Rückblick 2014 - Kleine Depotshow, Teil2

Weiter gehts mit einem kleinen Überblick über meine Aktien im Depot 2014. Die Renditeberechnung (siehe Teil1) mit 22% umfasst im Übrigen das gesamte Portfolio, also inklusive dem Tagesgeld (nicht für Aktienkäufe gedacht, sondern als  Liquiditätsreserve für Notfälle) und den zu Jahresanfang noch 3 Unternehmensanleihen, von denen 2 ausgelaufen sind und nur noch eine Freseniusanleihe übrig ist. Allerdings machten alle 3 zusammen nicht mehr als ca. 12% des Depots aus. Die Renditeberechnung selbst habe ich dann mit Xintzinsfuss unter Berücksichtigung aller Ein- und Auszahlungen gemacht. Das Ergebnis unterscheidet sich um gut einen halben Prozentpunkt von meiner handgestrickten alten Berechnungsweise. Dieses Jahr versuche ich die  Rendite zusätzlich mit "Portfolio Performance" zu berechnen, einem Gratis-Programm das hier erhältlich ist. Aber nun weiter bei den einzelnen Aktien:

 

Gesco


Diese Mittelstandsholding ist quasi mit plus minus Null aus dem Jahr hervorgegangen, geblieben ist allein die Dividende. Die Frage bei diesem Unternehmen lautet, wann die (hoffentlich) temporären Probleme bei zwei Tochterunternehmen gelöst sein werden. Dann sollte das auch mit dem Gewinnanstieg so langsam klappen. Als Alternative zu Gesco kommt noch Indus in Frage, die ich auch eine Zeitlang besessen habe. Ich fand dann aber Preise von knapp 40€ für übertrieben und habe verkauft. Bei Gesco setze ich dagegen auch und vor allem auf die vorsichtige Bilanzierungspolitik (im Gegensatz zu Indus) und auf die sehr wählerische Vorgehensweise bei Neuaquisitionen.


Hannover Rück


Der große Vorteil von Hannover Rück gegenüber der großen Schwester Münchner Rück ist wohl, dass sie nicht eine Ergo als Tochter am Bein haben, die natürlich all die Probleme mitschleppt, unter denen heutige Standardversicherer leiden. Ansonsten ist aber auch die Hannover Rück aktuell kein wachsendes Unternehmen und kann den Gewinn pro Aktie im Prinzip nur durch Aktienrückkäufe erhöhen. Der diesjährige Kursanstieg dürfte der Dividendenrendite geschuldet sein. So lange die großen Katastrophen ausbleiben, dürfte sich daran auch nicht viel ändern. Falls es aber mal wieder zu größeren Hurricaneschäden in den USA kommt, dürfte der Markt etwas aufgemischt werden und das ist eigentlich nur eine Frage der Zeit. Wenn erst einmal eine Reihe von Riskoanleihen abgeschrieben werden müssen, könnten einige doch etwas leichtsinnige und unerfahrene Kapitalgeber ihr Geld aus dem Geschäft wieder abziehen. 


Johnson und Johnson


Zwar ist auch bei diesem Unternehmen die Dividendenrendite auf inzwischen unter 3% gesunken, aber die Bewertung insgesamt ist doch im Vergleich noch ziemlich vernünftig. Allerdings lässt sich das Geschäft für den Pharmabereich bei weitem nicht so einfach prognostizieren, wie bei einem einfachen Konsumunternehmen. Trotz des schönen Kursgewinns (auch dank des Dollarkurses) sehe ich aber noch keine Veranlassung mich von der Aktie zu trennen.


Leoni


Eigentlich sollte ich als Investor, der sich unter anderem auch dem Valuegedanken verschrieben hat, doch eher die langfristige Perspektive im Auge haben. Aber wenn dann eine Aktie wie Leoni derart in ihrem Wert schwankt und das innerhalb kürzester Zeit, kann man mit Hilfe von fundamentalen Daten durchaus auch kurzfristig kaufen und verkaufen. (Siehe hier) Das Problem bei Leoni, dem führenden Hersteller von Kabelbäumen für Autos in Europa, sind immer die Dinge, die unvorhergesehen schieflaufen. Sollte das diesmal völlig überraschenderweise nicht der Fall sein, ist Leoni auch zum aktuellen Preis noch ein Investment wert. Sehr schön im Übrigen auch die Dividendenrendite bzw. -politik des Unternehmens.


Nabaltec


Aluminiumoxide herzustellen sollte eigentlich kein großes Problem sein, da unsere Erdkruste doch zu einem nicht unerheblichen Teil daraus besteht. Doch sie in der richtigen Form und vor allem Kristallisationsgröße zu produzieren, anscheinend schon. Das ist das Kerngeschäft von Nabaltec, das sie offensichtlich sehr gut beherrschen. Nachdem vor wenigen Wochen die Nachricht herauskam, dass in den USA die Produktionskapazitäten deutlich ausgebaut werden sollen, hat der Kurs die Marke von 12 € geknackt, an der er lange Zeit immer wieder gescheitert war. Zwischenzeitlich stand 2014 aber auch mal eine 8 vor dem Komma. Die Gewinne sollten im nächste Jahr weiter steigen. Da der Kurs aber wirklich sehr volatil ist, ist auch diese Aktie nichts für Leute mit schwachen Nerven.


