Käufe und Verkäufe: PG, MMM und die SHW AG

Ein konsequenter Anhänger des Dividend-Growth- Investment (DGI) würde niemals Aktien von Procter & Gamble oder 3M verkaufen. Das ist auch ganz richtig so, insbesondere wenn man sich auf das Dividendenwachstum konzentriert und den jeweiligen Kurs völlig ausblendet. Indem man sich auf die Einnahmeseite konzentriert und die Kapitalseite nicht weiter beachtet, kann man sich vielleicht davor schützen, panikartig Aktien zu verkaufen, wenn es mit den Kursen mal wieder heftiger bergab geht. Indem man außerdem in stabile Unternehmen wie die beiden oben genannten investiert, kann man einigermaßen sicher sein, dass diese Unternehmen nicht nur jede Krise überleben, sondern darüber hinaus sogar ihre Dividenden weiterhin erhöhen werden.


Dass ich diese beiden Aktien dennoch verkauft habe, zeigt nur, dass ich tatsächlich kein absolut eingefleischter Anhänger dieser Methode bin, sondern andere Kriterien wie Bewertung und Wachstum bei mir eine noch wichtigere Rolle spielen. Stellt sich natürlich die Frage, was ich mit meinem nun vorhandenen Cash anstelle.


Gibt es noch preiswerte Dividendenaktien?


Momentan sehe ich bei den Dividendenaktien keine echte Kaufgelegenheit. Die Preise für diese Unternehmen, vor allem für die amerikanischen, sind soweit in die Höhe geschossen, dass eine angemessene Dividendenrendite momentan kaum zu erzielen ist. Hohe Renditen gibt es nur für Unternehmen, die nur sehr wenig wachsen, also auch ihre Dividenden nur mäßig bis gar nicht erhöhen werden. Das sind u.a. REITs, auf die ich eher verzichten möchte und natürlich Versorger, die aber nach meiner Ansicht zu heutigen Zeiten auch keine sichere Bank mehr sind.


Hohe Dividenden findet man aktuell noch bei deutschen Aktien, die im Gegensatz zu den amerikanischen ja einige kleinere Korrekturen hinter sich haben. Am besten gefällt mir noch die Münchner Rück, die ich auch für meine Kinder gekauft habe. Da ich selbst aber schon eine Hannover Rück mit einem großen Anteil im Depot habe, reicht es mir mit dieser Branche fürs erste. Die anderen großen Dividendenzahler sind eher der zyklischen Branche zuzurechnen und daher als klassische Dividendentitel nicht so geeignet - BASF ist so ein Fall oder BMW. Nur: wenn ich schon einen zyklischen Titel kaufe, dann bitte gleich einen richtig guten. Und die finde ich in der Regel eher bei den kleineren Werten. Gekauft wurden Aktien der SHW AG, allerdings nur mit einem Teil des Cashs, es bleiben noch Reserven für etwaige Zukäufe.


Die SHW AG


Die SHW ist eines der ältesten Unternehmen der Welt, gegründet im Jahre 1385. Produziert wird heute allerdings heute kein Eisen mehr, sondern vielmehr Pumpen für Motoren, Motorkomponenten und Bremsscheiben. Speziell der Pumpenbereich (für Öl und Kraftstoff gleichermaßen) wird damit beworben, dass dadurch der CO2 Ausstoß der Motoren gesenkt werden kann, ein entscheidendes Argument für meine Kaufentscheidung. Aber zuerst die Zahlen in aller Kürze:


Die Verschuldung ist nicht zu hoch, die Eigenkapitalquote liegt bei guten 44% (2013), die Eigenkapitalrendite bei 16%. Soweit also alles in Ordnung. Die Geschäftsentwicklung in den ersten 9 Monaten war auch recht gut, wenn auch mit Problemen behaftet:

Was mich etwas irritiert hat, sind die erhöhten Abschreibungen, die im Quartalsbericht nicht erklärt werden. Es wird nur beschrieben, dass es auf Grund erhöhter Kundenabrufe zu logistischen Problemen und zusätzlichen Aufwendungen gekommen ist. Da diese Probleme im 2. Quartalsbericht nicht auftauchten, nehme ich mal an dass die Abschreibungen sich darauf gründen.


Interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Erhöhung des operativen Cashflows. Offenbar konnte die Effizienz der Produktion nach eigener Aussage derart gesteigert werden, dass das benötigte Working Capital deutlich geringer war als im Vorjahr. Das wird natürlich als Erfolg dargestellt, kann aber durchaus auch mit ein Grund für die genannten Komplikationen gewesen sein. Eine hocheffiziente Produktion ist bei plötzlichen Störungen sehr viel schneller aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das ist aber nur eine Vermutung.


Bei dem zu erwartenden Wachstum muss ich mich natürlich auf die Analysten stützen, die für 2015 im Schnitt ein Gewinnwachstum von über 25% veranschlagen. Insofern hier nicht wieder Probleme in der Logistik und den eigenen Zulieferern auftauchen, sollte das wohl auch funktionieren.


