Value- und Wachstumsaktien - Aktiensuche Teil 2

Die Suche nach Valueaktien ist momentan eher theoretischer Natur, denn auf diesem Gebiet wird man aktuell nur schwer fündig werden. Bei Wachstumsaktien ist die Bewertung schwieriger und auch die Suche nicht so einfach. Daher findet man, mit ausreichend Geduld, doch noch die eine oder andere Aktie, die in das Depot passen könnte. Nicht immer ist es eine systematische Suche, sondern oft auch einfach Zufall, wie man auf eine aussichtsreiche Aktie stößt. Das kann ein Zeitungsartikel sein, ein Forumsbeitrag oder was auch immer. Je mehr man liest oder im Internet unterwegs ist, desto höher sind die Chancen einen Treffer zu landen. Meist aber finde ich meine Aktien durch gezieltes Anwenden der einschlägigen Aktienscreener.


Aktienscreening


Hier muss ich mich entscheiden, in welchem Land ich suchen möchte. Der beste Screener, den ich kenne, ist Finviz, mit dem ich aber nur amerikanische Aktien suchen kann. Ich kann nur jedem empfehlen sich diesen Screener mal näher anzuschauen. Er ist auch sehr gut geeignet, um z.B. Dividendentitel auszuwählen. Weil ich aber bei kleineren Aktien in der Regel doch auf deutsche Unternehmen zurückgreife, einfach aus dem Grund, weil ich deren Geschäftsmodelle einfacher verstehe, muss ich mit anderen Screenern vorlieb nehmen.


Financial Times Screener

Meiner Ansicht nach taugen die klassischen Screener von Onvista oder finanzen.net nicht viel, auch wenn ich sie manchmal für eine Schnellsuche selbst benutze. Sie bieten nur eine sehr bescheidene Auswahl an Kriterien und ich verstehe nicht, warum hier niemand den Versuch macht, einen besseren Screener zu konstruieren. Aber es gibt tatsächlich einen Besseren und das ist der Screener der Financial Times. Obwohl englischsprachig, enthält er fast alle handelbaren deutschen Aktiengesellschaften. Man muss entsprechend bei der Länderauswahl selektieren und man bekommt aktuell für Deutschland 879 Unternehmen zur Auswahl. Das sollte reichen.


Dann sucht man sich die Kriterien heraus auf die man Wert legt, stellt etwas gewöhnungsbedürftig die entsprechenden Werte ein und los geht es. Meine persönlichen Einstellungen sind ziemlich banal. Geht es um Value, sind immer das PE und das PB dabei. Dazu kommt eine niedrige Verschuldung und eine ansprechende Eigenkapitalrendite. Das sind quasi Standardgrößen. PE unter 15, PB unter 3, Dept/Equity kleiner als 2 und EK-Rendite über 10-15 (im 5 Jahresschnitt und jährlich). Mit diesen Werten bekomme ich aktuell 43 Aktien, die ich mir näher anschauen kann. Noch ein Hinweis: Als Komma in Zahlen immer nur Punkte setzen, sonst versteht der Screener das nicht. 


Bei den Ergebnissen sieht man sehr schnell, dass Automobilhersteller und ihre Zulieferer, sowie Versicherer überrepräsentiert sind. Für diese gelten eigene Regeln der Bewertung, so dass sie auch mit diesen Kennzahlen nicht unbedingt als günstig anzusehen sind. Das gilt insoweit für fast alle ausgeprägt zyklischen Aktien. Von daher schaue ich zuerst immer auf die Branche und so bleiben tatsächlich immer nur wenige bis (momentan) fast gar keine Aktien übrig. Suche ich etwa stabile Konsumaktien, muss ich ganz andere Kriterien eingeben, aber die fallen dann in den noch zu behandelnden Bereich der Dividendenaktien.


