Geboren 1964, gehöre ich zu dem legendären geburtenstärksten Jahrgang, den Deutschland je erlebt hat und der mit dem Start des Blogs 2014 seinen 50. Geburtstag feiern darf. Wenn dieser Jahrgang sich in den nächsten 15 bis 20 Jahren in den Ruhestand verabschieden wird, stehen deutlich schwächere Jahrgänge bereit, um unsere Renten zu finanzieren. Auf diese simple Tatsache sind die meisten von uns noch immer nicht wirklich  vorbereitet.

Ich bin mit dem Konzept groß geworden, dass festverzinsliche Anlagen der beste Weg seien, ein zusätzliches Einkommen in Form von Zinsen zu generieren. Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren funktionierte dies hervorragend: Meine alltäglichen Ausgaben bestritt ich von den Zinsen einer verwandschaftlichen Zuwendung. Ich kann mich noch an einen Pfandbrief mit einem 12% Kupon erinnern. Aktien galten in unserer Familie  als riskant und man kannte sich halt nicht aus.  Also blieb man bei seinem Leisten. Immerhin sorgte der beständige Umgang mit einem Depot  dafür, dass ich mich an die seltsamen Gespräche mit den Bankberatern gewöhnte, mich immer stärker mit Geldanlage befasste und so langsam damit begann, über den Tellerrand der Festverzinslichen hinaus zu blicken.

 

Meine ersten Aktien habe ich dann Ende der neunziger Jahre gekauft. Damals allerdings in spekulativer Absicht und nicht, um langfristig  zu investieren. Es war die Zeit des Aktienbooms auch in Deutschland. Ich hatte sehr viel Glück, denn zu jener Zeit stieg ohnehin alles und nur sehr langsam begann ich zu begreifen mit welcher Naivität ich mich da auf ein Feld begeben hatte, von dem ich nicht wirklich viel verstand. Andererseits setzte ich nur geringe Summen ein und mein Glück blieb mir treu, denn bevor dann zum Jahrtausendwechsel die Internetblase platzte, brauchte ich jede Mark, um einen Hauskauf zu finanzieren. Von der Außenlinie konnte ich zusehen,  wie die vielen von mir beneideten Telekomaktionäre ihre schnell gewonnenen Reichtümer wieder verloren und die Aktienkultur in Deutschland den Bach runterging.

 

Nachdem es uns gelungen war unser Haus schnell abzubezahlen, verfielen wir zunächst in einen kurzzeitigen Konsumrausch, doch bald begannen wir damit, Geld anzusparen. Ich machte mir noch wenig Gedanken darum, was sich sehr schnell  änderte, als der "todsichere" Geldmarktfonds, in dem ich meine Liquiditätsreserve angelegt hatte, in der Finanzkrise mal eben 5% seines Wertes verlor. Das war für mich wie ein Weckruf. Pünktlich zum Beginn der langen bis heute andauernden Hausse interessierte ich mich wieder für Aktien. Die Basis legten aber zuerst noch Unternehmensanleihen, die damals, kurz nach dem Höhepunkt der Krise, immerhin rund 7% Rendite brachten. Das fand ich gut. Doch da die Zinsen immer weiter sanken und mir zudem bewusst wurde, dass auch große Unternehmen gelegentlich Pleite gehen können, lag es nahe, wieder zur Aktienseite hinüber zu wechseln.


Immerhin begann ich vorsichtig und es ist natürlich immer gut, in eine Hausse hinein zu investieren, so dass meine Anfängerfehler glimpflich verliefen. 2011 gab es dann eine erste kalte Dusche, doch war ich inzwischen gefestigt genug, das auszuhalten. Mit dem Auslaufen meiner festverzinslichen Anleihen und den beständig niedrigen Zinsen habe ich inzwischen fast unser komplettes liquides Vermögen in Aktien angelegt. Meine Anlagestrategie hat sich in den letzten Jahren dabei deutlich verändert und ich nehme an, sie wird sich auch weiterhin verändern. Dies und vieles mehr werdet ihr in diesem Blog verfolgen können.

 

Christian Ohm