Aktiensuche Teil 3, Dividendenaktien

Dividendentitel sind am Aktienmarkt momentan sehr angesagt. Natürlich gibt es für diese Mode rationale Gründe, speziell die nicht vorhandenen Zinsen bei den Anleihen. Allerdings muss ich jetzt fast täglich in Zeitungen, aber auch in Blogs und Foren lesen, wie irrational sich die deutschen Sparer doch verhalten und dass es doch an der Zeit wäre, sich den Aktienmärkten, speziell soliden, großen Dividendentiteln zuzuwenden. Wie immer liest man diese Empfehlungen zu Zeiten von Kurshöchstständen. Andererseits ist die Anlage in Dividendenaktien ja tatsächlich eine sehr empfehlenswerte Angelegenheit, unabhängig von den aktuellen Kursen. Nur stellt sich momentan mehr denn je die Frage, ob man denn zu jedem Preis in Dividendenaktien investieren sollte und wie man gute Dividendenaktien findet. Wie ich es mache beschreibe ich in diesem Artikel.


Dividendenaktien und Dividendenwachstumsaktien


Ein Dividendendepot besteht ja nicht nur aus Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Wollte ich so ein Portfolio, könnte ich auch in einen entsprechenden ETF investieren und hätte überhaupt keine Arbeit. Ein gutes Dividendendepot besteht aus einer Mischung aus Aktien mit einer hohen Rendite und Aktien, die ein mehr oder weniger hohes Dividendenwachstum in der Zukunft versprechen. Letztere Anlageform ist eigentlich eine eigene Strategie und nennt sich Dividend Growth Investing. Wie diese Strategien funktionieren, habe ich ausreichend hier beschrieben. Ein gutes Dividendenportfolio setzt sich möglichst aus beiden Kategorien zusammen.


Faustformel für Dividendenaktien


Aber welche Dividendenaktien sind so günstig bewertet, dass sich ein Kauf lohnt? Ich habe mir dazu eine kleine Faustformel ausgedacht. Aber Vorsicht: Diese Faustformel beruht nur auf eigenen Erfahrungswerten und sie ist nicht statistisch überprüft. Außerdem ist sie nur für Dividendenaktien geeignet.


Und so geht es:

Ich addiere die Dividendenrendite eines Unternehmens zum erwarteten Gewinnwachstum je Aktie für das nächste Jahr. Dann vergleiche ich mit dem PE für das letzte Jahr. Diese Daten findet man bei Finviz oder Yahoo oder dem Portal deines Vertrauens problemlos. (Aber bitte vergleichen, um grobe Fehler auszuschließen.) Nehmen wir als Beispiel Procter & Gamble, die ja kursmäßig zuletzt etwas zurückgekommen sind und schauen wir, ob man sie vielleicht wieder guten Gewissens in das Depot legen kann.

  • Dividendenrendite laut Finviz: 2,98%,
  • EPS next year: 8,24%.
  • Addiert ergibt das 11,22%.

Das ist gewissermaßen die zu erwartende Rendite für den Investor für das nächste Jahr. Hört sich ja nicht schlecht an. Aber zu welchem Preis bekomme ich diese Rendite? Ich verdoppele die 11,22 auf 22,44. Das vergleiche ich jetzt mit dem laufenden PE (ttm), wobei ttm „trailing twelve month bedeutet. Das finde ich bei yahoo finance gleich auf der ersten Seite. Bei P&G liegt das PE (ttm) bei 25,9. Diese Zahl ist größer, als meine 22,44, was auf eine Überbewertung hinweist. War also nicht mit dem Nachkauf.


Der Risikofaktor

Jetzt kommt allerdings noch etwas dazu, nämlich ein Risikoabschlag, etwa für zyklische Werte. Reine Konsumentenaktien wie P&G oder GIS bekommen keinen Abschlag. 3M dagegen ist zur Hälfte ein zyklisches Unternehmen und daher darf die Bewertung nicht so hoch sein, wie bei den stabilen Konsumern. Ebenso Johnson und Johnson, wegen der Exposition im Pharmabereich.


Beispiele

Hier eine Tabelle mit ein paar willkürlich herausgegriffenen Werten. Sehr schnell zeigen sich hier auch die Grenzen der Faustformel.


