Init Innovation

Wie bereits angedeutet habe ich mich bei meinem Neuinvestment im Dividendenbereich für "Init Innovation In Traffic Systems" entschieden (so lautet der vollständige Name). Manche mögen vielleicht denken, dass ich für die Auswahl von Dividendenwerten recht seltsame Kriterien anlege und das mag auch so sein. Andererseits muss ich sagen, dass ich in den letzten zwei Wochen wirklich sehr viel durch die Welt der Aktien gescreent habe, mit unterschiedlichsten Ansätzen. Manchmal ist es dann wie Liebe auf den ersten Blick, bzw. auf den ersten Eindruck. Der stellt sich sehr oft – bei aller nachfolgenden Zahlenklauberei – als belastbar heraus.

Ich kannte Init vorher mehr als einen Konkurrenten von IVU Traffic seinem kleineren wachstumsstärkeren und besser bewerteten Bruder, den ich schon länger auf meiner Beobachtungsliste hatte. Wenn alles gut läuft, dürfte IVU wohl auch die Profitablere der beiden Aktien sein, allerdings auch die Riskantere und das gab den Ausschlag. Ich wollte eben keinen Wachstumswert, sondern ein Dividendenunternehmen. Und das ist IVU noch jedenfalls nicht.


Das Geschäftsmodell


Init kümmert sich um den städtischen öffentlichen Nahverkehr. Das fängt beim möglichst effizienten Einsatz von Fahrzeugen an, setzt sich über die Information der Passagiere fort, beinhaltet die reibungslose und möglichst schnelle Zahlung und endet beim sozialverträglich gestalteten Dienstplan der Chauffeure. Alle Komponenten in diesem System, ob Hard- oder Software, sind modular aufgebaut, einzeln einsetzbar und beliebig zu kombinieren.


Logisch, dass Init damit von Aufträgen der Kommunen bzw. Gebietskörperschaften abhängig ist, was ich eigentlich nicht so mag. Doch dadurch, dass Init inzwischen international unterwegs ist und 75% seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, hält sich das Risiko hier doch sehr in Grenzen. 25% davon entfallen aktuell auf das restliche Europa und 45% auf Nordamerika (Kanada, USA). Dazu kommt, dass Service und Wartung bestehender Systeme bereits 25% des Geschäftsvolumens ausmachen, wobei ich annehme, dass sich dieser Anteil in den nächsten Jahren kontinuierlich erhöhen wird.


Das Unternehmen könnte als Marktführer ganz klar davon profitieren, dass alle Städte und speziell die  Megacities dieser Welt immer mehr auf öffentliche Verkehrsmittel setzen werden, um dem Verkehrsinfarkt zu entgehen. Dem steht natürlich die Begrenztheit öffentlicher Haushalte gegenüber. Man darf aber meiner Ansicht nach zu Recht davon ausgehen, dass Investitionen in den öffentlichen Verkehr nicht allzu lange aufgeschoben werden können. Dies sollte ein weltweiter, langfristiger Trend sein. Das momentan angeleierte europäische Investitionsprogramm. was auch immer  daraus werden mag, ist ein Symptom dieser Entwicklung.


Dass mir das Unternehmen auf Anhieb sympathisch war, hat aber noch andere Gründe: Auf der Website findet sich das Menu "Auszeichnungen". Init wurde demnach nicht nur in seinen Geschäftsbereichen ausgezeichnet, was ich nicht weiter bemerkenswert finde, sondern auch als einer der besten Arbeitgeber, bzw. familienfreundlicher Arbeitgeber im Raum Karlsruhe. Das ist für mich so ein Tüpfelchen auf dem „i“. 


Die Dividende


Welche Dividende für 2014 im nächsten Jahr gezahlt wird, ist noch völlig offen. Bisher waren es drei Jahre hintereinander 80 Cent je Aktie (aktuell wären das rund 3,6%), die Analysten aber meinen, dass im nächsten Jahr 85 oder 90 Cent drin wären. Das etspräche auf den aktuellen Kurs bezogen um die 4% Dividendenrendite. Die Payoutrate ist nicht wirklich niedrig, aber vertretbar, für 2013 liegt sie bei rund 66%. Der Cashflow geht in der Regel einigermaßen mit dem Gewinn konform, was immer ein gutes Zeichen ist.


Zahlen in Kürze


Die Tabelle ist direkt aus der Website des Unternehmens entnommen und dürfte vorab einen guten Überblick geben:


Obwohl bereits für die ersten drei Quartale in 2014 die Zahlen bekannt sind, lässt sich für das Gesamtjahr nur schwer eine belastbare Prognose abgeben. Das liegt daran, dass ein großer Teil der Einnahmen immer erst im letzten Quartal erfolgt. Bei IVU ist das übrigens ganz genauso. Bevor also nicht die Zahlen für das letzte Quartal vorliegen, kann man nichts Definitives sagen. Man kann höchstens die entsprechenden Quartale mit dem Vorjahr vergleichen.


