Leoni raus, Starbucks und Parexel rein

Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen.“ So oder ähnlich hat sich Warren Buffet einmal geäußert und damit seine Meinung zum Thema Buy and Hold auf den Punkt gebracht. Dass er inzwischen aus steuerlichen Gründen aus seinen Aktieninvestments nur unter großen Verlusten herauskäme, dürfte seine Ansicht diesbezüglich noch verfestigen. Meine Ansicht dazu ist nicht ganz so streng und so verkaufe ich Aktien, die mir zu teuer oder riskant vorkommen. Diesmal traf es Leoni. Herein kamen Starbucks (SBUX) und Parexel International Corporation (PRXL), wobei letztere wohl nur wenigen Spezialisten bekannt sein dürfte.


Leoni

Die Geschichte wiederholt sich doch. Im letzten Jahr habe ich Leoni fast zur selben Zeit im Januar verkauft, damals sogar für einen noch besseren Kurs von knapp unter 60 Euro. Diesmal wollte ich nicht so lange warten, sondern nutzte die guten Nachrichten über das Geschäft mit Hyundai, um auszusteigen, auch wenn ich jetzt den weiteren Anstieg verpassen werde."Sell on good News"  ist nach meiner Erfahrung schon immer eine gute Regel gewesen. Leoni ist nach meinem Neueinstieg im Oktober um ein Viertel angestiegen und hat damit wieder Bewertungshöhen erklommen, die für einen zyklischen Autozulieferer meiner Ansicht nach etwas zu hoch sind. Dazu kommt, dass der Bereich Autozulieferer und der zyklische Anteil an meinem Portfolio nach meinem Geschmack etwas zu hoch geworden ist. Also habe ich die gute Gelegenheit genutzt, mich von der Aktie zu trennen. Schade eigentlich, denn an sich finde ich das Unternehmen und sein Geschäftsmodell ziemlich gut. 


Starbucks

Von den Geschäftszahlen wollte ich es abhängig machen, ob ich meine Starbucksanteile aufstocken sollte oder nicht. Bisher machten die 50 Stück ja nur einen kleinen Anteil an meinem Portfolio aus, aber je mehr ich mich mit diesem Unternehmen auseinandersetzte, desto attraktiver erschien es mir. Pech für mich, dass viele andere Investoren das nach den Zahlen von letzter Woche genauso sahen und den Preis für meine neuen Anteile so deutlich nach oben geschraubt haben.


Günstig bewertet ist die Aktie sicherlich nicht mehr. Für 2014 wird ein EPS von 2,71 $ oder leicht höher erwartet, was aktuell in einem PE von 32,5 resultiert. Das ist natürlich sportlich. Schaut man aber auf das Jahr 2015, sieht das Ganze schon nicht mehr ganz so abenteuerlich aus: Die Schätzungen der Analystenschar liegen für das laufende Jahr im Schnitt bei 3,36 $, was ein Forward PE von 26,2 ergibt. Für ein kaum zyklisches Unternehmen, das in den nächsten Jahren seinen Gewinn pro Aktie um 18% erhöhen kann, ist die Bewertung zwar immer noch sehr hoch, aber wenn ich mir so manchen Dividendenaristokrat mit wenig Wachstum anschaue, relativiert sich das dann doch sehr schnell.


Apropos Dividende: Seit 2010 zahlt Starbucks Dividenden. Die Auszahlungsquote hat sich inzwischen bei etwa 38% eingependelt und dürfte, falls sich das Unternehmen mit der Zeit in einen weniger wachsenden Dividendenwert verwandeln wird, weiter ansteigen. Das ist ohnehin die Entwicklung auf die ich setze: Vielleicht nicht gerade in den nächsten 5 Jahren, aber nach 10 oder mehr, jedenfalls dann, wenn ich in Rente gehe und Dividenden zum Lebensunterhalt ganz nett wären. Im Bereich Restaurants könnte Starbucks das McDonalds des nächsten Jahrzehnts werden. Das Unternehmen hat jedenfalls das Potential dazu. Das Kurswachstum ist auf Grund der hohen Bewertung sicherlich beschränkt, aber selbst wenn sich nach 10 Jahren das Wachstum auf Normalwerte verringert haben sollte und der damit einhergehende PE Wert sich bei 20 und niedriger eingependelt haben sollte, käme ich mit meinem Investment auf meine Kosten.


Das aktuelle Wachstum von Starbucks entstammt einerseits dem Umsatzwachstum in den einzelnen Läden (6%) und der Ausweitung der Zahl der Filialen. Hier gibt es noch ein großes Potential, speziell in China bzw. Asien. In den bestehenden Filialen in den USA wird es zusätzliche Angebote für Speisen geben und das neue gerade getestete Handybezahlsystem, mit dem man auch Vorbestellungen abgeben kann, dürfte für eine weitere Margenerhöhung bzw. für einen Umsatzanstieg sorgen. Nicht zu vergessen die erworbene Kette "Teavana", dessen Produkt, wie der Name schon vermuten lässt, Tee ist. Aufgepeppt von der erprobten Marketingmaschinerie von Starbucks, dürfte hier ein zunehmender Beitrag zum Umsatz erwartet werden. Speziell in Asien, wo ja traditionell mehr Tee als Kaffee getrunken wird.


