieter sowohl Vor- als auch Nachteile. Vorteile, weil es sich um enge Märkte handelt, die für Global Player zu klein sind und die Markteigenheiten nicht so leicht kopiert werden können. Nachteile, da es vorkommen kann, dass das Geschäftsmodell wegbricht und ggf. kein neues gefunden werden kann.

  • #2

    stock-blog (Sonntag, 08 März 2015 17:36)

    Ich hoffe, dass ich weder ein Schinkenbrötchen, noch ein Schimpanse bin ... obwohl, wenn ich es wäre, dann wäre ich wahrscheinlich der Letzte, der es merkt.

    Was ein Einzelner mit einem Unternehmen anstellen kann sieht man ja z.B. bei Vossloh, wo "Mister Knorr Bremse", nach Gutsherrnart bestimmt wie es weitergeht. Die Aktie hatte ich vor ein paar Jahren auch schon mal und da war sie teurer als heute.

    Nebenwerte werden nicht so intensiv beobachtet, deswegen findet man da öfters noch Perlen. Aber inzwischen gib es so viele Perlentaucher, dass auch auf diesem Gebiet das Geschäft schwieriger geworden ist. Leider sind Nebenwerte auch gerne Mal Objekte der Zockercommunity, die mit ihren Chartspielereien für heftige Kursauschläge sorgen. Eine sehr schöne Ausnahme ist aktuell gerade Gesco, die sich ja fast überhaupt nicht rühren, solange keine Nachrichten kommen. Das war auch schon mal anders.

    Beobachten muss man Nebenwerte natürlich permanent. Auf Nachrichten achten und diese für sich auswerten, gehört hier zum täglichen Geschäft. Das ist sicher nicht Jedermanns Sache.

  • #3

    Jens Schmidt (Samstag, 14 März 2015 10:04)

    Kann man bei dem Leiterplattenhersteller Nabaltec noch mit einsteigen? Oder lohnt sich das nicht mehr?

  • #4

    stock-blog (Samstag, 14 März 2015 13:20)

    Nabaltec macht keine Leiterplatten, sondern stellt Aluminiumoxide her (siehe Blogtext) Verwechselst du das mit Schweizer Electronic? Das ist ein Leiterplattenhersteller.

    Vielleicht kurz zu beiden:

    Schweizer hat für 2015 ein erwartetes KGV von 13,5 (Kurs 26,-, erwartetes EPS 1,92. Das ist ein Plus gegenüber 2014 von 17%, die natürlich schon eingepreist sind. Schätzungen für 2016 sind mit Vorsicht zu genießen, Cortal Consors sagt ein EPS von 2,08 voraus (=KGV 12,5). Hier hilft nur ein Blick auf das Geschäftsmodell und die Branchenentwicklung. Die Autokonjunktur sieht ja nicht wirklich schlecht aus (2014 74Mio, 2015 77Mio. Einheiten). Dazu kommt, dass ab 2016 die neue Fabrik in Vietnam voll produzieren wird. Man muss also längerfristig investieren. Ein Schnäppchen ist Schweizer jetzt bestimmt nicht mehr, aber auch noch lange nicht überteuert. Man muss bei dieser Aktie allerdings auf Sicht fahren.

    Nabaltec: (Zahlen siehe oben) Befindet sich immer noch im Aufholmodus. Weitet auch die produktion in den USA aus und hat deutliches Wachstumsptential. Würde ich aber als deutlich riskanter einschätzen als Schweizer E. Dafür sind die Gewinnchancen aber auch größer. Ich habe ja früher schon mal einen Teil der Aktien verkauft und wenn sie weiter steigen werde ich das evtl. auch wiederholen.

    Wenn du noch weitere Fragen hast, kannst du mich auch gerne persönlich kontktieren.

    Gruß
    Christian