Glück und Pech

Achtung: Die Kommentarfunktion ist noch da. Nähreres dazu am Ende des Artikels.


Wie das so ist zum Jahresende, denkt man gerne mal darüber nach, was so alles im letzten Jahr gut und viel wichtiger: Was schiefgelaufen ist. Viel zu bereuen gibt es glücklicherweise nicht. Eine Fehlinvestition macht sich ja vor allem dadurch bemerkbar, dass man einen mehr oder weniger schmerzlichen Verlust hinzunehmen hat. Manchmal aber hat man einfach Glück gehabt und der Fehler macht sich nicht bemerkbar. Ein Fehler bleibt er natürlich trotzdem!

 

Baywa


Bevor ich den Block gestartet habe, hatte ich für einige Monate Aktien von Baywa besessen. Für alle die diesen Wert nicht kennen: Das ist ein aus der Raiffeisengenossenschaft hervorgegangener Händler, der sich auf Agrarprodukte, Energie und Maschinen spezialisiert hat. Seit einiger Zeit versucht Baywa sich von seinem Basisgeschäft etwas zu emanzipieren und hat etwa in Neuseeland Apfelplantagen und Obsthändler hinzugekauft. Geschäftsteile in Deutschland (z.B. ein Engagement im Baumarktbereich) wurden dagegen abgestoßen.


Insgesamt gefiel mir das Geschäftsmodell recht gut, zumal ich hoffte, hier von konjunkturellen Einflüssen weitestgehend verschont zu bleiben und in Ruhe meine Dividende einzukassieren. Nur Eines hatte ich übersehen oder besser gesagt einfach nicht verstanden: Baywa ist immer noch so stark im Getreidehandel involviert, dass sich Preisänderungen etwa beim Weizen, sofort auch im Gewinn bemerkbar machen. Zwar waren tatsächlich neue Geschäftsfelder erschlossen worden, doch der große Einfluss des alten klassischen Agrarhandels auf den Gewinn war damit noch lange nicht beseitigt.


In der ersten jahreshälfte wurde jedenfalls mehr und mehr klar, dass die Getreidepreise wohl dauerhaft niedrig bleiben würden, zumal sich auch in den USA und anderorts eine Rekordernte abzeichnete. Die Bauern rückten ihren gelagerten Weizen zunächst nicht raus, in der Hoffnung, zu einem späteren Zeitpunkt günstigere Preise bekommen zu können. Damit gab es für die Baywa viel weniger Geschäft als üblich und wenn ein Handel stattfand, waren die Margen bei den niedrigen Preisen entsprechend gering.


Von dieser Entwicklung wurde ich komplett überrascht, dieser Aspekt ist mir bei der Überprüfung des Geschäftsmodells schlicht entgangen. Aber das war nicht mein einziger Fehler: Ich habe mich hier auch von anderen Meinungen zu stark mitreißen lassen, denn allüberall konnte man hören und lesen, was Baywa doch für ein tolles Unternehmen sei, nicht zuletzt auch vom Chef persönlich im Nebenwerte Journal (link). Anstatt also meinen eigenen Kopf zu gebrauchen, habe ich den Anfängerfehler Nummer eins gemacht und zuviel auf andere gehört. Nachdem ich das bemerkt habe, habe ich die Aktien umgehend verkauft, mit einem sehr schmerzlichen Verlust von ca. 25%.


Bertrandt


Bertrandt, einen Ingenieur- bzw. Entwicklungsdienstleister für die Automobilindustrie, hatte ich schon seit 2013 im Depot und die Aktie war sehr gut gelaufen. Diesmal habe ich nicht das Unternehmen falsch beurteilt, sondern ich war unentschieden, ob ich das Unternehmen behalten oder verkaufen sollte, nachdem es an Wert und damit auch die Bewertung doch erheblich angestiegen war. Anfang des Jahres habe ich dann meinen Bestand reduziert. Das habe ich aber nicht gemacht, weil die Position zu groß geworden wäre, sondern weil ich selbst einfach unsicher war.