Bewertung

 

Die Zahlen sind insoweit ganz gut, die Bewertung für einen Autozulieferer allerdings recht hoch. Ein KGV von über 14 für 2014 ist eigentlich zu viel. 2015 soll es nur noch etwas über 11 liegen, was dann im Bereich des Üblichen läge. Sollte sich das Wachstum fortsetzen rutschte das KGV dann wieder in beruhigende einstellige Bereiche. Alles hängt hier also davon ab, ob das Wachstum kommt oder nicht. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Dividende. Die Dividendenrendite liegt momentan bei über 3% und soll im nächsten Jahr deutlich ansteigen.

 

Normalerweise hätte ich auf Grund der reinen Zahlen das Unternehmen nicht unbedingt gekauft. Die Risiken sind ziemlich hoch. Ein Bericht aus dem Handelblatt hat mich allerdings sehr nachdenklich gemacht. Darin wurde der nur sehr geringe Absatz von Elektroautos in Deutschland beschrieben. Um den Durchschnitt des  CO2-Ausstoßes der Gesamtflotte zu verringern, sind die Hersteller aber auf die E-Mobile  angewiesen. Ohne einen gewissen Anteil an Elektroautos werden sie die Vorgaben kaum erreichen. Das bedeutet aber, dass auch bei konventionellen Motoren der Verbrauch nochmals deutlich abgesenkt werden muss – und das geht nur mit Hightech, z.B. den Pumpen die SHW anzubieten hat. Die Autohersteller sind da absolut auf ihre Zulieferer angewiesen. Nicht ohne Grund stellt SHW diese Kompetenz deshalb so stark in den Vordergrund. Wollen wir nur noch hoffen, dass auch die Produktion in der nächsten Zeit wieder rund läuft, dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

 

Eine Neufassung meines Depots werde ich dann am Wochende vornehmen. Das wird dann hier nachzulesen sein.

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Pensionär (Montag, 01 Dezember 2014)

    Letztes Jahr im Januar habe ich PG für 53,20 Euro gekauft. Dieses Jahr im Juli habe ich PG für 58,26 verkauft. Den Verkauf empfand ich als Fehler und habe PG am 9.10.14 für 66,15 wieder gekauft. Heute steht PG etwas über 72 Euro. Eines weiß ich ganz bestimmt: PG werde ich nie wieder verkaufen und ich würde mich freuen wenn sie auf 35 Euro fallen würde. Warum? Weil Pensionäre immer etwas Geld übrig haben...

  • #2

    Pensionär (Montag, 01 Dezember 2014 13:10)

    "Stellt sich natürlich die Frage, was ich mit meinem nun vorhandenen Cash anstelle."

    Das ist genau der Knackpunkt. Wenn du wieder in eine Qualitätsaktie a la PG investieren willst, dann wirst du keinen preisgünstigen Wert finden. D.h., es ist ein Umschichten mit gleichem Risiko, oder höheren Risiko.
    Man kann den Verkaufserlös aber als Cash-Position liegen lassen und zusehen wie alle 3 Monate die PG-Dividende fließt... aber dann eben nicht mehr auf dein Verrechnungskonto.

  • #3

    f (Montag, 01 Dezember 2014 15:02)

    Aber warum hast du sie damals zu dem Preis überhaupt verkauft? Da habe ich PG auch schon besessen und zu teuer kamen sie mir da nicht vor. Vielleicht erinnerst du dich ja noch an den Grund? Der würde mich wirklich interessieren.

    Wenn ich Pensionär wäre, hätte ich sie wahrscheinlich jetzt auch nicht verkauft, denn die steigende Rendite wäre das, worauf ich es dann absehen würde. Mein YOC läge im nächsten Jahr schließlich schon fast bei 4%. Ist halt alles eine Frage der eigenen Lebenssituation.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Dividenden allzusehr in Mode gekommen sind und dass das die Preise treibt, die klassischen Unternehmen sind ja alle sehr teuer geworden. Und du hast recht: Es tut doch ein klein wenig weh, wenn die Dividenden auf den Konten anderer Leute eintrudeln, aber nicht bei mir.
    Aber so hoch ist meine Cashposition jetzt auch wieder nicht, dass ich mich damit unwohl fühle. Mit etwas Geduld ergeben sich meistens früher oder später wieder irgendwo gute Einstiegsgelegenheiten. Warten wir mal ab, was PGs Umbau tatsächlich bringt, da bin ich halt ziemlich misstrauisch. Für das damit verbundene Risiko war mir der Preis einfach zu hoch.

  • #4

    Pensionär (Montag, 01 Dezember 2014 18:38)

    Ich muss dazu sagen, dass ich nicht nur PG verkauft habe, sondern mein ganzes Zweit-Depot. Der Dax ging durch die Decke, der Index stand bei über 10.000 Punkten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass eine starke Korrektur vor der Tür stand. Ich wollte meine Gewinne ganz einfach realisieren. Mein Zweit-Depot gibt es nicht mehr, aber PG ist jetzt im Pensionärs-Depot und was dort drinnen ist, bleibt drinnen.

  • #5

    f (Montag, 01 Dezember 2014)

    Na dann herzlichen Glückwunsch! So ganz falsch hast du da ja nicht gelegen. Kannst ja mal Bescheid geben, wenn dein Gefühl mal wieder eine Meldung abschickt.