3M - Der innovativste Gemischtwarenladen der Welt

Wer an 3M denkt, denkt hierzulande an die kleinen gelben Post-it Klebezettelchen. Diese unscheinbare aber ungemein praktische Erfindung ist in gewisser Weise zum Symbol der Innovationskraft von 3M geworden, obwohl dieses Produkt in Wirklichkeit ja nur eines unter 50000 ist und nur einen Bruchteil zum Umsatz beigetragen hat.


Was ist 3M also in Wirklichkeit? 3M untergliedert sich in 5 Geschäftsbereiche, von denen der Industriebereich mit Abstand den größten Anteil ausmacht.


 

3M ist weder ein reines Konsum- Industrie- oder auch Gesundheitsunternehmen, sondern hat von jedem ein bisschen und die Einordnung in eine Branche passt bei diesem Unternehmen überhaupt nicht, auch wenn es an der Börse unter Industrial Goods gelistet ist. Wenn ich eine 3M Aktie besitze, dann bin ich in einer Weise in Branchen diversifiziert, wofür ich normalerweise 3 bis 4 Unternehmen kaufen müsste. Schon mal ein klarer Vorteil.

 

Nachteil: Lege ich es darauf an, einen langweiligen Konsumtitel zu besitzen, bin ich bei 3M an der falschen Adresse, denn der zyklische Teil sorgt bei Rezessionen programmgemäß für Gewinneinbrüche.


Der Burggraben:  Viele Produkte und permanente Innovation

 

Der sogenannte Burggraben von 3M springt einem eigentlich direkt ins Auge: Es ist die Vielzahl an unterschiedlichsten Produkten. Keines ist so wichtig, dass es für den Gewinn des Unternehmens substanziell wäre, 3M ist wie ein riesiger Ameisenhaufen, bei dem der Verlust einer Ameise nicht schmerzt, nur dass die Ameisen alle sehr unterschiedlich sind. Gibt es bei einer Ameise ernsthafte Konkurrenz, stehen schon fünf neue bereit, um den Ausfall aufzufangen. 3M ist als Unternehmen ziemlich einzigartig und kaum zu kopieren.


Dass darüber hinaus der Nachschub an neuen Produkten nicht abreißt, liegt in der Innovationskultur des Unternehmens. Das ist bei 3M inzwischen in den Genen eingeschrieben, bereits seit den 40er Jahren dürfen Mitarbeiter 15% ihrer Arbeitszeit eigenen Projekten widmen. Und erst kürzlich beschloss der Vorstand den Forschungsetat auf 6% des Umsatzes anzuheben, was umgerechnet mehrere Hundert Millionen Dollar zusätzlich ausmachen wird. Wenn Finanzkraft und Innovationskultur aufeinandertreffen, kommt in der Regel einiges dabei heraus.


Ein risikofreies Investment ist 3M auf Grund seiner zyklischen Anteile nicht. 2008 und 2009 gab es auf Grund der Rezession einen deutlichen Gewinneinbruch. Nach einem Erholungsschub 2010 ging es dann erst einmal gemütlich bergauf. Für dieses und nächstes Jahr wird das Gewinnwachstum auf 11 bzw. 9% geschätzt, was deutlich besser ist als in den Jahren zuvor. In den Folgejahren soll das Wachstum auch weiterhin um die 10% betragen.

 


Dividende und Bewertung

 

Die Dividendenrendite liegt momentan bei bescheidenen 2,2% wobei die Dividende in diesem Jahr massiv erhöht wurde. Wenn das Unternehmen tatsächlich das prognostizierte Wachstum von durchschnittlichen 10% realisieren sollte, bedeutete dies einerseits eine Rendite für den Investor von 13,5% in diesem und dann von ca. 12% in den Folgejahren. Diese Rendite gibt es aber nur gegen das Risiko, dass im Falle einer Rezession die Prognosen zurückgenommen werden müssten. Das aktuell prognostizierte Wirtschaftswachstum ist jedenfalls in den Wachstumsprognosen für 2015 schon mit drin.


Dividendenwachstum


2,2% ist ja nicht wirklich viel, allerdings dürfen wir darauf hoffen, dass auch in Zukunft die Dividende kontinuierlich erhöht werden wird. In den letzten 20 Jahren ist die Dividende jedenfalls im Schnitt um 8% pro Jahr erhöht worden, wobei ein großer Teil der Steigerung in diesem Jahr erfolgte, als mit einem Satz die Dividende um 34% anstieg. So ein richtig schöner kontinuierlich wachsender Dividendenwert ist 3M damit eigentlich nicht.


Andererseits liegt die Payoutrate bei schlappen 43%, wobei natürlich nicht die Aktienrückkäufe mit eingerechnet sind. Insgesamt ist aber genug Luft nach oben und ich denke bei 10% Gewinnwachstum ist eine Erhöhung der Dividende um mindestens 8% in den nächsten Jahren allemal drin, vielleicht auch mehr. Das bedeutet, dass man 4 Jahre warten muss, bis die magische 3% Grenze geknackt wäre.


Bewertung


3M passt für mich in kein richtiges Schema. Einerseits mit stark zyklischem Anteil, andererseits auch viele Konsum und Gesundheitsprodukte mit von der Konjunktur unabhängigen Einnahmen. Schön diversifiziert mit Wachstumspotential. Allerdings ist die Bewertung mit einem KGV von 22 (2014) schon recht sportlich, wenn auch noch nicht komplett übertrieben, wenn man das prognostizierte 10%ige Wachstum mit einbezieht. Für 2015 läge das KGV dann in etwa bei 20. Nachkaufen würde ich auf so einem Niveau eher nicht, sondern auf günstigere Einstiegskurse warten. Bei der aktuellen Börsensituation kann es allerdings eine Weile dauern, bis die wieder kommen. Meine ersten 3M Aktien habe ich noch für unter 100€ bekommen und habe dann bei 105€ nochmals nachgelegt. Meine Gewinnerwartungen sind im Prinzip bereits erfüllt worde, aber weil ich die Qualität des Unternehmens so hoch einschätze, werde ich erst bei einer deutlichen Überbewertung verkaufen.

 

 

Vielen Dank fürs Lesen.

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