(GIS = General Millls, MMM = 3M, T = AT&T, JNJ = Johnson & Johnson)


GIS

MMM

T

JNJ

Unilever

P&G

Div. Rendite

3,10%

2,45%

5,45%

2,80%

3,10%

2,98%

EPS Wachstum

6,72%

10,10%

2,72%

5,53%

6,94%

8,24%

Risikofaktor

1

0,8

1

0,9

1

1

Bewertungszahl

19,64

20,08

16,34

15

20,08

22,44

PE (ttm)

22,1

22,3

28,76

17,6

20,87

25,9

Forward PE

17,53

18,59

13,23

15,26

20,12

19,74


Wie man sieht, erreicht keine der Aktien momentan den geforderten Wert. Bei AT&T gibt es darüber hinaus einen Sondereffekt, so dass das PE eigentlich nicht wirklich aussagekräftig ist. Mit dem Forward PE sieht das Ganze dann schon besser aus. Allerdings sind ja die Wachstumsraten im Foward PE schon enthalten, daher wäre es eigentlich unsinnig diesen Wert heranzuziehen. Um aber einen Sondereffekt wie bei AT&T herauszufiltern ist ein kurzer Blick darauf nicht ganz schlecht.


Ausnahmen


1. Hohe Dividendenrendite über 3%


Speziell ein Unternehmen wie AT&T, das zwar nur sehr wenig wächst, dafür aber eine Rendite von über 5% bietet, darf sich in anderer Hinsicht gerne daneben benehmen. Deshalb drücke ich auch bei General Mills oder Unilever ein Auge zu. Johnson und Johnson würde ich zum jetzigen Preis allerdings nicht nachkaufen. P&G befindet sich gerade auf dem Sprung über die 3% Marke. Diese Grenze habe ich eingeführt, um mit meinem Ertrag auf der sicheren Seite zu sein, denn die 3% bekomme ich ja unabhängig vom sonstigen Wirtschaften des Unternehmens cash ausgezahlt. Da ist dann die Bewertung nicht ganz so wichtig.


2. Niedriges Wachstum


Das ist vielleicht etwas paradox, aber bei Aktien, die ein niedriges Wachstum haben, wird eben nicht viel erwartet. Dafür überraschen sie gerne mal positiv. Diesen Faktor nehme ich mit hinein, wobei ich mich schwer tue, hier eine Grenze zu ziehen. Mit 8% sind z.B. die Erwartungen an P&G doch schon recht hoch und das bei den aktuell durchgeführten Restrukturierungsmaßnahmen, von denen niemand weiß, wie sie ausgehen. Bei AT&T erwartet niemand wirkliches Wachstum. JNJ liegt mit seinen 5,5% im mittleren Bereich und könnte wohl eher positiv überraschen. Das heißt, je niedriger das Wachstum, desto eher lasse ich einen Bruch der Begrenzung durchgehen.


Dividendenwachstumsaktien


Gerade in diesem Bereich hat sich meine Faustformel bewährt. Meistens liegen die Dividendenrenditen hier ja zwischen 2 und 3 Prozent, manchmal auch noch niedriger, während ein jährliches Dividendenwachstum von 8% oder mehr gefordert wird.  Das klassische Beispiel für so eine Dividendenwachstumsaktie ist vielleicht 3M. Und da zeigt sich doch sehr schnell, dass die Bewertung schon sehr sportlich ist, was meiner Meinung nach auf der fälschlichen Annahme vieler Investoren gründet, es mit einer Konsumaktie zu tun zu haben. Bei echten Wachstumsaktien wird die Faustformel dann aber unbrauchbar. Starbucks etwa würde ich so nicht beurteilen.


Ansonsten gilt es zu screenen, wie bei den anderen Aktientypen auch. Ich lege Wert auf eine Auszahlungsquote unter 60 bis 70% und eine nicht zu hoher Verschuldung, aber es führen viele Wege nach Rom und die gängigen Unternehmen werden ohnehin eingehend in den einschlägigen Foren und Blogs diskutiert. Sehr hilfreich ist auch das Stöbern in der Aristokratenliste, die man hier herunterladen kann und dort monatlich aktualisiert wird.