Paion


Ein kleines Pharmaunternehmen, das sich auf die Entwicklung eines Medikaments konzentriert. Ob Remimazolam ein Hit wird, weiß momentan noch niemand. Das Hoffen und Bangen der Anleger wird sehr gut vom Aktienkurs widergespiegelt. Momentan ist mehr Bangen, aber warten wir es ab, wirklich verwertbare Neuigkeiten gab es seit dem Absprung des japanischen Partners nicht mehr. Eigentlich meide ich ja solche Investitionen, aber nachdem ich den bisherigen Verlust für 2014 so schön abgeschrieben habe, bleibe ich dabei.


Schweizer Electronics


Bei dieser Aktie, die im Übrigen nichts mit der Schweiz zu tun hat, bin ich auch erst vor wenigen Monaten eingestiegen. Das Unternehmen stellt Leiterplatten her, die vor allem für die Autoindustrie interessant sind und sich u.a. durch ihre geringen Ausmaße auszeichnen. Der 10%ige Einstieg von Infineon, die ihrerseits die Chips liefern, die in die Leiterplatten eingebaut werden, ist ein schöner Hinweis auf die führende technologische Position von Schweizer Electronics. Sollte das neue Werk in Vietnam gut anlaufen, stehen wachsenden Gewinnen keine Hindernisse mehr entgegen.


Starbucks


Beschreiben muss ich dieses Unternehmen wohl niemandem. Hier bin ich nur eine kleinere Risikoposition eingegangen. Starbucks sollte, nachdem es sich seit einiger Zeit wieder in ruhigeren Gewässern befindet, vor allem in China, aber durchaus auch in Europa weiterhin wachsen. Trotz der Steuergeschichten hat das Unternehmen einen guten Ruf, im Gegensatz etwa zu McDonalds, insbesondere scheint es seine Angestellten anständig zu behandeln. Eine Wette, die schiefgehen kann.


Unilever


Das Unternehmen hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie Procter & Gamble oder General Mills. Das Wachstum ist relativ niedrig, der Markt umkämpft. Aber als Dividendenwert ist Unilever immer noch gut geeignet, zumal die Gewinne und die Dividenden weiterhin fließen. Im Vergleich mit den US-Unternehmen steht Unilever insbesondere von der Bewertung her recht gut da und außerdem ist das Unternehmen in Euro notiert (ich besitze die N.V. Aktie). Auch wenn der Dollar im letzten Jahr seinen Teil zu meinen Gewinnen beigetragen hat, so ist es mir doch lieber einen Großteil der Unternehmen in der Währung zu besitzen, die ich letzlich auch ausgeben muss, zumal das Kursrisiko bei weiter steigendem Dollarkurs irgendwann einmal in die Gegenrichtung auschlagen wird, auch wenn das noch eine Weile dauern mag. 


Uzin Utz


Dieses völlig unspektakuläre Unternehmen hat sich langsam aber sicher im Laufe des Jahres über die 30% Gewinnmarke vorgearbeitet und zusätzlich noch eine Dividendenrednite von über 3% eingebracht. Als Spezialist, der im Prinzip alles anbietet, was mit dem Thema Böden zu tun hat, hängt das Unternehmen natürlich an der heimischen Baukonjunktur. Solange die aber gut bleibt, ist nichts zu befürchten. Eine Investition in den USA könnte die Abhängigkeit vom deutschen bzw. europäischen Markt etwas vermindern. Ich sehe das Unternehmen als Dividendenwert und hoffe auf eine Steigerung der Ausschüttung im nächsten Jahr. Da das Unternehmen aber weiterhin in sein Wachstum investieren wird, könnte diese Erhöhung natürlich auch ausbleiben. Wie Cewe muss man das Unternehmen samt Marktumfeld aber sehr gut im Auge behalten.


Alles in Allem


Mit dem Kauf von Init ist mein Depot wieder einigermaßen ausgewogen. Etwas übergewichtig sind vielleicht die Autozulieferer, was natürlich damit zu tun hatte, dass die im Herbst 2014 recht günstig zu haben waren. Einige sind aktuell leider noch günstiger geworden. Der Vorteil dieser Unternehmen ist aber, dass sie fast alle auch eine manchmal sogar sehr beachtliche Dividende zahlen. Amerikanische Dividendenaktien finde ich momentan doch teilweise überteuert. Von daher bin ich froh dass meine kleineren deutschen Unternehmen diese Lücke füllen können.


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Moralischer Disclaimer


Manche werden sich vielleicht auch wundern, dass ich keinerlei Unternehmen aus der Tabakindustrie besitze, obwohl die doch als hervorragende Dividendenwerte gelten.Aber ich muss zugeben, dass ich in dieser Hinsicht schon ein bisschen moralisiere. Ich möchte nicht damit Geld verdienen, dass ich Leute in Abhängigkeit halte und zu einem möglicherweise sehr elenden Ende beitrage. Auch Rüstungsunternehmen kommen nicht in mein Depot. Aber auch mit Unternehmen wie Shell habe ich meine Probleme, man muss ja nur mal einen Blick nach Nigeria ins Nigerdelta werfen, um zu sehen, was so ein Unternehmen vielleicht nicht mit Absicht, aber doch mit einem Schwenk seines Hinterns anrichten kann. Immerhin scheint Shell hier ja lernfähig zu sein. Damit will ich aber niemandem zu nahe treten, diese Entscheidungen muss jeder mit sich selbst ausmachen. Genauso wie die Entscheidung einen Teil der Gewinne an eine wohltätige Einrichtung eigener Wahl abzugeben. Ob das jetzt das Flüchtlingsheim vor der Hautür oder eine kulturelle Einrichtung ist. Das kann man durchaus egoistisch begründen, denn für das seelische Wohlbefinden ist das eine hervorragende Sache.


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