Später, als die Kurse wieder zurückgekommen waren, habe ich dann nachgekauft - nur um nur kurze Zeit später meine gesamten Aktien von Bertrandt wieder zu verkaufen. Es war also ein ständiges hin und her, ohne dass ich einen echten Plan gehabt hätte, was ich mit diesen Aktien eigentlich anfangen sollte. Letztlich hat mir das Ganze keinen Verlust eingebracht, wie bei Baywa, aber wirklich stolz kann ich auf diese planlosen Transaktionen nun wirklich nicht sein.


Wenn ich eine Lehre daraus gezogen habe, dann die, dass ich mir in jedem Fall eine echte Meinung bilden muss, ob eine Aktie zu hoch bewertet ist oder nicht und daraus dann auch die entsprechende Konsequenz ziehe. So habe ich das dann ja auch bei P&G und 3M gemacht. Dabei wäge ich ab, ob bei dem aktuellen Preis die Risiken höher werden, als die Chancen, dass der Preis noch weiter ansteigt. Dass das Ergebnis einer solchen Überlegung subjektiv ist, steht auf einem anderen Blatt.


Auch Erfolge gab es : Leoni


Bei Leoni habe ich mal richtig Glück gehabt. Anfang des Jahres war kaum zu übersehen, dass gewisse Aktien in meinem Depot inzwischen doch ein recht hohes Bewertungsniveau erreicht hatten. Neben Bertrandt fiel mir besonders Leoni ins Auge, die damals bei über 60 Euro standen. Das war nicht mehr nur subjektiv überbewertet und nur aus einer Art Euphorie für diese Aktie zu verstehen. Knapp unter 60 Euro habe ich verkauft und durfte dann an der Seitenlinie zusehen, wie die Aktie im Laufe des Jahres auf 40 Euro und darunter zurückfiel, woraufhin ich dann wieder ein paar Aktien gekauft habe.


Wer jetzt meint, dass ich hier spekuliert habe: Sowohl beim Kauf, als auch beim Verkauf habe ich mich allein an den gängigen Bewertungsniveaus orientiert, die für Automobilzulieferer ja allgemein etwas niedriger liegen, als für andere Unternehmen. Ich würde es genau so wieder machen. Ob man dann immer den richtigen Augenblick erwischt, steht auf einem anderen Blatt. Dass die Aktie mir den Gefallen getan hat, genau bei den 60 Euro zu drehen, war natürlich reines Glück, sie hätte bei der damaligen Euphorie durchaus noch ein paar Euro weiter nach oben gehen können. Oder sie wäre gar nicht erst so hoch gestiegen, so dass ich die Überbewertung gar nicht mitbekommen hätte. Dass die Autozulieferer dann im Sommer so unter die Räder kommen würden, wusste ich selbstverständlich auch nicht vorher. Planen und Markttiming mache ich lieber nicht, aber manchmal eine Gelegenheit erkennen, das wohl.

 

Vieles ist ja doch tatsächlich einfach Glückssache und ob Aktien auch im nächsten Jahr so laufen werden wie 2014 steht in den Sternen. Das Investieren in Aktien ist keine exakte Wissenschaft, sondern abhängig von menschlichen Akteuren, deren Handeln nun mal nicht vorhersehbar ist. Von daher darf man nicht der Hybris erliegen, dass der aktuelle Stand des Kontos allein auf die eigenen Fähigkeiten zurück zu führen sei. Aber man kann sein Teil beitragen

 

Kommentarfunktion

 

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache. Aus aktuellem Anlass habe ich mich umgeschaut, ob es nicht eine bessere Lösung für die Kommentarfunktion gibt. Die Jimdo-eigene gefällt mir nicht so wirklich und daher habe ich jetzt auf das Script von Disqus umgestellt. Wichtig für alle Kommentatoren ist, dass man sich jetzt per Email benachrichtigen lassen kann, wenn auf einen Kommentar geantwortet wurde. Auch das Einfügen von Bildern und Links ist möglich und hoffentlich einfacher. 

 

Man muss sich im Übrigen auch nicht anmelden, sondern kann sich als Gast mit einer beliebigen Email anmelden. Ob sich das bewährt, werden wir sehen. Sonst muss ich das halt wieder deaktivieren.

 

Allen Lesern wünsche ich Frohe Weihnachten und einen  guten Rutsch und natürlich ein gutes Aktienjahr 2015!

 

Christian