Der Auftragseingang ist zwar höher als im Vorjahr, der Auftragsbestand zum Stichtag 01.10.2014 aber niedriger als im Vorjahr. Er liegt jedoch immer noch deutlich über den Umsatzzielen für das nächste Jahr. 2014 wurden laut Vorstand viele Ausschreibungen zurückgezogen bzw. zurückgestellt, die aber nach Meinung der Geschäftsleitung im Jahr 2015 sehr wahrscheinlich nachgeholt werden. Von daher kann mit einem stabilen Geschäft gerechnet werden.


Einer Bilanzsumme von 118,6 Mio € stehen Schulden von knapp 56 Mio € gegenüber, was in einer soliden Eigenkapitalquote von 51% resultiert. Zum Cashflow kann man in diesem Jahr noch gar nichts sagen, da die meisten Zahlungen erst jetzt, im letzten Quartal, eingehen werden. Das EBIT konnte von 7,5 Mio auf über 10 Mio gesteigert werden, wobei hier auf Währungsgewinne ein Anteil von 1,5 Mio entfiel, also eigentlich nicht mitgerechnet werden sollte. Dadurch, dass in Nordamerika ein großer Teil des Geschäftes gemacht wird, dürfte ein starker Dollar den Gewinn auch in den nächsten Jahren stützen. Die Eigenkapitalrendite lag Ende 2013 bei gut 19%, sie schwankt mittelfristig um die 20%.


Für das Jahr 2014 wird von der Geschäftsführung ein Ergebnis zwischen 17 und 19 Mio € angepeilt. Dadurch, dass sich immer erst im letzten Quartal entscheidet, wie hoch der Gewinn wirklich sein wird, müssen wir abwarten, was dann tatsächlich kommt. Bleibt es dabei, entspräche das einem KGV für das laufende Jahr (2014) von ca. 17. Bei einem angepeilten Gewinnwachstum um 10% im nächsten Jahr lägen wir dann bei etwa 15.


Zusammengefasst


Angesichts der stabilen Auftragslage und der Aussicht, dass das Geschäftsfeld weiteres Wachstum erlaubt, halte ich das Investment in Init für eine ziemlich sichere Sache. Mit "sicher" meine ich natürlich nicht Sicherheit vor Kursschwankungen. Die Marktkapitalisierung liegt bei 218 Mio Euro, der Streubesitz aber nur bei 35%, also bei etwa 75 Mio. Ein großer Teil der Aktien wird von der Gründerfamilie gehalten. Ich halte das für einen positiven Faktor. Das gehandelte Volumen ist manchmal recht niedrig und man braucht auch bei kleineren Beträgen offenbar gelegentlich etwas Geduld, bis die Aktien zum gewünschten Preis den Besitzer wechseln. Interessant war, dass die Aktie die Turbulenzen der letzten Tage überhaupt nicht mitgemacht hat. Noch ein Pluspunkt auf meiner Liste.


Es waren zunächst die weichen Faktoren, die mich bei diesem Unternehmen überzeugt haben. Neben den bereits erwähnten Anstrengungen, Arbeit und Familie miteinander vereinbaren zu können, versucht das Unternehmen auch über Mitarbeiterbeteiligungen ihre Arbeitnehmer fester an das Unternehmen zu binden. Zu diesem Zweck werden Aktien zurückgekauft und an die Mitarbeiter ausgegeben.


Die harten Zahlen sind aber auch nicht schlecht. Ganz billig ist das Unnternehmen sicher nicht, aber angesichts des von der Konjunktur nur bedingt abhängigen Geschäftsmodells, wird man bei jedem Unternehmen einen Aufpreis hinlegen müssen. Mein Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Dividende. Falls diese im nächsten Jahr tatsächlich auf 4% (YOC) steigen sollte, wäre ich schon sehr zufrieden. Und wenn dann noch ein kleines Wachstum von vielleicht 5%  beim Gewinn herausspringt, reicht es mir allemal. In jedem Fall halte ich dieses Investment für weniger riskant, als wenn ich mich in das aktuelle Pokerspiel mit dem Öl- oder Eisenerzpreis eingelassen hätte. Dass auch der erwartete Gewinn niedriger ausfällt steht auf einem ganz anderen Blatt, aber der ist eben nur mit einem entsprechenden Risiko zu haben.

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