Kauf von AT&T

Manchmal werden einem die Entscheidungen leicht gemacht und eine Aktie purzelt einem buchstäblich vor die Füße. So geschehen mit AT&T, deren Kurs letzte Woche auf unter 34 USD fiel und mich, der auf der Suche nach einem günstigen Dividendenwert war, freundlich anlächelte. Ich konnte nicht widerstehen und kaufte. Dividendeninvstoren wird das nun kaum überraschen, gehört doch AT&T quasi zum Kanon der Aktien, die man einfach haben muss, aber gilt das für P&G nicht auch?

 

AT&T: Steckbrief


Zum Unternehmen gibt es vermutlich nicht viel zu sagen, was die meisten Leser nicht schon wüssten. Neben Verizon ist AT&T (oder kurz "T", das amerikanische Börsenkürzel) das größte bzw. zweitgrößte (je nach Definition) amerikanische Telefonunternehmen, mit einem Umsatz von 128,7Mrd.USD (2013) und fast einer Viertelmillion Beschäftigten. Für Dividendeninvestoren ist AT&T ein Pflichtwert im Depot, bietet es doch eine Dividendenrendite von aktuell 5,4%. OK, das Wachstum ist bescheiden und für nächstes Jahr ist wohl ganz auf ein Gewinnwachstum zu verzichten, doch in Gefahr gerät die Dividende damit noch lange nicht, ist die Payoutrate doch nicht höher als 54% (bzw. 70,4% vom Free Cashflow). Mittelfristig darf man dann vielleicht mit einem Wachstum von 4-5% im Jahr rechnen. Das macht sich gleich in der niedrigen Bewertung bemerkbar: Das P/E (bzw. KGV) liegt bei nur 10,4, das Preis-Umsatz-Verhältnis bei 1,4 und die Eigenkapitalrendite bei 19%.

 

Ein unmoralisches Angebot


Dass der Preis letzte Woche so stark nach unten ging, hatte vor allem einen Grund, wenn es auch nicht der einzige war: Der kleinere Konkurrent Sprint machte den Kunden von AT&T und Verizon das Angebot, zur Hälfte ihres aktuellen Preises einen neuen Vertrag abzuschließen. Sprint hatte im letzten Jahr deutlich Kunden verloren und versucht nun auf diese geradezu selbstmörderische Weise Geschäftsanteile zurückzugewinnen. Als die ersten Details des Angebotes durchgesickert waren, stellte sich schnell heraus, dass dieses keineswegs so verlockend war, wie es zuerst den Anschein hatte. Man musste z.B ein neues Handy kaufen, selbst wenn das alte noch nicht abbezahlt, geschweige denn besonders veraltet war und außerdem mussten alle Familienmitglieder wechseln. Und bei einer allfälligen Vertragsveränderung wäre dann von Rabatt keine Rede mehr. Aber wie dem auch sei, einen Teil der Kunden von AT&T dürfte das möglicherweise gerade recht kommen und sie zu einem Anbieterwechsel veranlassen.


Kurzfristig ist das für AT&T bestimmt keine gute Sache, finanziell ist AT&T aber so stark, dass es diese Attacke des Konkurrenten mühelos abschütteln dürfte. Entweder duch direkte Konkurrenzangebote oder einfach durch Abwarten, bis Sprint finanziell die Luft ausgeht. Ein anderer Grund für den Kursverlust war die laufende Versteigerung von Frequenzen bei der Zentralregierung, bei der die Gebote offenbar schon dreimal so hoch liegen, wie erwartet. Das könnte tatsächlich nochmal  zu einem Einbruch beim Gewinn führen. Nichts Genaues weiß man nicht, solange die Versteigerung noch läuft.


5,4% sind der Kaufgrund


Der Grund für den Verkauf von P&G war, neben der hohen Bewertung, vor allem das Misstrauen gegenüber dem Konzentrationskurs bei den Marken gewesen. Der Kauf der SHW AG gehört in eine ganz andere Kategorie und ersetzt natürlich nicht einen soliden Dividendenwert (auch wenn die eine gute Dividende zahlen). Die Suche nach einem solchen erwies sich dann doch als recht schwierig, denn gerade Dividendenwerte sind momentan ziemlich teuer. Von daher sticht eine Dividendenrendite von über 5% heraus. Es gilt halt abzuwägen, ob die niedrige Bewertung und die damit verbundene Dividendenrendite mit unkalkulierbaren Risiken verbunden sind.


Meine Einschätzung, auch nach dem Studium des einen oder anderen Kommentars auf Seeking Alpha, geht dahin, dass die finanziellen Belastungen von AT&T vorrübergehender Natur sind. Die Attacke von Sprint wird früher oder später im Sande verlaufen und die Kosten der Versteigerung sind halt unvermeidbar, aber eben auch einmalig. Die Dividende ist so schnell nicht in Gefahr und dass sie erhöht wird, damit rechne ich allerdings auch nicht wirklich. 5,4% Dividende, dafür müsste P&G schon eine ganze Reihe von Jahren seine Dividende erhöhen, bis sie dort angekommen sind, 8 Jahre um jeweils 8%, um ein Beispiel zu nennen. AT&T ist für mich wie eine Anleihe, mehr nicht. So passt das auch in meine Strategie hinein: Je niedriger die Dividende, desto mehr Wachstum erwarte ich, bei über 5% rechne ich erst gar nicht damit. Und sollte P&G oder 3M in den nächsten Jahren mal wieder günstiger zu haben sein, dann spricht nichts dagegen dort wieder einzusteigen.


Mir ist natürlich klar, dass bei P&G im Falle einer kontinuierlichen Dividendenerhöhung auch das unausgesprochene Versprechen im Raum steht, dass auch der Kurs mit nach oben gezogen wird, aber wie gesagt, dazu müssten auch die Gewinne entsprechend steigen und das muss man dann abwarten. Diesmal habe ich mich für den Spatz in der Hand entschieden, Tauben habe ich schon genug auf den Dächern. 


Noch eine kurze Anmerkung zu Verizon:

Die hätten es natürlich auch sein können, verprechen sie doch etwas mehr Wachstum, wenn auch eine etwas geringere Dividendenrendite. Doch hat das Unternehmen einen entscheidenden Nachteil und das ist die Veschuldung. Mit einem Dept/Equity Verhältnis von 6,5 ist bei mir der Toleranzwert bei weitem überschritten. 


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Kommentare: 3
  • #1

    Pensionär (Dienstag, 09 Dezember 2014 17:51)

    Ich hab sie beide, VZ und T. Wobei ich AT+T schon mehr als 30 Jahre halte, sie hat sich durch ihre Dividenden schon längst selbst bezahlt.
    Anders sieht es bei Worldcom aus, hier erlitt ich einen Totalverlust.

  • #2

    f (Mittwoch, 10 Dezember 2014 07:50)

    Dann bist du ja wirklich ein alter Hase. Vor 30 Jahren gewöhnte ich mich gerade an meine neue olivgrüne Alltagskleidung und die Anrede "Schütze" ...

  • #3

    Pensionär (Mittwoch, 10 Dezember 2014 09:34)

    Ja, ja,mein Nickname passt schon.Und als ich Schütze war, hatte ich bezüglich Börse natürlich auch nix am Helm.Doch einige Jahre später kaufte ich börsennotierte Bundesanleihen.Das war mein Einstieg an der Börse.Diese Anleihen von Bahn, Post und Bund hatten eine Nominalverzinsung von über 10%. Davon kann man heute nur träümen.