Abenteuer Aktiensuche, Teil 1

Die Gemeinde der Stockpicker ist klein, das Aktienuniversum dafür um so größer. Die Suche nach der richtigen Aktie gleicht in der Tat oft dem Stöbern in einem Heuhaufen. Man kann es sich natürlich einfach machen und das kaufen, was gerade in Mode ist. Wer es beispielsweise auf Dividendenaktien abgesehen hat, muss nur die einschlägigen Foren und Blogs durchkämmen. Dann kauft man das, was alle kaufen, also Johnson und Johnson, McDonalds usw. Nicht unbedingt verkehrt, aber dafür zahlt man dann unter Umständen den entsprechenden Preis: Was in Mode ist, ist nicht billig.

 

Wer sich etwas abseits der getretenen Pfade begeben möchte, wird schnell feststellen, dass es einsam um einen wird. Man muss nicht nur selbständig und allein suchen, sondern auch selbständig und allein entscheiden. In der Gruppe von Gleichgesinnten fühlt man sich sicherer, ohne es unbedingt zu sein, doch als Stockpicker ist man wirklich allein und man kann sich auf nichts anderes verlassen, als auf den eigenen (hoffentlich) gesunden Menschenverstand.


Quelle: freedigitalphotos.net

 

Welche Aktie will ich? Dividendenaktie? Valueaktie? Wachstumsaktie?

 

Diese Frage sollte man sich beantworten können, bevor man sich auf die Suche macht, denn die Antwort führt in sehr unterschiedliche Bereiche des Aktienmarktes. Ganz wichtig ist auch die Frage nach der Größe des Unternehmens: Suche ich eher einen Nebenwert oder möchte ich die Sicherheit eines Großunternehmens? Oder man stellt sich die Frage von einer ganz anderen Seite her: Ich habe eine Branche ausgemacht, aus der ich mir gerne ein Unternehmen heraussuchen möchte. In jedem Fall ergibt sich ein anderer Weg, den Heuhaufen zu durchsuchen.

 

Branchensuche

 

Am besten bescheibe ich an einem konkreten Beispiel wie man dabei vorrgehen kann: Bevor ich Parexel gekauft hatte, bin ich auf die Branche der sogenannnten CROs gestoßen (näheres zu dem Unternehmen und der Branche habe ich hier geschrieben). Die Branche gefiel mir und ich wollte mir die auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen näher anschauen. Zunächst  hilft einem bei US-Aktien Yahoo.finance weiter. Gebe ich da etwa Parexel ein und gehe auf "Competiters", finde ich schon mal ein paar Unternehmen aus der Branche. Leider aber auch nicht alle und ein paar sehr wesentliche fehlen, z.B. Icon PLC, die eigentlich der Hauptkonkurrent bei meiner Auswahl waren. Weitere Unterenemen kann man durch einfaches Googeln finden oder bei Wikipedia nachschlagen (erst hier, dann über den Link nach hier).  Die beste Quelle aber ist immer noch Seeking alpha. Meistens gelangt man auf diese Weise von einem Unternehmen zum nächsten. Oft werden ähnliche Unternehmen unterhalb eines Artikels in den Kommentaren erwähnt. So arbeitet man sich langsam voran.

 

Zahlenvergleich

 

Habe ich die wesentlichen Unternehmen zusammen, schaue ich mir zunächst nur ein paar nackte Zahlen an. Da helfen Morningstar, Finviz u.a.

 

Im Fall von Parexel habe ich mir dann eine Tabelle mit den Big Five aus der CRO-Branche erstellt. Die Zahlen stammen von Finviz:


ICLR

PRXL

CVD

Q

CRL

MarktKap.

3,57 Mrd.

3,45 Mrd.

6,03

7,38

3,3

PE

26,47

23,38

34,04

23,72

28,01

PE(Forw.)

