Entscheidungsnotstand

Nachdem ich einige Zukäufe getätigt habe (SHW und AT&T), die beide erstmal weiter abgetaucht sind und damit nicht gerade zur Verbesserung meines Kapitalbestandes beigetragen haben, habe ich immer noch ein paar Euro über. Bisher habe ich es immer so gehalten, dass ich zwar nicht auf Teufel komm raus unbedingt voll investiert seine musste, jedoch habe ich bisher noch immer sehr schnell die eine oder andere Aktie gefunden bzw. auf meiner Beobachtunsliste gehabt, in die ich gerne investieren wollte. Momentan fällt mir das aber sehr schwer, trotz der gefallenen Kurse am Freitag.

 

Depotanalyse

Wie sieht das Depot im Moment denn überhupt aus? Links in der Tabelle  seht ihr die aktuelle Zusammensetzung inklusive individueller Verluste bzw. Gewinne, die sich bei mir wie immer auf das aktuelle Jahr beziehen.

Eine Unterteilung in unterschiedliche Kategorien finde ich ziemlich schwierig, denn einige Werte würden in mehrere Kategorien passen. Wenn ich die Sache aber zu differenziert angehe, habe ich zu viele Kategorien mit sehr geringem Aussagewert. Besser also, nur die drei klassischen Gruppen zu verwenden: Dividenden, deutsche Valuewerte und Wachstumswerte. Schauen wir uns das mal genauer an:

 

Depotaufteilung

 

Hier seht ihr die drei Kategorieren samt Zuordnung:

Mein eigentliches Ziel war und ist es, in etwa 50% Dividendenwerte in meinem Depot zu haben, die sich vor allem durch ein stabiles Geschäftsmodell und einigermaßen sichere Dividenden im 3% Bereich auszeichnen sollten. Ehrlich gesagt habe ich das noch nie wirklich erreicht, darf aber zu meiner Entschuldigung sagen, dass einige der Valueunternehmen auch eine gehörige Dividende zahlen.


Wachstumsunternehmen habe ich genug, da lasse ich erstmal die Finger davon, wiewohl  einige von ihnen einen großen Anteil an meinen bisherigen Gewinnen  haben. Wie schnell die wieder weg sein können, zeigt eine AAP,  die schon einmal deutlich höher stand. Aber das kann ich ein andersmal  diskutieren.


Valuewerte, die aktuell in Betracht ziehe, wären Scherzer und MBB Industries. Beide auf ihre Weise Holdings mit unterschiedlichen Strategien. Scherzer wurde im letzten Nebenwertejournal ausführlich vorgstellt und das Geschäftsmodell habe ich jetzt endlich mal verstanden. Sympatisch wäre mir das schon. MBB würde ich eher nicht nehmen, weil ich mit einer Gesco schon ein Holdingunternehmen im Depot habe. Scherzer mit seinem etwas anderem Ansatz da schon eher.

 

Auch bei den Dividendenwerten ist es ja nicht so, als ob es momentan keine Kaufgelegenheiten gäbe. Günstig  zu haben wäre ja z.B. eine McDonalds. Ich habe aber, gelinde gesagt, meine Zweifel, ob die es so schnell schaffen, die Kurve zu kriegen. Ab einer Dividendenrendite von 5% würde ich mir da eventuell meine Vorurteile abkaufen lassen.


Oder ich kaufe eine dieser aktuell so schön abgestürzten Öl- bzw. Rohstoffunternehmen. Bisher war ich überhaupt kein Freund davon, aber eine langfristige Spekulation auf wieder ansteigende Ölpreise wäre eine Sache, der ich prinzipiell nicht abgeneigt wäre, zumal in diesem Bereich aktuell Dividendenrenditen von deutlich über 5% zu erzielen wären. Allerdings würde ich dann warten, bis  sich die ganze Sache wieder etwas stabilisiert hätte. Wer weiß wie weit die Ölpreise noch in den Keller gehen. Darauf freihändig zu spekulieren traue ich mir nicht zu. Das wäre also Möglichkeit Nummer zwei.