Die Value Trap

Gerade von Anfängern wird gerne in diese Falle getappt. Dabei handelt es sich um scheinbar sehr günstig bewertete Unternehmen, die aber aus gutem Grund so günstig zu haben sind. In der Regel trifft das sogar auf einen größeren Teil der beim Screenen herausgefilterten Unternehmen zu. Am einfachsten kann man dieser Falle entgehen, indem man zusätzlich als Bedingung ein Gewinnwachstum in den letzten Jahren mit angibt. Damit wird man einen großen Teil der Verlierer aussieben. Man sollte ohnehin versuchen mit dem Screener etwas herumzuspielen, einen Filter mal ganz weglassen oder eine komplett andere Kombinaion versuchen, denn oftmals werden sehr interessante Unternehmen aus irgendeinem besonderen vorübergehenden Grund herausgefiltert.


Wachstumsaktien screenen

Hier ist die Sache deutlich schwerer, aber wenigstens kann man mit dem FT-Screener das Wachstum des vergangen Jahres heranziehen. Das hilft schon sehr viel weiter und so habe ich es auch gemacht. Insgesamt ist das aber sehr viel mehr Arbeit, denn weit mehr als bei Valueaktien spielt hier das konkrete Geschäftsmodell eine Rolle und man muss sich sehr viel mehr Unternehmen genauer anschauen.

 

Klassische Kennzahlen wie KGV (PE) etc. lasse ich hier oft ganz weg, während aber die Verschuldung sehr wichtig ist, denn sie gibt an, wie gut das Unternehmen finanziert ist, um sein Wachstum fortzusetzen. Da sollte auf jeden Fall ein gewisser Puffer vorhanden sein. 50% Eigenkapitalquote sollte im Idealfall also schon vorhanden sein. Manche Wachstumsaktien machen aus gutem und vertretbaren Grund vielleicht gar keine Gewinne und diese fallen gerne durch das Filter. Das ist aber nicht so schlimm, sind sie doch meistens auch die riskantesten. Sucht man solche Turnaround Kandidaten, muss man negative Gewinnwerte als Kriterium eingeben. Die dann zu untersuchen, ist allerdings sehr viel  Arbeit.

 

Hat man aber eine konkrete Aktie, kann man zuerst, bevor man sich an die Mühe des Geschäftsberichtslesens macht, bei finanzen.net schauen wie es mit den Aussichten bestellt ist. Unter Schätzungen findet man hier die durchschnittliche Analystenmeinung. Manche deutsche Aktie findet man auch bei Morningstar und 4-Traders, allerdings dann oft nur mit lückenhaften Angaben. Hier das Beispiel von Schweizer Electronic bei finanzen.net. Sucht man nach US-Aktien, bietet der Finviz Screener die wunderbare und sehr hilfreiche Möglichkeit, das prognostizierte EPS-Wachstum, wie es von den Analysten eingeschätzt wird, als Filter einzugeben. Diese Möglichkeit bietet der FT-Screener leider nicht und Onvista und Konsorten schon gar nicht.

 

Geschäftsberichte lesen

Das ist eine von vielen ungeliebte Fleißarbeit. Der für mich wichtigste Teil ist der Anfang, da wo das Geschäft beschrieben wird. Das muss einigermaßen verständlich sein und durchschaubar. Alles wird man nie verstehen, das ist illusorisch, aber im Großen und Ganzen sollte klar sein, worin das Geschäftsmodell besteht und wie der Markt beschaffen ist, auf dem sich das Unternehmen bewegt. Gerade bei letzterem muss man leider oft noch weiter forschen, da sich viele Unternehmen in Bezug auf Wettbewerber vornehm zurückhalten.


Bei den Zahlen schaue ich gerne auf die Kapitalflussrechnung, denn die sagt mir, wo das Geld herkommt und wohin es fließt. Bei Auffälligkeiten sollte man die Kapitalflussrechnung mehrerer Jahre vergleichen. Mache ich aber selten. Die Bilanz selbst ist nur dann interessant, wenn dort viele immaterielle Werte als Vermögen aufgeführt sind. Die sollte man sich genauer anschauen, wozu man oft in den Anhang gehen muss, falls das Thema nicht bereits bei den Erläuterungen geklärt wird. Die anderen Kennzahlen (Verschuldung etc.) kenne ich ja schon aus den anderen Quellen. Stimmen die in unterschiedlichen Quellen überein, brauche ich da nicht groß nachzurechnen.