17,79

19,68

25,12

20,47

19,66

PS

2,53

1,49

2,24

1,44

2,62

Dept/Equity

0

0,64

0,15

-

1,17

EPS Growth (1Y)

17,95

17,32

11,64

12,45

6,4

EPS Growth (5Y)

18,1

17,6

12,49

14,22

9,49

ROE

15,1

24,6

11,1

-57,2

17,7

ROA

9,6

8,1

7,1

11,2

6,8


Da ich noch immer dem KGV (PE) einen sehr hohen Wert beimesse, fiel hier gleich mal Covance (CVD) heraus. Als nächstes kommt das Wachstum (EPS Growth), wobei Charles River (CRL) ausscheiden muss. Auch Quintiles (Q) kann nicht wirklich mithalten und hat für meinen Geschmack überdies zu hohe Schulden. Bleiben also zwei Favoriten mit leichten Vorteilen für Icon (ICLR). Und erst jetzt geht es in die Geschäftsberichte. Den Entscheid gaben hier letztlich weiche Faktoren: Wie liest sich der Bericht, ist er ausführlich, werden Risiken adäquat aufgelistet, wie sind die Zahlen aufbereitet, gefällt mir die  Unternehmenspolitik, etc. Nicht zuletzt war in diesem Fall auch in Person des CEO von Parexel ausschlaggebend. Am Ende entscheidet in einem so knappen Fall bei mir der Bauch.

 

Einen sehr lesenswerten Bericht (auf deutsch) über den Gründer und jahrzehntelangen Chef von Parexel Joseph von Rickenbach gibt es hier. Zwar schon von 1999, aber eine nette "Tellerwäscher zum Millionär" Story.

 

Entscheidung

 

Die Entscheidung ist natürlich immer schwierig, in diesem Fall besonders, denn Icon und Parexel sind sich doch von den Zahlen her sehr ähnlich. Den Auschlag gab hier übrigens auch, dass Icon in Dublin seinen Sitz hat, also in Euro bilanziert.

 

Als Stockpicker kann man die Folgen der Entscheidung auf niemanden abwälzen, man muss die Verantwortung tragen und wenn man sich geirrt hat, dann muss man in der Lage sein die Konsequenzen zu ziehen. Das fällt sehr vielen schwer und deshalb bleibt man lieber in der Herde und kauft, was gerade alle kaufen. Dann haben sich im Zweifelsfall auch alle anderen geirrt, da fällt es leichter den Fehler einzugestehen.

 

Im nächsten Beitrag werde ich dann bescheiben, wie ich gezielt Dividendenaktien suche oder auch kleine Nebenwerte finde. 

 

Auf Bald

Euer Stockblogger

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Kommentare: 6
  • #1

    SkyHH (Sonntag, 08 Februar 2015 20:59)

    Schöner Beitrag, freue mich besonders auf die nächsten zwei Artikel.

  • #2

    Alexander (Montag, 09 Februar 2015 22:24)

    Nun, ich bin auch so einer, der die Standartwert J&J, McDonald´s etc. im Depot hat.
    Allerdings kaufe ich nicht, weil es andere auch haben, aber bei gleichen Ansätzen kommt man oft zum gleichen Ergebnis.
    Mir sind die regelmäßigen und nach Möglichkeit steigenden Dividenden das A und O. Ich habe mir dazu die Tabelle von Dave Fish genommen und die Dvividendenentwicklung der letzten 10 bis 15 Jahre angeschaut. Dann die Dauer der Zahlungen und die Kennzahlen wie Verschuldungsgrad, EK-Rendite etc.
    Von 500 US-Unternehmen habe ich mir so eine Liste mit für mich interessanten Unternehmen erstellt. Zwangsweise kommen da oft die gleichen Unternehmen raus, wie sie viele haben. Einige habe ich ausgeschlossen, obwohl viele darauf schwören. Mit Stockpicking ist vermutlich mehr Geld zu verdienen, aber ich habe der "Sicherheit" eine höherer Priorität eingeräumt. Mit Qualcomm und Airgas zum Beispiel weiche ich vom Mainstream etwas ab. Und eine Apple hab ich auch nicht.
    Das gleiche Procedere habe ich mit 600 deutschen Aktien gemacht (Börse online Datenbank), da sind gerade mal 12 Unternehmen über geblieben, davon habe ich drei ins Familiendepot geholt.
    Wie gesagt, meine Entscheidung nach stundenlanger Auswertearbeit, auch wenn es nicht so scheint.