Gute Dividendenzahler findet man aber auch bei einigen kleineren deutschen Unternehmen. Die sind dann vielleicht nicht so stabil, wie die großen meist amerikanischen Dickschiffe, aber dafür sehr fein. Eines davon, das ich mir aktuell genauer anschaue, ist Init Innovation. Das Unternehmen arbeitet für öffentliche Verkehrsbetriebe weltweit und hilft bei der Disposition bzw. Planung, beim effizienten Einsatz der Fahrzeuge und Fahrer,  bei der Abrechnung und dem Informationsfluss zum Kunden.


Besser bekannt ist vielleicht der kleinere Konkurrent IVU Traffic, der eher in die Wachstumskategorie gehört und neuerdings von einigen Wikifolios entdeckt wurde. Init wächst zwar auch noch immer ausreichend, vor allem aber hat sich das Unternehmen angewöhnt, eine sehr schöne Dividende im 4% Bereich zu zahlen. Es sieht auch so aus, als wollten sie das beibehalten. Beide haben leider den Nachteil auf öffentliiche Investitionen angwiesen zu  sein, andererseits würden sie von dem Megatrend zur Urbanisierung weltweit ganz klar profitieren. Beides hält sich in meinen Augen die Waage.


Die letzte Möglichkeit wäre natürlich, einfach abzuwarten. Die Volatilität und Nervosität scheint ja aktuell sehr hoch zu sein, vielleicht tauchen die Märkte ja doch noch mal weiter ab. Da mein Markttiming aber normalerweise nicht besonders gut funktioniert (siehe AT&T und SHW), sollte ich von solchen Überlegungen dann doch besser die Finger lassen. Aber so lange ich mich nicht entscheiden kann, ist abwarten ohnehin die beste Strategie.

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Pensionär (Samstag, 13 Dezember 2014 23:46)

    Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es noch weiter runter geht
    Und ich bin ganz froh, dass ich erst wieder im Februar investieren kann. Wäre das jetzt schon der Fall würde ich sofort Royal Dutch Shell,PB, BHP Billiton und Rio Tinto kaufen. Mal sehen wie sich die Kurse bis Ende Februar entwickeln.

  • #2

    f (Sonntag, 14 Dezember 2014 09:29)

    Ich nehme an du meinst BP oder?
    Die Bewertungen sind wirklich sehr verführerisch. Und langfristig werden die Ölpreise wieder nach oben gehen, da führt kein Weg dran vobei. Das Ganze ist halt ein Schweinezyklus. Und nebenbei würde ich meinen eigenen Ölverbrauch damit in gewisser Weise absichern.

  • #3

    Pensionär (Sonntag, 14 Dezember 2014 10:19)

    Ja, hab mich verschrieben. BP war gemeint. Und ja,ich würde jetzt noch welche dazu kaufen. Obwohl ich Deepwater Horizont auch zu spüren bekam.

  • #4

    f (Montag, 15 Dezember 2014 08:04)

    Ich mag halt keine Unternehmen, die fast nur von äußeren nicht vorhersehbaren Faktoren abhängig sind. Es kann ja durchaus sein, dass die Ölpreise noch das ganze nächste Jahr und vielleicht auch noch das übernächste niedrig bleiben, bevor sie letztlich wieder ansteigen (müssen). Oder schon morgen beginnt ein erneuter Anstieg wie weit auch immer. Um das zu wissen, müsste man in die Köpfe der Saudis schauen können, denn die haben das offensichtlich in der Hand. Auf so etwwas lasse ich mich ungern ein, mögen da noch so schöne Dividendenrenditen locken.

  • #5

    Portfolio Romanum (Dienstag, 16 Dezember 2014 09:53)

    Bzgl. des Ölpreises habe ich einen Artikel in der Wiwo gelesen, der meinte, dass der Ölpreis noch komplett 2015 niedrig sein wird, da momentan Überangebot herrscht und das erst danach abflachen würde. Inwiefern das stimmt kann ich nicht sagen, halte momentan aber Ölwerte auch für eine Überlegung wert.

    Bzgl. deines Entscheidungsnotstandes: Abwarten ist manchmal auch keine schlechte Alternative. Denn wenn sich eine super Gelegenheit bietet und du voll investiert bist, hast du Pech gehabt!

