Die Angst vor einem Crash

Nicht ganz unkluge Leute meinen ja, dass nach den Jahren der Hausse viele Aktienanleger leicht größenwahnsinnig werden und das Wachstum ihres Depots auf ihre Fähigkeiten schieben. Die wahre Könnerschaft zeige sich erst, wenn es mal kräftig bergab geht. Da ist sicher viel Wahres dran, denn auch ich muss zugeben, dass ich durch unseren Hauskauf genau die Phasen am Aktienmarkt ausgelassen habe, an denen es so richtig kräftig bergab ging. Die elementare Crasherfahrung fehlt mir also. Andererseits muss ich zugeben, dass ich schon eine Heidenangst davor habe, dass es unvorhersehbar mal so richtig kracht. Wie soll man sich in so einer Situation verhalten?


Die Griechenlandkrise 2011


Ganz ohne jegliche Absturzerfahrung bin ich allerdings auch wieder nicht. Im Sommer 2011 ging es mit den Aktienmärkten gewaltig nach unten und mein Saldo in diesem Jahr war insgesamt negativ. Wie habe ich mich damals verhalten und welche Gefühle habe ich gehabt? Der Dax fiel innerhalb kürzester Zeit von ca. 7200 auf 5200 und tiefer. Ein Einbruch von über 25%. Da niemand wusste wie es damit weitergeht und ob die Märkte nicht noch viel tiefer fallen würden, war das glaube ich schon in gewisser Form eine Generalprobe für einen wirklichen Crash mit 50% Verlust oder mehr. Wer da in Panik geriet und verkaufte, hatte mal wieder genau den falschen Moment erwischt.


Insgesamt war mein Depotwert damals zwar um die Hälfte niedriger als heute, aber das war trotzdem eine beträchtliche Summe. Ein Drittel des Depots war darüber hinaus auch in Anleihen investiert, wodurch meine Exposition in Aktien abgefedert wurde. An den Sommer kann ich mich trotzdem noch sehr gut erinnern. Nachdem es innerhalb von ein bis zwei Wochen massiv bergab ging, war meine erste Reaktion, mir einzureden, dass die Märkte die Sache übertrieben und es schon nicht so schlimm werde. Eigentlich gar nicht so schlecht, auch wenn es eine Selbstlüge war, denn diese Reaktion hat mich davor bewahrt am Tiefpunkt zu verkaufen. Allerdings wurde mir dann schon klar, dass es durchaus noch sehr viel schlimmer kommen könnte, zumal dann, wenn die Krise damals tatsächlich auf die anderen Länder Südeuropas übergegriffen hätte. Doch dann bin ich mit meiner Familie in die Bretagne gefahren und habe alles nur noch gedämpft mit zeitlicher Verzögerung aus den Zeitungen mitbekommen. Bekümmert hat es mich nicht wirklich. Angst hatte ich überhaupt keine mehr, irgendwie war alles, was noch kommen könnte, schon abgehakt. Diese Furchtlosigkeit kann ich mir bis heute nicht erklären.


Ich glaube wer von seiner Persönlichkeitsstruktur ein Pessimist ist, kann nicht wirklich unbeschwert in Aktien investieren. Denn wir gehen ja schließlich alle davon aus, dass die Wirtschaft und damit unsere Unternehmen weiter wachsen werden oder etwa nicht? Ich glaube ich habe mich damals ganz gut geschlagen. Von Panik war bei  mir jedenfalls keine Spur zu sehen.


Ein langsamer Abstieg ist schlimmer


Problematisch könnte es allerdings werden, wenn es wie in den Jahren von 2000 bis 2003 geschehen in Etappen immer weiter bergab geht. Kurz und schnell bergab und dann wieder hinauf, so wie schon 1987, ist leicht auszuhalten, aber so eine langsame fortwährende Abwärtsspirale ist sicherlich sehr viel schwerer zu ertragen. Wie ich da reagieren würde, weiß ich nicht. Ich hoffe aber, dass ich auf so eine Situation noch etwas länger warten muss. Außerdem ist es sehr schwer sich auf so eine Situation vorzubereiten, ohne zu wissen, ob die Psyche dann auch wirklich mitmacht.


Marktbewertung jetzt


Die aktuelle Lage beinhaltet ja auch sehr viele Risiken. Die Bewertung der Aktienmärkte ist verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt hoch vor allem in den USA, in Deutschland geht es noch. Es ist schwierig geworden, preiswerte Aktien zu finden. Und mit je höherer Bewertung man sie kauft, desto riskanter werden sie. Insgesamt habe ich mich daher entschlossen, den „riskanten“ Teil meines Depots etwas zurückzufahren und zunächst keine neuen Wachstumstitel zu kaufen. Da warte ich lieber ab, bis es mal wieder einen Dämpfer gibt.