    Gute Investments

  • #3

    stock-blog (Dienstag, 10 Februar 2015 08:20)

    Hallo Alexander,
    der Umkehrschluss heißt ja auch nicht, dass man mit Stockpicking nicht in weit verbreitete Aktien investieren darf, sondern nur, dass man sich eigene Gedanken gemacht hat und daraufhin handelt. In meinem Depot finden sich ja schließlich auch JNJ, General Mills und Unilever.
    Und so wie du das machst hat das ja absolut Hand und Fuß. Viele schauen sich bestimmte Kennzahlen an, ich ja auch, und dass man dann zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt, überascht nicht.

    Meine Intention im ersten Absatz lag vielmehr darin, dass man seine Entscheidung auch begründen kann und nicht kauft, weil gerade in dem und dem Forum/Blog gerade eine bestimmte Aktie oder eben eine bestimmte Strategie diskutiert wird. Außerdem finde ich, dass viele relativ kritiklos momentan der Dividendenstrategie hinterher laufen. Klar ist die Strategie gut, keine Frage und wenn ich mal in Rente gehe, werde ich vermutlich auch einen sehr hohen Dividendenaktienanteil im Depot haben. Aber mir fehlt oft das eigenständige Denken hinter den oft einfach nur kolpotierten Erfolgsmeldungen, welche Dividenden gerade wieder hereingekommen sind.

    Gruß
    Christian

  • #4

    Alexander (Dienstag, 10 Februar 2015 19:14)

    Hallo Christian,
    da gebe ich Dir vollkommen recht. Viele kaufen, weil sie dies und das lesen oder hören. Selber nachdenken ist aber auch furchtbar anstrengend ;)

    Die Dividendenstrategie entwickelt sich langsam zum Hype, das kann einem schon Sorgen machen, denn dann geht es meist nicht mehr lange gut. Wenn die ganzen Depots erst mal rot sind, dann hat sich das aber erledigt. Es bleiben dann nur die über, die Vertrauen in sich haben und ihre Entscheidungen bewusst getroffen haben.

    Gruß Alexander

  • #5

    Schildkröte (Dienstag, 10 Februar 2015 21:39)

    Momentan sind Dividend Growth Investing - Aktien (bitte nicht mit Dividendenaktien verwechseln) en vogue. Vor einiger Zeit waren es Konsumgüterhersteller. Jeder soll nach seiner Facon selig werden. Ich persönlich mag Growth-Aktien. Wachstumswerte schütten oft keine oder nur geringe Dividenden aus. Wenn diese plötzlich damit beginnen, exzessiv die Dividende zu erhöhen, dann ist nicht selten etwas faul im Staate Dänemark. Die o. g. Werte weisen stattliche KGVs auf. Auf welches zu erwartende Geschäftsjahr bezieht sich das PE Forward? 2015 oder 2016? Diese Angabe ist sehr wichtig!

  • #6

    stock-blog (Mittwoch, 11 Februar 2015 08:28)

    Die Kenzahlen muss man sich teils mühsam zusammensuchen. Das liegt unter anderem daran, dass z.B. bei PRXL das Geschäftsjahr am 01.07. beginnt. Oben habe ich es mir einfach gemacht und die Zahlen von Finviz übernommen und sind auch schon ein paar Tage alt, die Kurse haben sich zwischenzeitlich etwas nachgegeben.

    Zu deiner Frage:
    Die Schätzungen der Analysten beziehen sich auf das jeweilige Geschäftsjahr also bis Ende Juni. Da liegen die durchschnittlichen Schätzungen für das EPS bei 2,75$ je Aktie. Das wäre dann ein PE von 22,4 für das laufende GJ (06/2014-06/2015). Bis zum Juni 2016 wird ein EPS von 3,19 geschätzt mit einem resultierenden PE von 19,3. Die Zahlen findest du bei Morningstar, Yahoo.finance oder bei 4-traders, leider aber immer ohne die Angabe, dass es sich dabei nicht um die Kalenderjahre, sondern die GJ handelt.