    Bzgl. deinen Unternehmen: Ich weiß ja nicht inwiefern du Fuchs Petrolub auf deiner Watchlist hast. Würde ich persönlich in die Kategorie deutsche Value/Dividenden einstufen.

  • #6

    f (Dienstag, 16 Dezember 2014 10:32)

    Zum Ölpreis und den beteiligten Unternehmen: Wenn ich das als kleiner deutscher Provinzler richtig beurteile, dann wollen die Saudis die Fracker in den USA ausbremsen. Dazu müssen sie die Preise noch eine ganze Weile unten halten. Ob sie das schaffen, steht in den Sternen, zumal eine sich belebende Konjunktur in den USA und in China ihnen durch eine wachsende Nachfrage einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Aber das ist momentan noch nicht absehbar, weshaalb ich glaube, dass die Preise tatsächlich noch ein gutes Jahr unten bleiben könnten.

    RDS oder BP haben neben den Ölpreisen noch ganz andere Probleme. Nämlich dass die Erschließung neuer Ölfelder immer teurer wird und sich momentan gar nicht lohnt. Begonnene Projekte abzubrechen, ist auch nicht so einfach und kostet auch erst einmal viel Geld. Wie da die Gewinne gesteigert werden sollen bzw. überhaupt auf dem aktuellen Niveau gehalten werden können, sehe ich nicht wirklich. Diversifiziertere Unternehmen wie Exxon sind da besser aufgestellt und genau deshaalb auch nicht so preiswert wie ihre europäische Konkurrenz.

    Ich glaube Fuchs Petroclub steht schon auf meiner Beobachtungsliste, seit ich mit den Aktien angefangen habe. Dazu kann ich nur sagen: Hätte ich sie nur damals gekauft. Heute sind sie mir für das zu erwartende Wachstum zu teuer und ich glaube sie zehren noch ein bisschen von dem Renomeé vergangener Zeiten.

    Es wird wohl auf die bereits erwähnte Init Innovation hinauslaufen. Leider interessiert diese Aktie der momentane Abverkauf im Dax überhaupt nicht. Schade eigentlich, aber auch ein gutes Zeichen. Gegen Ende der Woche werde ich dazu mehr schreiben und das Unternehmen nochmal ausführlicher vorstellen.

    Gruß
    Christian

  • #7

    Matthinho (Sonntag, 21 Dezember 2014 17:07)

    Hallo Christian,
    warum hast eigentlich keine Reits im Depot? Ich habe seit einem Jahr O, OHI und HCP und alle Werte liegen mit über 25% im Plus und zahlen über 5% Dividende..
    Mein Depot ist pyramidenmässig aufgebaut und die 3 Reits sind mit einem Anteil von 3% an der oberen Spitze!!
    Beste Grüsse
    Matthinho

  • #8

    f (Montag, 22 Dezember 2014 09:49)

    Hi Matthinho

    Die Diskussion gab es schon mal im Dividenden-Sammler Blog. Ich traue mir nicht zu, einen Reit zu analysieren und zu beurteilen. Das fängt schon damit an, dass viele dieser Reits immer mal wieder mehr Dividende zahlen, als Cashflow in das Unternehmen hineinfließt. ich wüsste jetzt niocht zu sagen, ob das gesund ist oder nicht. Eine ganz große Unbekannte ist auch die Bewertung der Immobilien.

    Die Diskussion gab es hier:
    http://dividenden-sammler.de/7705/dividendenzahlung-von-hcp-3/#comments
    (Leider ist die Komentarfunktion bei Jimdo nicht so komfortabel wie bei Wordpress oder ich habe es noch nicht geblickt, wie man html Befehle hier einfügt)

    Dass du mit Reits so viel Erfolg hast, ist natürlich eine tolle Sache. Ich nehme mal an, dass die Kursgewinne den niedrigen Zinsen zu verdanken sind, denn Reits sind ja mehr noch als normale Dividendenaktien ein Anleiheersatz. Da hast du mit deinem Einstieg gerade den richtigen Zeitpunkt getroffen.