Parexel

Der Kauf von Parexel ist das Ergebnis der Suche nach einer wachstumsträchtigen Branche, die nicht konjunkturabhängig ist.

Das Unternehmen gehört zu den sogenannten CROs (Clinical Research Organizations). Das sind Unternehmen, die für Pharmafirmen z.B. klinische Studien oder andere Tests übernehmen, etwas, das heute sehr gerne von den Großen wie Roche etc. ausgelagert wird, um Kosten zu sparen. Meiner Ansicht nach haben wir hier einen Schaufelhersteller für die auf ihr Glück setzenden Goldgräber (Pharmafirmen), die auch dann Gewinn machen, wenn das Medikament in der Entwicklung scheitert. Leider krankt das schöne Bild daran, dass es sehr viele Schaufelhersteller gibt und der Wettbewerb groß ist. Andererseits sind die Pharmafirmen mehr denn je darauf angewiesen, dass sie "qualitativ hochwertige Schaufeln" bekommen, denn wie jüngste Skandale gezeigt haben, kann das sehr schnell hohe Kosten verursachen, wenn hier gepfuscht wird.


Was mich aber trotz der großen Konkurrenz optimistisch macht, ist der insgesamt wachsende Markt. Laut einer Studie soll der Markt in den nächsten Jahren insgesamt um über 13% jährlich wachsen. Davon zu einem größeren Anteil allerdings zwar in den Schwellenländern, aber dort ist Parexel ebenfalls gut vertreten. Neben dem klassischen CRO Geschäft verdient Parexel aber auch noch Geld mit Beratung (11% vom Umsatz) und IT Systemen rund um die Entwicklung und Produktion von Wirkstoffen (14%).


In der Branche gibt es mehrere Große, die auch in Frage gekommen wären, letztlich sind aber nur zwei übrig geblieben: Neben Paraxel noch Icon PLC, die ihren Sitz in Dublin hat und mit vergleichbar guten Kennzahlen glänzen kann. Letztlich den Ausschlag haben weiche Faktoren geliefert: Wie gut ist der Geschäftsbericht, wie stellt sich das Unternehmen dar? Da hat Paraxel schon deutlich die Nase vorn. Weitere große aktiennotierte Unternehmen in diesem Sektor sind Covance (CVD), Charles River (CRL) und Quintiles (Q).


Parexel ist definitiv nichts für Dividendenfreunde, denn laut Geschäftsbericht wird das Unternehmen auch in näherer Zukunft keine Dividenden auszahlen, sondern seine Gewinne reinvestieren. Das hindert sie allerdings nicht daran, gelegentlich Aktien zurück zu kaufen. Weil das aber steuerlich für mich neutral abgeht und ich aktuell auch gar keine Dividenden brauche, ist mir diese (leicht widersprüchliche) Geschäftspolitik durchaus sympathisch. Negativ zu Buche schlägt die zunehmende Konzentration auf weniger Kunden. Allein Pfizer hat zuletzt über 10% vom Umsatz beigetragen. Merck liegt nicht weit dahinter. Noch 2011 gab es keinen Kunden der über die 10% Grenze kam.


Billig zu haben ist dieses Unternehmen nicht. Für 2014 steht ein EPS von 2,25$ zu Buche, 2015 werden 2,69 $ erwartet. Bei einem Kurs von 63,3$ entspricht das einem PE von 28,1 für das letzte und 23,5 für das nächste Jahr. Unter der Annahme, dass das Wachstum ähnlich schwungvoll mit mehr als 15% jährlich weitergeht und mit Blick auf die Unabhängigkeit von Konjunkturzyklen kann ich mich aber trotzdem mit dieser Bewertung anfreunden. Die einigermaßen hohe Verschuldung resultiert aus Übernahmen in den letzten Jahren, wird aber nach und nach abgebaut. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 22,9%, bezogen auf alle Assets liegt sie bei 7,6%. Mit rund 3,5 Mrd. Marktkapitalisierung ist das Unternehmen groß genug, um meine Stabilitätsanforderungen zu erfüllen. Fast 16000 Beschäftigte arbeiten rund um die Welt für das Unternehmen, es wird aber noch gut die Hälfte des Umsatzes in den USA gemacht.


Morgen wird der Bericht über das 2. Quartal des Geschäftsjahrs 2014/15 herausgegeben, den ich diesmal nicht abwarten wollte, das GJ geht bei Parexel immer am 1.Juli los. Im Oktober gab es da zwar einen schönen kleinen Kurseinbruch, aber darauf erneut zu spekulieren, ist dann doch nicht so meine Sache. Wie bei Starbucks gesehen, kann das dann ja auch nach hinten losgehen. Geordert habe ich diesmal an amerikanischen Börsen, da die Liquidität in Deutschland doch zu wünschen übrig ließ. Ist halt etwas teurer.


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