Unten zwei Diagramme, von denen das erste das aktuelle KGV (PE) des S&P500 zeigt und daneben die über 10 Jahre geglättete Version des sogenannten  Shilller PE. Beide liegen deutlich über dem Durchschnitt. Die Graphiken entstammen dieser Seite



Aktuelles KGV des S&P500                                                                                                            Shiller PE des S&P500


Unter diesem Aspekt habe ich mich auch entschlossen einen Anteil meiner GFT Aktien zu versilbern, die sich seit dem Kauf immerhin verdreifacht hatten und umzuschichten in defensive Unilever NV. Da winken immerhin noch über 3% Dividendenrendite und ein sehr stabiles Geschäftsmodell. Details zu meiner aktuellen Depotaufstellung, dann wieder wie gewohnt am Monatsende.


Bis dann

Euer Stockblogger

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Kommentare: 5
  • #1

    Schildkröte (Mittwoch, 25 Februar 2015 15:09)

    Pessimist sollte man als Aktionär bestimmt nicht sein, aber eine gesunde Skepsis schadet ganz bestimmt nicht. Wie man einen Bärenmarkt durchlebt, sagt viel über die eigene Psyche aus. Wichtig ist, dass man das invesinvestierte Geld "über" hat und nicht in absehbarer Zeit darauf angewiesen ist. Noch schlimmer ist es ja, wenn man mit geliehenem Geld spekuliert.

  • #2

    wirtschaftswaise (Mittwoch, 25 Februar 2015 18:10)

    "Crash-Propheten" werden immer wieder gerne zitiert. Schlagzeilen wie

    "Warum es an der Börse zum Massaker kommen wird"

    verkaufen sich halt besser als

    "Mit Buy & Hold sind langfristig solide Erträge zu erwarten".

    Manchmal frage ich mich, ob diese "Crash-Propheten" nicht 'short' positioniert sind und ihre Vorhersage befeuern möchten...

    Auch mir fehlt die Crash-Erfahrung noch. Würde mich aber über einen anständigen Rücksetzer eher freuen, da er für Langfristanleger a) bedeutungslos ist und b) schöne (Nach)Kaufgelegenheiten schafft.

  • #3

    Portfolio Romanum (Mittwoch, 25 Februar 2015 19:56)

    Was genau hat dich zum Kauf von Unilever bewegt? Mir persönlich sind sie momentan nicht ganz preiswert.

  • #4

    stock-blog (Mittwoch, 25 Februar 2015 20:29)

    @Schildkröte: Es stimmt schon: Kurseinbrüche sind nur dann ein Problem,wenn man das Geld plötzlich braucht. Leider muss man das aber der eigenen Psyche immer wieder klarmachen und sich vor Kurzschlussreakionen bewahren.

    @wirtschaftswaise: (lustiger Name) Den Crashpropheten glaube ich schon lange nicht mehr. Nur weil einer mal was korrekt vorhergesagt hat, glauben alle Leute gleich, das sei der Messias. Am besten schaut man sich mal die Erfolgsbilanz von Mr. Paulson an, dem Hedgefondsmanager, der mit der Finanzkrise reich geworden ist. Hinterher reihte sich ein Misserfolg an den nächsten.

    @Portfolio Romanum: Auf meiner Liste der überteuerten Dividendenaktien steht Unilever noch einigermaßen weit unten. Als euopäisches Unternehmen profitieren sie darüber hinaus vom schwachen Euro. Entscheidendes Kriterium war aber die noch immer über 3% liegende Dividendenrendite. Auf der Liste stand auch eine Aufstockung von General Mills, aber aus den eben genannten Gründen habe ich Unilever vorgezogen. Insgesamt will ich auch Unilever und GIS auf einen höheren Depotanteil bringen, vergleichbar JNJ.

  • #5

    Alexander (Donnerstag, 26 Februar 2015)

    Ich habe bereits mehrere "Crash´s" mitgemacht.
    Ich denke, ein wesentlicher Punkt ist, wie die Erwartungshaltung und die Ziele des Einzelnen sind.
    Spekuliert man auf Kursgewinne, dann sind fallende Börsen der Horror.
    Investiert man in Unternehmen und deren Geschäftsmodell ist weiterhin intakt, dann ändert sich nur die Gesamtbewertung. Ist zwar bitter, wenn das Depot und die gefühlten Gewinne dahin schmelzen, aber es ändert erst mal nichts. 100 Aktien bleiben 100 Aktien.
    Ich ziele auf steigende Dividendeneinnahmen ab und solange diese wie geplant laufen, mache ich mir keine Sorgen. Naja, aber schön sind stark fallende Kurse trotzdem nicht.
    Ein Rücksetzer des Gesamtmarktes um 25% bis 30% würde ich sogar begrüßen, da man dann wieder leichter gute Unternehmen zu anständigen Kursen findet.