Bis bald,

euer stockblogger


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Kommentare: 3
  • #1

    Schildkröte (Freitag, 20 Februar 2015 16:34)

    Wieso addierst Du Gewinnwachstum und Dividenrendite? Und wieso multiplizierst Du die daraus resultierende Summe mit 2 und vergleichst sie mit dem KGV? Ich habe in diesem Artikel einen sehr wichtigen Hinweis vermisst: Die Dividende ist eine Gewinnausschüttung. Strenggenommen wird die Dividende aus dem Cashflow bedient. Ohne die Angabe der Ausschüttungsquote ist die Dividendenrendite nur bedingt aussagekräftig. Unter Berücksichtigung der Dividendenrendite ist das KGV der Kehrwert der Dividendenrendite. Dividendenwachstum sollte immer mit einem entsprechenden Gewinnwachstum einhergehen. Zur Gewinnausschüttung hinzuzuzählen sind auch noch die Ausgaben für Aktienrueckkaeufe. Durch die entspr. Reduzierung der ausstehenden lassen sich auch absolut betrachtet stagnierenden Gewinnen die EPS und somit die Dividende steigern.

  • #2

    stock-blog (Freitag, 20 Februar 2015 17:30)

    Meine Faustformel ist mein Versuch, Dividendenaktien über den Daumen gepeilt schnell zu bewerten und schnell vergleichen zu können. Ob jetzt der Faktor 2 so richtig ist, spielt keine Rolle, solange ich alle Dividendenaktien nach dem gleichen Maßstab bewerte. Für mich stimmt das, andere werden vielleicht finden, dass ich die Grenze zu niedrig ansetze.

    Ich halte das Gewinnwachstum für das nächste Jahr wesentlich für die Bewertung. Dazu kommt die Ausschüttung (natürlich aus dem Gewinn), aber die wird ja schließlich am Ausschüttungstag vom Kurs dann auch abgezogen. Beides gemeinsam ist also für mich der nachhaltige ROI, deshalb zähle ich es zusammen.

    "Strenggenommen wird die Dividende aus dem Cashflow bedient." Stimmt wirklich und nicht nur streng genommen (außer bei Apple, die nehmen aus steuerlichen Gründen dafür einen Kredit auf).

    "Ohne die Angabe der Ausschüttungsquote ist die Dividendenrendite nur bedingt aussagekräftig." Stimmt auch, habe ich zu knapp behandelt, steht aber ganz am Ende als eines meiner wichtigsten Kriterien.

    "Unter Berücksichtigung der Dividendenrendite ist das KGV der Kehrwert der Dividendenrendite." Das verstehe ich nicht.

    "Zur Gewinnausschüttung hinzuzuzählen sind auch noch die Ausgaben für Aktienrueckkaeufe."
    Die fließen in das EPS-Wachstum mit ein, denn man weiß ja so ungefähr wie viele Aktien zurückgekauft werden. Daher sind sie automatisch mit berücksichtigt, auch wenn man kursbedingt erst am Ende des Jahres weiß, wie sie sich wirklich ausgewirkt haben werden. CVS z.B. käme ohne seine massiven Aktienrückkäufe niemals auf sein EPS-Wachstum von 14%. Das läge sonst bei 8-9%.

  • #3

    Schildkröte (Freitag, 20 Februar 2015 18:58)

    " ´Unter Berücksichtigung der Dividendenrendite ist das KGV der Kehrwert der Dividendenrendite.´ Das verstehe ich nicht."

    Pardon! Es wäre hilfreich, wenn man Beiträge noch nachträglich editieren könnte. Richtig heißt es:

    "Unter Berücksichtigung der Ausschüttungsquote ist das KGV der Kehrwert der Dividendenrendite."

    Das KGV selbst ist der Kehrwert der Gewinnrendite. Man möchte schließlich wissen, inwieweit sich sein Investment verzinst. In diesem Zusammenhang ist es ebenfalls relevant, was mit dem Geld geschieht, was nicht über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre ausgegeben wird, sondern im Unternehmen verbleibt. In Bezug auf EPS und Aktienrückkäufe ist ein Blick auf die historische Anzahl der ausstehenden Aktien (outstanding shares) interessant.