Die Entscheidung

Nach den Zahlen allein sollte man kein Unternehmen kaufen, es sei denn man betreibt eine mechanische Auswahl. Für mich persönlich ist Vertrauen ein wichtiger Punkt. Wenn ich einen Geschäftsbericht lese, möchte ich ehrlich informiert werden. Wenn ich merke, dass um den heißen Brei herum geredet wird oder Probleme schön geredet werden, klappe ich das Dossier umgehend wieder zu.


Das Geschäftsmodell zu verstehen, heißt im Übrigen nicht bei einem High-Tech-Unternehmen die technischen Einzelheiten zu verstehen. Das wird schon deshalb nicht gelingen, weil kein Unternehmen seine Geheimnisse im Geschäftsbericht preisgeben wird. Man sollte aber wissen, was die Vorteile eines Unternehmens sind. Dr. Hönles Kompetenz z.B. besteht darin, die gesamte Palette rund um UV-Licht anbieten zu können und sich da zu spezialisieren. Ob Strahler, unter UV-Licht härtende Kleber oder Farben, bis hin zum Quarzglas, das für die Strahler gebraucht wird, ist das gesamte Know How im Unternehmen vorhanden. Bei Schweizer Electronic sind es die auf Kundenbedürfnisse hin speziell gefertigten Leiterplatten, bei AAP die relativ simpel zu verstehende Verschraubungstechnik bei Knochenimplantaten und Nabaltec kann Aluminiumoxide in einer Form herstellen, wie kein anderes Unternehmen. Viel mehr braucht man nicht zu verstehen und selbst wenn, wird einen das vermutlich in Bezug auf ein Investment nicht wirklich weiterbringen.


Demnächst dann den letzten Teil über die Suche nach Aktien, dann geht es um Dividendenaktien.


Auf bald

Euer Stockblogger

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Kommentare: 9
  • #1

    Schildkröte (Freitag, 13 Februar 2015 00:01)

    Du filterst Aktien mit einem KGV von über 15 aus? Wachstumswerte haben nicht selten ein KGV von (deutlich) über 15. Ob das gerechtfertigt ist, ist je nach konkretem Einzelfall zu beurteilen. Entspr. Aktien jedoch bereits im Vorfeld auszusortieren kann sich später als Fehler herausstellen.

  • #2

    stock-blog (Freitag, 13 Februar 2015 07:24)

    Bei dem Screeningverfahren handelt es sich um einen Filter, um bestimmmte Aktien zu finden, z.B. sehr preiswerte mit KGV < 15.
    Bei den klassischen Valueaktien mache ich das so und das hat sich bewährt. Momentan kommt man mit diesem Verfahren aber nicht mehr weiter, denn es finden sich kaum noch gute Werte, die diese Kriterien erfüllen.

    Bei Wachstumswerten schaue ich - wie ich auch geschrieben habe - teils gar nicht auf das PE. Das ist eine ganz andere Story. Je nach Wachstumsstärke kommt hinterher das PE dann doch wieder ins Spiel. Das liegt dann aber mit Sicherheit nicht unter 15.

  • #3

    Schildkröte (Freitag, 13 Februar 2015 21:48)

    Ja, bei Wachstumswerten ist vor allem entscheidend, ob die Wachstumsaussichten weiter intakt sind und wieviel davon bereits im Kurs eingepreist ist. Denn Mondpreise (KGV weit (!) über 20) sollte man nun auch nicht bezahlen. Zu einem Sicherheitsabschlag (Margin of safety) gibt es derzeit kaum Aktien.

  • #4

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